Die Chronolithen [The Chronoliths - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-52105-6
- Переводчик: Hendrick P. Lickens
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:
»Und welchen?«
»Den in Wyoming.«
»Da ist keiner.«
»Noch keiner.«
Hitch erklärte alles so, wie er es verstand. Die Details wurden von Sue nachgeliefert.
Ein paar arbeitsreiche Jahre lagen hinter Sulamith Chopra.
»Du hast dich rausgetan«, sagte Hitch. »Hast dir dein kleines Leben mit Ashlee zurechtgezimmert. Respekt, Scotty, aber der Rest von uns hat nicht stillgestanden, nur weil du nicht mehr in die Tasten gegriffen hast.«
Die Physik der Chronolithen verstehe ich, außer im populärwissenschaftlichen Sinne, bis auf den Tag nicht. Ich weiß, dass die Technologie mit der Manipulation der Calabi-Yau-Räume zu tun hat, der kleinsten Bestandteile von Materie und Energie, und dass es einer Technik mit der Bezeichnung »langsame fermionische Dekohäsion« bedarf, damit sich diese Manipulation auf vernünftigen Energieniveaus abspielt. Aber was wirklich da unten im verfilzten Origami der Raumzeit geschieht, begreife ich so wenig wie ein Neugeborenes die Oberwelt. Es heißt, die neun-dimensionale Geometrie sei eine Art Selbstgespräch. Schade, dass ich die Sprache nicht verstehe.
Doch Sue verstand sie, und ich glaube, die Tiefe ihres Verständnisses wurde nie gebührend gewürdigt.
Die Bundesregierung hatte sie einerseits wie einen Verbündeten und andererseits wie eine Bürde behandelt, doch man hatte sie auch permanent unterschätzt. Sie war derart zu Hause in der Calabi-Yau-Geometrie, dass ich zu der Überzeugung kam, sie müsse mit wenigstens einem Fuß in dieser Welt stehen — sie hauste in diesen Abstraktionen, wie ein Astronaut in der Fremde eines fernen Planeten hausen mochte. Es gebe kein Paradoxon, meinte Sue einmal. Ein Paradoxon sei nur die Illusion, die man zu sehen bekomme, wenn man ein n-dimensionales Problem durch ein dreidimensionales Schlüsselloch betrachte. »Alles steht in Verbindung, Scotty, auch wenn wir die Schleifen und Knoten nicht sehen können. Vergangenheit und Zukunft, Gut und Böse, hier und dort. Alles ist eins.«
Deutlicher gesagt, war es Sues Mitstreitern bereits gelungen, tau-turbulente Mini-Ereignisse zu produzieren. Zwar nur Sandkörner im Vergleich zu Kuins Chronolithen, aber prinzipiell das Gleiche. Und nun glaubte Sue, die Ankunft eines Chronolithen vereiteln zu können, indem sie die gleiche Manipulation in eben dem Raumbereich durchführte, in dem sich der Chronolith manifestieren sollte.
Fast ein Jahr lang hatte sie das Projekt vorangetrieben, doch die globalen Überwachungssysteme, die die Ankunft von Chronolithen vorhersagten, waren entweder streng geheim oder in einem desolaten Zustand (oder beides) und die Militärbürokratie hatte lange gebraucht, um Sues Pläne zu prüfen und schließlich zu genehmigen. Wyoming sei die erste wirkliche Gelegenheit, meinte Hitch — und vielleicht auch die letzte. Und auch Wyoming hatte seine Tücken; der Bundesstaat war inzwischen ein Mekka für Copperhead-Milizen unterschiedlicher (häufig unverträglicher) politischer Richtungen. Gut dagegen war ein sattes dreiwöchiges Vorlauffenster und volle militärische Unterstützung. Das Projekt wurde nicht öffentlich gemacht, um nicht noch mehr Kuinisten anzulocken; es wurde geheimgehalten, aber halbherzig würde es nicht sein.
Gut und schön, sagte ich zu Hitch, aber das erkläre nicht, warum ich in einem Truck sitze und mir anhöre, was sich immer mehr wie ein Werbespot anhöre.
Hitch wurde feierlich: »Scotty«, sagte er, »das ist kein Werbespot. Nichts liegt mir ferner. Ich kann dich gut leiden, aber ich bin überzeugt, du wärst kein Gewinn für dieses Kommando. Was du hier erreicht hast, ist großartig, und es ist, weiß Gott, nicht leicht, in solchen Zeiten eine Familie zusammenzuhalten, aber was wir brauchen, sind Techniker und Ingenieure und Burschen, die mit schwerem Gerät umgehen können, und keinen, der gebrauchten Plunder auf einem Flohmarkt verhökert.«
»Sauber.«
»Entschuldige, aber sag doch selbst.«
»Nein, du hast ja Recht.«
»Sue will dich dabei haben, aus Gründen, die sie nur andeutet.«
»War nicht die Rede von einem Pfeil?«
»Na ja, es ist mehr wie dieser Zeitvertreib, wo man die Punkte verbindet. Willst du eine Geschichte hören?«
»Wenn du auf die Straße achtest.« Die Hälfte aller Straßen in Minneapolis wurde längst nicht mehr überwacht. Um Unfälle zu vermeiden, war man ganz auf die Bordsysteme angewiesen. Die Abstandsmelder schrillten, als Hitch zu nahe am Karren eines Hausierers vorbeifuhr.
»Ich hasse Verkehr«, sagte er.
Vor sechs Monaten war er im Auftrag von Sue in El Paso gewesen, um Morddrohungen nachzugehen, die sie per E-Mail bekommen hatte, obwohl ihre Adresse nur ein paar nahen Mitarbeitern hätte bekannt sein dürfen.
Morris Torrance war mit Sues Sicherheit betraut, aber nur theoretisch — praktisch oblag sie Hitch. Hitch unterhielt gute Beziehungen zu kuinistischen Kreisen und pflegte ein Image, das Gangstern auch dann noch imponierte, wenn sie zu mehreren waren. Er war kampferprobt und es gab ganz bestimmt (ich sollte vielleicht vermutlich sagen, denn ich habe ihn nie gefragt) keine Waffe, mit der er sich nicht auskannte.
Morris hatte die Drohungen bis zu einer großen kuinistischen Zelle zurückverfolgt, die von Texas aus agierte, und Hitch fuhr nach El Paso, um sich bei den örtlichen Straßengangs umzuhören. »Mein Fehler war«, sagte er, »dass ich zu viele Fragen auf einmal gestellt habe. Das kannst du dir erlauben, solange die Leute gut drauf sind. Aber diese Texaner sind verdammt paranoid. An der übernächsten Straßenecke kam jemand zu dem Schluss, ich sei ein Risiko.«
Am Ende hatten ihn zwei kuinistische Stoßtrupps auf den Hinterhof einer Autowerkstatt geschleppt und mit Hilfe einer gezähnten Machete verhört.
Hitch hielt die Linke hoch. Zeige- und Mittelfinger fehlten; den sorgfältig vernähten Stümpfen war die Brutalität der Verletzung anzusehen. Allein das Hinsehen tat schon weh.
»Mach kein Gesicht«, sagte er. »Ich habe Glück im Unglück gehabt.«
»Und das mit dem Bein?«
»Kleinkaliber im Muskel. Passierte, als ich mich davonmachte. Sie hatten so eine uralte Pistole, ein Schrottstück aus dem vorigen Jahrhundert, halb weggerostet. Und weißt du was, Scotty? Ich hab den Kerl erkannt, der geschossen hat.«
»Du hast ihn erkannt?«
»Er mich auch, glaube ich. Ich muss ihm jedenfalls bekannt vorgekommen sein, sonst hätte er besser getroffen. Es war Adam. Adam Mills.«
Ich floh instinktiv an die Beifahrertür und schob mich mit dem Rücken daran hoch und fror trotz Sommerhitze.
»Das kann doch nicht sein«, sagte ich.
»Scheiße, Mann, er war's. Er ist nicht in Portillo gestorben — er muss bei den Flüchtlingen gewesen sein.«
»Und dann lauft ihr euch in El Paso über den Weg? Einfach so?«
»Das sei kein Zufall, meint Sue. Das war die Tau-Turbulenz. Eine bedeutsame Synchronizität. Und du wärst unsere Verbindung zu Adam, Scotty. Adam Mills ist der Pfeil, und er zeigt direkt auf dich.«
»Das akzeptiere ich nicht.«
»Musst du nicht, wenn du mich fragst. Meinst du, ich hätte die Kugel in meinem Bein akzeptiert? Ganz nebenbei musste ich ein paar Leute umlegen, damit Sue diese Information bekam. Was sie draus macht, was du draus machst, geht mich nichts an.«
»Du hast Menschen umgebracht?«
»Was meinst du wohl, was ich so mache, Scotty? Im Land herumfahren und den Moralapostel spielen? Ich habe Leute umgelegt, ja.« Er schüttelte den Kopf. »Siehst du, und das regt mich auf. Du siehst mich an und siehst diesen großen, bunten Freund, mit dem du dich früher in Chumphon herumgetrieben hast. Aber ich hatte schon jemanden umgebracht, da kannte ich noch gar keinen Scotty. Sue weiß das. Ich habe damals mit Drogen gehandelt und nicht mit Angelzeug. Man kommt eben manchmal in Situationen. Damals wie heute. Deine Art von Gewissen habe ich nicht. Ich weiß, du hältst dich für einen moralischen Versager, weil du die Sache mit Janice und Kait versaut hast, aber ganz tief innen, Scotty, da bist du ein Familienmensch. Das ist so.«