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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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Ashlee goss Kaffee nach und verstand es, die Unterhaltung ein wenig aufzulockern, derweil ich versuchte, nicht an den Mann auf der anderen Straßenseite zu denken. Ich ertappte mich dabei, wie ich Kait beobachtete, die unauffällig David beobachtete. Ich war stolz auf Kait. Sie hatte es nicht einfach gehabt (das ging allen Zeitgenossen der Chronolithen so), doch sie hatte im Laufe der Zeit eine Würde gewonnen, die mitunter wie ein inneres Licht durch ihre Haut zu brechen schien. Es war das Wunder unserer kurzen Zweisamkeit, dass Janice und ich nichtsahnend diese kraftvolle menschliche Seele freigesetzt hatten. Wir hatten — ohne unser Zutun — Güte geschaffen.

Kait und David brauchten aber ihre letzten Stunden für sich. Ich bat Ashlee, sie heimzufahren. Ash bedachte mich mit einem scharfen, neugierigen Blick, willigte aber ein.

Ich gab David die Hand und wünschte ihm alles Gute. Ich schloss Kait in die Arme. Und als die drei weg waren, ging ich ins Schlafzimmer, holte oben aus dem Wäscheschrank die Pistole und entsicherte sie.

Ich habe wohl bereits erwähnt, dass in den frühen Dekaden dieses Jahrhunderts, in denen ich aufgewachsen bin, Waffen strikt abgelehnt wurden. (Besagtes Jahrhundert schwebt, während ich diese Worte schreibe, am Rand seines letzten Viertels… doch ich will mich nicht selbst überholen.)

Während der Unruhen waren Handfeuerwaffen wieder in Mode gekommen. Die meine ging mir gegen den Strich — nebenbei kam ich mir wie ein Pharisäer vor —, doch ich war zu der Überzeugung gekommen, dass es nur vernünftig war, eine zu besitzen. Also hatte ich die erforderlichen Kurse absolviert, alle Formulare ausgefüllt, den Waffenbesitz und mein Genom bei ATF[31] registrieren lassen und mir eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe besorgt, die meine (und sonst niemandes) Fingerabdrücke erkannte, wenn ich sie anfasste. Ich besaß die Waffe seit gut drei Jahren und hatte sie bis jetzt nur auf dem Schießplatz abgefeuert.

Ich steckte sie ein, stieg vier Treppen zum Hausflur hinunter und ging über die Straße auf das geparkte Auto zu.

Der Bärtige auf dem Fahrersitz zeigte sich unbefangen. Er lächelte, nein, grinste mir entgegen. Als ich nahe genug war, um mich verständlich zu machen, sagte ich: »Sie müssen mir erklären, was Sie hier machen.«

Sein Grinsen wurde breiter. »Sie erkennen mich wirklich nicht, stimmt's? Sie haben nicht den leisesten Schimmer.«

Womit ich nicht gerechnet hatte. Die Stimme klang tatsächlich vertraut, aber ich konnte sie nicht zuordnen.

Er streckte die Hand aus dem Seitenfenster. »Ich bin es, Scott — Ray Mosely. Früher war ich fünfzig Pfund schwerer. Der Bart ist neu.«

Ray Mosely. Sue Chopras Vertretung und glücklose Hofschranze.

Ich hatte ihn nicht mehr gesehen, seit… das war noch vor Kaits Abenteuer in Portillo gewesen — seit ich mich aus alledem herausgehalten hatte, um ein neues Leben mit Ashlee zu beginnen.

»Ja, zum Kuckuck«, war alles, was ich herausbrachte.

»Sie haben sich kaum verändert«, sagte er. »Gott sei Dank, da war es nicht so schwer, Sie aufzustöbern.«

Ohne die Pfunde sah er fast ausgemergelt aus, daran konnte auch der Bart nichts ändern. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. »Sie hätten mich nicht belauern brauchen, Ray. Sie hätten raufkommen und Hallo sagen können.«

»Naja, Menschen verändern sich. Wen hätte es gewundert, wenn Sie sich zu einem feuerspeienden Copperhead entwickelt hätten?«

»Arschloch.«

»Nein, es ist wichtig. Wir brauchen nämlich Ihre Hilfe.«

»Wir?«

»Vor allem Sue. Sie braucht fürs Erste eine Bleibe.«

Ich war noch mit der Informationsverarbeitung beschäftigt, als das hintere Seitenfenster herunterschnurrte und Sue höchstpersönlich ihren klobigen erdnussförmigen Kopf aus dem Dunkel ins Laternenlicht steckte.

Sie grinste. »He, Scotty«, sagte sie. »So sieht man sich wieder.«

Neunzehn

In den vergangenen sieben Jahren hatte ich Ashlee eine Menge über Sue Chopra und ihre Clique erzählt. Was nicht heißt, dass Ash sich freute, als sie heimkam und gleich zwei von diesen Auserwählten auf ihrer Wohnzimmercouch saßen.

Nach Portillo war mir klar geworden, dass mein Leben mit Ashlee und meine Arbeit für Sue Chopra einander ausschlossen; ich musste mich entscheiden. Sue glaubte weiterhin fest daran, den Vormarsch der Chronolithen nicht nur stoppen, sondern auch umkehren zu können, vorausgesetzt, wir verfügten über die geeignete Technik oder verstanden wenigstens die zugrundeliegende Physik. Was ich ehrlich gesagt bezweifelte. Schon der Begriff an sich: »Chronolith« — ein hässliches Kurzwort, dass irgendein völlig unmusikalischer Journalist kurz nach Chumphon geprägt hatte, ein Wort, das ich nie gemocht, aber wegen seiner Trefflichkeit schätzen gelernt hatte. Chronos, Zeit, und lithos, Stein: Traf das nicht genau ins Schwarze?

Versteinerte Zeit. Eine Zone absoluter Determiniertheit, umgeben von einem schaumigen Mantel aus kurzlebigen Erscheinungen (Menschen zum Beispiel), die zurechtgemorpht wurden, bis sie saßen.

Ich wollte nicht zurechtgemorpht werden. Das Leben, das ich mit Ashlee führen wollte, war dasjenige, das mir die Chronolithen gestohlen hatten. Ashlee und ich waren von Tucson zurückgekehrt, um unsere Wunden zu lecken und einander zu geben, was wir an Kraft zu bieten hatten. Für Ashlee wäre nicht viel geblieben, wenn ich weiter für Sulamith Chopra gearbeitet hätte, wenn ich mich weiterhin der Tau-Turbulenz ausgesetzt und nicht aufgehört hätte, mich vom Schicksal instrumentieren zu lassen.

Nicht, dass wir keine Verbindung mehr hatten. Sue rief gelegentlich an, um sich Rat zu holen, obwohl ich professionell wenig ausrichten konnte ohne Zugang zu ihren Mil-Spec-Codebrütern.[32] Meist rief sie aber an, um mich auf dem Laufenden zu halten, ihren Optimismus oder Pessimismus mit mir zu teilen oder einfach nur zu plaudern. Sie fand, glaube ich, ihre helle Freude an dem Leben, das ich mir zurechtgezimmert hatte — als sei es etwas Exotisches; als gebe es nicht Millionen solcher Familien, die zusehen mussten, wie sie über die Runden kamen. Ich hatte aber nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass sie mir in einer solchen Nacht- und-Nebel-Aktion auflauern würde.

Sicher, Ash hatte am Telefon ein paar Worte mit Sue gewechselt, aber die beiden waren sich nie vorgestellt worden, und Ray war ihr völlig fremd. Ich übernahm die Vorstellung mit einer Begeisterung, die vielleicht zu dick aufgetragen war. Ashlee nickte, schüttelte Hände und zog sich in die Küche zurück, »um Kaffee zu machen«, das hieß, um Zeit zu schinden und um die Anwesenheit der beiden zu verdauen.

Es sei wirklich nur ein Besuch, versicherte Ray. Sue unterhielt immer noch ihr Netzwerk an Verbindungen zu den übrigen Chronolithenforschern und hatte auf ihrer Fahrt in den Westen ein paar Kontakte aufgefrischt. Und sie hing trotz diverser Widersacher im Kongress längst wieder am Tropf der Bundesmittel. Ihre Arbeit, meinte sie, leide aber kolossal unter der ganzen Geheimniskrämerei, die neuerdings sogar zwischen den Behörden greife und von schwer durchschaubaren bürokratischen Rivalitäten bestimmt werde. Ja, sie sei geschäftlich in Minneapolis, wolle aber eigentlich nichts weiter als ein weiches Kopfkissen für nicht mehr als zwei, drei Nächte.

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31

ATF = (USA: Federal Bureau of) Alcohol, Tobacco, and Firearms

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32

mil-spec = military-specification = militärischen Anforderungen entsprechend

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