Die Chronolithen [The Chronoliths - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-52105-6
- Переводчик: Hendrick P. Lickens
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:
Sie lächelte traurig. »Ich weiß, und David wusste es auch. Das Verrückte ist, Whit wollte nichts davon hören. Er lehnt den Krieg ab, aber das Gesetz zu brechen und die Familie in Schwierigkeiten zu bringen? Um Himmels willen! Tatsache ist, David hatte Angst, Whit könnte ihn anzeigen, wenn er untertaucht.«
»Und? Hätte Whit das getan?«
Sie zögerte. »Ich will ihn nicht schlecht machen…«
»Ich weiß.«
»Ja, vielleicht. Ich glaube, er wäre fähig dazu.«
Es war nicht weiter verwunderlich, dass sie Albträume hatte.
Ich sagte: »Janice ist doch jetzt viel mehr zu Hause, seit sie ihre Stelle verloren hat.«
»Gott sei Dank. Ich weiß, sie vermisst David auch. Aber sie redet nicht über Krieg oder Kuin oder Whits Einstellung. Das ist vermintes Gelände.«
Die Loyalität, die Janice ihrem zweiten Mann entgegenbrachte, war bemerkenswert und wohl auch bewundernswert, obwohl ich lange gebraucht habe, um es so zu sehen. Wann wird Loyalität zum Martyrium, und wie gefährlich war Whitman Delahunt überhaupt? Doch solche Fragen durfte ich Kait nicht stellen.
Kait hätte sie auch nicht beantworten können, genauso wenig wie ich.
Als ich nach Hause kam, lag Ashlee schon im Bett. Sue und Ray saßen am Küchentisch über einer Karte der westlichen Bundesstaaten gebeugt und unterhielten sich leise. Ray verstummte jählings, als ich eintrat, doch Sue lud mich ein, mich dazuzusetzen. Ich lehnte höflich ab, sehr zu Rays Erleichterung, und gesellte mich lieber zu Ashlee, die zusammengerollt auf ihrer Seite lag, das Laken nach unten gestrampelt, die nächtliche Brise lockte eine Gänsehaut auf ihren Oberschenkel.
Sollte ich mich am Ende schuldig fühlen, weil ich kein privates Martyrium gesucht oder gefunden hatte: wie Janice, die von ihrem Pflichtgefühl an Whit gefesselt war; wie David, der nach China unterwegs war wie eine Kugel ins Ziel, gerade so ersetz- und austauschbar; oder wie mein Vater, der sein Leben als Martyrium rechtfertigte? (Ich war bei ihr, Scotty.)
Als ich mich aufs Bett rollte, regte sich Ashlee, murmelte und presste sich an mich, warm in der nächtlichen Kühle.
Ich versuchte mir vorzustellen, wie es sein musste, wenn Martyrium rückwärts lief. Wie wunderbar, der Göttlichkeit zu entsagen, vom Kreuz herunterzusteigen, von der Verklärtheit zur schlichten Weisheit zu reisen, um zu guter Letzt bei der Unschuld zu landen.
Zwanzig
Hitch fehlten zwei Finger der linken Hand, und er humpelte. Und das Lächeln schien ihm auch nicht mehr so leicht zu fallen, obwohl er Sue anlächelte und mich mit einem durchaus freundlichen Blick taxierte. Natürlich zauberte er kein Lächeln auf Ashlees Gesicht.
Ashlee arbeitete in der städtischen Wasseraufbereitungsanlage, schrieb die Zustandsberichte für die Behörden und bearbeitete die Außenstände für die Finanzverwaltung. Sie kam müde nach Hause und wäre beim Anblick von Hitch Paley beinahe ohnmächtig geworden, und das, obwohl Hitch einen passablen Anzug trug und sich sogar an einem Schlips versucht hatte. Hitch blieb eine schlechte Erinnerung für Ashlee — er war dabei gewesen, als sie Adam verloren hatte.
Sie erkannte natürlich nicht den früheren FBI-Papiertiger Morris Torrance, der inzwischen noch kahler war als Ray Mosely und ebenfalls mit dem Lieferwagen gekommen war, der jetzt vor dem Haus parkte. Ich wollte Ashlee mit ihm bekannt machen, aber sie meinte nur in einem flachen Tonfalclass="underline" »So viele können wir nicht unterbringen, Scott. Auch nicht für eine Nacht.«
Der Aussetzer in ihrer Stimme spiegelte ein bisschen Angst und eine Menge Unmut.
»Wo denkst du hin«, sagte Hitch hastig. »Die Zimmer im Marriott sind schon reserviert. Schön, dich zu sehen, Ashlee.«
»Dich auch«, sagte sie.
»Und danke, dass wir bleiben durften«, warf Sue Chopra ein. »Ich weiß, wir haben euch Umstände gemacht.«
Ashlee nickte, vielleicht besänftigt durch den Anblick von Sue mit ihrem geschnürten Bündel. »Das Marriott?«
»Wir können nicht klagen«, meinte Sue.
Derweil Sue und Ray fertig packten, ging ich mit Hitch zum Lieferwagen. Hitch verstaute Sues Bündel, dann legte er mir die Hand auf die Schulter. »Wenn du Zeit hast, Scotty, ich könnte morgen ein bisschen Hilfe brauchen.«
»Hilfe? Wobei?«
»Schweres Gerät kaufen. Dieselgeneratoren zum Beispiel.«
»Ich kenn mich nicht aus mit Maschinen.«
»Hauptsache, du kommst mit.«
»Morgen ist Werktag.«
»Wegen dem Stand auf dem Flohmarkt? Nimm dir frei.«
»Kann ich mir nicht leisten, Hitch.«
»Doch, kannst du. Das ist eingeplant.«
Er nannte einen Stundenlohn. Bei acht Stunden eine fürstliche Summe, nur um den Beifahrer zu spielen; und das, wo seine Freunde bei mir Asyl gesucht hatten. Hitch war offensichtlich mit Geld in die Stadt gekommen und das Angebot war verlockend. Aber ich zögerte.
»Überleg mal«, sagte er. »Wir verfügen über ein Kreditkonto des Verteidigungsministeriums, nicht ewig, versteht sich. Die Knete ist da, und ich kann mir denken, dass du nicht einfach blaumachen kannst. Und es sind wirklich ein paar Sachen zu bereden.«
»Hitch…«
»Und was kann es schaden?«
Das war die entscheidende Frage. »Mein Gefühl sagt, da steckt mehr dahinter.«
»Ja, sicher. Tut es, tut es. Darüber reden wir morgen. Ich rufe vom Hotel aus an, dann sehen wir weiter.«
Ich sagte: »Warum ich?«
»Weil der Pfeil auf dich zeigt, mein Freund.« Er hievte sich hinters Steuer, zog eine Grimasse, als er das lädierte Bein nachzog. »Meint Sue.«
So kam es, dass ich am sonnigen Morgen mit Hitch Paley in die schäbigen Industrieparks am Westufer fuhr. Die Klimaanlage des Lieferwagens war kaputt. (Was nicht anders zu erwarten war: Ersatzteile standen hoch im Kurs, die meisten gingen ans Militär.)
Die Luft draußen war trocken und kletterte Richtung Ofenhitze, und Hitch hielt die getönten Seitenfenster geschlossen, aber die Lüftungen weit geöffnet. Bis wir am Ziel waren, stank es im Wagen nach heißem Vinyl, Motoröl und Schweiß.
Hitch hatte einen Termin beim Verkaufsleiter von Tyson Brothers, einem Großhandel für Maschinen und Maschinenteile. Ich folgte Hitch durch den Empfang ins Büro des Mannes, machte es mir bequem und musterte die welke Zierfeige und den nichtssagenden Wandschmuck, derweil Hitch den Direktkauf von kleinen Erdbewegungsmaschinen, Generatoren und reichlich Ersatzteilen verhandelte: Zwei von den Erstgenannten, das ging ja noch, aber die Anzahl der Generatoren hätte gereicht, den Strombedarf einer Kleinstadt zu decken. Der Verkaufsleiter war unverkennbar neugierig und fragte zweimal, ob wir unabhängige Unternehmer seien; er schien verstört, als Hitch der Frage auswich. Doch er war ebenso unverkennbar entzückt, als er den Auftrag schrieb. Ich will es nicht beschwören, aber Hitch hat meines Wissens die Tyson Brothers vor dem Bankrott gerettet oder wenigstens geholfen, das Unvermeidliche hinauszuschieben.
Jedenfalls gab er in wenigen Stunden mehr Geld aus, als ich im letzten Jahr eingenommen hatte. Er hinterließ eine Telefonnummer mit dem Hinweis, es werde sich jemand melden, um die näheren Einzelheiten der Lieferung abzusprechen, winkte der Empfangsdame mit der unversehrten Rechten zu und schlenderte an ihr vorbei in die Hitze hinaus. Im Lieferwagen sagte ich: »Was habt ihr vor — ein großes Loch graben und es mit Licht fluten?«
»Ein bisschen ehrgeiziger sind wir schon, Scotty. Wir haben vor, einen Chronolithen zu Fall zu bringen.«
»Mit zwei Flachbaggern?«
»Die sind nur zum Auffüllen da. Ganz in der Nähe liegt ein Pionierbatallion mit Gerät, das nur auf Sues Stichwort wartet.«
»Ihr wollt also wirklich einen Chronolithen schleifen?«
»Sue sagt, wir können. Glaubt sie.«