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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Sucht Ihr jemanden, Herr Doktor?« fragte ein in der Nähe liegender Korporal.

»Ja, Kerl, natürlich. Oder meint Er, ich stehe hier zum Spaß herum, nur um mir den Atlantik anzuschauen?«

Die scharfe Antwort bewirkte, daß der Korporal sichnun doch endlich erhob und zu dem Mann hintrat, der ihnen allen das Leben gerettet hatte.

»Ihr müßt entschuldigen, Herr Doktor, uns sitzt nämlich der Schreck noch gewaltig in den Gliedern. Der Schlaf in der frischen Luft hat uns gut getan. Ich für meinen Teil stehe Euch jetzt zur Verfügung. Kann ich etwas für Euch tun?« Michel sah sich sein Gegenüber belustigt an.

»Für mich?« fragte er lachend, »nein, es wäre wahrhaftig vernünftiger, wenn ihr alle so schnell wie möglich etwas für euch selber tätet. Oder glaubt ihr vielleicht, daß das Schiff seinen Hafen ohne Segel und mit zerbrochenem Ruder findet?« Der Korporal sah ihn verlegen an.

»Wir verstehen nichts von der Seefahrt, Herr Doktor; ich glaube nicht, daß hier auch nur ein einziger ist, der so viel Wasser auf einmal gesehen hat. Hätte nie für möglich gehalten, daß es sowas überhaupt gibt. Die englische Flotte, die uns in die britischen Kolonien bringen sollte, bestand immerhin aus mehreren Schiffen, und wir sahen noch etwas anderes als Wasser und unseren kleinen Kahn. Aber jetzt — —«

»Oh«, meinte Michel, »was die Wassermassen anbelangt, da gebt euch keinen Illusionen hin. Der Atlantik ist ein mittelgroßer Teich gegen den Pazifik, mit dem ihr hoffentlich nie in Berührung kommen werdet. Aber es hat wenig Zweck, Geographie zu treiben oder gar zu philosophieren. Wenn wir irgendwo an Land gehen wollen, müssen wir zuerst die Fregatte wieder klarmachen. Sollte allerdings ein Sturm kommen, dann werdet ihr die Heimat nie wiedersehen.«

Michel richtete den Blick zum Himmel. Soweit er das beurteilen konnte, gab es keinen Anlaß, von einem Sturm zu sprechen. Aber er sagte sich ganz richtig, daß es nichts schaden könnte, wenn man den Männern ein wenig Angst machte, damit sie den Ernst der Lage begriffen.

Die Wirkung seiner Worte blieb auch nicht aus.

»Ein Sturm, Herr Doktor? Meint Ihr wirklich, daß--«

»Ich meine gar nichts, Freund. Wir werden es schon schaffen. Aber wenn ihr noch lange in den Tag hinein faulenzt, dann können wir mit allerlei Überraschungen rechnen. Los, wir müssen ran! Hört mal zu, Männer«, wandte er sich an alle, die in seiner Nähe lagen, »ihr habt jetzt genug geschlafen. Untersucht mal das ganze Schiff von oben bis unten, ob ihr irgendwelche Lappen findet, die sich als Segel verwenden lassen. Wenn ihr genug beisammen habt, werden wir weitersehen. Wir müssen trachten, nach Norden oder nach Westen zu segeln. Entweder erreichen wir das Festland von Nordamerika, oder wir landen vorübergehend an einer der Antillen-Inseln. Wenn wir erst an Land sind, kann jeder selbst entscheiden, was er tun will. Vorerst aber geht es ums nackte Leben.«

Michel ließ seinen Blick in die Runde schweifen. Die Soldaten hatten sich schon bei seinen ersten Worten erhoben und einen Kreis um ihn gebildet. Allseitiges Nicken bedeutete Zustimmung, und sofort setzte eine fieberhafte Tätigkeit ein.

Jeder kennt wohl die dumpfe Verzweiflung und Lähmung, die sich des Menschen allzu leicht in hoffnungslos scheinenden Lagen bemächtigt. Gleichgültigkeit ist der gefährlichste Feind des Menschen. Dann muß jemand dasein, dem man Vertrauen entgegenbringt.Michels erste Aufgabe mußte also sein, die Hoffnungslosigkeit und Trägheit der Männer zu besiegen. Das war nicht leicht; denn er selbst hatte nicht viel Hoffnung, mit diesen Landratten die kommenden Schwierigkeiten zu überwinden. Er wußte aber auch, daß hier nur der zähe Wille eines Mannes zum Ziel führen konnte.

Eine Weile sah er dem emsigen Treiben zu, das inzwischen eingesetzt hatte; dann ging er zu der Luke, die zum Zwischendeck führte. Er fand es eigenartig, daß es offensichtlich die einzige Sorge der Spanier und auch des Grafen Eberstein gewesen war, unter Deck irgendwo ein geschütztes Fleckchen zum Schlafen zu finden.

Des Nachts, als sein Boot zur »Quebec« gestoßen war, als man sich dank seines Mutes vor einem Angriff der »Trueno« nicht mehr zu fürchten brauchte, war Graf Eberstein als erster unsichtbar geworden, und schließlich sah man auf Deck nur noch den alten Kapitän Porquez, der jedoch auch bald verschwand, weil er sah, daß er mit den Landsoldaten nichts anfangen konnte. Sie verstanden nicht einmal die gebräuchlichsten Schiffsbefehle und seemännischen Ausdrücke in ihrer Muttersprache, wieviel weniger die Kommandorufe des Spaniers. Capitan Porquez hatte nur den Kopf geschüttelt und war dann ebenfalls unter Deck gegangen.

Michel stieg die Stufen zu den Kabinen hinab. Unten stieß er mit dem Fuß gegen etwas Weiches. Als seine Augen sich an das Zwielicht gewöhnt hatten, blickte er in das fahle Gesicht eines toten Engländers, den man am Vortag nicht fortgeschafft hatte. Die rote Jacke machte ihn als britischen Untertan kenntlich.

Michel trat über ihn hinweg und schritt weiter, bis er zu jener Tür gelangte, hinter der er die Kapitänskajüte vermutete.

Er öffnete und trat ein. Sein Blick wurde finster.

Auf dem großen Bett lagen Graf Eberstein und Alfonso Jardin in tiefem Schlaf. Davor, auf einer Fellmatte, hatte der Kapitän Lager bezogen. Ojo und Deste lagen bewegungslos über den Tisch hingestreckt. Der Fußboden war von Weinlachen bedeckt. Es roch wie in einer Kneipe am Morgen, wenn der letzte Gast gegangen war und der Wirt noch nicht gelüftet hatte. Michel konnte eine solche Verantwortungslosigkeit nicht begreifen. Denn von den Männern, die hier lagen, hing das Schicksal des ganzen Schiffes ab. Gewiß, auch er hatte sich niedergelegt, aber nur, um im Schlaf neue Kräfte zu sammeln. Aber diese Caballeros ...? Sie hatten ja nicht einmal etwas zu ihrer eigenen Befreiung getan, sondern auch diese ihm, dem Silbador, praktisch überlassen.

»Hola«, schrie er sie an, »wollt ihr so lange schlafen, bis euch die Haie aufgefressen haben, Senores? He, wacht doch auf, ihr Weinschläuche!«

Er packte Diaz Ojo, der ihm am nächsten war, bei den Haaren und zog ihn zu sich empor. Aber Ojo lallte nur unverständliches Zeug und schlief in der für wache Menschen sicherlich recht schmerzhaften Hängestellung weiter. »Deste! Deste! Was ist mit dir?«

Es war das gleiche. Nicht besser erging es ihm mit Eberstein und Jardin. Sich an dem weißhaarigen Kapitän zu vergreifen, erschien ihm ungebührlich. So wandte er sich ab, verließ die Kajüte, verschloß die Tür, damit nicht zufällig ein vorüberkommender Soldat die Szene bemerkte, und eilte zurück an Deck.In der Nähe des zerbrochenen Klüverbaums fand er einen Holzkübel, den er an einer Kette zu Wasser ließ. Mit vollem Eimer begab er sich wieder unter Deck. Er hatte inzwischen seine gute Laune wiedergefunden.

Das Bild, das Jardin und Eberstein boten, schien ihm am verlockendsten. Ein kräftiger Schwung mit dem Eimer — Schwapp!

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