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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Rand schlug mit einem solchen Ruck auf dem Boden auf, daß es ihn bis zu den Zähnen durchschüttelte; doch plötzlich stand der Graue still, mit geblähten Nüstern und rollenden Augen, steifbeinig und zitternd. Rand zitterte auch und hing beinahe nur noch an dem Zügel. Der Ruck muß das närrische Tier auch erschüttert haben, dachte er. Er atmete ein paarmal unregelmäßig aus und ein. Dann war er in der Lage, sich nach den anderen umzusehen.

In der Gruppe war das blanke Chaos ausgebrochen. Sie klammerten sich an die Zügel, die von ruckartigen Bewegungen der Pferdeköpfe hin und her gerissen wurden, und versuchten mit wenig Erfolg, die sich aufbäumenden Pferde zu beruhigen, von denen sie in diesem Durcheinander herumgezerrt wurden. Nur zwei von ihnen hatten offensichtlich keine Schwierigkeiten mit ihren Reittieren. Moiraine saß aufgerichtet im Sattel. Die weiße Stute trat einen Schritt zurück, um dem Durcheinander zu entgehen, als sei nichts Außergewöhnliches geschehen. Lan stand am Boden und beobachtete den Himmel. In der einen Hand hielt er sein Schwert, in der anderen die Zügel. Der schlanke schwarze Hengst stand ruhig neben ihm.

Aus Wachhügel hörte man keinen Laut mehr. Die Dorfbewohner mußten den Schrei auch gehört haben. Rand wußte, sie würden eine Weile lauschen und vielleicht Ausschau halten, was ihn verursacht hatte, sich dann aber wieder ihrer Feier zuwenden. Bald würden sie den Vorfall vergessen. Die Erinnerung würde in Liedern, Essen, Tanz und Unterhaltung untergehen. Vielleicht würden sich einige wieder daran erinnern, wenn sie davon hörten, was in Emondsfeld geschehen war. Eine Fiedel begann mit ihrem Spiel, und einen Augenblick später fiel eine Flöte mit ein. Das Dorf setzte die Feier fort.

»Sitzt auf!« kommandierte Lan knapp. Er schob sein Schwert in die Scheide und sprang mit einem Satz auf den Hengst. »Der Draghkar hätte sich nicht gezeigt, wenn er nicht zuvor dem Myrddraal berichtet hätte, wo wir uns befinden.« Ein weiterer schriller Schrei drang zu ihnen herunter, schwächer, doch genauso furchteinflößend. Die Musik in Wachhügel verstummte mit einem Mißton. »Er folgt uns nun in der Luft und zeigt dem Halbmenschen, wo wir sind. Er wird nicht weit weg sein.«

Die Pferde, die nun ausgeruht, aber verängstigt waren, tänzelten und scheuten vor denen Reitern, die sie zu besteigen versuchten. Der fluchende Thom Merrilin war der erste im Sattel, aber dann saßen auch die anderen bald auf. Alle bis auf einen.

»Mach schnell, Rand!« rief Egwene. Der Draghkar schrie erneut schrill auf, und Bela wollte weggaloppieren, bevor sie sie mit straffem Zügel unter Kontrolle bekam. »Beeil dich!«

Aufgeschreckt merkte Rand, daß er, anstatt auf Wolke aufzusitzen, die ganze Zeit dagestanden und in den Himmel gestarrt hatte in einem vergeblichen Versuch, die Quelle dieser bösartigen Schreie auszumachen. Und noch mehr: Unbewußt hatte er Tams Schwert gezogen, als wolle er mit der fliegenden Kreatur kämpfen.

Sein Gesicht rötete sich. Er war froh, daß die Nacht es verbarg. Ungeschickt — eine Hand war ja mit dem Zügel beschäftigt — steckte er die Klinge in die Scheide zurück, während er sich hastig nach den anderen umsah. Moiraine, Lan und Egwene sahen ihn an, aber er war nicht sicher, was sie im Mondlicht erkennen konnten. Die anderen schienen zu sehr damit beschäftigt, ihre Pferde unter Kontrolle zu halten, um groß auf ihn zuachten. Er faßte das Sattelhorn mit einer Hand und sprang mit einem Satz in den Sattel, als habe er sein ganzes Leben lang nichts anderes getan. Falls einer seiner Freunde das mit dem Schwert bemerkt hatte, würde er sicherlich später noch etwas zu hören bekommen. Zeit genug, um sich dann Gedanken darüber zu machen.

Sobald er im Sattel saß, ging es im Galopp weiter die Straße hinauf und an dem kuppelförmigen Hügel vorbei. Hunde bellten im Dorf — ihr Vorbeireiten war nicht ganz unbemerkt geblieben. Vielleicht haben die Hunde auch Trollocs gerochen, dachte Rand. Sowohl das Bellen als auch die Lichter des Dorfes verschwanden schnell hinter ihnen.

Sie ritten in einer losen Gruppe. Die Pferde berührten sich beinahe. Lan befahl ihnen zwar, wieder in einer Reihe zu reiten, doch keiner wollte in der Nacht allein sein. Von hoch droben ertönte ein Schrei. Der Behüter gab auf und ließ sie nebeneinander weiterreiten.

Rand ritt dicht hinter Moiraine und Lan. Der Graue strengte sich an, sich zwischen den Schwarzen Lans und die schlanke Stute der Aes Sedai zu drängen. Egwene und der Gaukler galoppierten jeder an einer Seite Rands, während seine Freunde von hinten nachdrängten. Wolke, der von den Schreien des Draghkars zu schnellerem Lauf angespornt wurde, rannte so, daß Rand nicht in der Lage war, ihn zurückzuhalten, selbst wenn er gewollt hätte. Und doch konnte der Graue keinen einzigen Schritt den beiden anderen Pferden gegenüber aufholen.

Der Schrei des Draghkars forderte die Nacht heraus.

Die kräftige Bela rannte mit gestrecktem Hals. Schweif und Mähne flatterten im Wind. So hielt sie sich Schritt für Schritt neben den größeren Pferden. Die Aes Sedai muß mehr getan haben, als sie nur von ihrer Müdigkeit zu befreien.

Egwenes Gesicht zeigte im Mondlicht eine erregtglückliche Miene. Ihr Zopf flog hinter ihr her wie die Mähne der Pferde, und das Glitzern in ihren Augen rührte nicht nur vom Mond her, da war sich Rand sicher. Sein Mund stand vor Überraschung offen, bis ein verschlucktes Insekt einen Hustenanfall auslöste.

Lan mußte etwas gefragt haben, denn Moiraine überschrie plötzlich den Wind und das Donnern der Hufe: »Ich kann nicht! Vor allem nicht vom Rücken eines galoppierenden Pferdes aus. Man kann sie nicht so leicht töten, selbst wenn man sie sieht. Wir müssen fliehen und hoffen!«

Sie stürmten durch eine Nebelschwade. Sie war dünn und reichte den Pferden nur bis an die Knie. Wolke war in zwei Sätzen hindurch, und Rand blinzelte überrascht. Hatte er sich den Nebel nur eingebildet? Sicher war diese Nacht viel zu kalt für Nebel. Ein weiterer Fleck zerfledderten Graus flog an seiner Seite vorbei, größer als der erste. Er war gewachsen, als quölle der Nebel aus dem Boden. Über ihnen schrie der Draghkar wütend auf. Nebel hüllte die Reiter für einen kurzen Moment ein und war verschwunden, kam wieder und verschwand hinter ihnen. Der eiskalte Dunst hinterließ kalte Feuchtigkeit auf Rands Gesicht und Händen. Dann ragte eine Wand aus blassem Grau vor ihnen auf, und plötzlich waren sie ganz von Nebel umgeben. Er war so dicht, daß der Hufschlag der Pferde gedämpft wurde, und die Schreie von oben schienen durch eine Wand zu dringen. Rand erkannte gerade noch die Umrisse von Egwene und Thom Merrilin an seiner Seite.

Lan ließ sie nicht langsamer reiten. »Es gibt nach wie vor nur eine Richtung, in die wir reiten können!« rief er. Seine Stimme klang hohl, und es war kaum festzustellen, aus welcher Richtung sie kam. »Der Myrddraal ist schlau«, antwortete Moiraine. »Ich werde seine eigene Schläue gegen ihn wenden.« Sie galoppierten schweigend weiter. Schiefergrauer Nebel verbarg Himmel und Erde, so daß die Reiter, die selbst nur noch wie Schatten wirkten, durch Nachtwolken zu treiben schienen. Sogar die Beine der Pferde schienen verschwunden zu sein.

Rand rutschte im Sattel hin und her. Er schreckte vor dem eisigen Nebel zurück. Zu wissen, daß Moiraine so manches vollbringen konnte, und sie dabei zu beobachten, war eine Sache. Als Folge eine nasse Haut davonzutragen, war eine ganz andere. Ihm wurde bewußt, daß er die Luft anhielt, und er kam sich wie ein Narr vor. Er konnte nicht den ganzen Weg bis nach Taren-Fähre reiten, ohne zu atmen. Sie hatte die Eine Macht bei Tam angewandt, und er schien ganz in Ordnung zu sein. Dennoch mußte er sich zwingen, auszuatmen und wieder Luft zu holen. Die Luft war schwer, unterschied sich jedoch nicht von der jeder anderen nebligen Nacht. Das sagte er sich jedenfalls, aber er war nicht so sicher, daß er auch daran glaubte.

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