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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Er löste sich aus den Armen seines Vaters, warf einen Seitenblick auf Fox, nahm Haltung an und schnarrte:

»Captain Hawbury vom zweiten berittenen Sipoy-Regiment, Standort Kalkutta, in wichtigen Kurierdiensten zur Stelle.«

Dabei zog er den versiegelten Brief aus dem Ärmelaufschlag und überreichte ihn dem General. Hawbury nahm das Schreiben, drehte es hin und her und betrachtete Siegel und Aufschrift. In der linken oberen Ecke stand in der wuchtigen, einen starken Willen verratenden Schrift Hastings':

Nur persönlich überbringen! Nicht in Gegenwart anderer öffnen!

Hawbury zuckte die Schultern und befahl Fox und Steve, draußen zu warten, bis er die Botschaft gelesen habe.

Dann riß er hastig das Schreiben auf.

Dear Sir!

Wir haben Kenntnis erhalten von der Unstimmigkeit, die zwischen Mr. Fox und Euch besteht. Wir wünschen nicht, daß Angehörige der Kompanie, die auf schwierigem Posten zusammen für die Interessen der Kompanie einzustehen haben, durch Zwistigkeiten in ihrer Arbeit gehemmt sind. Nehmt dieses Schreiben als Hochachtung für Eure Arbeit. Und stellt die guten Beziehungen zwischen Euch und Mr. Fox wieder her; denn es stehen Euch schwere Stunden bevor, deren Bedeutung den eigentlichen Inhalt dieses meines Schreibens darstellen. Wie wir gehört haben, findet in diesen Tagen in Bihar das Fest der Adoption eines Erben durch den Radscha statt. Nach altem indischem Recht hat der so geschaffene Thronfolger die gleichen Rechte und Pflichten wie ein leibhaftiger Erbe. Unsere Machtstellung hier ist noch nicht so gediehen, daß wir das Recht der Inder auf Adoption durch unseren Gerichtshof in Kalkutta negieren könnten. Dieserhalb bestimmen uns zwingende Gründe, erst gar keine Adoption zustande kommen zu lassen. Ihr müßt also auf jeden Fall die Adoption verhindern. Es geht nicht an, daß wir Euch dazu nähere Anweisungen geben. Ihr müßt handeln, wie es die Situation am besten zuläßt. Und bei eben dieser Angelegenheit wird Euch Mr. Fox, der das Land kennt, mit Vorteil behilflich sein können.

Wir versichern Euch unseres aufrichtigen Wohlwollens und versprechen Euch, daß wir Mr. Fox zu gegebener Zeit abberufen werden, um Euch, Lord Hawbury, einen verdienten General Englands, als Generalresidenten in Bihar einzusetzen. Nehmt unsere besten Grüße.

Sir Warren Hastings

Generalgouverneur von Bengalen und den Indischen Provinzen.

Lord Hawbury sank in seinen Sessel. Diese Nachricht kam ein wenig plötzlich. In zwei Tagen sollte mit allem Pomp das Fest der Einsippung stattfinden. Und zu diesem Fest war Lord

Hawbury als akkreditierter Attache und offizieller Vertreter der Ostindien-Kompanie geladen.

Und — was das Schlimmste war — er hatte diese Einladung bereits angenommen.

Er starrte vor sich hin. Weshalb legte man so großen Wert darauf, die Adoption zu verhindern?

Es mußte doch einen sehr schwerwiegenden Grund dafür geben.

Aber Lord Hawbury war Soldat. Der Brief, so höflich er auch gehalten war, kam einem unmißverständlichen Befehl gleich. Er würde wohl oder übel diese Angelegenheit mit Fox besprechen müssen. Es war klar, daß der Hinweis auf dem Umschlag deshalb gegeben war, damit Fox nicht von den Dingen, die sich auf ihn bezogen, Kenntnis erhielt.

Der General erhob sich und trat zur Tür.

Fox und Steve standen auf und blickten ihn erwartungsvoll an.

»Bitte, tretet näher, Gentlemen. Ich glaube, wir müssen gleich eine schwerwiegende Sache besprechen.«

Als sie alle Platz genommen hatten, informierte der Lord die beiden über den Inhalt, soweit er sich auf die Adoption bezog. An diesen Bericht knüpfte er die Frage: »Könnt Ihr Euch den Zweck dieser Adoptionsverhinderung erklären, Mr. Fox?« Fox lachte.

»Aber sicher kann ich das. Nichts ist einfacher als das.« »Bitte sprecht.«

»Aber Vater«, warf Steve ein, »gibt es da wirklich noch etwas zu erklären?« »Ach, du bist in die Hintergründe zu diesen Vorgängen eingeweiht?«

»Nein«, lachte Steve. »Aber es liegt doch auf der Hand! Wenn sie die Adoption vollziehen, dann kann die Kompanie nicht als juristische Erbin des Radscha auftreten. Bihar würde weiterhin ein selbständiges Fürstentum bleiben. Hat der Radscha aber keinen Erben, so kann man ein Regiment Sipoys herschicken, um von vornherein etwaige Thronstreitigkeiten auszuschalten. Damit gehörte Bihar praktisch uns.«

Hawburys Augen wurden groß. Das war doch nicht möglich! Solches zu denken, zeugte nach den Ansichten eines ehrbewußten Generals von einem zumindest unsauberen Charakter. Ein solches Ansinnen hatte ihm das Außenministerium bei all seinen Kolonialmissionen noch nie zu stellen gewagt. Er war sprachlos.

»Euer Sohn hat recht, General«, nahm Fox das Wort. »Ich habe mich längst gewundert, daß Ihr nicht schon versucht habt, diese verdammte Adoption zu untergraben.«

Fox war wirklich ärgerlich. Nicht einmal der gewohnte Zynismus schwang in seiner Stimme mit. Er hielt es offenbar für selbstverständlich, daß man den Indern ihr heiliges, angestammtes Recht nahm.

Lord Hawbury war dicht daran, die Dienste für die Kompanie hinzuwerfen. Aber dann dachte er an die besondere Mission, die er hier zu erfüllen hatte. Er stand hier in erster Linie als geheimer Beauftragter des Außenministeriums, als Verteidiger und Wahrer der Ehre Englands.

»Nun bitte, Mr. Fox, macht mir einen Vorschlag, wie Ihr Euch das vorstellt.«

»Hm, es führen viele Wege nach Rom. Aber da wir ja leider keine Zeit mehr zu verlieren haben, müssen wir wohl den kürzesten beschreiten.«

»Und, was, meint Ihr, ist der kürzeste?« Fox legte einen Finger auf den Mund, richtete seine Augen zur Decke und tat, als dächte er nach.

»Nun — der Erbe, das ist der junge Tscham, könnte zum Beispiel einen Unfall haben, möglichst mit tödlichem Ausgang. Das wäre der einfachste Weg. Ein kleiner Umweg, aber nicht viel beschwerlicher, wäre ein Unfall oder sagen wir ein plötzlicher Schlaganfall des Alten, bevor er die Adoption vollziehen kann. Ja, und dann —«

»Haltet ein!« Lord Hawburys Faust fuhr krachend auf die Tischplatte. »Was denkt Ihr denn, wen Ihr vor Euch habt! Es ist einfach unerhört, daß Ihr es wagt, mir einen solchen Vorschlag zu unterbreiten!«

Der General blickte, Unterstützung heischend, seinen Sohn an.

Fox zuckte leichthin die Schultern. Steve hatte ein breites Lachen auf dem Gesicht.

»Du bist altmodisch, Papa. Man kann sich die Methoden nicht immer aussuchen, um Englands Macht zu festigen. Was Mr. Fox sagte, leuchtet mir durchaus ein. Es ist das Nächstliegende.«

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