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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Und weshalb diese Ausnahmebestimmungen in Kalkutta?« Whealer zuckte die Achseln.

»Kalkutta ist unsere Residenzstadt. Hier treiben sich ständig Beobachter aus London herum. Da möchte man natürlich die Humanität gewahrt wissen.«

Ein Bursche trat ein. — Er führte die Hände an die Stirn und verbeugte sich tief.

»Hawbury Sahib?« fragte er.

»Das bin ich. Was gibt's?«

»Hawbury Sahib zum Kommandeur kommen.«

»Jetzt gleich?«

»Ja, Sahib, gleich.«

Steve erhob sich, trank seinen Whisky aus und meinte: »Gespannt, was der Alte will. Entschuldigt mich, Whealer.« -

Steve Hawbury mußte im Vorzimmer eine Weile warten. Die Ordonnanz, die am Tisch saß, warf ihm einen Blick zu, halb Neid, halb Wohlwollen.

»Entschuldigt, Leutnant, wenn ich Eure Arbeit störe. Könnt Ihr mir nicht sagen, was der Oberst von mir will?«

»Habt Ihr vielleicht etwas ausgefressen, Captain?« fragte der junge Leutnant anzüglich. Hawbury richtete sich in seinem Stuhl gerade, räusperte sich, warf einen vernichtenden Blick auf die Ordonnanz und schwieg.

Nach einigen Minuten schlug drinnen die Tischglocke an. Ihr heller Klang drang durch die Polstertür bis ins Vorzimmer.

Die Ordonnanz sprang auf, riß die Tür auf, knallte zackig mit den Hacken und sagte: »Captain Hawbury wartet im Vorzimmer, Sir.«

»All right, schickt ihn gleich herein.«»Der Oberst läßt bitten, Captain.« Hawbury trat ein und grüßte: »Captain Hawbury zum Rapport!«

»Ja, Hawbury, freut mich. Habe einen wichtigen Auftrag für Euch, den nur ein fähiger Offizier ausführen kann.« »Danke gehorsamst.«

»Dankt nicht zu früh. Ist eine ziemlich beschwerliche Sache. Ihr müßt als Kurier allein nach Bihar reiten und in spätestens zwei Tagen dort sein. Ein Parforceritt.«

Er nahm einen versiegelten Briefumschlag aus einer Lade seines Schreibtisches und übergab ihn Steve.

»Das ist eine Botschaft vom Generalgouverneur persönlich. Sie ist an Euern Vater gerichtet und darf auf keinen Fall in fremde Hände fallen. Vernichtet sie, sollte Euch Gefahr drohen. Kommt Ihr nicht mehr dazu, so erbrecht das Siegel, nehmt den Brief, der auf dünnes Seidenpapier geschrieben ist, heraus und eßt ihn auf. So lautet der Befehl des Gouverneurs.« »Yes, Sir.«

»Guten Ritt, Captain. Und grüßt Euern Vater von mir.« »Yes, Sir, thank your, Sir.«

Er machte eine Kehrtwendung und verließ das Zimmer. —

Eine Stunde später jagte er die Straße nach Benares entlang. Ein zweites Pferd führte er mit sich, um überwechseln zu können, wenn das Reitpferd ermüdete.

Staubwolken wirbelten unter den Hufen auf. Er galoppierte an Karawanen, mohammedanischen Derwischen und wandernden Mönchen aus Tibet vorbei. Malerisch war das Leben und Treiben auf der Straße. Aber Steve hatte keinen Blick dafür. Ihn interessierten weder die Landschaften des Gangestals noch die Menschen, die sie belebten, noch die sichtbare Vermengung fremder Kulturen und Religionen. Die Nacht kam.

Er machte nur kurze Rast an einem Flüßchen und tränkte die Pferde. Er selbst weichte einige Bissen steinharten Zwiebacks in Wasser auf und verschlang sie. Dann wechselte er die Pferde und jagte weiter.

Am Abend des nächsten Tages mußte er beiden Tieren eine längere Rast gönnen. Drei Viertel des Weges lagen hinter ihm. Und so durfte er auch ein paar Stunden ruhen.

Als die Sonne im Westen versank, fiel er in einen bleiernen Schlaf. Aber schon um Mitternacht saß er wieder auf dem Rücken seines Tiers.

Ohne Zwischenfälle erreichte er am späten Nachmittag Bihar.

Neben zwei Wasserholerinnen zügelte er seinen Galopp und fragte mit barscher Stimme in fehlerhaftem Hindustani:

»He, ihr da! Wo Haus vom englischen General?«

Die Wasserträgerinnen betrachteten ihn freundlich aus ihren großen, mandelförmigen Augen. Aber sie antworteten nicht. Sie warfen sich gegenseitig einige Worte zu, kicherten und lachten, wie es alle jungen Mädchen an sich haben, wenn sie einem schmucken Mann begegnen. Statt sich über die Aufgeschlossenheit der braunen Menschenkinder zu freuen, zog Steve seine Reitpeitsche und drohte ihnen damit. »Antworten!« schrie er sie an.

Die Mädchen ließen vor Schreck ihre Tonkrüge von den Köpfen fallen und rannten davon.Die Krüge zerschellten vor den Vorderhufen der Pferde. Die Tiere bäumten sich auf. Und ehe Steve sich versah, gingen sie durch. Steve hatte Mühe, sich im Sattel zu halten. »Verdammtes Gesindel«, zischte er vor sich hin, während ihm der Schweiß von der Stirn lief. »Ich werde euch Mores lehren. Wenn mir noch einer eine dumme Antwort gibt, dann haue ich ihn zu Mus.«

Endlich gingen die Pferde wieder ruhig.

»Hallo, Freund«, rief ihn jemand auf englisch an und lachte. »Sind Euch die Biester durchgegangen?«

Steve blickte nach rechts. In der Gartentür vor einem Bungalow stand ein weißer Zivilist. »Grüß Euch, Gott sei Dank, daß ich einen treffe, mit dem man nicht in dem verdammten Kauderwelsch reden muß. Kennt Ihr Lord Hawbury?«

»O ja, da seid Ihr an der richtigen Stelle. Mein Name ist Fox. Der General wohnt hier bei mir.«

Steve stieg stöhnend vom Pferd.

»How do you do, Mr. Fox.«

Sie schüttelten einander die Hände.

»Mein Name ist Steve Hawbury, Captain beim zweiten Sipoy-Regiment. Ich bin der Sohn des Generals und habe eine wichtige Nachricht für ihn. Bitte führt mich zu ihm.« »Kommt mit, Euer Vater arbeitet.«

Sie betraten den Bungalow. Nachdem Fox an die Tür des Arbeitszimmers geklopft hatte, erscholl von drinnen ein unwilliges »Come in«.

Als Steve jedoch dann über die Schwelle trat, ließ Lord Hawbury den Gänsekiel auf die Tischplatte fallen, daß es einen Tintenfleck gab, sprang auf und umarmte seinen Sohn freudig. »By God, Steve, was führt dich nach Bihar?«

Steve wehrte sich etwas gegen die heftige Umarmung seines Vaters. Zärtlichkeiten dieser Art waren ihm von jeher zuwider. Er glaubte es seiner Würde als Captain schuldig zu sein, sich stets in schnoddrigem Ton und ohne Gefühlsäußerung zu geben.

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