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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls im Lendenwirbelbereich des Rückgrats sind folgende (ich zitiere aus einem medizinischen Wörterbuch): Taubheit der Zehen, Schmerzen im Unterschenkel oder in der Ferse, Taubheitsgefühl in der Leistengegend, Schmerzen im Bein, meist dorsal, seltener ventral oder lateral bis in den Oberschenkel hinein, ständiger Schmerz im Lendenwirbelbereich.

Ja, mit einer solchen Ansammlung von Schmerzen lässt es sich nicht so munter durch die Provinz und ins Ausland reisen. Wodurch werden diese Schmerzen konkret hervorgerufen? Durch ein posttraumatisches Hervortreten der Bandscheibe mit einem daraus resultierenden Riss des Faserrings und Verschiebung oder Ausfließen des Gallertkerns – das klingt bedrohlich.

Im Weiteren wird es noch düsterer. In der Struktur des Faserrings entstehen radiale Risse, die Höhe und Festigkeit der Bandscheibe ist herabgesetzt, […] allmählich bildet sich ein Ödem, und die Durchblutung in diesem Bereich ist gestört. […] Mit der Zeit werden die Schmerzen, die in der eingeklemmten Nervenwurzel entstehen, so wahrgenommen, als entstünden sie im Bein.

Die Schmerzen können einhergehen mit Empfindungs- und vegetativen Störungen (erhöhte Schweißabsonderung oder Trockenheit der Haut, Kälteempfindung und mäßige Schwellung) sowie mit einer wachsenden Muskelschwäche. Manchmal sind die Funktionen der Beckenorgane gestört, weil ein Teil des Nervs durch den Druck nicht funktioniert. Die klinischen Erscheinungsformen der Krankheitssymptome zeigen sich im Frühstadium als Reizung und im fortgeschrittenen Stadium als Funktionsausfall.

Von welchen Funktionen hier die Rede ist, habe ich nicht verstanden. Aber die Gereiztheit von Wladimir Wladimirowitsch über uns alle, über die ungehorsame, störrische Bevölkerung, habe ich schon oft in seinem Gesicht beobachtet.

Die Chinesen, eine alte Zivilisation, die für alle Zwischenfälle des Lebens eine Reihe von Übungen weiß, empfehlen bei einem Bandscheibenvorfall entweder »Zigun« oder »Tai Chi«. Wenn ich mich also in meiner Diagnose nicht geirrt habe, werden wir bald einige Besuche unseres Präsidenten in der Volksrepublik China erleben können. Wir werden sehen.

Ich bin also folgender Ansicht: Bei seiner Landung kommt es beim Piloten (oder den Piloten, denn Wladimir Wladimirowitsch flog nicht allein) unvermeidlich zu einer großen Belastung der Wirbelsäule, und zwar im Lendenwirbelbereich. Es gibt einen jähen Aufprall, die Wirbel der Wirbelsäule stoßen aufeinander, es kommt zum oben erwähnten »Hervortreten der Bandscheibe mit einem daraus resultierenden Riss des Faserrings« und zu allem Weiteren, an dem der Präsident der Russischen Föderation leidet.«

An der Polemik beteiligte sich auch der gut informierte Chefredakteur des einflussreichsten politischen russischen Radiosenders Echo Moskau, Alexei Wenediktow. Wie man weiß, hat dieser Mann, der über recht gute Quellen innerhalb des Kremls verfügt, zu Putin ein etwas zauderndes Verhältnis – er ist dem Präsidenten dafür dankbar, dass er im Großen und Ganzen die redaktionelle Freiheit von Echo Moskau faktisch nicht einschränkt, obwohl die Anteilsmehrheit der Aktien am Radiosender zu Putins Domäne gehört, nämlich der Firma Gazprom. Wenediktow sagte in einer Sendung seiner Radiostation Folgendes:

Da Putin oft im Fernsehen gezeigt wird, konnte jeder sehen, dass der Präsident seine Rückenprobleme bereits vor dem Flug mit den Schneekranichen bekam. Ich möchte unsere Hörer nur an eine Geschichte erinnern. Anfang September überreichte der Präsident Regierungsauszeichnungen (es war eine lange Liste), was auf Westi 24 übertragen wurde. Mir fiel auf, dass er stand und sich dabei die ganze Zeit an seinem Pult festhielt. Er heftete die Orden an, dann stellte er sich wieder an sein Pult und legte seine Hand darauf … und hielt sich fest … Dann verließ er die Veranstaltung nach der Hälfte, was aus meiner Sicht beispiellos war. Sergei Borissowitsch Iwanow überreichte die restlichen Auszeichnungen … Danach wurde mir klar, dass es tatsächlich Probleme gibt und sie ernsthaft sind, denn Putin ist in diesem Sinne ein duldsamer Mensch, der bereits alle möglichen Sportverletzungen überstanden hat. Es ist also ernst. Das war für mich die erste Alarmglocke.

Die Geschichte mit den Schneekranichen – ich weiß einfach, dass jede Menge Leute versucht haben, diejenigen, die Einfluss auf seine Entscheidungen nehmen, nicht nur zu überreden, die Sache abzusagen, sondern ihnen geradezu zu Füßen lagen und darum baten, er möge es nicht tun, und zwar wegen des Rückens. Wie gewöhnlich blieb er unnachgiebig, und beim Training stürzte er ziemlich hart. Es gab einen Aufprall, einen starken Schmerz, wie man mir erzählte. Und trotzdem beharrte er darauf zu fliegen …

Wenediktow ist aus meiner Sicht der niemandem genau bekannten Wahrheit näher als Limonow. Schon allein deswegen, weil die systematischen Ausfälle und Verschiebungen von Putins Auslandsreisen schon lange vor dem Flug mit den Schneekranichen angefangen hatten – man denke an den G8-Gipfel, die Olympiade in London und so weiter.

Einige russische Beobachter sind auch der Überzeugung, der »Anführer der Nation« habe einen Schlaganfall gehabt. Im Oktober 2012 tauchte im Twitter-Mikroblog der Moskauer Stadtratsabgeordneten Natalja Tschernyschewa die Mitteilung auf, der russische Präsident Wladimir Putin habe einen Schlaganfall erlitten. Dieser Tweet stieß auf starke Resonanz. »Telegramm! Gerade wurde mitgeteilt, dass ein Gerücht verbreitet wird, Putin habe einen massiven Schlaganfall erlitten. Das Gerücht kommt aus der Präsidentenadministration. Die Quelle berichtet, die Bosse packen ihre Koffer«, schrieb Tschernyschewa und merkte dabei an, dass die »Information unsicher« sei. Diese »Neuigkeit«, die keine auch nur halboffizielle Quelle bestätigte, wurde von multinationalen Bloggern aufgegriffen und kommentiert.

Damals erinnerten sich auch viele daran, dass Putin 2010 in der Funktion als Ministerpräsident seines zeitweisen Nachfolgers Medwedew bei seinem Kiew-Besuch mit deutlich sichtbaren blauen Flecken an den Schläfen auf der Pressekonferenz erschienen war. Dabei hatte man Putin gut geschminkt – auch das war dem wissbegierigen Auditorium aus ukrainischen und internationalen Journalisten nicht entgangen. Aber die massiven Hämatome konnte man durch die Schminke hindurch sehen.

Der dienstbeflissene Pressesprecher Peskow hatte gemäß seiner Gewohnheiten und seiner trägen Fantasie verkündet, sein Patron habe bei seinem Judo-Training einige leichte Schläfenprellungen beim Sturz auf die Matte erlitten. Dabei blieb völlig unklar, wie man sich auf einer weichen Matte derartige Prellungen zuziehen kann, die auch noch symmetrisch angeordnet sind – an beiden Schläfen gleichzeitig. Nach der Logik von Dmitri Peskow hätte man meinen müssen, der Kampfgegner habe das Gesicht Putins von verschiedenen Seiten so lange auf die Matte gestoßen, bis der gewünschte Effekt erzielt war.

Allerdings erklärten mir am selben Tag die ukrainischen plastischen Chirurgen, die sich um die Behandlung von Expräsident ­Viktor Jusch­tschenko gekümmert hatten, überaus einleuchtend, was die Ursache gewesen sein kann. Die blauen Flecken, sagten sie, sind ein deutliches Symptom für die Anwendung von Botox, das aus dem Gift Curare hergestellt und zu Entfernung und Vermeidung von Falten verwendet wird. Von da an fiel fast allen auf, dass Putins Gesicht übermäßig glatt und blutarm geworden war und das russische Staatsoberhaupt sich selbst nicht mehr ähnlich sah. Nun kann er nicht mehr wie früher breit lächeln, selbst wenn er etwas sehr komisch finden sollte. Ja, das Gesicht ist glatt geworden, wirkt dabei aber nicht mehr lebendig.

Seither hat die russische Opposition für den »Anführer der Nation« einen neuen Spitznamen: »Mister Botox«. Viele gut informierte Quellen gehen davon aus, Putin habe sich bei der Korrektur seines äußeren Erscheinungsbildes von einem seiner besten politischen Freunde und Partner im Westen leiten lassen. Silvio Berlusconi, der 16 Jahre älter ist als Putin und sich eifrig um ein Image als Playboy bemüht, nahm die Dienstleistungen plastischer Chirurgen mehr als einmal in Anspruch.

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