Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Nachdem ich geduscht habe und Johanna sich mit einem feuchten Lappen gewaschen hat, nimmt sie den Raum in Augenschein. Als sie die Schublade mit meinen wenigen Besitztümern öffnet, macht sie sie schnell wieder zu. »Entschuldige.«
Ich denke daran, dass Johanna in ihrer Schublade nichts hat als die Kleider, die ihr vom Distrikt zugeteilt wurden. Dass sie überhaupt nichts auf der Welt hat, was sie ihr Eigen nennen kann. »Schon gut, du kannst dir meine Sachen ruhig angucken, wenn du magst.«
Johanna klappt mein Medaillon auf und betrachtet die Fotos von Gale, Prim und meiner Mutter. Sie öffnet den silbernen Fallschirm, zieht den Zapfhahn heraus und streift ihn auf den kleinen Finger. »Ich krieg schon Durst, wenn ich den nur sehe.« Dann stößt sie auf die Perle, die Peeta mir geschenkt hat. »Ist die …?«
»Ja«, sage ich. »Die hat irgendwie überlebt.« Ich möchte nicht über Peeta sprechen. Das Beste am Training ist, dass ich dabei nicht an ihn denken muss.
»Haymitch meint, dass es ihm immer besser geht«, sagt sie.
»Kann schon sein. Aber er hat sich verändert«, sage ich.
»Du doch auch. Und ich. Und Finnick und Haymitch und Beetee. Von Annie Cresta ganz zu schweigen. Die Arena hat uns alle ganz schön fertiggemacht, nicht? Oder bist du immer noch dieselbe, die damals für ihre Schwester eingesprungen ist?«, fragt sie.
»Nein«, antworte ich.
»Das ist das Einzige, womit der Psychodoktor vielleicht recht hat. Es gibt kein Zurück. Also können wir ebenso gut weiterleben.« Sie packt meine Andenken ordentlich zurück in die Schublade und legt sich in das Bett neben meinem. Im selben Moment gehen die Lichter aus. »Hast du keine Angst, dass ich dich heute Nacht umbringe?«
»Als ob ich es nicht mit dir aufnehmen könnte«, antworte ich. Dann lachen wir, weil wir beide so fertig sind, dass es ein Wunder wäre, wenn wir am nächsten Tag aufstehen könnten. Aber wir schaffen es. Und das jeden Morgen. Und am Ende der Woche fühlen sich meine Rippen fast an wie neu und Johanna kann ihr Gewehr ohne Hilfe zusammenbauen.
Als wir Feierabend machen, wirft Soldat York uns beiden einen anerkennenden Blick zu. »Gut gemacht, Soldaten.«
Kaum sind wir außer Hörweite, murmelt Johanna: »Die Spiele zu gewinnen, war einfacher.« Aber ihre Miene verrät, dass sie sich freut.
Als wir in den Speisesaal kommen, wo Gale auf mich wartet, haben wir beinahe gute Laune. Und eine Riesenportion Rindereintopfist auch nicht zu verachten.
»Ist heute Morgen eingetroffen«, sagt Greasy Sae. »Echtes Rind aus Distrikt 10. Keiner von euren wilden Hunden.«
»Kann mich nicht erinnern, dass du die je verschmäht hättest«, gibt Gale zurück.
Wir setzen uns zu einer Gruppe mit Delly, Annie und Finnick. Finnick ist seit seiner Heirat völlig verwandelt. Aus dem dekadenten Schwarm im Kapitol, den ich beim Jubel-Jubiläum kennengelernt habe, dem mysteriösen Verbündeten in der Arena und dem gebrochenen jungen Mann, der mir geholfen hat durchzuhalten, ist jemand geworden, der nur so sprüht vor Leben. Zum ersten Mal sehe ich, wie anziehend er ist mit seinem leisen Humor und der lässigen Art. Er lässt Annies Hand keinen Augenblick los. Nicht, wenn sie gehen, nicht mal, wenn sie essen. Ich glaube auch nicht, dass er das je wieder tun will. Sie scheint auf einer Wolke des Glücks dahinzuschweben. Es gibt immer noch Momente, in denen man ihr ansieht, dass sich irgendetwas in ihre Gedanken schiebt und sie in eine andere Welt abtaucht. Doch ein paar Worte von Finnick reißen sie wieder heraus.
Delly, die ich schon seit meiner Kindheit kenne, aber nie weiter beachtet habe, ist in meiner Achtung gestiegen. Sie hat mit angehört, was Peeta an dem Abend nach der Hochzeit zu mir gesagt hat, aber sie hat es nicht herumerzählt. Haymitch sagt, wenn Peeta sich über mich auslässt, ist sie meine beste Verteidigerin. Sie ergreift immer für mich Partei und schiebt seine negative Wahrnehmung auf die Foltermethoden des Kapitols. Sie hat größeren Einfluss auf ihn als alle anderen, denn er kennt sie wirklich. Auch wenn sie mich besser darstellt, als ich bin - ich weiß das zu schätzen. Ein bisschen Schönreden kann ich, ehrlich gesagt, gut brauchen.
Ich habe einen Bärenhunger, und der Eintopf ist so köstlich - Rind, Kartoffeln, Rüben und Zwiebeln in einer dicken Suppe -, dass ich mich zwingen muss, langsam zu essen. Überall im Speisesaal kann man beobachten, wie wohltuend eine gute Mahlzeit wirken kann. Die Menschen werden freundlicher, lustiger, optimistischer, und sie erinnern sich wieder daran, dass es nicht so verkehrt ist weiterzuleben. Besser als jede Medizin. Also versuche ich, die Sache auszudehnen, und beteilige mich an der Unterhaltung. Tunke Brot in den Eintopf und knabbere daran, während ich Finnick zuhöre, der eine alberne Geschichte von einer Wasserschildkröte erzählt, die mit seinem Hut weggeschwommen ist. Lache und merke gar nicht, dass er da steht. Direkt mir gegenüber, hinter dem freien Platz neben Johanna. Und mich beobachtet. Das Brot mit dem Eintopf bleibt mir im Hals stecken.
»Peeta!«, sagt Delly. »Wie schön, dich zu sehen … und nicht mehr im Bett.«
Zwei große Wärter stehen hinter ihm. Unbeholfen balanciert er sein Tablett auf den Fingerspitzen, weil seine Handgelenke aneinandergekettet sind.
»Was sind das denn für schicke Armbänder?«, fragt Johanna.
»Man kann mir noch nicht richtig trauen«, erklärt Peeta. »Ich darf noch nicht mal ohne eure Erlaubnis hier sitzen.« Er macht eine Kopfbewegung zu seinen Wärtern.
»Klar kann er hier sitzen. Wir sind doch alte Freunde«, sagt Johanna und klopft auf den freien Platz neben ihr. Die Wärter nicken und Peeta setzt sich. »Im Kapitol hatte Peeta die Zelle neben meiner. Er kennt meine Schreie und ich kenne seine.«
Annie, die zu Johannas anderer Seite sitzt, hält sich die Ohren zu und steigt aus der Wirklichkeit aus. Finnick legt einen Arm um sie und schaut Johanna böse an.
»Was ist? Mein Psychodoktor sagt, ich soll meinen Gedanken freien Lauf lassen. Das ist Teil der Therapie«, sagt Johanna.
Jetzt ist unsere kleine Gesellschaft nicht mehr so lustig. Finnick redet Annie leise beruhigend zu, bis sie die Hände langsam von den Ohren nimmt. Dann bleibt es lange still, während alle so tun, als ob sie essen.
»Annie«, sagt Delly fröhlich, »wusstest du, dass Peeta eure Hochzeitstorte dekoriert hat? In seiner Heimat hatten seine Eltern eine Bäckerei und er war für die Glasuren zuständig.«
Annie schaut vorsichtig an Johanna vorbei. »Danke, Peeta. Die Torte war wunderschön.«
»War mir ein Vergnügen, Annie«, sagt Peeta, und seine Stimme hat den vertrauten liebenswürdigen Klang, den ich für immer verloren glaubte. Zwar gilt er nicht mir. Aber immerhin.
»Wenn wir noch einen Spaziergang machen wollen, müssen wir jetzt los«, sagt Finnick zu Annie. Er stapelt ihr Tablett und seins so, dass er beide mit einer Hand tragen kann, während er mit der anderen Annie ganz fest hält. »War schön, dich zu sehen, Peeta.«
»Sei nett zu ihr, Finnick. Sonst könnte ich noch auf die Idee kommen, sie dir auszuspannen.« Das könnte witzig gemeint sein, wenn er es nicht so kalt gesagt hätte. Alles daran ist daneben. Das offene Misstrauen gegenüber Finnick, die Andeutung, dass Peeta ein Auge auf Annie geworfen hat, dass Annie Finnick verlassen könnte und dass es mich überhaupt nicht gibt.
»Pass bloß auf, Peeta«, sagt Finnick leichthin. »Sonst tut es mir noch leid, dass ich dich wiederbelebt habe.« Er schaut mich besorgt an und führt Annie davon.
Als sie weg sind, sagt Delly vorwurfsvolclass="underline" »Er hat dir das Leben gerettet, Peeta. Mehr als einmal.«
»Um ihretwillen«, sagt er mit einer Kopfbewegung zu mir. »Für die Rebellion. Nicht meinetwegen. Ich bin ihm nichts schuldig.«
Ich dürfte nicht darauf anspringen, aber ich kann es nicht lassen. »Vielleicht nicht. Aber Mags ist tot und du bist noch hier. Das sollte doch etwas wert sein.«
»Ja, es gibt vieles, was etwas wert sein sollte, auch wenn es nicht den Anschein hat, Katniss. Ich habe ein paar Erinnerungen, die ich nicht einordnen kann, und ich glaube nicht, dass das Kapitol sie angetastet hat. Viele Nächte im Zug zum Beispiel«, sagt er.