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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Ich hatte noch nie eine Dracaena aus der Nähe gesehen, und ich fand es nicht gerade prickelnd, dass ich jetzt unverhofft die Gelegenheit hatte. Ihr Gesicht hätte sogar schön sein können, wenn ihre Zunge nicht gespalten gewesen wäre und sie keine gelben Augen mit schwarzen Schlitzen als Pupillen gehabt hätte. Sie trug eine Bronzerüstung, die nur bis zu ihrer Hüfte reichte. Darunter, wo ihre Beine hätten sitzen müssen, ragten zwei riesige, grün und bronzefarben gefleckte Schlangenleiber hervor. Sie bewegte sich mit einer Kombination aus Gleiten und Gehen voran, als ob sie auf lebendigen Skiern liefe.

»Wer ist denn euer Gastgeber?«, fragte ich.

Sie zischte, aber es konnte auch ein Lachen sein. »Ach, ihr werdet schon ssssehen. Ihr werdet euch grosssssartig versssstehen. Er isssst schliessssslich dein Bruder.«

»Mein was?« Ich dachte sofort an Tyson, aber das war unmöglich. Wovon redete sie?

Der Riese drängte sich an uns vorbei und schob die Türen auf. Dann hob er Annabeth an ihrem T-Shirt hoch und sagte: »Du bleibst hier.«

»He!«, protestierte sie, aber der Typ war zweimal so groß wie sie und hatte schon ihr Messer und mein Schwert beschlagnahmt.

Kelli lachte. Sie hatte ihre Krallen noch immer um Rachels Hals gelegt. »Weiter so, Percy. Unterhalte uns. Wir warten mit deinen Freundinnen hier, um sicherzugehen, dass du dich gut benimmst.«

Ich sah Rachel an. »Tut mir leid. Ich hol dich hier raus.«

Sie nickte, soweit das mit einer Dämonin am Hals möglich war. »Das wäre nett.«

Die Schlangenfrau stieß mich mit der Speerspitze auf die Tür zu und ich stapfte hinaus in eine Arena.

Es war bestimmt nicht die größte Arena, die ich je betreten hatte, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir unter der Erde waren, erschien sie mir riesig. Das lehmige Wettkampfareal war rund, gerade so groß, dass man mit einem Wagen am Rand entlangfahren konnte, wenn man sehr genau lenkte. In der Mitte lief gerade ein Kampf zwischen einem Riesen und einem Zentauren. Der Zentaur schien panische Angst zu haben; er galoppierte um seinen Feind herum und benutzte Schwert und Schild, während der Riese einen Speer von der Größe eines Telegrafenmasts schwenkte und die Menge johlte.

Die erste Bankreihe befand sich vier Meter über dem Boden. Schlichte Steinbänke zogen sich rings um die Arena, und jeder Platz war besetzt. Es gab Riesen, Dracaenae, Halbgötter, Telchinen und noch viel seltsamere Wesen – Dämonen mit Fledermausflügeln und Kreaturen, die halb Mensch und halb irgendwas anderes zu sein schienen – Vogel, Reptil, Insekt, Säugetier.

Aber das Unheimlichste waren die Totenschädel. Die Arena war voll davon. Sie lagen auf der Brüstung; sie zierten in großen Haufen die Treppenstufen zwischen den Bänken; sie grinsten von Piken hinter den Bankreihen und hingen an Ketten von der Decke, wie entsetzliche Kronleuchter. Einige sahen sehr alt aus – nur noch weiß gebleichte Knochen. Andere wirkten um einiges frischer. Ich werde sie nicht näher beschreiben – ihr könnt mir glauben, ihr wollt das gar nicht wissen.

Und dazwischen, stolz gehisst neben den Zuschauerreihen, war etwas, das für mich überhaupt keinen Sinn ergab – ein grünes Banner mit dem Dreizack des Poseidon. Was hatte das an diesem Ort des Grauens zu suchen?

Auf einem Ehrenplatz über dem Banner saß ein alter Freund.

»Luke«, sagte ich.

Ich war nicht sicher, ob er mich über das Geschrei der Menge hören konnte, aber er lächelte kalt. Er trug eine Tarnhose, ein weißes T-Shirt und einen bronzenen Brustpanzer, genau, wie ich es im Traum gesehen hatte. Aber noch immer fehlte sein Schwert, und das fand ich seltsam. Neben ihm saß der riesigste Riese, den ich je gesehen hatte, viel größer als der in der Arena, der gegen den Zentauren kämpfte. Er war locker über fünf Meter groß und so breit, dass er drei Sitze für sich in Anspruch nahm. Er trug nur einen Lendenschurz, wie ein Sumoringer. Seine Haut war dunkelrot und mit blauen Wellenmustern tätowiert. Ich hielt ihn für Lukes Leibwächter oder so etwas.

Aus der Arena war jetzt ein Schrei zu hören und ich sprang zurück, als der Zentaur neben mir zu Boden krachte.

Er sah mich flehend an. »Hilf mir!«

Ich griff nach meinem Schwert, aber das war noch nicht wieder in meine Tasche zurückgekehrt.

Der Zentaur versuchte, auf die Beine zu kommen, während der Riese mit gezücktem Speer näher kam.

Eine mit Krallen besetzte Hand packte meine Schulter. »Wenn dir dassss Leben deiner Freundinnen lieb isssst«, sagte die Dracaena, die mich bewachte, »dann mischsch dich nicht ein. Dassss hier issst nicht dein Kampf. Warte, bissss du an der Reihe bissst.«

Der Zentaur kam nicht wieder hoch; eins seiner Beine war gebrochen. Der Riese stellte dem Pferdemann seinen gewaltigen Fuß auf die Brust, hob den Wurfspeer und schaute zu Luke empor. Die Menge johlte: »TOD! TOD!«

Luke tat gar nichts, der tätowierte Sumotrottel neben ihm dagegen erhob sich. Er lächelte auf den Zentauren herab, und der wimmerte: »Bitte! Nicht!«

Der Sumotrottel streckte die Hand aus und senkte den Daumen. Der Riesengladiator stieß mit dem Speer zu und ich schloss die Augen. Als ich wieder hinschaute, war der Zentaur verschwunden, zu Asche zerfallen. Nur ein einziger Huf war noch übrig, den der Riese hochhob wie eine Trophäe und der Menge zeigte. Die johlte zustimmend.

Nun wurde auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions eine Tür geöffnet und der Riese marschierte im Triumph hinaus.

Auf der Tribüne hob der Sumotrottel die Hände, um sich Gehör zu verschaffen.

»Gute Unterhaltung«, brüllte er. »Aber das alles habe ich schon einmal gesehen. Was hast du sonst noch, Luke, Sohn des Hermes?«

Luke biss die Zähne zusammen. Ich konnte sehen, dass er nur ungern »Sohn des Hermes« genannt wurde – er hasste seinen Vater. Aber er stand gelassen auf. Seine Augen funkelten. Eigentlich schien er ziemlich gute Laune zu haben.

»Hoher Herr Antaios«, sagte Luke so laut, dass die Menge es hören konnte. »Ihr wart ein hervorragender Gastgeber. Wir würden Euch gern unterhalten, als Dank für das freie Geleit durch Euer Territorium.«

»Diese Gnade habe ich noch nicht gewährt«, murrte Antaios. »Ich verlange Unterhaltung.«

Luke verneigte sich. »Ich glaube, ich habe jetzt etwas Besseres als Zentauren, um in Eurer Arena zu kämpfen. Ich habe einen Eurer Brüder.« Er zeigte auf mich. »Percy Jackson, Sohn des Poseidon.«

Die Menge fing an, mich auszubuhen und mit Steinen zu werfen. Den meisten konnte ich ausweichen, aber einer traf mich an der Wange und verpasste mir einen ziemlichen Kratzer.

Antaios’ Augen leuchteten auf. »Ein Sohn des Poseidon? Dann wird er einen guten Kampf liefern. Oder einen guten Tod.«

»Wenn sein Tod Euch gefällt«, sagte Luke, »werdet Ihr dann unsere Armeen durch Euer Territorium ziehen lassen?«

»Vielleicht«, sagte Antaios.

Dieses »Vielleicht« schien Luke nicht gerade glücklich zu machen. Er starrte mich wütend an, als wollte er sagen, ich sollte gefälligst auf ganz besonders aufsehenerregende Weise sterben, wenn ich mir nicht einen Haufen Ärger einhandeln wollte.

»Luke!«, schrie Annabeth. »Hör auf damit. Lass uns gehen!«

Luke schien sie erst jetzt zu bemerken. Für einen Moment wirkte er verwirrt. »Annabeth?«

»Nachher ist noch genug Zeit für die Kämpfe der Weibchen«, fiel Antaios ihm ins Wort. »Zuerst Percy Jackson. Du hast die Wahl der Waffen.«

Die Schlangenfrau stieß mich in die Mitte der Arena.

Ich starrte zu Antaios hoch. »Wie kannst du ein Sohn des Poseidon sein?«

Anataios lachte und die Menge stimmte ein.

»Ich bin sein Lieblingssohn«, erklärte Antaios mit dröhnender Stimme. »Sieh doch nur meinen dem Weltenrüttler geweihten Tempel, errichtet aus den Schädeln aller, die ich in seinem Namen getötet habe. Dein Schädel wird bald dazugehören.«

Ich starrte entsetzt die vielen Schädel an – es waren wirklich Hunderte – und das Banner des Poseidon. Wie konnte das hier ein Tempel für meinen Dad sein? Mein Dad war ein netter Typ. Von mir hatte er nie auch nur eine Postkarte zum Vatertag verlangt, von einem Schädel ganz zu schweigen.

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