Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Svoboda riss die Augen auf. »Ja, ich wette.«
»Und ich habe mir gedacht, es ist vielleicht was Komplizierteres, als es zunächst aussieht – etwas, das du mir klarmachen könntest. Irgend so etwas wie eine verschlüsselte Nachricht, die ich verstehen müsste, die ich aber nicht so recht …«
»Schhhhst!«
»Was ist denn?«
»Sag jetzt mal weiter gar nichts, okay?« Svoboda streckte den linken Arm aus und ließ die Finger seiner rechten Hand rasch darüber gleiten; diese absurde kleine krabbenartige Geste, die allgemeinverständlich besagte: Vielleicht sind hier Wanzen. Die Firma hatte überall ihre Späher sitzen – anscheinend sogar auf den Erholungsterrassen. Svoboda fragte: »Hast du Papier und einen Stift mit?«
»Sicher. Da.«
Es war ein recht kleines Stück Papier, aber mehr fand er nicht. Svoboda presste die Lippen zusammen und schrieb mit übertriebener Sorgfalt, quer über das Blatt und den Rand entlang, um alles unterzubringen, was er, ihm mitteilen wollte. Dabei verdeckte er das Geschriebene mit der anderen Hand gegen verdeckte Überwachungskameras. Dann faltete er das Blatt einmal und noch einmal und drückte es Rhodes in die Hand.
»Mach einen kleinen Spaziergang und lies es dabei. Und wenn du noch weiter mit mir sprechen willst, kannst du mich ja heute Abend daheim erreichen. Okay?«
Er grinste, hob zwei Finger grüßend an die Schläfe und verschwand nach drinnen.
Mit sorgenvoller Stirn kehrte Rhodes in seine Abteilung zurück. Er dachte daran, Svobodas Notiz auf der Toilette zu lesen, doch dann überlegte er, dass höchstwahrscheinlich in dem ganzen Gebäude kaum ein Bereich mit größerer Wahrscheinlichkeit durch versteckte Kameras überwacht werden dürfte als gerade dieser. Also lehnte er sich einfach vor seinem Büro an die Wand, entfaltete den Zettel und hielt ihn sich in der hohlen Hand dicht vor die Augen, als wollte er seine Handlinien studieren.
In Blockbuchstaben stand da:
DAS HAUSANGEBOT BEDEUTETE, MAN WILL DIR EINEN JOB ANBIETEN, DICH ABWERBEN.
Sofort fühlte er, wie sein Adrenalinspiegel hochstieg. Er bekam heftiges Herzklopfen.
Was sollte das bedeuten, verdammt?
Ein Jobangebot. Von wem? Warum?
Er las die Zeilen noch einmal. Und dann ein drittes Mal. Dann ballte er das Papier zusammen und stopfte es tief in seine Tasche.
Sie wollen dich abwerben.
Vor drei Jahren hatte in der Baygegend die Erde gebebt, recht drastisch, Sechs-Komma-einige auf der Richterskala. Damals hatte das ganze Gebäude zweieinhalb Minuten lang geschwankt. Und jetzt fühlte Rhodes sich wieder genau so.
Er zitterte. Er versuchte, das unter Kontrolle zu bringen. Es gelang ihm nicht.
Jemand will dir einen Job anbieten.
Vergiss es!, befahl er sich.
Mit sowas willst du nicht herumspielen. Du hast doch einen Job. Und es ist ein guter Job. Du hast eine prima Abteilung, eine Menge guter Leute für dich arbeiten, wirst angenehm honoriert, hast Aussichten auf glatten stetigen Aufstieg. Außerdem hast du in deinem Leben noch nie für eine andere Firma als für Samurai Industries gearbeitet. Du hast nie für jemand anderen arbeiten wollen als für Samurai Industries!
Er griff in die Tasche nach dem zerknüllten Zettel.
Wirf es weg, Nick! Wirf es fort!
Er ging zurück in sein Büro. Auf allen Inputs blinkten die Lämpchen, doch er kümmerte sich nicht darum. Er goss sich erst einmal einen Drink ein, einen ziemlich großen diesmal.
Dann überlegte er, wie es sein würde, für eine andere Firma zu arbeiten.
Zweifellos waren es seine eigenen Zwiespältigkeiten und seine Decidophobie, die ihn bei Samurai festnagelten. Und genauso war das in der Beziehung zu Isabelle. Gerade erst vor kurzem hatte er sich überlegt, dass er dringend etwas in seinem Leben verändern müsse, und das alles kehrte jetzt wieder und schoss tosend durch ihn hindurch, diese ganze Flut von unbestimmten Ressentiments, turbulent, fast explosiv, brodelte in ihm auf. Es war gar nicht so lange her, da hatte er Paul Carpenter zugegeben, wie tief er die Vorstellung verabscheute, dass Samurai Industries durch ihn ein Monopol auf die Adapto-Technologie beim Menschen erhalten könnte. Und Paul hatte ihm sofort die richtige Lösung genannt: Santachiara aufgeben. Zu jemand anderem wechseln, wie etwa zu Kyocera-Merck. Die ganze Abteilung mitnehmen. Die Gentechnologie dem Wettbewerb aussetzen. Samurai und K-M darum kämpfen lassen, wer die Weltherrschaft übernimmt …
Bot sich ihm hier die Chance, genau dies zu tun?
Dann musste er sie ergreifen!
Aber finde wenigstens heraus, was das Ganze auf sich hat, sagte er sich selbst nachdrücklich. Du rufst diesen Nakamura an und machst ein Treffen mit ihm aus!
»Verbinde mich mit Mr. Nakamura bei East Bay Realty«, befahl er wie in Trance seinem Sekretariat.
Es ist wie ein Date, dachte er, das möglicherweise zu einer ehebrecherischen Liebesaffäre führt.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe die Verbindung stand. Eigentlich sollte man doch annehmen, dass Grundstücksmakler brennend daran interessiert sein müssten, mit potentiellen Käufern zu sprechen, doch anscheinend war es nicht die leichteste Sache auf Erden, einen Rückruf für Mr. Nakamura zustande zu bringen. Schließlich blinkten Lämpchen auf, und ein japanisches Gesicht sah ihn aus dem Visor an. Die standardisierte Undurchdringlichkeit, glatte Ausdruckslosigkeit im Gesicht, trotz des Androidenlächelns. Irgendwie wirkte das Gesicht echt japanisch, nicht wie das eines Japamerikaners, dachte Rhodes, ohne einen besonderen klaren Beweis dafür zu haben. Interessant.
»Ich bin Mister Kurashiki«, sagte das Gesicht. »Mister Nakamura bedankt sich herzlich für deinen Rückruf. Er kann zu jedem der folgenden Termine heute oder morgen mit dir sprechen.«
Im Visor tauchte ein Memo auf: 12:00 h; 14:00 h; 16:00 h. Für den nächsten Morgen gab es neun oder elf Uhr.
Rhodes verspürte ein leichtes Frösteln. Er fragte sich, ob er Mr. Nakamura tatsächlich je begegnen würde, ob es ihn überhaupt gab, ja sogar, ob dieser Mr. Kurashiki eine reale Person war. Dem Aussehen und der Sprache nach wirkte er eigentlich eher wie eine Simulation.
Dann sagte er sich, dass sein Verhalten dümmlich sei. Kurashiki war einfach für die Termine zuständig, weiter nichts; und er war eine reale Person, bestimmt, jedenfalls soweit das einer von diesen Japsen jemals sein konnte. Svoboda hatte es exakt erkannt: Es handelte sich um was Ernstes, ein reales Angebot von einem real existierenden Megakonkurrenten.
»Heute Mittag«, sagte Rhodes. Das bedeutete, dass er fast sofort aufbrechen musste. Aber das würde vielleicht verhindern, dass seine sprichwörtliche Unpünktlichkeit die Sache vermasseln könnte. Wahrscheinlich war es diesmal doch angebracht, nicht zu spät zu kommen. »Dürfte ich um Richtungsdirektiven bitten …«
»Du wirst von Berkeley kommen? Vom Tower der Santachiara Technologies?«
»Ja.«
»Die Fahrt wird vierzehn Minuten und dreißig Sekunden dauern. Sobald du auf den Highway 24 kommst, sage deinem Wagen, der Streckenmodulcode ist H112.O3/Zufahrt WR52.«
Rhodes tippte den 30-sec-Datenabruf, und der Ausdruckerschlitz der Anlage spuckte die Ziffern aus. Er bedankte sich bei Kurashiki und beendete das Gespräch.
»Alle Termine für heute Nachmittag absagen«, befahl er. »Ich bin nicht im Haus.«
Die diablos bliesen noch immer, als sein Wagen aus der Garage heraufkam. Ein geradezu greifbarer, körperlicher Wind, hart und messerscharf, vielleicht 80 km/h. Und er würde da mitten hineinfahren. Man konnte den Wind regelrecht sehen. Er trieb sichtbar durch das Gesamtkontinuum der Atmosphäre. Er hatte die Gestalt einer geisterhaften goldgelben Aura von irgendwie uringelber Tönung: ein rasch ziehender organischer Dunstschleier, virulente, phosphoreszierende, in die Höhe geschleuderte Strudel industrieller Kontaminationsstoffe, die aus dem Fabrikgürtel auf der anderen Seite des Walnut Creek westwärts drifteten. Die Luft war dermaßen voll von dem Zeug, dass sie wie geschwängert wirkte, als könnte sie alles, was sie auf dem Weg zum Meer berührte, ebenfalls schwängern. Rhodes dachte an die neue Theorie Van Vliets von der schwimmenden Aminosäurensuppe, aus der wundersam virulente Bakterien entstehen sollten. Vielleicht war dieser Wind da der entscheidende Faktor, der heute, an diesem Nachmittag, diese lustige neue chemische Verbindung zum Leben erwecken, von der Van Vliet behauptete, dass sie bald im Meer entstehen werde.