Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Er wollte Rhodes sofort einige neue Grafikblätter im Büro vorbeibringen. Welche Überraschung! Van Vliet hatte schon wieder einen Packen Material parat.
Rhodes seufzte. »Was für Blätter?«
»Etliche Atmosphärenextrapolationen, die projektierten Zyanwasserstoffwerte und wie wir die sich daraus ergebenden Implikationen bewältigen wollen.«
»Ich stecke hier schrecklich mitten in der Arbeit, Van. Hat das nicht ein wenig Zeit?«
»Aber es ist wahnsinnig aufregend.«
»Zyanwasserstoff zu atmen ist aufregend?«, fragte Rhodes. »Ja, vermutlich wäre das so. Aber nicht sehr lange.«
»Darauf will ich auch gar nicht hinaus, Nick«, sagte Van Vliet. Seit vor ein paar Tagen die Budgetanforderung nach New Tokyo hinausgegangen war, hatte Van Vliet begonnen, ihn als ›Nick‹ anzusprechen. Rhodes war nicht besonders erfreut darüber. »Aber versteh doch, Nick, wir sind da auf eine Reihe wirklich beeindruckender Gleichungen gekommen, die auf die Wahrscheinlichkeit einer Bildung von Aminosäuren im Meer schließen lassen. Neue Aminosäuren. Wenn du mir nur fünf Minuten Zeit gibst, damit ich dir zeigen kann, wovon ich rede …«
»Okay«, sagte Rhodes. »Fünf Minuten.«
Van Vliet brauchte eine Viertelstunde. Doch das war hauptsächlich Rhodes' eigene Schuld, denn er begann sich zu interessieren. Anscheinend liefen Van Vliets Projektionen darauf hinaus, dass die bevorstehende chemische Zusammensetzung des Meerwassers bis zu einem gewissen, aber weitgehend nicht vorherbestimmbaren Grad einige Aspekte der Zusammensetzung der Nährstoffsuppe des Urmeeres wiederholen werde. Nachdem die Menschheit fröhlich Hunderte von Jahren hindurch die ganze Biosphäre mit allem möglichen tödlichen Abfall vollgestopft hatte, war sie jetzt anscheinend dabei, sich selbst mit einer weiteren grandiosen Bescherung zu überraschen, die diesmal allerdings etwas mit dem Leben, statt mit dem Tod zu tun hatte: ein Mischpaket, unverhoffte Biogenese neben der zu erwartenden Morbidität, eine Wiederholung der ursprünglichen chemischen Kräfte, die zur Entstehung des Lebens auf dem Planeten geführt hatten, ein Suppentopf aus Purinen, Adenylen und Aminos, die um und um gerührt wurden und die sich zu komplizierten Polymeren umbauten, von denen einige sich fortpflanzen konnten, und daraus entstand möglicherweise …
Fast alles konnte es sein.
Ein Sturm gequirlte Scheiße zufälliger genetischer Informationen braute sich da im vierundzwanzigsten Jahrhundert in den Meeren zusammen.
»Siehst du es?« Van Vliet schrie vor Erregung. »Wie sich das Potenzial für neue Lebensformen bildet? Nick! Die Schöpfung beginnt ganz neu von vorn!«
Rhodes rief ein herzhaftes Glucksen aus den Tiefen seiner Seele herauf. »Eine zweite Chance für die Trilobiten, wie?«
Van Vliet schien das nicht witzig zu finden. Er warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. »Ich spreche von einzelligen Lebewesen, Nick. Von Bakterien, Protozoen. Eine unvorhersehbare maritime Welt von sich spontan entwickelnden Mikrobioten, die das Dasein für die bereits existierenden Lebensformen hier zur Hölle machen könnten. Uns zum Beispiel.«
Stimmt, dachte Rhodes. Ein Haufen fremdartiger Evolutionsmüll, der sich aus dem Wasser heraufwälzt, um den jetzt schon ausreichend gequälten Planeten mit neuen Plagen heimzusuchen.
Ein interessanter spekulativer Sprung das, und Rhodes erkannte dies auch offen und völlig ehrlich an. Aber in aller Offenheit und Ehrlichkeit verstand er nicht, was das überhaupt mit dem Survival/Modification-Programm der Santachiara Technologies zu tun haben sollte, jedenfalls vorläufig und bis auf weiteres. Vorsichtig sagte er also:
»Ich bewundere die Sorgfalt, Van, mit der du sämtliche Implikationen der Situation in Angriff nimmst. Aber ich bin nicht sicher, ob ich das Finanzierungsokay für eine Studie über Erkrankungen bekomme, die von bislang noch nicht existenten, noch nicht evolvierten Mikroorganismen hervorgerufen werden könnten.«
Kühles, beinahe herablassendes Grinsen von Van Vliet. »Aber im Gegenteil, Nick. Wenn es uns gelingt, die möglichen Folgen eines Quantensprungs in natürlichen Evolutionsprozessen darzustellen, sind wir vielleicht in der Lage, Schutzmechanismen aufzubauen gegen neue, aggressive Arten von …«
»Van, bitte! Eins nach dem anderen, ja? Ja?«
Aber das war offensichtlich nicht Van Vliets Methode. Und ebenso offensichtlich sah er in Rhodes' Weigerung, vor Begeisterung über diesen neuen Aspekt zu jauchzen, nur einen weiteren Beweis für den hoffnungslos altmodischen Konservatismus seines Leitenden Direktors. Aber es gelang Rhodes, ihn zu besänftigen, indem er ihm herzlich zu dieser neuen Richtung in seiner Arbeit gratulierte, weitere Studienergebnisse zu sehen wünschte und versprach, bei der nächsten Direktorenkonferenz das Thema seiner Neuen Biogenese zur Sprache zu bringen. Und dann schubste er ihn glatt und geschickt aus der Tür.
Als Van Vliet fort war, gönnte sich Rhodes erst einmal einen neuen Drink, aber nur einen kleinen, um sich den Übergang zum nächsten Problem dieses Tages zu erleichtern.
Und dieses Problem hieß, sich noch einmal Gedanken über diesen Nakamura-Anruf zu machen. Er war noch immer überzeugt, wer immer dieser Mr. Nakamura sein mochte, er hatte sich verwählt. Aber seltsam war schon, dass er hatte ausrichten lassen, es handle sich nicht um einen Irrtum, ganz so, als hätte er mit Rhodes' verwirrter Reaktion gerechnet. Etwas an der Geschichte nagte an ihm und verlangte dringend nach Erklärung.
Es geht um das Haus in Walnut Creek, an dem du interessiert bist.
Der Gedanke schoss ihm durch den Kopf, dass es dabei vielleicht um eine Art Code ging – um den Verweis auf irgendeine geheimnisvolle Sache, in die dieser Nakamura ihn zu verstricken versuchte, den Verkauf von Firmengeheimnissen, vielleicht ein undurchsichtiges Gegenspionagespiel, irgend so etwas. Solche Sachen passierten laufend in der Welt der Megamultis, und Rhodes wusste das. Allerdings hatte er diesbezüglich keinerlei Erfahrungen aus erster Hand.
Rhodes platzierte einen Anruf an Ned Svoboda bei Imaging & Schematics.
Svoboda war einer von den Sauffreunden, mit denen Rhodes ab und zu nach Dienst zusammenhockte, und Svoboda erfreute sich des seltenen Renommés, in etwa einem Dutzend Jahren für drei verschiedene Megamultis gearbeitet zu haben: nicht nur Samurai Industries, sondern auch Kyocera-Merck, und vorher für den etwas weniger ehrfurchtgebietenden Haufen IBM/Toshiba. Svoboda war klug, Svoboda war mindestens so vertrauenswürdig wie sonst wer, der Rhodes einfiel, und Svoboda kannte sich auf dem Sektor seit langem aus. Und wenn einer sich mit dem verschlüsselten Jargon von Firmen, mit Industriespionage etc. auskannte, dann war Svoboda der richtige Mann.
»Geht es, wenn ich zu dir rüberkreuze und ein paar Minuten mit dir rede?«, bat Rhodes. »Bei mir ist was Merkwürdiges passiert, und ich brauche einen kleinen Rat von dir.« Und – aber das musste Rhodes gar nicht erst sagen – es handelt sich um etwas, das man lieber nicht über die Firmenleitungen besprach. Die hatten Ohren. Und das wusste jeder.
Svoboda war einverstanden. Rhodes begab sich acht Stockwerke tiefer und traf sich mit ihm in der verglasten Erholungskuppel auf der Terrasse vor seinem Büro. Svoboda war klein und massiv, ungefähr vierzig und hatte dunkles wirres Haar und ausgeprägte slawische Gesichtszüge.
Rhodes sagte: »Ich bekam heute morgen einen seltsamen Anruf herein. Ein Typ mit einem japanischen Namen, sprach von Walnut Creek – ein Hausmakler, sagt er. Sagte, er würde gern mit mir über das Haus sprechen, an dem ich da draußen interessiert bin, das ich kaufen möchte.«
»Ich habe nicht gewusst, dass du vorhast, nach drüben auf die andre Seite zu gehen.«
»Habe ich ja auch nicht. Ich hab keine Ahnung, wer der Japs ist.«
»Ach so.«
»Aber das weiß der. Bei seinem Anruf machte der sich die Mühe, meinem Vorzimmer ganz nachdrücklich zu sagen, dass ich es bitte nicht für einen Fehlanruf halten soll, dass ich der Rhodes bin, den er zu erreichen versuchte, und dass mich das Haus, das er mir anzubieten hat, wirklich interessieren würde. Also, jetzt fing ich an, mich zu fragen, Ned …«