Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
In der Dunkelheit hat sie ihm den Rücken zugewandt. Rhodes streichelt sie dort.
»Nicht!« Mit Grabesstimme.
»Isabelle …«
»Nein, es ist schon so spät.«
Er liegt starr da, hellwach. Er spürt, dass auch sie noch wach ist. Zeit verstreicht. Eine halbe Stunde, eine Stunde. Irgendwo auf der Schnellstraße jault eine Sirene. Rhodes denkt über den verflossenen Abend nach. Er überlegt, wie das alles gekommen ist. Sie macht sich Sorgen wegen dieses Mädchens, wegen Angela. Das muss es sein. Eine Bedrohung für ihre berufliche Kompetenz. Und wahrscheinlich mag sie das Mädchen auch persönlich sehr. Rückübertragung nennen sie das. Kaum überraschend. Aber dann noch dazu diese ganze Geschichte mit Jolanda …
Er greift wieder hinüber, berührt sie.
Steinharte Muskeln. Der Körper steif.
Er sehnt sich verzweifelt nach ihr. Will sie haben. Wie immer. Wie jede Nacht. Seine Hand irrt über ihren Arm und legt sich sacht auf den weichen Hügel ihrer rechten Brust. Die Brüste sind das einzige, was an Isabelles Körper weich ist; sonst ist sie mager, straff, athletisch. Sie rührt sich nicht. Sanft streichelt er weiter. Haucht ihr seinen Atem in den Nacken. Sie reagiert nicht. Sie liegt da wie tot.
Schließlich sagt sie: »Schön, wenn du's so dringend brauchst. Bringen wir es hinter uns.«
Sie wälzt sich zu ihm herüber. Starrt ihn an. Spreizt die Beine.
»Isabelle, um Gottes willen …«
»Komm schon. Worauf wartest du?«
Natürlich will er nicht, dass es so abläuft, ganz und gar nicht. Aber er ist ihr eben hilflos ausgeliefert, und als sie ihn heftig über sich in Position zieht, ist er zu keinem Widerstand mehr fähig. Hastig und mit einem elenden Gefühl dringt er in sie ein – und trotz allem ist sie geschmeidig und bereit –, und ihr Becken beginnt zu rotieren und treibt ihn unbarmherzig zu einem vorschnellen Endspurt. Er bedeckt ihr Gesicht mit Küssen der Dankbarkeit; gleichzeitig aber ist er schockiert, entsetzt, betäubt von dem, was sie da treiben. Es ist so voller Wut und Aggression, wie sie sich da mechanisch bearbeiten. Es ist der Tod der Liebe. Und als es ihm kommt, bricht er in Tränen aus.
Und dann umarmt sie ihn, wiegt ihn zwischen ihren Brüsten, streichelt seinen Kopf und flüstert ihm leise Worte zu. Um alles wieder gutzumachen. Mein Gott!, denkt er. Mein Gott, mein Gott!
Und plötzlich hört er wieder Paul Carpenters Stimme.
– Sie ist eine gestörte Frau, Nick.
– Nein, sie macht sich nur große Sorgen …
– Hör mir jetzt zu! Sie ist emotional gestört. Genau wie ihre Freundin, diese Jolanda, die du mir freundlicherweise neulich nachts ins Bett geschoben hast. Die beiden sind sexuell hochbegabt, und wir, die wir auf der Suche nach ein bisschen erlösender Fummelei umherschweifen, sind aufs höchste empfänglich für das rätselhafte geheimnisvolle Opium, das uns zwischen ihren Beinen entgegenströmt …
Wahr. Wahr. Wenn er nur eine Spur Courage hätte, er würde fliehen. Das weiß er. Aber so etwas fällt ihm nie leicht. Er ist ein wilder Klammerer, er klebt verzweifelt an allem, das auch nur vage ein bisschen Tröstung zu bringen verspricht.
Dann allmählich versinkt er in einen unruhigen Schlaf. Gegen fünf wacht er auf, haucht der schlafenden Isabelle einen Kuss auf die Nasenspitze und fährt zu sich nach Hause.
Ein paar Minuten nach acht ist er in seinem Büro. Das giftige Miasma der verflossenen Nacht wabert noch um ihn, aber irgendwie hofft er, dass er sich durch einen Tag voll intensiver harter Arbeit aus seiner Depression lösen kann. Immerhin, denkt er, sind wir bei den ganzen Scheußlichkeiten gestern Nacht nicht dazu gekommen, uns wieder mal über meine Forschungen zu zanken. Aber das war ja wohl nur ein recht kleiner Trost. Bestenfalls.
Er hielt sich Van Vliet vom Hals, solange es ging. Bis fast gegen Mittag. Der Kerl verursachte ihm Darmkrämpfe. Vor vier Tagen war der Genehmigungsantrag für die Budgeterhöhung für Van Vliets Haemoglobinforschung nach New Tokyo gegangen, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde die Sache ohne Einwände genehmigt werden, wenn man bedachte, in welch hohem Ansehen Rhodes beim Topmanagement der Firma stand.
Aber bis dahin würde Van Vliet eben warten müssen. Aber der Junge schien dazu nicht fähig zu sein. Zwei-, dreimal täglich blies er ins Horn und nervte Rhodes, weil er ihm unbedingt von dem oder jenem aufregenden neuen Ergebnis nach seinen vorläufigen Theorien berichten musste. Im Moment war Rhodes aber gar nicht dazu aufgelegt, sich so etwas schon wieder zuzumuten. Nicht nach der vergangenen Nacht, und bestimmt nicht so früh am Tag.
Er vertrödelte möglichst viel Zeit, indem er sich stur durch den Wust auf seinen zwei Seitentischen und den ganzen Bergen direkt vor sich hindurcharbeitete, Papiere abzeichnete, ohne sie richtig zu lesen, einige Dokumente ohne Signatur zur endgültigen Ablage abschob, ohne zu denken und ohne Gewissensbisse zu haben. Und nach und nach merkte er, dass ein Teil seiner neuerlichen seelischen Abschürfungen wieder zu heilen begannen.
Etliche Gläschen halfen ihm über die böse Zeit. Der erste Drink schmeckte merkwürdig blechern – ein übler Nachgeschmack von der letzten Nacht, dachte er, die Geschmacksnerven rebellieren noch dagegen, dass ich zuviel von Isabelles verdammtem Algenbrei-›Scotch‹ gesoffen habe. Aber sein zweites Glas besserte die Lage beträchtlich. Und das dritte ging ganz problemlos durch die Kehle.
Schließlich fühlte er sich wieder relativ wohlgewappnet, und da ihm klar war, dass er sich nicht länger vor der Konfrontation mit seinem jungen Kollegen drücken könne, drückte er die Verbindungstaste und sagte: »Ich kann jetzt mit Dr. Van Vliet sprechen.«
»Heißt das, du nimmst jetzt wieder Gespräche an, Dr. Rhodes?«
»Offensichtlich. Waren welche da für mich?«
»Nur einen«, antwortete der Android.
Isabelle! Es tut ihr leid, dass gestern Abend alles dermaßen schiefgelaufen ist!
Nein. Nicht Isabelle. »Ein Mr. Nakamura hat angerufen«, sagte der Android.
»Wer?«
»Mister Nakamura von East Bay Realty Associates. Es geht um das Haus in Walnut Creek, an dem du interessiert bist.«
Rhodes kannte niemand mit dem Namen Nakamura. Und er hatte auch nicht vor, sich ein Haus in Walnut Creek oder sonst wo zu kaufen.
»Es muss sich um eine falsche Nummer handeln«, sagte er. »Bestimmt will er einen anderen Nicholas Rhodes sprechen.«
»Er sagte, das würdest du wahrscheinlich annehmen. Aber ich soll ausrichten, dass es sich nicht um einen Irrtum handelt, dass du die Bedingungen seines Angebots sofort erkennen und als höchst angenehm empfinden würdest, wenn du erst mit ihm gesprochen hättest.«
Nakamura?
Walnut Creek?
Es ergab keinen Sinn. Aber alle Erwägungen darüber mussten vorläufig warten. Van Vliet war wieder in einer der Leitungen.