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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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Teil drei

Turbulenz

Achtzehn

Die Zeit ist wie ein Pfeil, hatte Sue Chopra einmal erklärt. Sie fliegt in eine Richtung. Bringt man Feuer und Brennholz zusammen, ist Asche das Resultat. Bringt man Feuer und Asche zusammen, ist aber nicht Brennholz das Resultat.

Auch die Moral ist wie ein Pfeil. Lässt man zum Beispiel einen Film über den Zweiten Weltkrieg rückwärts laufen, stellt man sie auf den Kopf. Die Alliierten unterzeichnen ein Friedensabkommen mit Japan und bombardieren gleich darauf Hiroshima und Nagasaki. Nazis ziehen Geschosse aus den Köpfen ausgemergelter Juden, die man hernach wieder gesund pflegt.

Das Problem bei der Tau-Turbulenz, sagte Sue, sei nun, dass sie solche Paradoxa unter die alltägliche Erfahrung mische.

In der Nachbarschaft eines Chronolithen könnte ein Heiliger zum Mörder und ein Sünder zum Wohltäter werden.

Sieben Jahre nach Portillo und Dank der Tatsache, dass das Militär den gesamten Ausstoß der Kommunikations- und Computerindustrie an sich riss, brachte ein gebrauchtes Prozessorsubstrat von guter Volksqualität auf dem offenen Markt locker seine zweihundert Dollar. Ein Strat-Board von Marquis Instruments, Baujahr 2025, steckte seine modernen Gegenstücke an Schnelligkeit und Zuverlässigkeit in die Tasche; Unze für Unze war es mehr wert als Gold. Fünf davon hatte ich im Kofferraum meines Wagens.

Ich kutschierte mich, meine Strat-Boards und meine Kollektion an überschüssigen Steckverbindungen, Bildschirmen, Parabolantennen, Modems und Außenzubehör zum freien Markt in der Nicollet Mall. Es war ein strahlender, heiterer Sommermorgen und selbst die leeren Fenster des Halprin Tower — eine Bauruine, seit die Finanzierung letzten Januar geplatzt war — hatten etwas Fröhliches da oben in ihren luftigen und relativ sauberen Gefilden.

An meinem angestammten Platz am Springbrunnen hatte ein Obdachloser seine Decke ausgerollt, räumte aber anstandslos das Feld. Er kannte die Regeln. Die Standplätze wurden eifersüchtig gehütet, ältere Rechte peinlich respektiert. Viele der Nicollet-Händler waren schon seit Beginn der Rezession hier, als die Ortspolizei bereits dafür bekannt war, das Hausierverbot mit Waffengewalt durchzusetzen. Not schweißt zusammen. Wir Händler kannten einander und, obwohl Konflikte nicht gerade etwas Ungewöhnliches waren, respektierten und verteidigten in der Regel den Standplatz des anderen. Alte Veteranen behaupteten die besten Plätze; Anfänger mussten sehen, wo sie blieben, und nicht selten Monate oder Jahre auf eine Vakanz warten.

Ich rangierte irgendwo zwischen den Veteranen und den Anfängern. Der Platz mit dem Springbrunnen lag abseits der Hauptpassagen, war aber so groß, dass ich keinen Handkarren brauchte: Ich konnte vor Ort parken, um Klapptisch und Ware auszuladen… immer vorausgesetzt, dass ich früh genug kam und meinen Stand aufbaute, bevor es voll wurde.

Diesen Morgen war ich ein bisschen spät dran. Der Händler neben mir, ein Mann namens Duplessy, der gebrauchte Kleidung verkaufte und änderte, hatte seinen Stand bereits fertig. Er schlenderte herüber, während ich mit Auspacken beschäftigt war.

Er besah sich die neue Ware. »Donnerwetter, Strat-Boards«, sagte er. »Originale?«

»Klar.«

»Sieht nach Qualität aus. Hast du einen Lieferanten?«

»Nur Glück gehabt.« In der Tat hatte ich die Boards von einem ahnungslosen Hobby-Liquidator für Büroeinrichtungen und Beleuchtungskörper. Eine günstige Gelegenheit, mein Gott.

»Lust auf ein Tauschgeschäft. Ein hübscher, eleganter Anzug für eins von diesen Boards?«

»Was soll ich mit einem Anzug, Dupe?«

Er zuckte die Achseln. »War nur eine Frage. Hoffe, wir haben Kundschaft heute. Trotz der Parade.«

Ich runzelte die Stirn. »Noch eine Parade?« Ich hätte besser aufpassen sollen bei den Nachrichten.

»Wieder eine A&P-Parade. Nur Fahnen und Arschlöcher, keine Bonbons. Nicht mal Clowns… im engeren Sinne, meine ich.«

Adapt & Prosper war trotz ihres mitunter versöhnlichen Tons eine radikale Splittergruppe der Kuinisten und jedes Mal, wenn sie ihre blauroten Banner durch St. Paul und Minneapolis trugen, gab es unweigerlich Gegendemonstrationen und ein paar fotogene Kopfverletzungen. An Paradetagen zog es die Friedliebenden nicht auf die Straße.[30] Vermutlich hatten die Copperheads nach wie vor das Recht, ihre Meinung zu sagen. Niemand hatte die Verfassung außer Kraft gesetzt. Aber es war eine Schande, dass sie sich einen Tag wie diesen ausgesucht hatten — blauer Himmel, kühle Brise, das perfekte Shoppingwetter.

Ich passte auf Dupes Ware auf, während er zu einem Karren lief, um sich sein Frühstück zu holen. Bis er wieder zurück war, hatte ich einem anderen Händler eins meiner Boards verkauft, und bis zum Lunch, obwohl nicht viel zu tun war, gingen noch zwei mehr weg, alle zu Höchstpreisen. Ich hatte einen anständigen Schnitt gemacht und als sich gegen eins die Passagen leerten, packte ich zusammen. »Angst vor einem guten alten Straßenkämpfchen?«, tönte Duke zwischen seinen Maulwurfshügeln aus Baumwollstoffen und Denim.

»Angst vor dem Verkehr.« Die Polizei war längst dabei, überall im Stadtkern Straßensperren zu errichten. Noch während der Strom der Passanten dünner wurde, war mir aufgefallen, wie sich auf den Gehsteigen grimmige junge Männer mit A&P-Armbinden und »K+«-Tattoos sammelten.

Was mir Sorgen machte, war allerdings weniger der Verkehr oder die Gewaltbereitschaft als der hagere, bärtige Mann, der zweimal an meinem Stand vorbeigekommen war, sich immer noch in der Nähe herumtrieb und mit beharrlich vorgetäuschter Gleichgültigkeit beiseite sah, wann immer ich in seine Richtung blickte. Mir waren schüchterne oder unschlüssige Kunden nicht fremd, doch dieser Gentleman hatte meiner Ware nur einen flüchtigen und oberflächlichen Blick gegönnt und schien es weit interessanter zu finden, wiederholt auf seine Uhr zu blicken. Er war bestimmt nur ein harmloser Spasti, aber er machte mich nervös.

Für gewöhnlich konnte ich mich auf meinen Instinkt verlassen.

Bevor es zu ernsthaften Auseinandersetzungen kam, hatte ich den Stadtkern verlassen. Pro- und Anti-K-Schlägereien waren in letzter Zeit an der Tagesordnung und die Polizei hatte sich darauf eingestellt. Die Reste des Beruhigungsgases (das wie eine Mischung aus verpisster Katzenstreu und vergorenem Knoblauch riecht) würden noch tagelang herumgeistern, und es kostete die Stadt ein kleines Vermögen, die oxidierenden Rückstände des Sperrschaums vom Pflaster zu kratzen.

Vieles hatte sich in den sieben Jahren nach Ankunft des Portillo-Chronolithen verändert.

Lange Jahre: sieben an der Zahl, nervöse Vorkriegsjahre, pessimistische Jahre. Jahre, in denen es mit uns bergab ging, selbst wenn man die wirtschaftliche Krise, die kuinistische Jugendbewegung und die schlechten Nachrichten aus aller Welt ausklammerte. Die Mississippi-Atchafalaya-Katastrophe zog sich hin. Hinter Baton Rouge hatte sich der Mississippi in seinen neuen Lauf in Richtung Meer geschickt. Industrie und Schifffahrt waren zerstört, ganze Städte überschwemmt oder ohne Trinkwasser. Nichts Bedrohliches, nur dass die Natur eine Runde gegen die US-Pioniertruppe gewonnen hatte. Die Sedimentation verändert das Flussgefälle und die Gravitation besorgt den Rest. Doch alles das erschien seinerzeit seltsam symbolisch. Der Kontrast war offenkundig: Kuin hatte die Zeit besiegt, und uns das Wasser.

Vor sieben Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, einmal ein Schrotthändler von Gottes Gnaden zu werden. Heute zählte ich mich zu den Privilegierten. Normalerweise verdiente ich jeden Monat genug, um Miete und Essen zu finanzieren. Was man von einem Großteil der Menschen nicht sagen konnte. Viele waren auf Stütze und Suppenküchen angewiesen, eine dankbare Reserve für die Pro- und Anti-K-Milizen.

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30

AP parade meint heutzutage die Agricultural and Pastoral parade, einen land- und viehwirtschaftlich orientierten Umzug, der in manchen ländlichen Gegenden geradezu ein Höhepunkt ist.

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