Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Sonea, die inzwischen etwas von dem verkrusteten Schlamm auf dem Sackleinen abgekratzt hatte, konnte jetzt ein wenig besser sehen. Auf einer Seite des Raums stand eine Frau in Kleidern von trüber Farbe. Akkarin konnte Sonea jedoch nicht erkennen. Sie fuhr fort, das Sackleinen zu bearbeiten. Wie sollte sie etwas über den Kampf gegen diese Spione lernen, wenn sie ihn nicht mit ansehen konnte?
»Deine Gefährten werden nicht wissen, was sie jagt«, sprach die Sachakanerin weiter. »Ich hatte überlegt, ob ich einfach in die Gilde spaziere und sie alle gleichzeitig erledige, aber jetzt denke ich, dass es mehr Spaß machen wird, sie herauszulocken und einen nach dem anderen zu töten.«
»Ich empfehle Letzteres«, erwiderte Akkarin. »Andernfalls wirst du nicht weit kommen.«
Die Frau lachte. »Ach nein?«, höhnte sie. »Aber ich weiß, dass Kariko Recht hat. Deine Gilde versteht sich nicht auf höhere Magie. Ihre Magier sind schwach und dumm – so dumm, dass du dein Wissen vor ihnen verborgen halten musst… sonst würden sie dich töten.«
Licht flammte auf, als magische Angriffe auf den Schild der Frau prasselten. Die Frau erwiderte den Angriff. Von der Decke kam ein Knarren. Sonea sah, wie die Frau aufblickte und dann beiseite trat, auf die Nische zu.
»Nur weil wir unsere Kenntnisse der Magie nicht missbrauchen, heißt das nicht, dass wir unwissend wären«, sagte Akkarin gelassen. Er trat in Soneas Gesichtsfeld.
»Aber ich habe in den Gedanken deiner Leute die Wahrheit gelesen«, entgegnete die Frau. »Ich weiß, dass das der Grund ist, warum du nicht zulassen kannst, dass sie uns kämpfen sehen. Dann lass sie dies hier sehen.«
Plötzlich war der Raum erfüllt von dem ohrenbetäubenden Krachen berstenden Holzes. Deckenbalken und Steine stürzten herab und erfüllten die Luft mit Staub. Die Frau lachte und rückte näher an die Nische und Sonea heran.
Im nächsten Moment versperrten ihr weitere Trümmer, die von der Decke fielen, den Weg. Plötzlich wurde die Sachakanerin an die Wand geschleudert. Sonea spürte die Wucht von Akkarins Kraftzauber durch den Boden der Nische, und Lehmbrocken rieselten ihr auf den Rücken.
Die Frau stieß sich von der Wand ab, fauchte etwas und ging dann mit langen Schritten auf die Trümmer zu… und durch sie hindurch. Sonea blinzelte überrascht, als ihr klar wurde, dass das Ganze eine Illusion gewesen war, dann setzte ihr Herz einen Schlag aus: Die Frau kam direkt auf sie zu.
Akkarin zwang die Sachakanerin mit einem neuerlichen Angriff, vor Soneas Versteck stehen zu bleiben, und Sonea zog hastig einen starken Schild um sich herum hoch.
Der Raum erzitterte unter dem Kampf der beiden Magier. Immer mehr Lehmbrocken prasselten auf Sonea herab. Als sie die Hände hob, spürte sie, dass die Balken, die die Decke der Nische hielten, barsten und nachzugeben drohten. Erschrocken dehnte sie ihren Schild aus, um sie zu stärken.
Ein Lachen lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Raum vor ihr. Sie sah, dass Akkarin rückwärts ging. Seine Angriffe schienen schwächer zu werden. Er machte einen Schritt zur Seite, auf die Tür zu.
Er verliert Kraft, begriff sie plötzlich. Als er sich weiter zur Tür hinüberschob, krampfte sich Soneas Magen zusammen.
»Diesmal wirst du mir nicht entkommen«, sagte die Frau.
Eine Barriere spannte sich über die Tür. Akkarins Miene verfinsterte sich. Die Frau schien mit einem Mal größer zu werden. Statt auf ihn zuzugehen, machte sie einige Schritte rückwärts und drehte sich dann zu Sonea um.
Auf Akkarins Zügen zeichneten sich jetzt Entsetzen und Furcht ab. Die Frau streckte die Hand nach der Nische aus, hielt jedoch inne, als er ihr einen mächtigen Zauber entgegenschleuderte.
Es war nur eine List, dachte Sonea plötzlich. Er hat versucht, sie von mir abzulenken. Aber statt ihm zu folgen, trat die Frau auf die Nische zu. Warum? Weiß sie, dass ich hier bin? Oder ist es etwas anderes?
Sonea tastete ihre Umgebung ab und stieß auf das Stoffbündel. Selbst in der Dunkelheit konnte sie erkennen, dass das Material von guter Qualität war.
Sie schuf eine winzige, schwache Lichtkugel und wickelte das Bündel auf. Es war der Umhang einer Frau. Als sie das Kleidungsstück anhob, fiel ein kleiner Gegenstand heraus. Ein silberner Ring.
Sonea hob ihn auf. Es war ein Männerring, von der Art, wie sie die Ältesten der Häuser trugen, um ihren Rang zu verdeutlichen. Eine kleine quadratische Fläche auf der einen Seite trug das Incal des Hauses Saril.
Dann war es, als explodiere ein Sturm von Lehm und Lärm in der Nische.
Sonea wurde zurückgeschleudert. Nachdem sie sich zu einem Ball zusammengerollt hatte, konzentrierte sie sich ganz darauf, ihren Schild aufrechtzuerhalten. Das Gewicht, das auf ihr lastete, nahm ständig zu, bis der Druck schließlich gleichbleibend war.
Dann war alles still. Sonea öffnete die Augen und schuf eine weitere winzige Lichtkugel. Überall um sie herum war Erde. Ihr Schild, der einen runden Hohlraum um sie herum bildete, hielt das Erdreich zurück. Sonea rollte sich zur Seite, ging in die Hocke und überdachte ihre Situation.
Sie war begraben. Obwohl sie den Schild für einige Zeit aufrechterhalten konnte, würde die Luft darin nicht lange ausreichen. Es würde nicht schwer sein, sich einen Weg ins Freie zu bahnen. Sobald sie das jedoch tat, wäre sie nicht länger versteckt.
Also sollte ich so lange wie möglich hier bleiben, befand sie. Ich werde zwar nichts mehr von dem Kampf mitbekommen, aber das lässt sich nun einmal nicht ändern.
Sie dachte noch einmal über die Dinge nach, die sie mit angesehen hatte, und schüttelte den Kopf. Der Kampf entsprach in keiner Weise dem, was Akkarin vorausgesagt hatte. Die Frau war stärker als die anderen Spione. Ihre ganze Einstellung war nicht die eines Sklaven, und sie hatte von den Ichani als »wir« gesprochen, nicht als »meine Meister«, wie es der letzte Spion getan hatte. Außerdem war sie eine geübte Kämpferin. Die früheren Sklaven, die nach Kyralia geschickt worden waren, hatten keine Zeit gehabt, derartige Fähigkeiten zu erwerben.
Wenn diese Frau keine Sklavin war, dann konnte sie nur eins sein…
Eine Ichani.
Bei dieser Erkenntnis krampfte sich Soneas Magen zusammen. Akkarin kämpfte gegen eine Ichani. Sie konzentrierte sich und stellte fest, dass sie irgendwo ganz in ihrer Nähe die Vibration der Magie der beiden spüren konnte. Der Kampf tobte noch immer.
Langsam ließ der Druck auf ihren Schild ein wenig nach. Als sie aufblickte, sah sie, dass dort, wo die Erde über ihren Schild rutschte, ein kleines Loch auftauchte. Während immer mehr von dem Erdreich zu Boden fiel, vergrößerte sich die Öffnung.
Dann konnte sie wieder erkennen, was in dem Raum vorging. Sie drückte die Schultern durch und schnappte entsetzt nach Luft. Die Sachakanerin stand nur wenige Schritte von ihr entfernt.
Erschrocken verringerte Sonea die Größe ihres Schilds, aber dadurch rutschte das Erdreich nur umso schneller herab. Und nun kam auch Akkarin in Sicht. Seine Augen flackerten einmal in ihre Richtung, aber sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. Er ging auf seine Gegnerin zu.
Sonea kauerte in ihrem Schild und beobachtete hilflos die Sachakanerin, die ihr den Rücken zukehrte. Immer mehr Erdreich fiel jetzt herab. Sonea wagte es nicht, sich zu bewegen, um nicht die Aufmerksamkeit der Frau auf sich zu lenken. Als Akkarin näher kam, machte die Sachakanerin einen Schritt rückwärts. Ihr Körper war steif vor Konzentration.
Sonea spürte, wie Akkarins Magie über ihren Schild strich, als er die Frau mit einer Barriere umgab und versuchte, sie zu sich heranzuziehen. Aber seine Gegnerin konnte sich befreien und machte noch einen Schritt rückwärts. Als ihr Schild näher kam, zog Sonea ihren eigenen Schild nach innen, um eine Berührung zu vermeiden. Der summende Schild der Frau war jetzt nur noch eine Handspanne von Sonea entfernt. Wenn die Sachakanerin noch einen Schritt tat, würde sie sie entdecken.
Wenn sie mich wahrnimmt, dachte Sonea. Wenn ich den Schild sinken lasse, wird ihr Schild vielleicht über mich hinweggleiten, ohne dass sie mich bemerkt.