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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Dannyl legte ihm eine Hand auf die Stirn, schloss die Augen und streckte seinen Geist aus. Als er das Chaos im Körper des anderen spürte, sog er scharf die Luft ein.

Jemand hatte ihn vergiftet.

Dannyl griff nach seiner Magie und sandte heilende Energie aus, aber er wusste nicht, wo er anfangen sollte. Zuerst kümmerte er sich um die Organe, die am schwersten betroffen waren. Aber während das Gift sich langsam weiter im Körper ausbreitete, dauerte der Verfall an.

Das geht über meine Kraft, dachte Dannyl verzweifelt. Ich brauche einen Heiler.

Er dachte an die beiden anderen Magier auf dem Schiff. Keiner von ihnen war Heiler. Sie waren beide Elyner. Mit einem Mal kam ihm Dem Maranes Warnung in den Sinn, dass der König ihn eher töten lassen würde als zuzulassen, dass durch ihn die Gilde von seinen, des Königs, Geheimnissen erfuhr.

Barene war hier gewesen, als die Diener das Essen gebracht hatten. Hatte er Farand das Gift gegeben? Er beschloss, nicht nach ihm zu rufen, für den Fall, dass es sich tatsächlich so verhielt. Der andere Magier, Lord Hemend, stand dem elynischen König sehr nahe. Dannyl vertraute keinem der beiden Männer.

Er hatte keine andere Wahl. Er schloss die Augen.

— Vinara!

— Dannyl?

— Ich brauche Eure Hilfe. Jemand hat den »Wilden« vergiftet.

Die beiden anderen Magier würden dieses Gespräch mitanhören, aber das ließ sich nicht verhindern. Dannyl belegte die Tür mit einem magischen Schloss. Obwohl dieses Hindernis einen Magier nicht lange aufhalten würde, brauchte er auf diese Weise keine Überraschungen oder Störungen durch Nichtmagier zu befürchten.

Das Gefühl von Lady Vinaras Persönlichkeit wurde stärker, und Dannyl nahm Sorge und Eile wahr.

— Beschreibt mir die Symptome.

Dannyl zeigte ihr ein Bild Farands, dessen Haut jetzt schneeweiß war und dessen Atem in gequälten Stößen ging. Dann sandte er seinen Geist wieder in den Körper des Mannes und übermittelte Vinara seine Eindrücke.

— Ihr müsst zuerst das Gift austreiben, bevor Ihr Euch um die Schäden kümmert, die es bereits angerichtet hat.

Dannyl befolgte ihre Anweisungen und begann einen quälend komplizierten Prozess. Zuerst brachte er Farand dazu, sich zu übergeben. Dann griff er nach einem der Essmesser, säuberte es und schärfte es mit Magie, bevor er eine Ader in Farands Arm aufschnitt. Vinara erklärte ihm, was er tun musste, damit die versagenden Organe des Mannes weiterarbeiteten. Dann kämpfte er gegen die Wirkung des Giftes an und ermutigte den Körper des Kranken, rasch frisches Blut zu produzieren, während das alte, giftverseuchte langsam abfloss.

Es war eine große Strapaze für Farands Körper. Heilende Magie konnte die Nährstoffe nicht ersetzen, die vonnöten waren, um Blut und Gewebe zu bilden. Dazu musste er Fettreserven und Muskelgewebe angreifen. Wenn Farand erwachte – falls er erwachte -, würde er kaum kräftig genug sein, um zu atmen.

Als Dannyl alles in seiner Macht Stehende getan hatte, öffnete er die Augen, und als er sich seiner Umgebung wieder bewusst wurde, stellte er fest, dass jemand gegen die Tür hämmerte.

— Wisst Ihr, wer das getan hat?, fragte Vinara.

— Nein. Aber ich habe eine Ahnung, warum. Ich könnte Nachforschungen anstellen…

— Überlasst die Nachforschungen den anderen. Ihr müsst bei dem Patienten bleiben und ihn bewachen.

— Ich vertraue ihnen nicht. Da. Er hatte es ausgesprochen.

— Trotzdem tragt Ihr jetzt vor allem die Verantwortung für Farand. Ihr könnt ihn nicht gleichzeitig beschützen und nach dem Schuldigen suchen. Seid wachsam, Dannyl.

Sie hatte natürlich Recht. Dannyl erhob sich von dem Bett, straffte die Schultern und bereitete sich auf das Gespräch mit demjenigen vor, der draußen an die Tür klopfte – wer immer es sein mochte.

13

Die Mörderin

Als Sonea den unterirdischen Raum betrat, fielen ihr auf dem Tisch verschiedene Gegenstände auf. Eine Schale enthielt einige Stücke zerbrochenen Glases. Daneben fanden sich eine verbogene silberne Gabel, eine Schüssel und ein Tuch. Außerdem stand auf dem Tisch das Holzkistchen mit Akkarins Messer.

Seit zwei Wochen praktizierte sie nun schwarze Magie. Sie hatte an Geschicklichkeit gewonnen und konnte jetzt sehr schnell eine große Menge Kraft aufnehmen oder nur ein klein wenig Kraft durch den winzigsten Nadelstich.

Sie hatte Energie von kleinen Tieren, Pflanzen und sogar von Wasser bezogen. Die Gegenstände auf dem Tisch waren heute Abend andere, und sie fragte sich, was Akkarin ihr als Nächstes beizubringen beabsichtigte.

»Guten Abend, Sonea.«

Sie blickte auf. Akkarin beugte sich über die Truhe. Sie stand offen, und Sonea konnte mehrere alte Bücher darin erkennen. Mit einem von ihnen beschäftigte sich Akkarin gerade. Sonea verbeugte sich.

»Guten Abend, Hoher Lord.«

Er schloss das Buch, dann durchquerte er den Raum und legte es neben die anderen Dinge auf den Tisch.

»Hast du die Chroniken über den Sachakanischen Krieg zu Ende gelesen?«

»Fast. Es ist schwer zu glauben, dass der Gilde ein so großer Teil ihrer Geschichte unzugänglich werden konnte.«

»Diese Dinge sind ihr nicht unzugänglich geworden«, korrigierte er sie. »Sie hat sie ausgemerzt. Jene Geschichtsbücher, die nicht vernichtet wurden, wurden umgeschrieben, so dass sich kein Hinweis auf höhere Magie mehr darin fand.«

Sonea schüttelte den Kopf. Wenn sie sich vor Augen führte, wie viel Mühe die Gilde einst darauf verwandt hatte, alle Hinweise auf schwarze Magie zu tilgen, begriff sie, warum Akkarin es nicht riskieren wollte, der gegenwärtigen Gilde die Wahrheit über seine Vergangenheit zu sagen. Trotzdem konnte sie sich noch immer nicht vorstellen, dass Lorlen und die höheren Magier so blind auf schwarze Magie reagieren würden, wenn sie wüssten, warum Akkarin sie erlernt hatte, oder wenn sie die Gefahr verstünden, die ihnen durch die Ichani drohte.

Ich bin diejenige, die sie verdammen würden, dachte sie plötzlich, denn ich habe die schwarze Magie freiwillig gelernt.

»Heute Abend werde ich dir zeigen, wie man Blutjuwelen macht«, erklärte Akkarin.

Blutjuwelen? Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie begriff, wovon er sprach. Sie würde ein Juwel machen wie das aus dem Zahn des Spions.

»Ein Blutjuwel gestattet es einem Magier, wahrzunehmen, was immer der Träger sieht und hört – und denkt«, fuhr Akkarin fort. »Wenn der Träger nichts sehen kann, kann der Schöpfer des Rings ebenfalls nichts sehen. Außerdem leitet das Juwel die Gedankenrede ausschließlich zu seinem Schöpfer, so dass niemand Gespräche zwischen dem Schöpfer des Rings und seinem Träger belauschen kann.

Das Ganze hat jedoch seine Grenzen«, warnte er sie. »Der Schöpfer ist ständig mit dem Juwel verbunden. Ein Teil seines Geistes empfängt jederzeit Bilder und Gedanken von dem Träger, und das kann ziemlich irritierend sein. Nach einer Weile lernt man allerdings, diese Dinge auszublenden. Wenn ein solcher Ring erst gefertigt wurde, kann die Verbindung zu seinem Schöpfer nur noch durch die Zerstörung des Juwels unterbrochen werden. Wenn der Träger des Rings den Stein also verliert und ein anderer ihn findet und überstreift, wird der Schöpfer sich mit der Irritation eines unerwünschten Geistes in seinem eigenen abfinden müssen.« Er lächelte schwach. »Takan hat mir einmal die Geschichte eines Ichani erzählt, der einen Sklaven an einen Pfahl gebunden hatte, damit er von einem wilden Limek gefressen wurde. Er hatte dem Mann ein Blutjuwel übergestreift, damit er das Geschehen beobachten konnte. Eins der Tiere hat das Juwel gefressen – seine Gedanken haben den Ichani mehrere Tage lang verfolgt und schier in den Wahnsinn getrieben.«

Dann verblasste sein Lächeln, und ein geistesabwesender Ausdruck trat in seine Züge. »Aber die Ichani verstehen sich darauf, Magie zu grausamen Zwecken zu benutzen. Dakova hat einmal aus dem Blut eines Mannes ein Juwel gemacht und diesen Mann dann gezwungen, zuzusehen, wie sein Bruder gefoltert wurde.« Er schnitt eine Grimasse. »Glücklicherweise sind Blutjuwelen aus Glas leicht zu zerstören. Es gelang dem Bruder, das Juwel zu zerschmettern.«

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