Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Obwohl es Dannyl gelungen war, den größten Teil des Tages zu schlafen, musste er immer wieder gähnen, als er sich nun anzog. Der Diener hatte ihm einen Teller mit gebratenem Harrel und einigen raffiniert zubereiteten Gemüsesorten gebracht. Nach dem Essen fühlte sich Dannyl besser, und eine Tasse Sumi half ihm, endgültig wach zu werden.
Durch die kleinen Fenster seiner Kabine konnte er die Segel anderer Schiffe sehen, die im Licht der hereinbrechenden Abenddämmerung orangefarben leuchteten. Er verließ sein Quartier und ging durch einen langen Flur zu Farands Zelle hinüber.
Es war im Grunde gar keine Zelle. Obwohl es der kleinste und schlichteste Raum im Schiff war, war die Kabine dennoch behaglich möbliert. Dannyl klopfte an die Tür. Ein kleiner Magier mit einem runden Gesicht begrüßte ihn.
»Dann seid Ihr jetzt an der Reihe, Botschafter«, sagte Lord Barene, offenkundig erleichtert darüber, dass seine Schicht vorbei war. Er sah Dannyl an, dann schüttelte er den Kopf und murmelte etwas Unverständliches, bevor er seiner Wege ging.
Farand lag auf dem Bett. Als er Dannyl sah, lächelte er schwach. Auf einem kleinen Tisch standen zwei Teller. Aus den Harrel-Knochen, die darauf lagen, schloss Dannyl, dass die Gefangenen die gleiche Mahlzeit bekommen hatten wie er.
»Wie fühlt Ihr Euch, Farand?«
Der junge Mann gähnte. »Müde.«
Dannyl setzte sich auf einen der gepolsterten Stühle. Er wusste, dass Farand nicht allzu gut schlief. Das würde ich auch nicht tun, dachte er, wenn ich befürchten müsste, dass ich in einer Woche vielleicht dem Tod ins Auge blicken muss.
Er glaubte nicht, dass die Gilde Farand hinrichten würde. Es war jedoch seit über hundert Jahren kein wilder Magier mehr entdeckt worden, und Dannyl musste sich eingestehen, dass er keine Ahnung hatte, was geschehen würde. Er hätte Farand gern beruhigt, aber das kam nicht in Frage. Es wäre grausam, wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass er sich geirrt hatte.
»Womit habt Ihr Euch beschäftigt?«
»Ich habe mit Barene geredet. Oder vielmehr hat er mit mir geredet. Über Euch.«
»Ach ja?«
Farand seufzte. »Royend erzählt allen Leuten von Euch und Eurem Geliebten.«
Dannyl fröstelte. Es hatte also begonnen.
»Es tut mir leid«, fügte Farand hinzu.
Dannyl blinzelte überrascht. »Das muss es nicht, Farand. Es war Teil der Täuschung. Eine Möglichkeit, Euren Schwager dazu zu bringen, uns zu vertrauen.«
Farand runzelte die Stirn. »Das glaube ich nicht.«
»Nein?« Dannyl zwang sich zu einem Lächeln. »Wenn wir nach Kyralia kommen, wird der Hohe Lord es bestätigen. Es war seine Idee, dass wir uns benehmen sollten wie Liebende, damit die Rebellen glaubten, sie hätten etwas in der Hand, mit dem sie uns erpressen können.«
»Aber es ist wahr, was er erzählt«, sagte Farand leise. »Als ich Euch beide zusammen gesehen habe, war es unverkennbar. Macht Euch jedoch keine Sorgen deswegen. Ich habe allen anderen gegenüber meine Meinung zu dieser Sache für mich behalten.« Wieder gähnte er. »Und das werde ich auch weiterhin tun. Aber ich denke trotzdem, dass Ihr Euch irrt, was die Gilde betrifft.«
»Inwiefern?«
»Ihr sagt mir immer wieder, dass die Gilde stets gerecht und vernünftig sei. Aber wenn ich mir ansehe, wie die anderen Magier auf diese Neuigkeiten über Euch reagieren, bezweifle ich das zunehmend. Und es war nicht gerecht von Eurem Hohen Lord, Euch dazu zu bringen, etwas Derartiges zu offenbaren, obwohl er genau wusste, wie die anderen Magier das aufnehmen würden.« Farands Lider flatterten, und er senkte sie für einen Moment. »Ich bin so müde. Außerdem fühle ich mich nicht besonders gut.«
»Dann ruht Euch ein wenig aus.«
Der junge Mann schloss die Augen. Seine Atmung verlangsamte sich sofort, und Dannyl vermutete, dass er eingeschlafen war. Keine Gespräche heute Nacht, dachte er. Es wird eine lange Nacht werden.
Er blickte durch das Fenster zu den anderen Schiffen hinüber. Royend übte also Rache. Es spielt keine Rolle, wenn Farand glaubt, es sei die Wahrheit, sagte er sich. Wenn Akkarin bestätigt, dass das Ganze nur ein Täuschungsmanöver war, wird niemand dem Dem Glauben schenken.
Aber stimmte es, was Farand sagte? War es Unrecht von Akkarin, dass er ihn und Tayend auf solche Weise benutzt hatte? Dannyl konnte nicht länger so tun, als wüsste er nichts von Tayends wahrer Natur. Würde man von ihm erwarten, dass er Tayend in Zukunft aus dem Weg ging? Was würden die Leute sagen, wenn er es nicht tat?
Er seufzte. Er hasste es, mit dieser Furcht zu leben. Er hasste es, so tun zu müssen, als sei Tayend für ihn lediglich ein nützlicher Assistent und mehr nicht. Er gab sich jedoch keinen Illusionen hin, dass er kühn die Wahrheit eingestehen und die Einstellung der Kyralier irgendwie verändern könnte. Außerdem vermisste er Tayend schon jetzt, als hätte er einen Teil seiner selbst in Elyne zurückgelassen.
Denk an etwas anderes, befahl er sich.
Ihm kam das Buch in den Sinn, das Tayend sich von dem Dem »ausgeborgt« hatte und das jetzt in Dannyls Gepäck verstaut war. Er hatte niemandem davon erzählt, nicht einmal Errend. Obwohl ihm die Entdeckung des Buches bei seiner Entscheidung geholfen hatte, dass es an der Zeit sei, die Rebellen zu verhaften, war es nicht notwendig gewesen, seine Existenz zu offenbaren. Und er wollte es auch nicht tun. Indem er diese Seiten gelesen hatte, hatte er bereits das Gesetz gegen das Studium schwarzer Magie gebrochen. Er hatte die Worte über die Herstellung der »Blutsteine« oder »Blutjuwelen« noch immer im Gedächtnis …
Er dachte an den exzentrischen Dem, den er und Tayend vor einem Jahr, während ihrer zweiten Reise auf der Suche nach Informationen über die alte Magie, in den Bergen besucht hatten. In Dem Ladeiris beeindruckender Sammlung von Büchern und Artefakten hatte sich ein Ring befunden, und in die Einfassung des »Juwels« aus rotem Glas war das Symbol für hohe Magie eingeritzt gewesen. Dieser Ring ermöglichte es seinem Träger dem Dem zufolge, mit einem anderen Magier in Verbindung zu treten, ohne dass das Gespräch belauscht werden konnte. War der Stein in dem Ring einer jener Blutjuwelen?
Dannyl schauderte. Hatte er einen Gegenstand schwarzer Magie in Händen gehalten? Der Gedanke ließ ihn frösteln. Er hatte diesen Ring sogar übergestreift. Oder war es gar einer der »Speichersteine« oder »Speicherjuwelen«, die Magie auf spezielle Art binden und freisetzen konnten?
Er und Tayend hatten eine alte Ruinenstadt in den Bergen über Ladeiris Haus aufgesucht. Dort hatten sie einen verborgenen Tunnel gefunden, in dessen Wand die Worte »Höhle der Höchsten Strafe« eingemeißelt waren. Dannyl war dem Tunnel gefolgt und in eine große Höhle gelangt, in dessen Deckengewölbe unzählige Steine geglitzert hatten. Diese Steine hatten ihn mit Magie angegriffen, und er hatte nur mit knapper Not überlebt.
Seine Haut begann zu kribbeln. Waren die in die Decke jener Kuppel eingelassenen Edelsteine solche Speicherjuwelen? War es das, was Akkarin meinte, als er gesagt hatte, es gebe politische Gründe, um die Existenz der Kammer geheim zu halten? Sie war ein Raum voller Artefakte schwarzer Magie.
Akkarin hatte auch etwas darüber gesagt, dass die Höhle an Kraft verlöre. Offenkundig war ihm klar, worum es sich handelte. Es war die Aufgabe des Hohen Lords, derartige Magie zu erkennen und alles Notwendige zu veranlassen. Was ein Grund mehr war, warum das Buch fürs Erste geheim bleiben musste. Dannyl würde es Akkarin übergeben, sobald er in Imardin ankam.
Farand stieß im Schlaf ein leises Stöhnen aus. Dannyl blickte auf und runzelte die Stirn. Der junge Mann war bleich und wirkte krank. Die Strapazen und Ängste seiner Gefangenschaft forderten ihren Tribut. Dann sah Dannyl näher hin. Farands Lippen war dunkler geworden. Sie waren fast blau …
Dannyl trat an das Bett, packte Farand an der Schulter und schüttelte ihn. Der Mann öffnete die Lider, aber sein Blick blieb leer.
Dannyl legte ihm eine Hand auf die Stirn, schloss die Augen und streckte seinen Geist aus. Als er das Chaos im Körper des anderen spürte, sog er scharf die Luft ein.
Jemand hatte ihn vergiftet.
Dannyl griff nach seiner Magie und sandte heilende Energie aus, aber er wusste nicht, wo er anfangen sollte. Zuerst kümmerte er sich um die Organe, die am schwersten betroffen waren. Aber während das Gift sich langsam weiter im Körper ausbreitete, dauerte der Verfall an.
Das geht über meine Kraft, dachte Dannyl verzweifelt. Ich brauche einen Heiler.
Er dachte an die beiden anderen Magier auf dem Schiff. Keiner von ihnen war Heiler. Sie waren beide Elyner. Mit einem Mal kam ihm Dem Maranes Warnung in den Sinn, dass der König ihn eher töten lassen würde als zuzulassen, dass durch ihn die Gilde von seinen, des Königs, Geheimnissen erfuhr.
Barene war hier gewesen, als die Diener das Essen gebracht hatten. Hatte er Farand das Gift gegeben? Er beschloss, nicht nach ihm zu rufen, für den Fall, dass es sich tatsächlich so verhielt. Der andere Magier, Lord Hemend, stand dem elynischen König sehr nahe. Dannyl vertraute keinem der beiden Männer.
Er hatte keine andere Wahl. Er schloss die Augen.
— Vinara!
— Dannyl?
— Ich brauche Eure Hilfe. Jemand hat den »Wilden« vergiftet.
Die beiden anderen Magier würden dieses Gespräch mitanhören, aber das ließ sich nicht verhindern. Dannyl belegte die Tür mit einem magischen Schloss. Obwohl dieses Hindernis einen Magier nicht lange aufhalten würde, brauchte er auf diese Weise keine Überraschungen oder Störungen durch Nichtmagier zu befürchten.
Das Gefühl von Lady Vinaras Persönlichkeit wurde stärker, und Dannyl nahm Sorge und Eile wahr.
— Beschreibt mir die Symptome.
Dannyl zeigte ihr ein Bild Farands, dessen Haut jetzt schneeweiß war und dessen Atem in gequälten Stößen ging. Dann sandte er seinen Geist wieder in den Körper des Mannes und übermittelte Vinara seine Eindrücke.
— Ihr müsst zuerst das Gift austreiben, bevor Ihr Euch um die Schäden kümmert, die es bereits angerichtet hat.
Dannyl befolgte ihre Anweisungen und begann einen quälend komplizierten Prozess. Zuerst brachte er Farand dazu, sich zu übergeben. Dann griff er nach einem der Essmesser, säuberte es und schärfte es mit Magie, bevor er eine Ader in Farands Arm aufschnitt. Vinara erklärte ihm, was er tun musste, damit die versagenden Organe des Mannes weiterarbeiteten. Dann kämpfte er gegen die Wirkung des Giftes an und ermutigte den Körper des Kranken, rasch frisches Blut zu produzieren, während das alte, giftverseuchte langsam abfloss.
Es war eine große Strapaze für Farands Körper. Heilende Magie konnte die Nährstoffe nicht ersetzen, die vonnöten waren, um Blut und Gewebe zu bilden. Dazu musste er Fettreserven und Muskelgewebe angreifen. Wenn Farand erwachte – falls er erwachte -, würde er kaum kräftig genug sein, um zu atmen.
Als Dannyl alles in seiner Macht Stehende getan hatte, öffnete er die Augen, und als er sich seiner Umgebung wieder bewusst wurde, stellte er fest, dass jemand gegen die Tür hämmerte.
— Wisst Ihr, wer das getan hat?, fragte Vinara.
— Nein. Aber ich habe eine Ahnung, warum. Ich könnte Nachforschungen anstellen…
— Überlasst die Nachforschungen den anderen. Ihr müsst bei dem Patienten bleiben und ihn bewachen.
— Ich vertraue ihnen nicht. Da. Er hatte es ausgesprochen.
— Trotzdem tragt Ihr jetzt vor allem die Verantwortung für Farand. Ihr könnt ihn nicht gleichzeitig beschützen und nach dem Schuldigen suchen. Seid wachsam, Dannyl.
Sie hatte natürlich Recht. Dannyl erhob sich von dem Bett, straffte die Schultern und bereitete sich auf das Gespräch mit demjenigen vor, der draußen an die Tür klopfte – wer immer es sein mochte.