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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Gut gemacht«, murmelte Akkarin. Er ging voran und nahm immer zwei Stufen gleichzeitig. Sonea folgte ihm. Oben angekommen, drehte sie sich um und gab den Felsplatten den Befehl, ihre frühere Position wieder einzunehmen.

Das Licht der Laterne erhellte die vertrauten Ziegelmauern der Straße der Diebe. Akkarin ging voran. Nach einigen hundert Schritten erreichten sie den Ort, an dem der Führer sie schon einmal erwartet hatte. Jetzt trat ein kleinerer Schatten auf sie zu, um sie zu begrüßen.

Der Junge war ungefähr zwölf, vermutete Sonea. Seine Augen waren jedoch hart und wachsam – die Augen eines viel älteren Menschen. Er starrte sie beide an, dann blickte er auf Akkarins Stiefel hinab und nickte. Ohne ein einziges Wort bedeutete er ihnen, ihm zu folgen, und machte sich auf den Weg durch die Gänge.

Obwohl ihr Weg von Zeit zu Zeit eine Biegung machte, brachte er sie doch in eine bestimmte Richtung. Zu guter Letzt blieb ihr Führer neben einer Leiter stehen und zeigte nach oben auf eine Falltür. Akkarin blendete seine Lampe ab, und Dunkelheit legte sich über den Tunnel. Sonea hörte, wie er seine Stiefel auf die Sprossen der Leiter setzte und mit dem Aufstieg begann. Als er die Falltür vorsichtig anhob und hinausspähte, drang schwaches Licht in den Gang. Schließlich gab Akkarin ihr ein Zeichen, und sie stieg ebenfalls die Leiter hinauf, öffnete die Falltür zur Gänze und kletterte hindurch.

Kurz darauf fand Sonea sich in einer Gasse wieder. Die Häuser um sie herum waren aus allen möglichen gestohlenen Materialien grob zusammengezimmert. Ein überwältigender Geruch nach Kohl und Abwässern erfüllte die Luft. Ein lang vergessenes Mitgefühl, gepaart mit Wachsamkeit, stieg in Sonea auf. Sie befanden sich hier am äußeren Rand der Hüttenviertel, wo die Ärmsten der Armen ihr Dasein fristeten. Es war ein trauriger und gefährlicher Ort.

Aus einem Häusereingang in der Nähe trat ein massiger Mann und kam auf sie zugeschlendert. Sonea stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, als sie ihn erkannte. Es war der Mann, der den letzten Spion bewacht hatte. Er starrte Sonea an, dann wandte er sich zu Akkarin um.

»Sie ist gerade aufgebrochen«, erklärte der Mann. »Wir haben sie zwei Stunden lang bespitzelt. Die Bewohner dieser Straße sagen, sie habe sich während der letzten beiden Nächte dort unten aufgehalten.« Er zeigte auf eine Tür in der Nähe.

»Woher weißt du, dass sie heute Nacht zurückkommen wird?«, fragte Akkarin.

»Ich habe mir den Raum angesehen, nachdem sie fort war. Sie hat einige kostbare Sachen dort gelassen. Sie wird zurückkommen.«

»Der Rest des Hauses steht leer?«

»Eine Hand voll Bettler und Huren benutzen es, aber wir haben ihnen gesagt, dass sie sich für diese Nacht eine Beschäftigung suchen sollen.«

Akkarin nickte. »Wir werden hineinschauen und feststellen müssen, ob es ein günstiger Platz für einen Hinterhalt ist. Sorg dafür, dass niemand hereinkommt.«

Der Mann nickte. »Ihr Zimmer ist das letzte auf der rechten Seite.«

Sonea folgte Akkarin zu der Tür, die protestierend quietschte, als er sie aufzog. Dann gingen sie eine halb zerfallene Treppe aus festgetretenem Lehm hinunter, die von verrottenden Holzbalken gestützt wurde, und gelangten schließlich in einen Flur.

Es war dunkel dort, und der Lehmboden war uneben. Akkarin öffnete die Blende seiner Lampe gerade weit genug, um ihren Weg zu erhellen. In den Öffnungen vor den Räumen gab es keine Türen. Einige waren mit grobem Sackleinen verhängt. Die Wände hatte man mit Holzbrettern verkleidet, aber hier und da hatten sich einige davon gelöst. Der Lehm, der aus den Lücken gebröckelt war, bildete kleine Hügel auf dem Boden.

Die meisten der Räume standen leer. Vor dem letzten Eingang auf der rechten Seite hing Sackleinen. Akkarin musterte es aufmerksam, schob es dann beiseite und öffnete die Blende seiner Lampe.

Der Raum dahinter war überraschend groß. Einige hölzerne Kisten und ein verzogenes Brett dienten als Tisch. In eine Wand war ein Regal gehöhlt worden, und in einer Ecke lagen eine dünne Matratze und einige Decken.

Akkarin ging im Raum umher und unterzog alle Dinge einer genauen Musterung. Er durchsuchte das Bettzeug, dann schüttelte er den Kopf.

»Morren hat von kostbaren Dingen gesprochen. Das hier kann er wohl kaum gemeint haben.«

Sonea unterdrückte ein Lächeln. Sie ging zu einer der Wände hinüber und machte sich daran, jedes einzelne Brett abzutasten. Akkarin beobachtete sie, bis sie in der Nähe des Betts auf eine verräterisch weiche Stelle stieß.

Die Bretter ließen sich mühelos entfernen. Das Sackleinen dahinter war verkrustet von getrocknetem Schlamm, aber hier und da schimmerte ein Faden hindurch. Vorsichtig hob sie eine Ecke an. Dahinter befand sich eine Nische, die gerade so groß war, dass ein Kind darin sitzen konnte. In der Mitte lag ein kleines Stoffbündel.

Akkarin trat neben sie und kicherte. »Sehr schön. Du hast dich tatsächlich als nützlich erwiesen.«

Sonea zuckte die Achseln. »Ich habe einmal an einem Ort wie diesem gelebt. Die Hüttenleute nennen diese Nischen Löcher.«

Er hielt inne. »Wie lange hast du dort gelebt?«

Als sie aufblickte, sah sie, dass er sie abschätzend betrachtete.

»Einen Winter. Es ist lange her, und damals war ich noch sehr klein.« Sie drehte sich wieder zu der Nische um. »Ich erinnere mich daran, dass der Raum sehr überfüllt war und kalt.«

»Aber jetzt leben hier nur noch wenige Menschen. Woran liegt das?«

»An der Säuberung. Sie findet erst nach dem ersten Schnee des Jahres statt. All die Menschen, die die Gilde aus der Stadt treibt, leben dann an Orten wie diesem. Die Menschen, von denen die Häuser behaupten, sie seien gefährliche Diebe. In Wahrheit wollen die vornehmen Herrschaften nur die hässlichen Bettler und Krüppel loswerden, die die Stadt ›verunstalten‹. Für die echten Diebe ist die Säuberung kein Problem, nicht einmal eine Unannehmlichkeit…«

Hinter ihnen erklang das schwache, ferne Knarren einer Tür. Akkarin fuhr herum.

»Das ist sie.«

»Woher wisst Ihr -«

»Jeden anderen hätte Morren aufgehalten.« Er schloss die Blende der Lampe fast zur Gänze und sah sich hastig im Raum um. »Einen anderen Weg hinaus gibt es nicht«, murmelte er. Dann hob er eine Ecke des Sackleinens an, das die Nische bedeckte. »Passt du dort hinein?«

Sie machte sich nicht die Mühe zu antworten. Stattdessen drehte sie sich wortlos um, setzte sich auf den Rand der Nische und zwängte sich hinein. Als sie die Beine in dem kleinen Raum angezogen hatte, ließ Akkarin das Leinen fallen und schob die Bretter wieder vor.

Vollständige Dunkelheit hüllte sie ein. Das Hämmern ihres Herzens klang sehr laut in der Stille, die sie umgab.

»Du schon wieder«, sagte die Frau mit einem merkwürdigen Akzent. »Ich habe mich schon gefragt, wann du mir eine neue Gelegenheit bieten würdest, dich zu töten.«

Hinter dem Sackleinen wurde es heller, und Sonea spürte die Vibrationen von Magie. Sie beugte sich vor und hoffte, dass sie durch das Tuch etwas würde sehen können.

»Du hast dich auf diesen Kampf vorbereitet«, bemerkte die Frau.

»Natürlich«, erwiderte Akkarin.

»Das Gleiche habe ich getan«, sagte sie. »Deine schmutzige Stadt ist jetzt ein wenig kleiner. Und deine Gilde wird bald um einen Mann ärmer sein.«

An einer Stelle, wo der getrocknete Schlamm auf dem Sackleinen dünn und bröckelig war, konnte Sonea die Umrisse von Gestalten sehen, die sich bewegten.

»Was wird deine Gilde denken, wenn man ihren Herrscher tot auffindet? Werden sie dahinterkommen, was ihn getötet hat? Ich glaube nicht.«

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