Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
»Guten Abend, Administrator. Dies ist das erste Mal, dass die Gilde mich auf einen Mord aufmerksam gemacht hat, statt umgekehrt.«
»Wirklich?«, erwiderte Lorlen. »Wer hat Euch Bescheid gegeben?«
»Lord Balkan. Es sieht so aus, als sei es Lord Jolen vor seinem Tod gelungen, noch kurz Verbindung mit ihm aufzunehmen.«
Lorlen stockte der Atem. Wusste Balkan also, wer der Mörder war? Als er sich zu dem Krieger umwandte, wurde die Tür des Tagessaals abermals geöffnet, und Lady Vinara trat ein.
Sie sah sich im Raum um, stellte fest, wer zugegen war, und nickte dann. »Ihr seid alle hier. Gut. Vielleicht sollten wir uns setzen. Wir stehen vor einer ernsten, erschreckenden Situation.«
Stühle schwebten von den Seiten des Raums heran. Auf den Zügen Hauptmann Barrans spiegelte sich eine Mischung aus Faszination und Ehrfurcht, während er beobachtete, wie sich die Stühle zu einem Kreis formierten. Sobald alle Platz genommen hatten, wandte Vinara sich Balkan zu.
»Ich denke, Lord Balkan sollte beginnen«, sagte sie, »da er der Erste war, der von den Morden erfahren hat.«
Balkan nickte zustimmend. »Vor zwei Stunden«, erklärte er, »hat Lord Jolen mittels Gedankenrede nach mir gerufen. Seine Stimme war sehr schwach, aber ich habe meinen Namen gehört und große Angst wahrgenommen. Als ich mich jedoch auf den Ruf konzentrierte, konnte ich nur die Identität des Sprechers feststellen und das Gefühl, dass er – mit Magie – von einem anderen verletzt wurde, bevor die Verbindung abrupt abbrach. Ich versuchte, den Kontakt zu Lord Jolen wiederherzustellen, bekam aber keine Antwort.
Ich habe dann Lady Vinara von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt und von ihr erfahren, dass Lord Jolen sich mit seiner Familie in der Stadt aufhielt. Sie konnte ihn ebenfalls nicht erreichen, also beschloss ich, das Haus seiner Familie aufzusuchen. Als ich dort erschien, kam kein Diener herbei, um mich zu empfangen. Ich öffnete das Schloss der Tür, und dahinter bot sich mir ein furchtbarer Anblick.«
Balkans Miene verfinsterte sich. »Alle Mitglieder des Haushalts waren getötet worden: Bei der Durchsuchung des Gebäudes stieß ich auf die Leichen von Jolens Familie und seinen Dienern. Ich habe die Opfer untersucht, konnte aber nicht mehr als Kratzer und Prellungen entdecken. Dann fand ich Jolens Leichnam.«
Er hielt inne, denn Lord Telano hatte einen Laut der Verwirrung ausgestoßen.
»Seinen Leichnam? Wie ist das möglich? Hat er sich nicht erschöpft?«
Lorlen sah, dass Vinara auf den Boden starrte und den Kopf schüttelte.
»Daraufhin habe ich Verbindung zu Vinara aufgenommen und sie gebeten, in Jolens Haus zu kommen, um die Opfer ihrerseits zu untersuchen«, fuhr Balkan fort. »Als sie erschien, bin ich zur Stadtwache geeilt, um zu hören, ob irgendwelche eigenartigen Geschehnisse in diesem Gebiet vorgefallen waren. Hauptmann Barran war anwesend; er hatte soeben eine Zeugin befragt.« Balkan hielt inne. »Hauptmann, ich denke, Ihr solltet uns die Geschichte der Zeugin erzählen.«
Der junge Wachmann blickte in die Runde, dann räusperte er sich.
»Ja, meine Herren – und meine Dame.« Er legte die Hände zusammen. »Aufgrund der zunehmenden Zahl der Morde habe ich in letzter Zeit viele Zeugen verhört, aber nur wenige von ihnen hatten etwas Nützliches gesehen. Einige Leute kamen in der Hoffnung, dass eine ihrer Beobachtungen – zum Beispiel von einem Fremden, der des Nachts durch ihre Straßen streifte – von Belang sein könnte. Die Geschichte dieser Frau unterschied sich nicht von den anderen – bis auf einen einzigen bemerkenswerten Vorfall.
Sie war am späten Abend auf dem Heimweg, nachdem sie Obst und Gemüse in eins der Häuser im Inneren Ring geliefert hatte. Unterwegs hörte sie Schreie aus einem Haus – dem Wohnort von Lord Jolens Familie. Sie beschloss, weiterzueilen, aber als sie das nächste Haus erreichte, hörte sie ein Geräusch hinter sich. Sie bekam es mit der Angst und versteckte sich in der Dunkelheit eines Tors. Von dort aus beobachtete sie, wie ein Mann aus dem Dienstboteneingang des Hauses trat, an dem sie soeben vorbeigekommen war.« Barran hielt einen Moment. »Die Zeugin sagte, dieser Mann habe Magierroben getragen. Schwarze Magierroben.«
Die höheren Magier tauschten beunruhigte Blicke. Alle bis auf Balkan und Osen schienen Zweifel zu haben, wie Lorlen bemerkte. Vinara dagegen wirkte nicht überrascht.
»War die Zeugin sich sicher, dass die Roben schwarz waren?«, fragte Sarrin. »In der Dunkelheit könnte jede Farbe schwarz erscheinen.«
Barran nickte. »Ich habe ihr die gleiche Frage gestellt. Sie war sich vollkommen sicher. Der Mann ist an dem Tor vorbeigekommen, in dem sie sich versteckt hatte. Sie hat schwarze Roben beschrieben, mit einem Incal am Ärmel.«
An die Stelle der Skepsis in den Gesichtern der Magier trat jetzt Erschrecken. Lorlen starrte Barran an. Er konnte kaum noch atmen.
»Aber es war gewiss -«, begann Sarrin, verfiel jedoch sofort in Schweigen, als Balkan ihm bedeutete zu warten.
»Sprecht weiter, Hauptmann«, sagte Balkan leise, »erzählt ihnen auch den Rest.«
Barran nickte. »Sie sagte, seine Hände seien blutverschmiert gewesen, und er habe ein Messer dabeigehabt. Sie hat das Messer genau beschrieben. Eine gewölbte Klinge mit einem juwelenbesetzten Griff.«
Ein langes Schweigen folgte, dann holte Sarrin tief Luft. »Wie verlässlich ist diese Zeugin? Könnt Ihr sie herbringen?«
Barran zuckte die Achseln. »Ich habe mir ihren Namen und ihren Arbeitsplatz nennen lassen und beides notiert. Um die Wahrheit zu sagen, schenkte ich ihrer Geschichte keinerlei Glauben, bis ich hörte, was Lord Balkan in dem Haus entdeckt hatte. Jetzt wünschte ich, ich hätte ihr mehr Fragen gestellt oder sie länger auf der Wache behalten.«
Balkan nickte. »Wir werden sie gewiss wiederfinden. Und nun…« Er drehte sich zu Vinara um. »Vielleicht ist es jetzt an der Zeit zu hören, was Lady Vinara herausgefunden hat.«
Die Heilerin straffte sich. »Lord Jolen lebte bei seiner Familie, damit er sich um seine Schwester kümmern konnte, die eine schwierige Schwangerschaft durchmachte. Ich habe seinen Leichnam zuerst untersucht und dabei zwei beunruhigende Entdeckungen gemacht. Die erste…«, sie griff in ihre Robe und holte einen Fetzen schwarzen Tuchs hervor, der mit Goldfaden bestickt war, »war dies hier, das er mit der rechten Hand umklammert hielt.«
Als sie den Stofffetzen in die Höhe hielt, wurde Lorlen kalt bis auf die Knochen. Die Stickerei zeigte den Teil eines Symbols, das ihm nur allzu vertraut war: das Incal des Hohen Lords. Vinaras Blick wanderte in seine Richtung, und sie runzelte besorgt und mitfühlend die Stirn.
»Worin bestand die zweite Entdeckung?«, fragte Balkan mit gedämpfter Stimme.
Vinara zögerte, dann holte sie tief Luft. »Der Grund dafür, dass Lord Jolens Körper noch existiert, ist folgender: Es waren nicht die geringsten Überreste von Energie mehr darin vorhanden. Die einzige Wunde an seinem Körper war ein flacher Schnitt an seinem Hals. Die anderen Leichen zeigten die gleichen Spuren. Meine Vorgängerin hat mich gelehrt, diese Spuren zu erkennen.« Vinara hielt inne und blickte in die Runde. »Lord Jolen, seine Familie und ihre Diener wurden durch schwarze Magie getötet.«
Entsetzte Ausrufe folgten, dann breitete sich Schweigen aus, während die Anwesenden langsam begriffen, was das bedeutete. Lorlen konnte beinahe hören, wie seine Gefährten über Akkarins Stärke nachsannen – und abwogen, welche Chancen die Gilde hatte, ihn im Kampf zu besiegen. Er sah Furcht und Panik in ihren Gesichtern.
Es selbst fühlte sich eigenartig ruhig und… erleichtert. Seit mehr als zwei Jahren belastete ihn nun das Geheimnis von Akkarins Verbrechen. Ob zum Guten oder zum Schlechten, jetzt hatte die Gilde dieses Geheimnis selbst entdeckt. Er sah die höheren Magier an. Sollte er eingestehen, dass er von Akkarins Verbrechen gewusst hatte? Nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dachte er.
Aber was sollte er dann tun? Die Gilde war nicht stärker geworden, und Akkarin – falls er dieses Verbrechens schuldig war – gewiss nicht schwächer. Die vertraute Angst vertrieb seine Erleichterung.