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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Was genau geschieht denn hier?«

Sie zögerte. »Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll.« Zu Cerys Erheiterung begann sie, an der Unterlippe zu nagen wie ein Kind, das von seinen Eltern ins Verhör genommen wird. Als er leise kicherte, blickte sie stirnrunzelnd zu ihm hinüber. »Was ist los?«

»Du scheinst mir nicht die Art Mensch zu sein, die nach der Pfeife anderer tanzt.«

Sie sah ihn gelassen an, dann senkte sie den Kopf. Cery, der ihrem Blick folgte, bemerkte, dass Gol und der Leichnam verschwunden waren.

»Du hast nicht damit gerechnet, sie hier zu sehen, nicht wahr?«, fragte Savara leise. »Macht es dir sehr zu schaffen, deine verlorene Liebe einen anderen Menschen töten zu sehen?«

Ein jähes Unbehagen stieg in ihm auf. »Woher hast du das gewusst?«

Sie lächelte. »Es steht dir ins Gesicht geschrieben, wenn du sie siehst oder von ihr sprichst.«

Er blickte in den Raum hinunter. Ein Bild von Sonea, wie sie sich auf die Frau stürzte, zuckte in seinen Gedanken auf. Ihr Gesicht war starr vor Entschlossenheit gewesen. Das unsichere junge Mädchen, das so entsetzt über die Entdeckung seiner magischen Fähigkeiten gewesen war, hatte wahrhaftig einen weiten Weg zurückgelegt.

Dann fiel ihm wieder ein, wie sich ihr Gesichtsausdruck verändert hatte, als Akkarin ihr etwas aus dem Haar zog.

»Es war eine kindliche Schwärmerei«, erklärte er Savara. »Ich habe schon lange gewusst, dass sie nicht für mich bestimmt ist.«

»Nein, das hast du nicht«, widersprach sie, und das Dach knarrte vernehmlich, als sie ihr Gewicht verlagerte. »Du hast es erst heute Nacht erfahren.«

Er drehte sich wieder zu ihr um. »Wie kannst du -«

Zu seiner Überraschung war sie näher an ihn herangerückt. Jetzt legte sie ihm eine Hand in den Nacken, zog ihn zu sich heran und küsste ihn.

Ihre Lippen waren warm und stark. Hitze durchflutete seinen Körper. Er streckte die Hand aus, um sie fester an sich zu ziehen, aber das Holzstück, auf dem er saß, glitt zur Seite, und er drohte, das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre Lippen lösten sich voneinander, als er fiel.

Etwas hielt ihn fest. Er erkannte die Berührung von Magie. Savara lächelte schelmisch, beugte sich vor und packte ihn am Hemd. Dann legte sie sich auf das Dach und zog ihn über sich; als sie von dem beschädigten Bereich wegrollten, gaben die Balken unter ihnen ein erschreckendes Knarren von sich. Dann lag sie über ihm. Sie lächelte – dieses atemberaubend sinnliche Lächeln, das seinen Puls rasen ließ.

»Hm«, sagte er. »Das ist schön.«

Sie lachte leise, dann beugte sie sich vor, um ihn abermals zu küssen. Er zögerte nur einen Moment, als sich ein Gefühl, einer Vorahnung gleich, in seine Gedanken drängte.

Seit dem Tag, an dem Sonea ihre Magie entdeckt hat, gehört sie in eine andere Welt. Auch Savara gebietet über Magie. Und sie gehört ebenfalls in eine andere Welt…

Aber das war jetzt nicht wichtig.

Lorlen runzelte die Stirn und öffnete blinzelnd die Augen. Sein Schlafzimmer lag fast zur Gänze im Dunkeln. Die Papierblenden vor seinen Fenstern leuchteten schwach im Licht des Vollmonds, so dass die goldfarbenen Symbole der Gilde sich wie schwarze Schemen auf dem feinen Papier abzeichneten.

Dann wurde ihm klar, warum er aufgewacht war. Jemand hämmerte an seine Tür.

Wie spät ist es? Er richtete sich auf und massierte sich die Augen, um die Schläfrigkeit zu vertreiben. Das Hämmern dauerte an. Er seufzte, stand auf und taumelte aus seinem Schlafzimmer zur Haupttür seines Quartiers.

Lord Osen stand draußen, und er wirkte vollkommen aufgelöst und verzweifelt.

»Administrator«, flüsterte er. »Lord Jolen und seine Familie sind ermordet worden.«

Lorlen starrte seinen Assistenten an. Lord Jolen. Einer der Heiler. Ein junger Mann, der kürzlich geheiratet hatte. Ermordet?

»Lord Balkan hat nach den höheren Magiern geschickt«, fügte Osen drängend hinzu. »Ihr solltet mit den anderen in den Tagessaal kommen. Soll ich, während Ihr Euch anzieht, den anderen Bescheid sagen, dass Ihr unterwegs seid?«

Lorlen blickte an sich hinab. »Natürlich.«

Osen nickte, dann eilte er davon. Lorlen schloss die Tür und kehrte in sein Schlafzimmer zurück. Dort nahm er eine blaue Robe aus dem Schrank und begann sich anzukleiden.

Jolen war tot. Und seine Familie ebenfalls. Ermordet, so hatte es Osen berichtet. Lorlens Gedanken überschlugen sich. Wie war das möglich? Es war nicht leicht, Magier zu töten. Der Mörder musste entweder kenntnisreich und klug sein, oder aber er war ebenfalls ein Magier. Oder noch schlimmer, schoss es ihm durch den Kopf. Ein schwarzer Magier. Furchtbare Möglichkeiten taten sich in ihm auf, und er blickte auf seinen Ring hinab.

Nein, sagte er sich. Warte, bis du die Einzelheiten erfährst.

Er gürtete die Schärpe seiner Robe, dann verließ er seine Räume. Sobald er das Magierquartier hinter sich gelassen hatte, eilte er durch den Innenhof auf das Gebäude zu, das die Sieben Bogen genannt wurde. Im linken Teil davon lag der Abendsaal, in dem die allwöchentliche gesellige Zusammenkunft der Magier stattfand. Der Raum in der Mitte war der Bankettsaal. Auf der rechten Seite des Gebäudes befand sich der Tagessaal, in dem wichtige Gäste empfangen und bewirtet wurden.

Als Lorlen eintrat, war er einen Moment lang geblendet von der plötzlichen Helligkeit. Der Tagessaal war im Gegensatz zum Abendsaal, wo Dunkelblau und Silber vorherrschten, ganz in Weiß und Gold gehalten und wurde jetzt von mehreren Lichtkugeln erhellt. Die Wirkung war unangenehm grell.

Sieben Männer standen in der Mitte des Raums. Lord Balkan und Lord Sarrin nickten Lorlen zu. Rektor Jerrik unterhielt sich mit den beiden Studienleitern Peakin und Telano. Lord Osen stand neben dem einzigen Mann, der keine Roben trug.

Als Lorlen Hauptmann Barran erkannte, schnürte sich ihm die Kehle zu. Ein Magier war tot, und der Hauptmann, der die seltsamen Mordfälle in der Stadt untersuchte, befand sich in der Gilde. Vielleicht war die Situation tatsächlich so schlimm, wie er befürchtete.

Balkan trat auf ihn zu, um ihn zu begrüßen. »Administrator.«

»Lord Balkan«, erwiderte Lorlen. »Ihr wollt gewiss, dass ich mit meinen Fragen warte, bis Lady Vinara, Administrator Kito und der Hohe Lord hier sind.«

Balkan zögerte. »Ja. Aber den Hohen Lord habe ich nicht hergebeten. Ich werde Euch meine Gründe dafür in Kürze darlegen.«

Lorlen gab sich alle Mühe, überrascht dreinzublicken. »Akkarin kommt nicht?«

»Noch nicht.«

Als die Tür geöffnet wurde, drehten sie sich um. Kito, ein Magier aus Vin, trat ein. Kitos Rolle als Auslandsadministrator führte dazu, dass er sich die meiste Zeit außerhalb der Gilde und Kyralias aufhielt. Er war erst vor wenigen Tagen aus Vin zurückgekehrt, um sich mit dem wilden Magier zu beschäftigen, den Dannyl zur Verhandlung herbrachte.

Lorlen dachte an Akkarins Prophezeiung: Die Gilde wird das Interesse an dem Mörder verlieren, sobald Botschafter Dannyl mit dem wilden Magier eintrifft, Lorlen.

Wenn dies hier so schlimm ist, wie ich befürchte, ging es Lorlen durch den Kopf, dürfte eher genau das Gegenteil eintreten.

Während Balkan Kito begrüßte, trat Hauptmann Barran auf Lorlen zu. Der junge Wachmann brachte ein grimmiges Lächeln zustande.

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