Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Nichts Besonderes.
Wie war die Stimmung?
Gut.
Bei allen?
Ich denke, ja.
Hatte das ungewohnte Milieu nicht gewisse Auswirkungen?
Niemand hatte den Eindruck einer unmittelbaren Gefahr.
Aber es gab doch einige ungewöhnliche Ereignisse – zum Beispiel das Auftauchen der schwarzen Stäbe.
Ich glaube, daß alle Angehörigen der Vorhut sorgfältig ausgesucht und geschult waren. Sie hätten mit viel schlimmeren Dingen fertig werden können.
Wie erklären Sie sich dann die Disziplinlosigkeiten?
Vielleicht lag es daran, daß nichts geschah. Alle brannten vor Ungeduld, am liebsten wären sie in die Stadt einmarschiert. Aber es gab nur Langeweile, tatenloses Warten.
Als Dreizehnjähriger, während Ihrer Kadettenzeit, sind Sie einmal für drei Tage aus einem Ferienlager entwichen. Wissen Sie noch, warum?
Ich erinnere mich nur noch dunkel – ich glaube, ich hatte romantische Ideen, wollte ein ungebundenes Leben führen.
Die Angehörigen des Teams für Sonderaufgaben haben sich eines Verstoßes gegen die Dienstordnung schuldig gemacht. Sie benutzten den allgemeinen Kanal, um sich über Dinge zu unterhalten, die nicht für die Mannschaften bestimmt waren.
Es ist nur einmal geschehen – ein Versehen.
Wirklich nur einmal? Könnte nicht vielleicht auch die Rundfunksendung, die Sie des Nachts abhörten, in die anderen Zelte übertragen worden sein?
Nein.
Auch nicht aus Versehen?
Nein … kaum … niemand hat etwas darüber gesagt. Auch nicht der Oberst.
Der Oberst hat an diesem Abend fest geschlafen.
»Fertigmachen für eine Erkundungsfahrt in die Stadt. Es nehmen teiclass="underline" Transporter 1 und 3, ein Lafettenwagen und die Sonderabteilung. Alle anderen halten den Lagerplatz besetzt. Den Befehl hat der OvD.«
Die Fahrzeuge kamen gut voran. Nur selten mußten sie Hindernissen ausweichen, einmal einem Wasserbecken, einmal den Aufbauten eines Schießstandes. Das Gelände, so vorbildlich es angelegt war, machte einen toten Eindruck. Es gab keinen Baum und keinen Strauch, keine Grünfläche, man sah keinen Vogel und kein Insekt. Und nirgends ließ sich ein Mensch blicken.
Die Mauern der Gebäude rückten näher. Es zeigte sich, daß die Zwischenräume zwischen den einzelnen Blocks viel größer waren, als es von ferne den Anschein gehabt hatte – keine Schluchten, sondern steile Täler, terrassenförmig untergliedert. Während die Wandfläche selbst silbergrau schimmerte, hatten die Balustraden einen anthrazitfarbenen Ton. Es war nicht zu erkennen, wie man die höheren Stockwerke erreichen sollte, doch gab es am Fuße der Bauwerke quadratische Öffnungen, die ins Innere führten.
Die Kolonne blieb am Grund des Tals, in der Mitte der Straße. Die Ränder waren von Schienen gesäumt, auf denen in Abständen von etwa zwanzig Metern flache, elliptische Fahrzeuge standen, oben und vorne offen, mit zwei Sitzen nebeneinander.
Die Soldaten folgten der eingeschlagenen Richtung noch zehn Minuten, dann erreichten sie eine Querstraße. Sie fuhren geradeaus weiter bis zur nächsten Querverbindung und wieder zur nächsten. Sie bogen nach links, umrundeten den Block, erreichten die schon benutzte Straße wieder – es hätte irgendeine andere sein können, sie unterschied sich durch nichts von den übrigen.
Josef arbeitete am Peilgerät, er fing vielerlei Signale auf, Stimmen, die sangen, rezitierten, flüsterten, forderten, Musik, schläfriges Klingen, aber auch aufpeitschendes Trommeln, dazwischen immer wieder eine dunkle Männerstimme, die Anweisungen gab: … Erheben Sie sich vom Boden strecken Sie die Flügel aus atmen Sie tief im Wind lassen Sie sich treiben
Sie brauchen kein Ziel lassen Sie zurück, was Sie belastet eine Wolke nimmt Sie auf eine Schale aus Wärme eine Handvoll Sympathie ein Hauch Vergessenheit es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft …
»Kannst du den Sender anpeilen?« fragte Sonja.
»Es nützt uns nichts – es dürfte viele Sendeantennen geben; wenn ich mich nicht irre, in jedem Block eine. Das sagt nichts darüber aus, wo die Zentrale ist.«
»Wie sollen wir weiterkommen?«
»Wenn es keine Menschen gibt, haben wir nicht viel zu tun. Wir brauchen keine Nachrichten auszugeben und niemanden aufzufordern, sich unserer Ordnung anzupassen.«
»Wozu bin ich dann hier?« fragte Sonja.
»Wozu sind wir hierhergekommen?«
»Es ist nicht gesagt, daß es keine Menschen gibt. Wir waren noch nicht in den Gebäuden.«
»Warum sehen wir nicht nach?«
»Der Oberst ist vorsichtig, und ich glaube fast, er hat recht. Ist niemand hier, so haben wir keine Eile. Gibt es aber doch Menschen hier, so müssen wir auf alles gefaßt sein.«
»Es ist schwer, Geduld zu haben, wenn man das Unbekannte schon berührt.«
»Wir werden noch lange genug zu tun haben – länger als uns lieb ist. Ganz gleich, ob sie leben oder nicht: Wir werden ihre Technik erforschen, ihre Erfindungen kennenlernen, das System ihrer Steuerung, ihre Art zu leben – abgeschlossen von der Welt, in einem künstlichen Gehäuse. Woher beziehen sie ihre Energie, ihre Rohstoffe, ihre Nahrungsmittel? Wie haben sie sich entwickelt, körperlich, geistig?«
»Sollen wir hier Wissenschaft betreiben?«
»Wenn sich herausstellt, daß wir keine anderen Aufgaben haben, werden wir Wissenschaft betreiben.«
»Dann werden andere kommen, die das besorgen.«
»Wir sind darauf trainiert, die Situation schnell zu erfassen. Wir sind schneller als die anderen. Wäre das eine normale Stadt, so hätten wir innerhalb von Stunden wissen müssen, wie sie verwaltet wird, wo die mechanischen Schlüsselstellen liegen, wie wir die Bevölkerung auf unsere Seite ziehen können. Vielleicht brauchen wir nun nichts mehr zu unternehmen, trotzdem gibt es genug Probleme zu lösen.«
»Nur Sonja hat dann nichts zu tun.«
»Soll ich nach Hause gehen?«
»Nein, Sonja, du gehörst zu uns!«
Sie kehrten am Abend ins Lager zurück. Sie hatten nichts gesehen als leere Straßen, Wände ohne Fenster, einen Streifen künstlichen Himmels.
Die Mannschaften standen untätig umher, einige lungerten in der Umgebung herum. Viele hatten die Helme geöffnet. Der Oberst überwand seine Bedenken und gestattete offiziell, daß die Schutzanzüge abgelegt werden durften. Die Analysatoren hatten keine Spur von Keimen festgestellt, und niemand glaubte noch an geheimnisvolle Viren.
Als um 21 Uhr der Befehl zur Nachtruhe kam, waren die Mannschaften nicht müde, denn sie hatten wenig getan, und sie waren verdrossen, weil ihnen das wenige, das man ihnen befohlen hatte, als Schikane erschienen war.
Josef hatte die Empfangsgeräte wieder ins Zelt genommen und hörte einige Wellenbereiche ab.
»Wie soll es weitergehen?«
»Wir brauchen volle Bewegungsfreiheit, sonst kommen wir nicht weiter.«
»Morgen sehen wir uns die Häuser an, ob es dem Obersten recht ist oder nicht.«
Sie aßen, machten sich Notizen, überprüften einige Geräte. Dann gab es nichts mehr zu tun. Draußen war es hell, das Licht drang durch die Sichtschlitze ein und warf mehrfache Schatten.
»Haben wir nichts zum Verdunkeln – bei dieser verfluchten Festbeleuchtung kann ja niemand schlafen.«
Sie hefteten Silberfolien von den Frischhaltepackungen über die Luken. Es wurde finster, aber es kam keine Abendstimmung auf. Verdrossen legten sie sich auf ihre Gummimatratzen, zogen die Decken über.
»Mach Musik, Josef!«
Der Singsang der langgezogenen, auf- und abschwellenden Laute erfüllte die Enge, und allmählich versank die Wirklichkeit und gab einer wohligen Mattigkeit Raum.
Dann drang wieder eine Stimme durch die Musik, diesmal eine weiche Frauenstimme, dunkel, vibrierend: