Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
… das ist die Stunde der Zärtlichkeit
die Stunde der uralten Spiele
seid gut zueinander
macht eure Wärme zum Geschenk
laßt eure Hände wandern
geht auf die Suche mit den Lippen
glättet das feuchte Haar
kühlt die heiße Haut
horcht in das Dunkel hinein
hüllt euch in den Mantel des Vergessens
die Süße liegt im Verborgenen
sucht sie, sucht sie …
Dan drehte den Kopf und sah zu Sonja hinüber. Sie blickte ihn mit großen Augen an. Er streckte den Arm aus, und sie kam ihm entgegen. Seine Lippen berührten ihre Stirn, ihre Augen, die Wangen, den Mund. Unter seiner Hand fühlte er ihre Schulter. Er streichelte sie, fuhr die glatte Haut entlang. Es war still, bis auf verhaltene Atemzüge, bis auf die leise Musik, die Stimme aus dem Lautsprecher.
Dan zögerte noch. Einen Augenblick lang beobachtete er alles gleichsam von außen, wie alle Grundsätze zerfielen, alle Bedenken zerflossen. Er wurde seltsam leicht, er schwebte. Die Welt war dunkel, er sah nichts, alle seine Sinne konzentrierten sich auf das Gefühl. Ein Strudel erfaßte ihn, und er ließ sich treiben.
Sonja küßte ihn, und er küßte sie. Sie verhielten sich lautlos und bewegten sich nicht, lange Zeit. Aus dem Hintergrund, durch einen Vorhang von Schatten, flüsterte die Stimme auf sie ein. Als sie am nächsten Morgen erwachten, lagen sie nebeneinander, und doch waren sie meilenweit voneinander entfernt. Sie verstanden nicht, was geschehen war, vielleicht war es ein Traum gewesen, und vielleicht hatten alle dasselbe geträumt.
Kurz darauf meldete sich der Oberst über Funk. Es gäbe etwas zu sehen.
Sie stiegen den Hang hinauf, erreichten den Weg, den sie zwei Tage zuvor gekommen waren, überwanden den Steilhang zur Rampe. Von hier aus konnten sie die oberste Einebnung überblicken, den untersten Streifen der Kunststoffwand … Von der Öffnung, die sie gesprengt hatten, war nichts mehr zu sehen.
Die Wand war glatt, nebelhaft durchsichtig wie zuvor, draußen dehnte sich die endlose Ebene.
»Wir sind eingeschlossen.«
»Seit wann? Haben die Posten nichts bemerkt?«
»Nein. Es muß heute nacht geschehen sein. Gestern noch waren einige Männer hier oben; sie versichern, daß die Öffnung noch bestand.«
»Was werden Sie tun?«
»Behalten Sie es vorerst für sich. Es könnte Unruhe verursachen. Ich nehme die Sache nicht tragisch. Wir können jederzeit wieder sprengen. Wenn es sein muß, sprenge ich die ganze Kuppel in die Luft.«
Er spürte noch den Druck der Elektroden auf der Haut seiner kahlrasierten Schläfen, die Striemen des Pulsschalldetektors am Handgelenk.
Zuerst war er zufrieden gewesen, dann gereizt, dann beunruhigt … es schien sich nicht um eine einfache Verzögerung zu handeln, um eine Verschiebung im Zeitplan – jetzt war er sicher, daß sie irgend etwas vermuteten, einen Verdacht hatten. Die Fragen nach Stimmung, Disziplin, Allgemeinbefinden legten es nahe. Suchten sie nach einem Schuldigen? Wollten sie ihn bestrafen? Dachten sie an eine Meuterei? Hielten sie ihn für den Rädelsführer? Sollte er etwas zugeben, eingestehen, nur um endlich herauszukommen? Aber was?
Er verschwieg nichts, wußte nicht, was er hätte verschweigen sollen. In den ersten Tagen hatte er versucht, Privates für sich zu behalten. Jetzt besaß er längst nichts Privates mehr. Sie merkten es sofort, wenn er etwas verschwieg, und der Arzt hatte ihm einige Male Injektionen gegeben.
Er schüttelte sich. Nicht, daß einem übel wurde, das Völlegefühl im Magen war zu ertragen. Das Unerträgliche war dieser Zwang zu reden. Er hörte sich selbst zu, erstaunt, verwirrt, beschämt, was sich da in ihm formulierte, Dinge, die er von sich selbst nicht wußte, sich nicht eingestand. Es war, als hätte etwas in ihm eine teuflische Freude daran, die intimsten Gefühle zu offenbaren, sie auszuarbeiten, darin zu wühlen. Dabei war er nicht einmal sicher, ob alles stimmte, was er da von sich gab. Könnte es nicht sein, daß dieses willenlose, willfährige Ich in ihm Geschehnisse erfand, nur um die Zuhörer zufriedenzustellen?
Er hätte sein Erlebnis mit Sonja gern für sich behalten. Es hatte nichts mit den weiteren Geschehnissen zu tun, betraf nur sie beide. Sie hatten nie davon gesprochen, waren mit keiner Andeutung, keiner Geste darauf zurückgekommen.
Er hatte versucht, zu schweigen, aber als der Arzt mit der Spritze kam, hatte er geredet. Vielleicht hatte er Angst, zu viel zu sagen, mehr, als wirklich gewesen war. Er hatte von Sonja gesprochen, und zwanzig Sachverständige hatten zugehört, Notizen gemacht, Tonbandaufzeichnungen. Der Arzt hatte weggesehen, das blonde Mädchen gelacht. Wo war sie jetzt? Beobachtete sie ihn durch ein Loch in der Wand?
Er hatte alles erzählt, als ob es wirklich geschehen wäre, und war sich doch nicht sicher.
Und selbst wenn es stimmte, so bedeutete es nichts. Er war überzeugt, daß sie ihn nicht geliebt hatte, sie hatte keinen von ihnen geliebt. Es war eine Geste des Vertrauens, der Zusammengehörigkeit gewesen, vielleicht aus einem Gefühl der Einsamkeit heraus, und dazu die schmeichelnde Musik, die fordernde Stimme …
Doch das alles konnte doch nicht der Grund dafür sein, daß man ihn hier festhielt – es war keine Verletzung der Dienstordnung, um derentwillen man zwanzig Offiziere bemüht.
Was war es? Wußte es die blonde Krankenschwester? Er stand auf und trat an die Tür ihres Zimmers.
Wenn sie es mir nicht verraten will, so prügle ich es aus ihr heraus, nahm er sich vor.
»Ich gebe Ihnen einen Wagen und zehn Mann als Begleitschutz«, sagte der Oberst. »Den Befehl hat Leutnant Roszanue. Er steht Ihnen zur Verfügung. Sie können sich frei im Gelände bewegen, ich lege Ihnen keinerlei Beschränkungen auf. Ich bitte Sie nur um Vorsicht. Wir bleiben in Funkverbindung. Halten Sie mich auf dem laufenden. Viel Glück!«
Eine halbe Stunde später befanden sie sich an der Gebäudefront, auf der Suche nach einem Eingang. Es sah so aus, als ob es im Parterre keine Eingänge gäbe, und sie stiegen vom Wagen, um sich zu Fuß umzusehen. Die Soldaten blieben bei den Fahrzeugen.
Um an das Gebäude heranzukommen, mußten sie den Weg überqueren, in dessen Mitte die Führungsschiene für die kleinen zweisitzigen Wägelchen lag. Als sie sich näherten, setzten sich die Fahrzeuge in Bewegung. Auf der einen Seite des Mittelstreifens ging es nach links, auf der anderen nach rechts, in flottem Tempo, lautlos, ein Wagen hinter dem anderen.
»Wollen wir fahren?« fragte Tibor.
»Wo ist die Haltestelle?«
»Vielleicht hier?« Josef berührte einen Metallpfahl, einen von vielen, die die Schienenbahn in regelmäßigen Abständen säumten. Zuerst war keine Reaktion zu sehen, doch dann beschleunigte eine herankommende Sitzgondel ihr Tempo, rückte an die vordere auf, hielt dann vor der Rufsäule, blieb stehen, bis der nächste Wagen herankam, setzte sich in Bewegung, beschleunigte und nahm weiter vorn den Mittelplatz zwischen ihren Nachbarn wieder ein.
»Du hättest Zeit genug zum Einsteigen gehabt!«
»Wollen wir es versuchen?«
»Haben wir nichts Besseres zu tun?«
»Es ist gleichgültig, wo wir ansetzen; warum nicht hier? Ich wette, wir lernen eine Menge.«
Josef hatte die Kontaktscheibe wieder niedergedrückt. Das Schauspiel von vorher wiederholte sich. Josef stieg ein, setzte sich, Greg folgte ihm. Schon fuhren sie ab.
»Kommt ihr mit? Oder bleibt ihr da?«
»Wir sollten uns nicht trennen!«
Zehn Minuten später beherrschten sie ihr neues Fortbewegungsmittel. Es gab eine Kontaktscheibe an der Seitenwand, einen Schalter, der die Gondeln zum Halten brachte. An den Kreuzungsstellen ging es normalerweise geradeaus, doch konnte man auf eine Querschiene einschwenken, wenn man einen Hebel nach rechts oder nach links stellte. Von dieser Querschiene wechselte dann ein Wagen auf die Schiene der ursprünglichen Richtung, so daß die Fahrtordnung beibehalten blieb. Verließ man die Bahn und auch den daran anschließenden Wegstreifen, so hielt die Kette der Fahrzeuge an.