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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Nun, Malaria war es offensichtlich nicht. Malaria war in England niemals verbreitet gewesen, hier lebten mitten im Winter keine Moskitos und hatten nie gelebt, und die Symptome waren falsch. Sie hatte zu keinem Zeitpunkt geschwitzt, und das Zittern, unter dem sie jetzt wieder litt, war eine Begleiterscheinung des Fiebers.

Typhus erzeugte Kopfschmerz und hohes Fieber und wurde durch verunreinigtes Wasser, Essen oder durch Schmierinfektion übertragen. All diese Bedingungen waren im Mittelalter gegeben, aber die Inkubationszeit war mit acht bis vierzehn Tagen zu lang.

Bei Unterleibstyphus betrug die Inkubationszeit nur ein paar Tage, und auch hier traten Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und hohes Fieber auf. Sie glaubte nicht, daß es ein wiederkehrendes Fieber war, erinnerte sich aber, daß von steilem Anstieg am Abend die Rede gewesen war, und das mußte bedeuten, daß es während des Tages niedriger war. Sie fühlte sich schläfrig, doch war auch das kein verläßliches Zeichen. Sie war von der Krankheit geschwächt und schlief mit Unterbrechungen die ganze Zeit.

Immerhin war Schläfrigkeit ein Symptom von Unterleibstyphus. Sie versuchte sich darauf zu besinnen, was Dr. Ahrens ihr über mittelalterliche Medizin gesagt hatte. Nasenbluten, bedeckte Zunge, rosa Ausschlag. Der Ausschlag sollte erst am siebten oder achten Tag erscheinen, aber Kivrin zog vorsichtshalber das Nachthemd hoch und untersuchte Bauch und Magengegend. Kein Ausschlag, also war es kein Unterleibstyphus. Auch Pocken schieden aus, denn sie zeigten sich am zweiten oder dritten Tag.

Sie fragte sich, wo Agnes blieb. Vielleicht war jemand verspätet auf den vernünftigen Gedanken gekommen, sie vom Krankenzimmer fernzuhalten, oder vielleicht gab die unzuverlässige Maisry tatsächlich acht auf sie. Wahrscheinlicher war, daß sie in den Stall gegangen war, ihren Hund zu besuchen, und darüber vergessen hatte, daß sie zu Kivrin kommen wollte.

Die Pest hatte mit Kopfschmerzen und Fieber angefangen. Es kann nicht die Pest sein, dachte Kivrin. Du hast keines der Symptome. Beulen, die bis Orangengröße erreichten, eine Zunge, die anschwoll, bis sie den ganzen Mund ausfüllte, subkutane Blutungen, die den ganzen Körper schwärzlich verfärbten. Du hast nicht die Pest.

Es mußte eine Art Grippe sein. Das war die einzige Krankheit, die so plötzlich kam, und Dr. Ahrens war beunruhigt gewesen, daß Mr. Gilchrist den Termin vorverlegt hatte, denn die antivirale Vorbeugung würde erst bis zum Fünfzehnten ihre volle Wirkung entfalten, und sie würde nur partielle Immunität genießen. Es mußte die Grippe sein. Wie behandelte man sie? Antivirale Mittel, Bettruhe, Vitamine, viel Flüssigkeit.

Also dann ruhe, sagte sie sich, und schloß die Augen.

Sie erinnerte sich nicht, eingeschlafen zu sein, mußte es aber, denn die beiden Frauen waren wieder im Zimmer und redeten miteinander, und Kivrin hatte keine Erinnerung an ihr Eintreten.

»Was sagte Gawyn?« fragte die alte Frau. Sie zerdrückte und verrieb mit einem Löffel etwas in einer Schale. Neben ihr stand der kleine eisenbeschlagene Kasten, und während Kivrin hinsah, nahm die Frau einen kleinen Stoffbeutel heraus, schüttete den Inhalt in die Schale und rührte weiter.

»Er fand nichts unter ihren Habseligkeiten, was uns ihre Herkunft verraten könnte. Was sie mit sich führte, wurde alles gestohlen, die Kisten aufgebrochen und von allem entleert, was uns Aufschluß geben könnte. Aber er sagte, ihr Wagen sei von feiner Bauart. Sicherlich kommt sie aus einer guten Familie.«

»Und sicherlich sucht ihre Familie sie«, sagte die alte Frau. Sie hatte die Schale weggestellt und zerriß mit lautem Geräusch Stoff. »Wir müssen nach Oxenford schicken und ihnen sagen, daß sie sicher bei uns liegt.«

»Nein«, sagte Eliwys, und Kivrin konnte den Widerstand in ihrer Stimme hören. »Nicht nach Oxenford.«

»Was hast du gehört?«

»Ich habe nichts gehört«, sagte Eliwys, »als daß mein Herr uns gebot, hierzubleiben. Wenn alles gut ausgeht, wird er binnen Wochenfrist bei uns sein.«

»Wenn alles gut gegangen wäre, würde er jetzt bei uns sein.«

»Die Verhandlung hatte kaum begonnen. Vielleicht ist er schon auf dem Heimweg.«

»Oder vielleicht wartet…« - wieder einer jener unübersetzbaren Namen; waren es Torkquil? - »auf den Galgen, und mein Sohn mit ihm. Er hätte sich nicht in solch eine Angelegenheit einmischen sollen.«

»Er ist ein Freund, und schuldlos an dem, dessen die Anklage ihn bezichtigt.«

»Er ist ein Dummkopf, und mein Sohn ein noch größerer Dummkopf, daß er für ihn Zeugnis ablegt. Ein Freund hätte ihm befohlen, Bath zu verlassen.« Sie drückte den Löffel gegen die Seite der Schale und rieb ihn hin und her. »Ich brauche Senf dazu«, sagte sie, stellte die Schale weg und trat an die Tür. »Maisry!« rief sie, dann fuhr sie fort, Stoff zu zerreißen. »Fand Gawyn keinen von den Begleitern des Fräuleins?«

Eliwys setzte sich unter das Fenster. »Nein, auch nicht ihre Pferde.«

Ein Mädchen, dem fettiges Haar ins pockennarbige Gesicht hing, kam herein. Sollte dies Maisry sein, die mit Stallburschen tändelte, statt auf ihre Schützlinge zu achten? Sie beugte das Knie in einem Knicks, der mehr ein Stolpern war, und sagte: »Wotwardstu, Lauttysin?«

Lieber Gott, nein, dachte Kivrin. Was ist jetzt mit dem Dolmetscher?

»Bring mir den Senftopf aus der Küche und säume nicht«, sagte die alte Frau, und das Mädchen wandte sich zur Tür. »Wo sind Agnes und Rosemund? Warum sind sie nicht bei dir?«

»Shayruthamay«, sagte sie mürrisch.

Eliwys stand auf. »Was gibt es, sprich.«

»Sie verbergen (etwas) vor mir.«

Es war kein Defekt des Dolmetschers. Es war lediglich der Unterschied zwischen dem normannisch-französisch überformten Altsächsisch der Oberschicht und dem noch urtümlichen altsächsischen Dialekt des einfachen Volkes. Keine der beiden Mundarten hatten Ähnlichkeit mit dem Mittelenglisch, das Dr. Latimer und Mr. Dunworthy sie gelehrt hatten. Es war ein Wunder, daß der Dolmetscher überhaupt etwas aufnahm.

»Ich suchte sie, als Frau Imeyne mich rief, gnädige Frau«, sagte Maisry, und der Dolmetscher nahm alles auf, obwohl es mehrere Sekunden dauerte. Seine Anstrengung verlieh Maisrys Sprache eine schwachsinnige Langsamkeit, die wahrscheinlich nicht ganz angemessen war.

»Wo hast du sie gesucht? Im Stall?« sagte Eliwys und schlug die Hände wie zwei Becken von beiden Seiten gegen Maisrys Kopf. Maisry jaulte und hob eine schmutzige Hand an ihr linkes Ohr. Kivrin drückte sich unwillkürlich tiefer ins Kissen.

»Geh und hol den Senf für Frau Imeyne und suche Agnes.«

Maisry nickte. Sie sah nicht sonderlich eingeschüchtert aus, hielt aber immer noch ihr Ohr. Nach einem weiteren strauchelnden Knicks ging sie hinaus, nicht schneller als sie hereingekommen war. Die plötzliche Gewalttätigkeit schien sie weniger zu erschrecken als Kivrin, und als diese sich gefaßt hatte, fragte sie sich, ob Frau Imeyne bald zu ihrem Senf kommen würde.

Die Schnelligkeit und Gemütsruhe, mit der die Züchtigung vorgenommen worden war, hatte sie überrascht. Eliwys hatte nicht einmal zornig gewirkt, und sobald Maisry gegangen war, setzte sie sich wieder unter das Fenster und sagte mit ruhiger Stimme: »Das Fräulein könnte nicht fortgeschafft werden, selbst wenn ihre Familie käme. Sie kann bei uns bleiben, bis mein Mann zurückkehrt. Er wird sicherlich bis Weihnachten hier sein.«

Auf der Treppe wurde Gepolter laut. Anscheinend hatte sie sich geirrt, dachte Kivrin, und die doppelte Ohrfeige hatte gefruchtet. Aber dann kam Agnes hereingestürzt, einen Gegenstand an die Brust gedrückt.

»Agnes!« sagte Eliwys. »Was tust du hier?«

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