Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Er schlug ihr ins Gesicht. Nicht sehr hart, doch hart genug. »Verflucht«, sagte er. »Verflucht sollst du sein. Mach dich nicht über mich lustig. Niemals. Nicht du.«
Einen Augenblick lang sagte Shae nichts. Nur das Zirpen der Grille war zu hören. »Ich bitte um Verzeihung, M’lord«, sagte sie schließlich mit schwerer, toter Stimme. »Ich wollte nicht unverschämt sein.«
Und ich wollte dich nicht schlagen. Bei den guten Göttern, verwandele ich mich langsam in Cersei? »Wir haben uns beide falsch benommen. Shae, du verstehst das nicht.« Worte, die er niemals hatte sagen wollen, sprudelten aus ihm heraus wie Maskenspieler aus einer Pferdeattrappe. »Als ich dreizehn war, habe ich die Tochter eines Pächters geheiratet. Jedenfalls glaubte ich das. Ich war blind vor Liebe und dachte, sie würde das Gleiche für mich empfinden, aber mein Vater hat mir ordentlich den Kopf gewaschen, bis ich die Wahrheit begriff. Meine Braut war eine Hure, die Jaime bezahlt hat, damit sie mir einen ersten Geschmack am Mannesalter verschafft.« Und ich Narr habe alles für bare Münze genommen. »Damit ich die Lektion auch wirklich behalte, hat Lord Tywin meine Ehefrau an seine Wachen weitergereicht, die sich mit ihr vergnügten, und mir befohlen, dabei zuzuschauen.« Und sie noch einmal selbst zu nehmen, nachdem die anderen fertig waren. Ein letztes Mal, ohne eine letzte Spur von Liebe und Zärtlichkeit. »Damit du nicht vergisst, wer sie wirklich ist«, hatte Lord Tywin gesagt, und ich hätte mich ihm verweigern sollen, doch mein Schwanz hat mich verraten, und ich tat, was mir aufgetragen worden war. »Nachdem mein Vater mit ihr fertig war, ließ er die Ehe annullieren. Es war, als sei ich niemals verheiratet gewesen, behaupteten die Septone.« Er drückte ihre Hand. »Bitte, lass uns nicht mehr über den Turm der Hand sprechen. Du bleibst eine Weile in der Küche. Nachdem wir die Angelegenheit mit Stannis hinter uns haben, bekommst du ein anderes Haus und Seide, die so weich ist wie deine Hände.«
Shae hatte die Augen weit aufgerissen, und trotzdem konnte er an ihnen nicht ablesen, was sich dahinter verbarg. »Meine Hände werden nicht mehr weich sein, wenn ich den ganzen Tag Herde putzen und Teller waschen muss. Werdet Ihr sie wirklich noch berühren wollen, wenn sie rot und rau und von heißem Wasser und Seifenlauge aufgerissen sind?«
»Mehr als je zuvor«, sagte er. »Bei ihrem Anblick werde ich immer daran denken, wie tapfer du warst.«
Er konnte nicht sagen, ob sie ihm glaubte. Sie senkte den Blick. »Ich stehe zu Eurer Verfügung, M’lord.«
Mehr Unterwürfigkeit konnte sie heute Nacht nicht aufbringen, das war offenkundig. Er küsste sie auf die Wange, auf die er sie geschlagen hatte, um der Ohrfeige den Stachel zu nehmen. »Ich werde dich holen lassen.«
Varys wartete wie versprochen im Stall. Sein Pferd wirkte abgemagert und halb tot. Tyrion stieg auf; einer der Söldner öffnete das Tor. Schweigend ritten sie hinaus. Warum habe ich ihr das mit Tysha erzählt, mögen die Götter mir beistehen?, fragte er sich plötzlich voller Furcht. Es gab Geheimnisse, die man niemals aussprechen sollte, und manche Schande nahm ein Mann am besten mit ins Grab. Was wollte er von ihr, Vergebung? Die Art und Weise, wie sie ihn angeschaut hatte, was hatte das zu bedeuten? Hasste sie den Gedanken, Töpfe zu scheuern so sehr oder war es wegen seines Geständnisses? Wie konnte ich ihr das erzählen und annehmen, sie würde mich weiterhin lieben?, fragte eine Stimme in ihm, während eine andere ihn verspottete: Du Narr von einem Zwerg, Gold und Juwelen sind alles, was die Hure liebt.
Die Narbe seines Ellbogens pochte und zuckte jedes Mal, wenn das Pferd einen Huf aufsetzte. Manchmal stellte er sich vor, er könne das Knirschen der Knochen hören. Vielleicht sollte er einen Maester aufsuchen und sich einen Trank gegen den Schmerz geben lassen … doch seit sich Pycelle offenbart hatte, misstraute Tyrion den Maestern. Die Götter allein wussten, mit wem diese Kerle sich verschworen oder was sie in die Tränke mischten, die sie verabreichten. »Varys«, sagte er, »ich muss Shae in die Burg bringen, ohne dass Cersei davon erfährt.« Kurz skizzierte er seinen Plan mit der Küche.
Nachdem er geendet hatte, schnalzte der Eunuch mit der Zunge. »Ich werde tun, was Mylord befehlen, natürlich … trotzdem möchte ich Euch warnen, die Küche ist voller Augen und Ohren. Selbst wenn das Mädchen nicht weiter auffällt, wird man ihr tausend Fragen stellen. Wo wurde sie geboren? Wer waren ihre Eltern? Wie ist sie nach Königsmund gekommen? Die Wahrheit ist unmöglich, also muss sie lügen … und lügen und lügen.« Er blickte auf Tyrion herab. »Und eine so hübsche junge Küchenmagd ruft nicht nur Neugier hervor, sondern auch Verlangen. Sie wird betätschelt werden, gekniffen und liebkost. Die Spüljungen werden des Nachts zu ihr unter die Decke kriechen. Manch einsamer Koch wird sie heiraten wollen. Die Bäcker werden ihre Brüste mit mehligen Händen kneten.«
»Soll sie lieber betatscht werden als aufgespießt«, erwiderte Tyrion.
Varys ritt ein paar Schritte schweigend und sagte dann: »Eventuell gibt es noch eine andere Möglichkeit. Zufällig hat die Zofe von Lady Tandas Tochter Schmuck gestohlen. Wenn ich Lady Tanda darüber in Kenntnis setze, wird sie das Mädchen sofort entlassen. Und die Tochter würde eine neue Zofe brauchen.«
»Ich verstehe.« Das klang gar nicht so schlecht. Die Zofe einer Dame trug feinere Kleider als eine Küchenmagd, manchmal sogar ein wenig Schmuck. Shae sollte damit zufrieden sein. Und Cersei hielt Lady Tanda für langweilig und hysterisch und Lollys für eine dumme Kuh. Seine Schwester würde den beiden kaum unerwartete Höflichkeitsbesuche abstatten.
»Lollys ist scheu und vertrauensselig«, sagte Varys. »Sie wird alles glauben, was man ihr erzählt. Seit der Pöbel sie ihrer Jungfräulichkeit beraubt hat, fürchtet sie sich, das Zimmer zu verlassen, daher wäre Shae außer Sicht … und doch ganz nah, falls es Euch nach ihrem Trost verlangte.«
»Der Turm der Hand wird beobachtet, das wisst Ihr so gut wie ich. Cersei würde sicherlich neugierig werden, wenn Lollys’ Zofe mich besuchte.«
»Vielleicht könnte ich das Mädchen unbemerkt in Euer Schlafzimmer bringen. Chatayas Bordell ist nicht das einzige Haus, das sich eines Geheimgangs rühmen darf.«
»Ein Geheimgang? Zu meinen Gemächern?« Tyrion war mehr verärgert als überrascht. Warum sonst hätte Maegor der Grausame alle Baumeister, die an seiner Burg gearbeitet haben, töten lassen, wenn nicht, um solcherlei Wissen zu bewahren? »Ja, ich nehme an, das dürfte möglich sein. Wo finde ich die Tür? In meinem Solar? Meinem Schlafzimmer?«
»Mein Freund, Ihr wollt mich doch nicht zwingen, alle meine kleinen Geheimnisse zu enthüllen, nicht wahr?«
»Ich würde sie dann allerdings als unsere kleinen Geheimnisse betrachten, Varys.« Tyrion betrachtete den Eunuch in seiner stinkenden Verkleidung. »Vorausgesetzt, Ihr steht wirklich auf meiner Seite …«
»Könnt Ihr das bezweifeln?«
»Aber nicht doch, ich vertraue Euch blind.« Ein bitteres Lachen hallte von Fensterläden und Häuserwänden wider. »Ich vertraue Euch sogar ebenso sehr wie jemandem von meinem eigenen Blut. Jetzt erzählt mir, wie Cortnay Fünfrosen den Tod gefunden hat.«
»Es heißt, er habe sich selbst von einem Turm gestürzt.«
»Sich selbst? Nein, das glaube ich nicht.«
»Seine Wachen haben niemanden gesehen, der sein Zimmer betreten hätte, und fanden dort auch hinterher niemanden vor.«
»Dann ist der Mörder früher eingedrungen und hat sich unter dem Bett versteckt«, vermutete Tyrion, »oder er ist an einem Seil vom Dach heruntergeklettert. Vielleicht lügen die Wachen. Wer weiß, möglicherweise haben sie den Mord selbst begangen?«