Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
Er traf zwar nicht ins Schwarze, aber die Kugel schlug dicht daneben ein. Als er vom Pferd gestiegen war, fragte Achmed Serdar: »Wie heißt du, Effendim?« »Abu Hanufa al Dinaweri.«
»Hast du auch Übung, vom galoppierenden Pferd ein bewegliches Ziel zu treffen, einen französischen Husaren zum Beispiel?«
Der General mußte eine besondere Vorliebe oder einen besonderen Haß auf die französischen Husaren haben. Auf alle Fälle spielten sie in seinen militärischen Äußerungen eine wesentliche Rolle.
»Ich hab's noch nicht bei einem französischen Husaren versucht. Ich schieße nicht auf Menschen, wenn es nicht sein muß. Aber ich habe vom Pferd aus Antilopen gejagt.« »Maschallah, ich bin Serdar des Artilleriekorps, und ich werde dich als Hauptmann einstellen, damit du Rekruten im schnellen Schießen drillen kannst.«
»Allah sei mit dir, Achmed Serdar. Mein Dank ist dir gewiß. Aber stelle mich nicht als Hauptmann ein; denn ich möchte eine freier Mann bleiben.«
»Gut, gut. Du bist auf dem Rücken eines Pferdes zu Hause. Mit einem besseren Tier könntest du selbst Cheir Eddin gefährlich werden.«
»Oh, ich möchte mich für mein Leben gern mit einem so großen Reiter messen.«
»Ich glaube, das kann eher geschehen, als dir lieb ist«, sagte er mit vielsagendem Lächeln.
3
Michel und Ojo verbrachten die ganze kommende Woche damit, sich die Stadt anzusehen. Michel exerzierte nur an den Vormittagen die Rekruten ein. In diesen Stunden kam er sich in seiner Hauptmannsuniform wie ein Zirkusclown vor. Er, dem aller Drill, alles Soldatische seit je verhaßt war, stand nun selbst — o wundersames Schicksal — vor jungen Männern, um sie das Kriegshandwerk zu lehren.
Glücklicherweise hatte er durchsetzen können, daß er nicht den wahren Rang eines Hauptmanns einzunehmen hatte. Offiziell gehörte er der Armee nicht an und wurde auch nicht auf die Fahne des Propheten vereidigt.Das wußte aber niemand außer Achmed Serdar.
An einem Morgen, als er gerade den weißen Offiziersturban aufsetzte, ließ sich ein einfach, aber vornehm gekleideter Türke bei ihm melden und bat, ihn zu begleiten. Er komme auf ausdrücklichen Befehl des Serdariekrem[3] der Artillerie. Michel folgte ihm.
Ihr Weg endete bei den Ställen des Sultans.
Dort standen bereits fünf herrliche Pferde, die von Stallburschen an den Zügeln gehalten wurden. Solche Pferde hatte Michel noch nie gesehen. Es waren Vollblutaraber, zwei Berberhengste und ein Kazikenpony, schlankbeinige Tiere, frisch getrimmt, denen man ihr Temperament auf hundert Schritte ansah.
»Mein Herr wünscht zu wissen, ob du ein Pferdekenner bist«, begann der Türke, der den Namen Hassan Akef führte. »Reite auf allen Tieren und suche dir dasjenige aus, das du nehmen würdest, wenn du in die Schlacht reiten müßtest oder auf die Jagd.«
Michel und Ojo bekamen Quartiere in einer nah gelegenen Kaserne angewiesen. Ojo, der ständige, stumme Begleiter des Pfeifers, durfte natürlich nicht fehlen.
Als sich die Sonne gen Abend neigte, hatte Michel zwei der fünf Pferde in die engere Wahl gezogen: eine braune Araberstute und einen schwarzen Berberhengst.
Beide waren in der Qualität kaum voneinander zu unterscheiden.
Erst am Abend des nächsten Tages konnte sich Michel endgültig entscheiden. Die Stute war zwar ein vorzügliches Reittier, für einen Jäger und Pferdesportler aber war der Hengst Dschesid gerade das Richtige. Er hatte einen kleinen, rassigen Kopf, rötlich schimmernde Nüstern und große, feurige Augen. Sein Gang war so weich, daß man auch im schärfsten Galopp auf seinem Rücken kaum eine Erschütterung verspürte. Bei Sonnenuntergang gab es für Michel keinen Zweifel mehr.
Hassan Akef schien mit der Wahl zufrieden zu sein. Er führte Michel in die Sattelkammer des Stalles und hieß ihn, sich einen Sattel auszusuchen.
Die Sättel waren reich verziert, mit goldenen und silbernen Beschlägen versehen, einer prunkvoller als der andere. Allein, Michel wußte längst, daß ein türkischer Sattel, auch wenn er sein Gewicht in Gold wert war, der unbequemste Sitz war, den es für einen schnellen und wendigen Reiter geben konnte.
»Findest du keinen passenden?« fragte Hassan Akef nach einer Weile verwundert. »Gefallen sie dir nicht?«
»Ich wünschte, ich besäße einen. Sie sind mindestens viertausend Piaster wert. Aber zum Reiten mag ich sie nicht.«
In diesem Augenblick betrat ein Stallbursche die Kammer. Er trug einen abgeschabten, englischen Herrenreitersattel in den Händen.
»Halt«, sagte Michel, »zeig mir diesen Sattel!«
Der Junge hielt das leichte Lederding verzweifelt fest.
»O Effendim«, flehte er, »dieser Sattel ist mein Eigentum. Und Allah befiehlt, daß ein Herr auch den Besitz eines Knechtes achten soll.«
»So würdest du ihn auch nicht verkaufen?«
»Verkaufen?« Die Miene des Burschen hellte sich auf.
»Ja. Was ich sage, das gilt.«
»Du willst mir ein Bakschisch für dieses schlechte, alte Ding geben?«
»Kein Bakschisch. Einen guten Preis.«»Bei Allah, wie kannst du einen Preis bezahlen wollen für einen Sattel, den ich in einer Müllgrube gefunden habe?«
Der Stallbursche war mißtrauisch. Er konnte nicht begreifen, daß jemand, der unter den hier hängenden Kostbarkeiten nur zu wählen brauchte, diesen Sattel kaufen wollte.
»Ich gebe dir zwanzig Piaster dafür«, fuhr Michel fort. Er wollte unbedingt den Sattel haben.
Der Junge sperrte Mund und Nase auf.
»Zwan — zwan — zwanzig Pi — Piaster?«
»Ja. Hier hast du. Gib ihn mir.«
Der Bursche drückte Michel den Sattel in die Hände, riß das Geldstück an sich und war wie der Blitz aus der Tür verschwunden. Hassan Akef lachte.
»Er ist davon überzeugt, daß Allah dir den Verstand getrübt hat, Abu Hanufa. Er hatte Angst, du würdest ihm das Geld wieder abnehmen. Weshalb willst du keinen dieser kostbaren Sättel?« »Ich reite lieber bequem auf einem einfachen Sattel als voller Anstrengung in einem dieser halben Sessel.« »Wie du willst.«
3
Oberbefehlshaber