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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Michel lachte. »Du alter Materialist, denk doch nicht immer nur andie Annehmlichkeiten des Lebens! Freilich, wenn wir uns solche Leckereien kaufen wollten, wäre der Beutel bald leer, trotz der fünftausend Piaster, die der Bej uns großzügig gestiftet hat.« »Es ist zu dumm, daß ich weiterhin den Taubstummen spielen muß. Sicher gibt es in dieser gesegneten Stadt ein spanisches Gasthaus, in dem man einen Becher Wein trinken kann. Aber wenn ich Wein getrunken habe, löst sich meine Zunge und ...«

»Du endest als Ungläubiger im Gefängnis oder am Galgen«, ergänzte Michel. »Wir müssen unser Geheimnis auf jeden Fall wahren.«

Sie schwiegen und widmeten sich dem Mokka und den Wasserpfeifen.

Immer und immer wieder wanderten Michels Gedanken zurück zur »Trueno«. Das Schiff mußte bald einlaufen. Man würde die Gefangenen wahrscheinlich erst an einem großen Festtag hängen. Bis dahin mußte er unbedingt etwas unternehmen.

Andererseits wollte er auf keinen Fall sein Ziel, die Befreiung Marinas, aus den Augen verlieren. Wo mochte sie sein?

Vielleicht lebte sie hier mit ihm unter dem gleichen Dach. Er hatte seine Aufmerksamkeit noch nicht auf die Fenster des Palastes richten können, um nach ihrem Zeichen Ausschau zu halten. Einerseits wünschte er, daß der Sultan sie gekauft hatte; denn dann würde niemand wagen, ihr auch nur ein Haar zu krümmen. Andererseits waren in diesem Fall die Maßnahmen zu ihrer Bewachung wahrscheinlich viel strenger, als wenn sie zum Harem eines weniger reichen Mannes gehörte.

Am Abend gelang es Michel und Ojo, eine Runde durch das Gebiet des Seraj zu machen. Aber nirgends, an keinem Fenster, war auch nur das geringste Zeichen, daß Marina dahinter wohnte. Am nächsten Morgen fand sich die Delegation des Bej in Michels Räumen zusammen. Der Sultan hatte sich bereit erklärt, die Abgeordneten mit den Geschenken aus Tunis zu empfangen. Der Gesandte kam. Er mußte die Delegation anführen.

Michel und Ojo bildeten in diesem Zug die zweite Reihe. Es folgten die schwarzen Sklaven, die Truhen mit Gold, Edelsteinen, kostbaren Gewürzen und Stoffen trugen. Es war wie eine Vision aus Tausendundeiner Nacht.

Als sie den königlichen Diwan — den Thronsaal — betraten, verhielten Michel und Ojo geblendet ihre Schritte. In der weiten Marmorhalle herrschte ein Glanz, der die Augen schmerzen machte.

Für die beiden Freunde war es das größte Erlebnis ihres bisherigen Lebens. Im Hintergrund saß die Gestalt des Herrschers, umgeben von den Würdenträgern und Wesiren des Reiches. Allein die Diamanten, die den Gürtel des Großmächtigen schmückten, waren zweimal so viel wert wie die Schätze, die der Bej von Tunis durch die Delegation als Geschenk darbringen ließ. Der Gesandte fiel nieder, und seine Stimme zitterte, als er mit seiner blumigen Rede anhub: »O erhabener Herrscher, Hort der Bedrückten, mächtiger Fürst, Held der großen Taten, der du im Schatten Allahs stehst, Weisester der Weisen, König der Könige, oberster Herrscher der Welt, Verkünder der Wahrheit, Nachfolger des Großen Alexander, herrlicher Führer der türkischen Streitkräfte, Beherrscher der Meere, König von Arabien und Persien, Kaiser des Islam, Sohn desPropheten, nimm die Geschenke gnädig an, die dir dein unwürdiger und gehorsamer Diener, der sich geehrt fühlt, als Bej von Ifrikija einen Strahl deiner leuchtenden Sonne empfangen zu dürfen, darbringen läßt.«

Während er diese überschwengliche Rede hielt, berührte er jedesmal mit der Stirn den Boden, wenn er die verschiedenen Titel des Sultans aussprach. Der Sultan winkte mit einer lässigen Handbewegung ab.

»Es gibt keinen Gott außer Allah«, antwortete er kurz und erlaubte dem Gesandten, seine Hand zu küssen. Dann warf er einen flüchtigen Blick auf die Geschenke und zog sich zurück. Michel und Ojo sahen einander an. Enttäuschung lag auf des Pfeifers Gesicht. Der Großmächtige hatte mit keinem Blick von ihrer Anwesenheit Notiz genommen. Als sie den Saal verlassen hatten, meinte Micheclass="underline"

»Irgendwie müßte ich mich dem Türkenkaiser bemerkbar machen; denn ich muß einen Grund haben, hier zu bleiben, wenn die anderen wieder an Bord der »King Charles« gehen. Komm, sehen wir uns die Stadt an!«

Sie gingen durch die Straßen, betrachteten die Märkte und beobachteten die Karawanen, die aus allen Richtungen zum Palast hinzogen und Geschenke für den Sultan aus den Vasallenstädten heranbrachten.

Im Hafen lagen Hunderte von Schiffen und entluden an den Kais ihre Güter. Ein Kaufmann hätte dieses Bild wahrscheinlich als ein Symbol blühenden Handels betrachtet. Aber hinter den Palästen und den Bazaren, den Handelshäusern und den Karawansereien war Istanbul eine von Waffen starrende Stadt. Des Sultans Geschäft war der Krieg. Und alle seine Titel bewiesen, daß ihm der militärische Erfolg über allem stand. —

Michel und Ojo kauften sich zuerst einmal landesübliche Kleidung. Michels nächster Schritt war eine Eingabe an den Serdar aller Truppen, in der er sich als Ausbilder, Schieß- und Fechtmeister anbot. Ihm war zu Ohren gekommen, daß der Sultan dabei war, ein zuverlässiges Artilleriekorps als Gegengewicht gegen die stets widerspenstigen Infanterieregimenter der Janitscharen aufzustellen.

Es waren nach dieser Eingabe keine vier Tage vergangen, als Michel den Besuch eines jungen Offiziers aus dem neuen Artilleriekorps erhielt.

»Abu Hanufa Effendim«, redete er Michel an, nachdem sie sich begrüßt hatten, »ich sehe, du hast dich schon gut hier eingelebt, wie mir deine türkische Kleidung verrät.«

»Ich fühle mich hier wie zu Hause«, behauptete Michel dreist. »Meine Mutter war selbst eine Türkin.«

»Und ich dachte, du wärest ein reiner Araber! Verzeih mir. Laß uns Brüder sein in Allah. Hast du dein Türkisch an deiner Mutter Brust gelernt?«

»Ja, und ich habe die Milch des reinen Glaubens getrunken.«

»Der tunesische Gesandte erklärte mir, daß du ein berühmter Schütze und ein erfahrener Schießlehrer bist.«

»Sicher hat er übertrieben. Aber du magst mir glauben, daß ich mit der Büchse umgehen kann.« Der junge Offizier freute sich.

»Am besten ist es, du meldest dich sofort bei Ibrahim Kapudan[1] im Seraskierat[2] der Reiter. Ibrahim bewundert gutes Schießen.« —

Michel wartete nicht lange. Er gab Ojo Pulverhorn, Kugelbeutel und Muskete und bedeutete ihm, zwei Schritte hinter ihm zu gehen und die Waffen zu tragen. Ojo grinste.

»Bin ich jetzt Euer Sklave, Senor Doktor?« Michel lachte.

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Hauptmann Ibrahim

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Kommandeur

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Главный герой
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