Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Aber dennoch mußten noch die Nachwirkungen des Schocks und das Gefühl der Unsicherheit fortleben. Ein paar waren fischen gegangen und ein paar auf Wachteljagd, und Ish hatte schon zwei Schüsse gehört. Doch sie alle mußten die Empfindung haben, daß sie Unverantwortliches taten oder sich sogar schuldig machten, indem sie die wichtigere Arbeit im Stich ließen. Am Abend würden sie müde heimkommen, und dann würden sie entgegengesetzt reagieren. Dann wollte er sie alle zu einer Versammlung zusammenrufen. Wenn das Eisen auch nicht glührot würde, so konnte es wenigstens ein bißchen angewärmt werden.
Widersinnigerweise drückte er seine zweite nach dem Essen angesteckte Zigarette aus und lehnte sich in dem großen Sessel zurück, um behaglich und nicht von trüben Gedanken heimgesucht auszuruhen.
»Ja, dies ist behaglich«, dachte er. »Dies ist …«
In diesen Tagen werden sie nach dem Meere hinschauen und plötzlich aufschreien: »Ein Schiff, ein Schiff! … Ja, sicher, ein Schiff … Siehst du nicht die Rauchfahne? … Ja, es nimmt Kurs auf unseren Hafen!« Dann werden sie alle fröhlich sein und heiter sagen: »Warum nur waren wir verzweifelt? … Es war doch zu erwarten, daß die Zivilisation nicht überall vernichtet war! … Natürlich, ich habe es ja immer gesagt … In Australien, in Südafrika, an einer der einsamen Stätten — oder auf einer der Inseln.« Doch es wird kein Schiff da sein, nur ein leichtes Wölkchen am Horizont.
Oder einer wird aus dem Nachmittagsschlummer erwachen und hastig nach oben schauen. »Natürlich! … Ich wußte ja, daß es so kommen mußte! … Das war ein Flugzeugmotor … Kein Irrtum ist möglich!« Doch dann sind es nur die Heuschrecken im Gebüsch gewesen, und kein Flugzeug wird kommen.
Oder es wird einer eine Anodenbatterie an den Radioapparat anschließen und mit Kopfhörern dasitzen und an den Knöpfen drehen. »Ja«, wird er kurz und knapp sagen. »Seid mal alle ruhig! … Natürlich, natürlich! … Genau auf 920! … Es spricht jemand, ich kann es deutlich hören, es klingt spanisch … Da wieder! …
Jetzt schwindet es!« Aber es werden keine Worte aus der Luft kommen, nur das Kratzen und Knacken eines fernen Gewitters.
»Ja, das ist behaglich«, dachte der in dem großen Sessel ausgestreckte Ish. Und dann fuhr er plötzlich auf! Auf der Straße hatte es zweimal laut geknallt, und er wußte sofort, daß es nur die Fehlzündungen eines schweren Lastwagens sein konnten! So schnell, daß es überhaupt keine Zeit beansprucht zu haben schien, stand er auf dem Bürgersteig vor dem Hause, und es hielt tatsächlich mitten auf der Straße ein Lastwagen. Es war ein schöner, großer, hellrot gestrichener und blau abgesetzter Lastwagen, und in großen weißen Lettern stand auf der Seite: U.S. Govt. — Regierung der Vereinigten Staaten. Ein Mann stieg aus dem Lastwagen, und obwohl er ihn gefahren hatte, trug er (verständlicherweise) Cutaway und Zylinder. Der Mann sagte nichts, aber Ish wußte natürlich, daß es der Gouverneur von Kalifornien war. Ish durchflutete ein unaussprechliches Glücksgefühl. Denn nun gab es wieder Sicherheit und eine eingesetzte Autorität und die Kraft der vielen anstatt nur die Kraft weniger inmitten der sie umgebenden Finsternis; nun war er, Ish, nicht länger ein schwaches, verstoßenes Kind, das einsam durch eine weite, feindselige Welt wanderte …
In der Bestürzung durch ein Glück, das zu groß war, als daß es hätte ertragen werden können, erwachte Ish. Das Innere seiner Hände war feucht, und sein Herz pochte heftig. Als er in dem vertrauten Raum umherblickte, schwand das Glücksgefühl hin wie sterbendes Licht, und an seine Stelle trat ein unaussprechliches Schmerzgefühl.
Nach einer Weile verblaßte der Schmerz gleichfalls, als Ish wieder ganz bei Bewußtsein war. Jenes heftige, geträumte Glücksgefühl, das so überwältigend gewesen war, daß er davon aufwachte: jetzt wußte er, daß es von einem oft geträumten Traum ausgegangen war — »Wunschtraum« nannte man so etwas. Wie viele Male im Verlauf dieser einundzwanzig Jahre hatte er ihn in dieser oder jener Form geträumt. Freilich nicht während der beiden ersten Jahre; es schien, als sei sein Gefühl der Einsamkeit und der Unsicherheit mit den Jahren gewachsen, immer schneller, ohne daß die Geburt neuer Kinder dem hätte entgegenwirken können.
Inzwischen waren seine Gedanken zur wirklichen Welt zurückgekehrt. Er richtete sich im Sessel auf. Aus der Stellung der Sonne schloß er, daß er eine Stunde geschlafen hatte. Wieder hörte er das ferne Knallen der Schüsse der Wachteljäger. Er lächelte schwach, als er das Knallen mit den Fehlzündungen des Lastwagens in Verbindung brachte. Jedenfalls aber wollte er sich jetzt daranmachen, die andern zu der Versammlung einzuberufen, die er für den Abend geplant hatte.
Die Wasserversorgung blieb während dieses Tages kärglich; aber es litt wenigstens niemand Durst. Am Abend versammelten sich die Älteren, unter ihnen Robert und Richard, die erst sechzehn waren, auf Ishs Einladung hin in seinem Hause.
Es führte niemand den Vorsitz. Manchmal forderte man Ish auf, etwas anzuordnen; aber diese Achtungsbezeigung, so meinte er, rührte wohl daher, daß er eine ohnehin anerkannte natürliche Führerstellung seiner Intelligenz wegen genoß, oder vielleicht einzig daher, daß er der Gastgeber war. Kein Schriftführer hielt fest, was gesprochen wurde. Es wurden keine Anträge gestellt, und es wurde auch nicht abgestimmt. Wie stets war es mehr ein geselliges als ein parlamentarisches Beieinandersein. Ish hörte den Gesprächen über das Für und Wider zu.
»Mir fällt gerade ein: Wer weiß denn im voraus, ob in dem Brunnen überhaupt Wasser sein wird?«
»Ist es denn überhaupt ein Brunnen, wenn kein Wasser drin ist?«
»Ja, dann wird es vielleicht nur ein Loch in der Erde?«
»Vielleicht wäre es besser, wenn wir ein Rohr nach einem Bach oder einer Quelle legten und es an unsere alten Leitungen anschlössen?«
»Wie denkst du darüber, George? Das klingt doch ganz vernünftig?«
»… Ja, natürlich … Ich glaube, ja … Jaja … Ich könnte ja ein paar Rohre zusammenlöten.«
»Aber es gibt dann wohl Streitigkeiten, wenn alle auf einmal Wasser haben wollen.«
»Müßten einen Damm bauen, ein Erddamm wäre ganz das Richtige, dann bekäme das Wasser ein bißchen Druck.«
»Meinst du, das brächten wir zustande?«
»… Türlich … Kostet bloß ein bißchen Arbeit.«
Als die Unterhaltung beinahe gemütlich weiterging, überkam Ish nach und nach Unmut. Ihm war es, als bedeute dieser Tag einen Rückschritt, eine versäumte, unwiederbringliche Gelegenheit. Er merkte, daß er aufgestanden war, und nun hielt er gar den zehn Leuten, die vor ihm saßen, eine richtige Rede.
»Dies hätte nicht geschehen dürfen«, sagte er. »Dies hätten wir nicht über uns kommen lassen dürfen. Jederzeit während des letzten halben Jahres hätten wir feststellen können, daß das Wasser in dem Reservoir abnahm; aber nie sind wir hingegangen, um nachzuschauen. Und nun sitzen wir da, nachdem das Unglück über uns hereingebrochen ist, und fühlen uns beiseite gedrängt, und sind vielleicht nie wieder imstande, die Sache ins reine zu bringen. Wir haben zu viele Fehler begangen. Wir hätten den Kindern Lesen und Schreiben beibringen sollen. (Keiner hat mich ernsthaft dabei unterstützt.) Wir hätten eine Expedition hinausschicken sollen, um zu erfahren, was anderswo geschieht. Es ist vom Übel, wenn man nicht einmal weiß, was jenseits der Berge los ist. Wir hätten uns mehr Haustiere halten sollen, wenigstens ein paar Hühner. Wir hätten Ackerbau treiben müssen …«