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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Nachdem Ish gegessen hatte, ließ er sich im Wohnzimmer in einem bequemen Sessel nieder, nahm eine Zigarette aus dem Behälter und zündete sie an. Aber die Zigarette schmeckte ihm nicht so recht. Man konnte keine in luftleeren Blechdosen verpackten mehr auftreiben, und die gewöhnlichen waren in ihren Packungen fast völlig trocken geworden, so gut die Packungen auch sein mochten. Des weiteren aber konnte er seiner Zigarette nicht froh werden, weil sein Gewissen ihm zu schaffen machte. Von der Küche her konnte er undeutlich Em und die Zwillinge hören, und er merkte, daß sie noch immer Mühe hatten, Wasser zu bekommen.

»Ich muß doch mal zu George hinübergehen«, dachte er, »damit er das Rohr reinigt, oder nachsieht, was damit los ist.« Er stand auf und ging hinaus.

Auf dem Wege zu George blieb er bei Jeans Haus stehen, um Ezra herauszuholen. Nicht daß Ezra hier hätte helfen können oder daß er Ezra für seine Besprechung mit George gebraucht hätte; sondern einfach, weil er gern mit Ezra zusammen war. Er klopfte, und Jean kam an die Tür.

»Ez ist nicht hier«, sagte sie. »Diese Woche ist er drüben bei Molly.«

Ish wandte sich zum Gehen; aber da fiel ihm etwas ein, und er machte wieder kehrt.

»Ach Jean«, sagte er. »Sag mal, fließt bei euch heute morgen das Wasser richtig?«

»Nein«, sagte Jean. »Es tröpfelt nur so ein ganz klein bißchen.«

Sie schloß die Tür, und Ish schritt die Vortreppe hinunter und wandte sich Mollys Haus zu. Es überrieselte ihn plötzlich kalt bei einer bösen Ahnung.

Er traf Ezra bei Molly und stellte fest, daß wenigstens dort keine Schwierigkeiten mit dem Wasser bestanden. Das konnte aber darauf beruhen, daß ihr Haus ein paar Meter tiefer als das Jeans lag, so daß das Wasser noch nicht aus den Röhren gelaufen war.

Sie gingen zu Georges Haus hinüber, das sauber und schmuck hinter dem frisch weißgestrichenen Lattenzaun stand. Maurine führte sie ins Wohnzimmer und sagte ihnen, sie möchten Platz nehmen und warten, während sie George holte, der sich wie gewöhnlich draußen betätigte. Ish setzte sich in einen der großen, plüschbezogenen, überreichlich mit Stoff drapierten Sessel. Dann schaute er sich, wie er immer tat, in dem Wohnzimmer um und war verblüfft und amüsiert. Georges und Maurines Wohnzimmer sah genauso aus wie das Wohnzimmer eines wohlhabenden Zimmermanns in den Zeiten vor dem Großen Unheil. Sie hatten Hängelampen mit rosa Schirmen und Troddeln und Quasten daran. An der Wand standen eine sehr kostspielige elektrische Uhr und ein prachtvolles Truhen-Radio-Grammophon mit vier Empfangsskalen. Auch ein Fernsehgerät war da. Auf beiden Tischen lagen sorgfältig ausgebreitete Deckchen, um allem ein nettes Aussehen zu geben, und auf dem einen Tisch fanden sich mehrere Stapel volkstümlicher Zeitschriften.

Sie hörten George durch den rückwärtigen Eingang hereinkommen, und dann stand seine ungefüge Gestalt in der Tür. Er hielt ein Rohrknie in der einen Hand und trug, wie stets, seinen Arbeitsanzug, der ziemlich schmutzig und mit Ölfarbflecken bedeckt war. Er hätte jeden Tag neue Arbeitskleidung anziehen können, aber offensichtlich fühlte er sich in der alten, gewohnten sehr viel wohler.

»Tag, George«, sagte Ezra, der immer das erste Wort haben mußte.

»Morgen, George«, sagte Ish.

George schien einen Augenblick auf seiner Zunge herumzukauen, als überlegte er sich, was in dieser Situation getan werden müsse. Dann sagte er:

»Morgen, Ish … Morgen, Ezra.«

»Sag mal, George«, sagte Ish, »es läuft heute morgen bei Jean und bei uns das Wasser nicht. Wie ist es hier damit?«

Es entstand eine Pause.

»Hier läuft es auch nicht«, sagte George.

»Naja«, sagte Ish. »Und was tust du nun?«

George zögerte; dann antwortete er: »Ja, wenn es drüben auch nicht läuft, dann brauche ich weiter nicht nachzusehen, ob meine Leitung verstopft ist! Ich war gerade dabei. Ich glaube, es ist ein Bruch oder eine Verstopfung in der Hauptleitung, die nach allen diesen Häusern hinführt.«

»Vermutlich hast du recht, George«, sagte Ish. »Aber was tun wir jetzt?«

George: »Ja, ich tue gar nichts.«

Gleich Em dachte George wohl, daß dies außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs liege. Hätte es sich um einen tropfenden Wasserhahn oder ein verstopftes Klosett gehandelt, so würde er sich mit Freuden an die Arbeit gemacht haben. Aber er war kein Techniker und alles andere als ein Ingenieur. So mußte denn, wie stets, Ish die Führung übernehmen.

»Woher kommt unser Wasser eigentlich?« fragte er aus diesem Impuls heraus.

Die beiden andern schwiegen. Es war seltsam. Sie hatten hier einundzwanzig Jahre lang Wasser gebraucht, das zu fließen fortfuhr, und niemals hatten sie darüber nachgedacht, woher das Wasser eigentlich kam. Es war eine Gabe der Vergangenheit gewesen, wie die Luft, wie die Dosen mit Bohnen und die Flaschen mit Tomatenketchup, die man sich verschaffen konnte, indem man mir nichts, dir nichts in einen Laden hineinging und sie sich aus den Regalen nahm. Zwar hatte Ish bisweilen ein wenig darüber nachgedacht und sich gefragt, wie lange das Wasser wohl noch fließen würde, und er hatte sogar erwogen, wenn auch nur obenhin, was sie tun sollten, um sich eine andere Quelle zu erschließen. Doch es war nie so weit gekommen, etwas zu unternehmen. Wasser, das schon eine ganze Reihe von Jahren gelaufen war, würde wohl auch noch eine Reihe von Jahren laufen, und so bestand keinerlei dringende Veranlassung, etwas zu unternehmen. In all diesen Jahren hatte es bis auf den heutigen keinen einzigen Tag gegeben, da ein unmittelbarer Grund vorgelegen hätte, sich zu sagen: »Heute muß irgend etwas für die Wasserversorgung geschehen.«

So blickte Ish jetzt von George zu Ezra und bekam keine Antwort auf seine Frage. Er bemerkte, daß er sie selbst beantworten mußte.

»Irgendwie muß unser Wasser aus der alten städtischen Wasserversorgung kommen«, sagte er. »Oder vielmehr: gekommen sein. Das alte Röhrensystem besteht noch. Ich glaube, das Beste, war wir tun können, ist, hinauf zum Reservoir zu gehen und nachzusehen, ob noch Wasser darin ist.«

»In Ordnung«, sagte Ezra, bereitwillig wie stets, »aber wir sollten vielleicht mal sehen, wie die Jungs darüber denken.«

»Nein«, sagte Ish. »Die haben keine Ahnung. Wenn es sich um Jagd oder Fischfang handelte, könnten wir die Jungs fragen. Aber hiervon verstehen sie nicht das mindeste.«

Sie gingen hinaus, riefen die Hunde, schirrten sie an und spannten sie vor die Wagen. Das Reservoir lag nur etwa anderthalb Kilometer entfernt, aber seit der Berglöwe ihn angefallen hatte, war Ish ein schlechter Fußgänger, und George fing an, in seinen Gliedern Alterssteifheit zu verspüren. Die Hunde zusammenzutreiben und alles fertigzumachen, kostete immer einige Zeit. In solchen Minuten bedauerte Ish, daß die Pferdezucht zu einer vergessenen Kunst geworden war. In der näheren Umgebung gab es zwar keine wilden Pferde; aber er war überzeugt davon, daß man weiter östlich in den freien Ebenen des San-Joaquin-Tales so viele Pferde finden könnte, wie man nur wollte. Das Ärgerlichste war nur, daß die drei Männer Stadtmenschen gewesen waren und einzig mit Autos umgehen konnten; keiner von den dreien kannte sich in Pferdezucht und Pferdedressur aus, und so hatten sie nie den Versuch unternommen, Pferde zu halten. Im Grunde waren die Hunde auch in vieler Hinsicht bequemer, weil sie wenig Pflege beanspruchten und mit Abfällen von den vielen Rindern gefüttert werden konnten, die ringsum ohne Schwierigkeit getötet wurden. Wenn man dagegen Pferde hielt, so mußte man auf gute Weideplätze bedacht sein und sie vor Wölfen und Löwen schützen. Im großen ganzen also waren, nachdem Autos nur noch mühsam in Betrieb zu halten waren, die Hundegespanne die einfachste Lösung des Transportproblems, und George hatte nur zu gern die kleinen Wagen gefertigt und fortlaufend repariert.

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