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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Aber würde sie das tatsächlich tun? Möglicherweise nicht; denn vielleicht würde sich bei dem Versuch ergeben, daß die physische Umwelt stärker war und die widerspenstigen Individuen in ihren Bann zwang.

In einem Punkte jedoch hatte Em unrecht, meinte Ish. Sie brauchte nicht zu fürchten, daß er sich gar zu sehr Gedanken über die Lage machte und sich so sehr ärgerte, daß er sich schließlich in sich selbst vergiftete und als Neurotiker endete. Vielmehr erhielt sein Drang, alles Geschehen zu beobachten, seine Anteilnahme am Leben wach. Gleich nach dem Großen Unheil hatte er sich gelobt, die Wandlungen in der Welt als das Ergebnis des Verschwindens des Menschen zu beobachten. Nun aber war die Welt im Laufe von einundzwanzig Jahren wieder wunderschön ins Gleichgewicht gekommen, und die künftigen Wandlungen würden sich zu langsam vollziehen, als daß sie Tag für Tag oder Monat für Monat würden beobachtet werden können. Nein, jetzt war das Problem der Gesellschaft, ihrer Anpassung und ihres Wiederaufbaus auf den Plan getreten und beanspruchte sein Hauptinteresse.

An diesem Punkt seiner Gedankenfolge mußte er sich indessen stets selbst verbessern. Er konnte und durfte nicht lediglich Beobachter und Gelehrter sein. Platon und seinesgleichen, die konnten einzig beobachten und kommentieren, selbst zynisch, wenn ihnen danach zumute war. Durch seine Schriften hatte Platon künftige Geschlechter beeinflussen können; aber er war nicht im eigentlichen Sinne verantwortlich für das Gedeihen und die Entwicklung der Gesellschaft gewesen, in der er lebte. Nur dann und wann war der Gelehrte, der Weise auch Regent gewesen — Marc Aurel, Thomas Morus, Woodrow Wilson. Natürlich bedachte Ish, daß er selbst nicht eben ein Regent war; aber er war der Mann der Ideen, der Denker in einer aus nur wenigen Individuen bestehenden Gesellschaft. Notwendigerweise richteten die andern in den seltenen Augenblicken der Verwirrung den Blick auf ihn, und sofern ein wirklicher Notstand sich einstellen sollte, würde er aller Wahrscheinlichkeit nach die Führerschaft übernehmen müssen.

Der Gedanke daran hatte ihn im Laufe der Jahre in die Stadtbibliothek getrieben, um nach Büchern zu stöbern, die von Gelehrten handelten, die Herrscher geworden waren. Ihre Schicksale boten weder Trost noch Ermutigung. Nein, der Gelehrte in einer Machtstellung hatte nichts zu lachen gehabt. Und dennoch nahm er, Ish, in einer nur aus sechsunddreißig Menschen bestehenden Gemeinschaft eine Stellung ein, durch die er wahrscheinlich mehr Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft eben dieser Gemeinschaft ausüben könnte und ausüben würde als irgendein Kaiser oder Kanzler oder Präsident der Alten Zeiten.

Heftige Regengüsse in der Woche nach dem Neujahrsfest hatten das Fallen des Wasserspiegels im Reservoir verlangsamt. Da setzte etwas früher als üblich die winterliche Trockenzeit ein.

Wie das Blut eines Ungeheuers aus hunderttausend Wunden, so strömte das lebenspendende Wasser aus hunderttausend Nietlöchern und offenen Leitungshähnen und leckenden Verbindungsmuffen und gebrochenen Röhren.

Und jetzt, nun der stillstehende Pegel anzeigte, daß die Tiefe unlängst noch zwanzig Fuß betragen hatte, bedeckte nur noch eine dünne Wasserschicht den Boden des Reservoirs.

Als Ish an jenem Morgen erwachte, stellte er fest, daß es ein schöner, sonniger Tag war und daß er gut geschlafen hatte und sich erholt und ausgeruht fühlte. Em war schon aufgestanden, und er vernahm vom unteren Stockwerk her die vertrauten kleinen Geräusche, die ankündigten, daß das Frühstück bald fertig sei. Er lag noch ein paar Minuten still, völlig mit sich selbst im Einklang, und gelangte langsamer als sonst zum vollen Bewußtsein. Er empfand es als einen glücklichen Umstand, daß er, wenn er wollte, noch ein Weilchen im Bett bleiben konnte, nicht nur am Sonntagmorgen, sondern jeden Tag. In dem Leben, das sie jetzt führten, brauchte man nicht mißtrauisch nach der Uhr zu schauen, und es bestand weder für ihn noch für sonst jemand die Notwendigkeit, den 7.53-Uhr-Zug zu erreichen. Er erfreute sich größerer Freiheit, als irgend jemand in den Alten Zeiten es sich hätte erträumen können. Bei dem ihm eigenen Temperament lebte er jetzt vielleicht sogar glücklicher, als er damals hätte leben können.

Als er sich dazu bereit fühlte, stand er auf und rasierte sich. Es floß kein heißes Wasser, aber das machte ihm nichts aus.

Er zog sich an, ein neues Sporthemd und blaue Baumwollhosen. Er fuhr mit den Füßen in seine bequemen Hausschuhe, ging die Treppe hinab und steuerte auf die Küche zu.

Als er an die Tür kam, hörte er Em sagen, und zwar in schärferem Ton, als sie für gewöhnlich sprach: »Josey, Kind, warum drehst du denn den Wasserhahn nicht weiter auf?«

»Aber Mutter, ich habe ihn so weit aufgedreht, wie ich kann.«

Ish trat in die Küche und sah, wie Josey den Teekessel unter den Leitungshahn hielt, und wie nur ein dünnes Wassergetröpfel daraus hervorkam.

»Morgen!« sagte er. »Ich glaube, George muß mal kommen und den Hahn anders einstellen. Josey, warum gehst du nicht in den Garten und holst dir Wasser von einem der Leitungshähne draußen?«

Josey trottete willfährig davon, und als sie draußen war, nahm Ish die Gelegenheit wahr, küßte Em und erzählte ihr, was er an diesem Tage tun wolle. Nach einer kleinen Weile kam Josey mit dem Kessel voll Wasser zurück.

»Das Wasser draußen ist einen Augenblick ganz gut gelaufen, und dann hat es angefangen, auch nur so zu tröpfeln«, sagte sie und stellte den Kessel auf den Gasolin-Kocher.

»Wie dumm!« sagte Em. »Wir brauchen noch Wasser zum Geschirrabwaschen.«

Ish erkannte aus dem Stimmklang, was das bedeutete. Jetzt war es so weit, daß die Mannsleute wieder einmal gezwungen waren, helfend einzugreifen.

Das Frühstück war im Eßzimmer aufgetragen worden, und der Tisch sah genauso aus wie in den Alten Zeiten. Ish saß am einen Ende, und Em am andern. Es waren jetzt nur noch vier Kinder im Hause. Robert, der sechzehn Jahre alt und nach den Maßstäben des »Stammes« also beinahe erwachsen war, saß an der einen Tischseite. Neben ihm saß der zwölfjährige Walt, der für sein Alter sehr groß und tüchtig war. Und auf der anderen Seite, dicht neben der Küchentür, saßen Joey und Josey, denen es oblag, bei der Bereitung des Frühstücks zu helfen und den Tisch zu decken, hinaus- und hereinzulaufen, um bei Tisch aufzuwarten, und später beim Geschirrabwaschen mit Hand anzulegen.

Es gab Grapefruit-Saft, natürlich aus Dosen. Ish hegte seit langem ernstliche Zweifel, ob im Laufe der Zeit noch irgend etwas an Vitaminen in dem konservierten Saft übriggeblieben sei. Selbst der Geschmack war schal geworden. Aber sie tranken den Saft nach wie vor, weil er dem Magen guttat. Es gab keine Eier, weil es seit dem Großen Unheil keine Hühner mehr gab. Es gab keinen Speck, weil konservierter Speck jetzt schwer zu finden war und weil es in der Nachbarschaft, soweit sie hatten feststellen können, keine Schweine gab. Aber es gab schöne, gebratene, gebräunte Rinderrippen, die den Speck vortrefflich ersetzten, selbst für Ishs Zunge. Ish und Em waren es gewohnt gewesen, Röstbrot oder Körnerspeisen zu essen, und da die Ratten und die Kornwürmer alles Mehl und alle Kartons mit Getreideflocken zerstört hatten, aßen sie Maismehl aus Dosen, aus dem sie sich einen Brei kochten, der als Bestandteil ihres Frühstücks herhalten mußte. Sie aßen ihn mit Kondensmilch, und sie süßten ihn mit weißem Kornsirup, weil neuerdings kein Zucker aufzutreiben war. Die Erwachsenen tranken auch Kaffee. Ish tat Milch und Kornsirup in den seinen; Em trank ihren lieber schwarz und ungesüßt. Der in luftleeren Dosen eingelötete Kaffee hatte wie der Grapefruit-Saft viel von seinem Aroma eingebüßt.

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