Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Als sie damit fertig waren, setzten sie sich auf die Couch, und Ish rauchte eine letzte Zigarette. Seine Gedanken gingen zur Diskussion dieses Abends zurück. Obwohl alles eine andere Wendung genommen, als er es ursprünglich geplant hatte, hatte er doch die Empfindung, daß etwas Wichtiges erreicht worden sei.
3
Als er am andern Morgen erwachte, war Em schon aufgestanden. Er lag still, entspannt und glücklich da. Dann schien sein Geist sich plötzlich etwas anderem zuzuwenden und Halt zu finden — und sogleich fing er an zu denken und Pläne zu schmieden.
Nach einer Minute überkam ihn eine leichte Verärgerung. »Du denkst zu viel!« sagte er zu sich selbst.
Warum erlaubte sein Gehirn ihm nicht, wie es bei anderen Menschen der Fall war, zu ruhen und glücklich zu sein, ohne daß er sich Gedanken über die Zukunft machte, entweder über die nächsten vierundzwanzig Stunden oder über die nächsten vierundzwanzig Jahre? Warum konnte er nicht einmal sechzig Sekunden lang still daliegen? Nein; dann überfiel ihn etwas, und wenngleich sein Körper still lag; begann sein Geist zu arbeiten und kam in. Gang wie eine leerlaufende Maschine. Eine Maschine, ein Motor? Nun, freilich, heute mußte er sich mit Motoren befassen!
Doch das ruhige Glück zwischen Schlafen und Wachen hatte ihn endgültig verlassen, und die reine Zufriedenheit war dahin. Mit einer ärgerlichen Armbewegung schlug er die Decke zurück.
Der Morgen war hell und sonnig. Obwohl die Luft kühl war, trat er auf den kleinen Balkon hinaus, blieb dort stehen und schaute nach Westen. Im Laufe der vielen Jahre waren die Bäume überall größer geworden; doch noch immer konnte er den Berggipfel und ein gutes Stück der Meeresbucht mit den beiden Brücken sehen.
Die Brücken, ja die Brücken! Ihm bedeuteten sie nach wie vor die imposantesten Überbleibsel der großen Vergangenheit. Die Kinder indessen hielten, wie er oftmals beobachtet hatte, die Brücken für etwas, das sich kaum von Hügeln oder Bäumen unterschied; sie waren einfach etwas, das da war. Für Ish jedoch zeugten die Brücken täglich von der Macht und dem Ruhm dessen, was Zivilisation gewesen war.
Die Goldene-Tor-Brücke hatte er seit vielen, vielen Jahren nicht besucht. Solch ein Ausflug hätte einen sehr langen Fußmarsch bedeutet oder sogar eine lange Fahrt im Hundewagen; man hätte über Nacht fortbleiben müssen. Aber er wußte noch ganz genau, wie die Buchtbrücke aussah, und selbst von dort aus, wo er stand, konnte er sie deutlich sehen.
Er mußte daran denken, wie sie ehedem gewesen war: sechs Fahrbahnen, auf denen sich Personenautos, Lastwagen, Autobusse geschwind fortbewegten, und darunter die elektrischen Schnellbahnen. Jetzt war, wie er wußte, nur ein einziger Wagen auf der Brücke — der kleine, leere Zweisitzer, der säuberlich am Bordstein nahe dem Ende des West-Bucht-Bogens stand. Der vergilbte Zulassungsschein hatte, wie er bei seinem letzten Besuch dort gesehen, noch an der Steuersäule gesteckt: John S. Robertson (oder, er konnte sich nicht ganz genau erinnern, vielleicht auch James T.), wohnhaft Nummer soundso auf einer der numerierten Straßen in Oakland. Nun waren die Reifen platt, und der einst hellgrüne Anstrich war zu einem stumpfen Moosgrau verwittert.
An der Oberfläche hatten sie sich verändert. Die Türme, die ihre Spitzen in den Sommerwolken verbargen, die meilenlangen, sich senkenden und steigenden Tragkabel, die massiven Stahlträger — sie warfen nicht länger mit ihrem lichten Silbergrau den Schein der Morgensonne zurück. Über ihnen lag jetzt weich eine Rosthaut, die rotbraune Farbe der Vernachlässigung. Nur auf den Turmspitzen und längs der Kabel, an günstigen Aufsitzplätzen war die ruhige Einförmigkeit unterbrochen durch das tote Weiß der Vogelexkremente.
Ja, während all der Jahre hatten die Seevögel sich hier niedergelassen, die Möwen, die Pelikane und Kormorane. Und auf den Uferdämmen huschten die Ratten, kämpften, heckten und nisteten.
Der breite Zufahrtsweg, der unbenutzt dalag, wies nur wenige Anzeichen der Veränderung, nur unebene Stellen und hier und dort ein paar Risse und Sprünge auf. Wo hergewehter Staub sich in den Rissen und Winkeln abgelagert hatte, wuchs etwas Gras.
Auch in ihrem inneren Gefüge war die Brücke noch immer intakt und unverändert. Der Rost an der Oberfläche hatte den Sicherheitskoeffizienten nur um ein Geringes vermindert. An der östlichen Auffahrt, wo bei Sturm Salzwasser gegen die seit langem nicht neugestrichenen Stahlträger gespritzt war, hatte der Rost etwas tiefer gefressen. Hätte es noch einen Ingenieur gegeben, so; würde er den Kopf geschüttelt und die Auswechslung einiger Bauglieder befohlen haben, ehe er die Brücke wieder für den Verkehr freigab.
Aber das war auch alles. In dem dauerhaften Gefüge der Brücke verteidigte sich die seit langem tote Zivilisation noch gegen die Angriffe von Luft und Meer.
Ish riß sich aus der tranceähnlichen Versunkenheit und ging hinein, um sich zu rasieren. Die Berührung mit der Stahlklinge war zugleich beschwichtigend und anregend. Glücklich in der Erwartung zweckvollen Tuns gedachte er all dessen, was an diesem Tage vollbracht werden sollte. Er mußte sich davon überzeugen, daß an den Abortanlagen und am Brunnen weitergearbeitet wurde. Er wollte weitere Pläne für die Expedition ins Landesinnere entwerfen. Er mußte nachschauen, was sich tun lassen könnte, um wieder ein Auto in Gang zu bringen. Vielleicht, so dachte er in aufwallendem Glücksgefühl, war dies der Tag, da sie wieder auf die rechte Straße gelangten, nicht nur im wörtlichen Sinne mittels eines Autos, sondern auch bildlich — auf die Straße, die zur Wiedergeburt der Zivilisation führte.
Er schraubte den Rasierapparat auseinander und warf die Klinge in den Abfallkasten, in dem bereits eine größere Zahl von Klingen lag. Er dachte nie daran, eine Klinge mehr als einmal zu benutzen, weil ihm so viele Tausende zur Verfügung standen, daß keine Veranlassung zur Sparsamkeit bestand. Und dennoch war das Problem, was man mit den alten Rasierklingen anfangen sollte, merkwürdigerweise noch immer akut. Er erinnerte sich der Scherze, die vor langer Zeit darüber gemacht worden waren. Spaßig, wie ein kleines Ding das gleiche blieb, nachdem so viele große Dinge unwiderruflich anders geworden waren!
Nach dem Frühstück ging Ish hinüber, um sich mit Em zu besprechen. Sie setzten sich auf die Stufen der Vortreppe. Innerhalb kurzer Zeit kamen weitere Menschen heran, und es bildete sich eine kleine Gruppe, wie es stets geschah, wenn zwei ein interessantes Gespräch zu führen schienen. Es wurde hin und her geredet; es wurden in beträchtlicher Anzahl naheliegende Witze eingestreut, und die Jüngeren machten derbere Scherze. Im allgemeinen schienen alle sich einig zu sein, daß man wieder an die Arbeit gehen müsse; aber es zeigte niemand sonderliche Eile, damit anzufangen. Die Verzögerung machte Ish wütend.
Schließlich jedoch setzten Ezra und die drei jüngeren Männer, begleitet von einem bunten Schwarm kleiner Jungen und Mädchen, sich in Bewegung, um mit der Arbeit anzufangen. Kaum waren sie aufgebrochen, als eine Art Begeisterung sie überfiel. Alle, selbst Ezra, begannen plötzlich zu laufen, um zu sehen, wer als erster ankommen und mit dem Graben anfangen würde. Ish sah Evie zwischen den übrigen laufen, obwohl sie schwerlich wußte, was sie vorhatten, und ihr blondes Haar wehte wild. Wer als erster anfing, konnte er nicht sagen, aber im Handumdrehen flog die ausgehobene Erde nach allen Richtungen. Er wußte nicht, ob er lachen oder sich ärgern sollte. Sie alle schienen eine ernste Arbeit in eine Art Spiel zu verwandeln, als seien sie absolut unfähig, zwischen Arbeit und Spiel zu unterscheiden. Das war vielleicht sehr schön; aber es kam nicht viel dabei heraus, meinte er, wenn man Arbeit nicht als harte Mühe ansah. Wie die Dinge lagen, würde die spielerische Begeisterung in einer halben Stunde verraucht sein; die Erdschollen würden langsamer fliegen; und dann würden erst die Kinder und bald darauf auch die Älteren sich wahrscheinlich trollen und etwas anderes anfangen.