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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Wenn sie vereint sich an den Hirsch heranpirschten, oder bei der Entenjagd fröstelnd im Schlamm hockten, oder ihr Leben bei Klettereien auf der Gemsenjagd aufs Spiel setzten, oder unter Geschrei auf den Bären in seinem Lager eindrangen, dann war das keine Arbeit gewesen, obwohl sie dabei oftmals schwer geatmet und müde Glieder gehabt hatten. Wenn die Frauen Kinder gebaren und nährten, oder die Wälder nach Beeren und Pilzen durchstreiften, oder das Feuer am Eingang der Felsschlucht unterhielten, so war das ebensowenig Arbeit gewesen.

Wenn sie sangen und tanzten und einander liebten, so war das kein Spiel. Durch Gesang und Tanz wurden vielleicht die Geister der Wälder und des Wassers versöhnt. Und was die Ausübung des Liebesaktes betraf, so wurde dadurch, und durch die Gunst der Götter, der Stamm erhalten.

So durchdrangen Arbeit und Spiel einander während der ersten Jahre stets, und nicht einmal die Wortbezeichnungen dafür standen widereinander.

Aber die Jahrhunderte glitten im Fluge dahin, und weitere Jahrhunderte folgten, und viele Dinge erhielten ein anderes Gesicht. Der Mensch erfand die Zivilisation und war über die Maßen stolz darauf. Aber in keiner Beziehung veränderte die Zivilisation das Leben stärker als durch die Verschärfung des Unterschiedes zwischen Arbeit und Spiel, und zumindest diese Scheidung wurde nach und nach noch bedeutsamer als die alte zwischen Schlafen und Wachen. Der Schlaf bekam den Sinn einer Art Erholung und Entspannung, und »Schlafen auf der Arbeitsstätte« galt als eine verruchte Sünde. Das Lichtausdrehen und das Rasseln der Wecker waren nicht so sehr die Symbole von des Menschen Doppelleben wie der Anschlag der Kontrolluhr und das Pfeifen bei Arbeitsschluß. Die Menschen stellten Streikposten auf, warfen mit Ziegelsteinen und vollführten Sprengstoffattentate, um der Arbeit eine Stunde abzuziehen und sie der Ruhezeit hinzuzufügen, und andere Menschen kämpften genauso erbittert, um sie daran zu hindern. Und die Arbeit wurde immerfort drückender und verhaßter, und das Spiel wurde immer künstlicher und fieberhafter.

Einzig Ish und George standen noch an der Vortreppe. Ish wußte, daß George drauf und dran war, etwas zu sagen. Wie spaßig, dachte Ish. Im allgemeinen machten die Menschen eine Pause, wenn sie etwas gesagt hatten. George machte eine Pause, bevor er etwas sagte.

»Ja«, sagte George und machte abermals eine Pause, »ja … ich glaube, es ist besser, wenn ich gehe und ein paar Bretter besorge, dann kann ich die Wände absteifen, wenn das Loch tiefer wird.«

»Fein!« sagte Ish. Wenigstens George, wußte Ish, würde darauf bedacht sein, die Arbeit zu Ende zu führen. Ihm saß die Gewohnheit, zu arbeiten, von den Alten Zeiten her so tief in den Knochen, daß er vielleicht überhaupt nicht imstande war, richtig zu spielen.

George trollte sich, um nach seinen Brettern zu suchen, und Ish ging zu Dick und Bob, die dabei waren, die Hunde zusammenzutreiben und anzuschirren.

Er traf die beiden Jungs vor seinem eigenen Hause. Drei Hundegespanne waren fertig. Aus dem einen Wägelchen ragte ein Gewehrlauf.

Ish wurde einen Augenblick nachdenklich. Mußte noch etwas mitgenommen werden? Er hatte die Empfindung, daß etwas fehlte.

»Ach, Bob«, sagte er, »geh bitte hinein und hole meinen Hammer.«

»Och, wozu brauchst du den denn?«

»Ja, zu nichts Besonderem, glaube ich. Vielleicht brauchen wir ihn, um eine Tür aufzubrechen!«

»Dazu kannst du doch einen Ziegelstein nehmen«, sagte Bob; doch er ging.

Ish nahm die kurze Verzögerung wahr, um das Gewehr nachzusehen, ob das Magazin auch gefüllt war. Das war pure Gewohnheit; aber Ish war der einzige, der sie beibehalten hatte.

Bob kam wieder und überreichte ohne weiteres seinem Vater den Hammer. Als Ish den Stiel ergriff, empfand er ein winziges Sicherheitsgefühl. Das vertraute Gewicht des vier Pfund schweren Hammerkopfes dünkte ihn tröstlich. Es war derselbe alte Hammer, den er vor langer, langer Zeit aufgelesen, kurz bevor die Klapperschlange ihn gebissen hatte. Der Stiel war verwittert und hatte Risse bekommen. Ish hatte oft erwogen, sich aus einer Eisenwarenhandlung einen neuen Stiel zu holen und daran den Hammerkopf zu befestigen. Aber dann hätte er sich ebensogut einen völlig neuen Hammer holen können. Doch er hatte gegenwärtig nur sehr selten Gelegenheit, sich eines Hammers zu bedienen. Um der Tradition willen nahm er ihn an jedem Neujahrstage mit, um die Jahreszahl in den Felsen zu meißeln; aber das hatte nichts mit der praktischen Verwendungsmöglichkeit zu tun, und selbst für jenen Zweck wäre ein leichterer besser geeignet gewesen.

So legte er denn den Hammer zu seinen Füßen in den Wagen und war zufrieden.

»Fertig?« fragte er Dick und Bob, und just in diesem Augenblick fiel ihm etwas auf.

Halb versteckt hinter den Büschen stand ein kleiner Junge und schaute nach den Wagen hin. Ish erkannte die schmächtige Gestalt.

»Oh, Joey!« rief er in einem plötzlichen Impuls. »Willst du mitkommen?«

Joey trat aus dem Gebüsch heraus; aber er zögerte.

»Ich muß beim Brunnengraben helfen«, sagte er.

»Ach, das ist nicht so wichtig. Sie werden schon ohne dich fertig werden.«

Es bedurfte weiter keiner Nötigung. Joey lief zu Ishs Wagen, kletterte hinein und hockte zu des Vaters Füßen nieder, wo er gerade noch Platz fand. Den Hammer hielt er im Schoß.

Dann stürmten die Hunde unter lautem Gebell los. Die beiden anderen Gespanne schlossen sich an; die aufgeregten Jungs schrien, und ihre Hunde bellten ebenfalls.

Bald nachdem die Hunde losgestürmt waren, hörten sie mit dem Gebell und der Kraftvergeudung auf und fielen in eine langsamere Gangart. Ish sammelte seine Gedanken und überdachte sein Vorhaben.

Bei einer ehemaligen Reparaturwerkstatt ließ er anhalten. Die Tür stand offen. Das kleine Geschäftszimmer hatte Glaswände; aber das Sonnenlicht drang nur in gebrochenem Gelb hinein. Einundzwanzig Jahre alter Fliegenschmutz und Staub bedeckten in dicken Lagen die Scheiben.

Er sah das alte Fernsprech-Teilnehmer-Verzeichnis am Haken neben dem seit langem toten Telefon hängen. Als er das Buch ergriff und es aufschlug, brachen Fetzchen gelben Papiers von den Seiten ab und flatterten zu Boden. Er fand die Adresse der ehemaligen Vertretung für Jeeps. Ja, bei dem gegenwärtigen Zustand der Straßen würde ein Jeep das beste sein.

Als sie eine halbe Stunde später an der betreffenden Straßenecke anlangten, blickte Ish durch das schmutzige Schaufenster, und sein Herz tat einen bubenhaften Freudensprung, als tatsächlich ein Jeep dort stand.

Die Jungs spannten die Hunde aus, und die gut dressierten Tiere legten sich nieder.

Dick drückte auf die Klinke; die Tür war verschlossen.

»Hier«, sagte Ish. »Nimm den Hammer und zerschlag das Schloß.«

»Ach, da liegt ein Ziegelstein!« sagte Dick und lief die Straße hinab, zu den Trümmern eines beim Erdbeben zusammengestürzten Schornsteins. Bob lief mit ihm.

Ish ärgerte sich. Was war in die Jungs gefahren? Ein Ziegelstein war bei weitem nicht so geeignet zum Einschlagen einer Tür wie ein Hammer. Er mußte das wissen; er hatte in seinem Leben viele Türen eingeschlagen.

Er ging die drei Schritte über den Bürgersteig, schwang den Hammer im Rhythmus seines letzten Schrittes, und die Tür sprang nach innen auf. Er wollte es ihnen schon zeigen! So hatte es denn doch seinen Sinn gehabt, daß er den Hammer mitgenommen hatte!

Der Jeep, der dort im Schauraum stand, hatte vier platte Reifen und war mit dickem Staub bedeckt; aber unter dem Staub war der rote Lack noch wie neu. Vom Kilometerzähler war abzulesen, daß der Jeep ganze fünfzehn Kilometer gefahren war. Ish schüttelte den Kopf.

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