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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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»Mehr war nicht drin.«

Wir parkten den Van so nahe wie möglich bei der Zeltgruppe, zu der auch Adam und seine Clique gehörten. Die farbenfrohen Zelte wirkten nahezu albern in dieser ausgemergelten Gegend, blaue, rote und gelbe Nylonpilze, die in wenigen Tagen aus dem harten Boden des Parkplatzes geschossen waren. Ashlee reckte schon erwartungsvoll den Hals nach Adam. Kaitlin war nirgends zu sehen.

»Bleibt, wo ihr seid«, sagte Hitch. »Ich mache den Unterhändler.«

»Unterhändler?«, fragte Ash in einem Anflug von Entrüstung.

Hitch bedachte sie mit einem warnenden Blick und drückte von außen die Tür ins Schloss.

Er ging ein paar Schritte auf ein achteckiges Zelt aus fotosensitivem silbernem Mylar zu und rief etwas für uns Unverständliches. Sekunden später wurde die Plane zurückgeschlagen und Adam Mills trat ins Freie. Es konnte nur Adam sein, so wie Ashlee Luft holte.

Er trug eine staubverkrustete Khakiuniform, sah aber recht gesund aus. Er war mager und groß, fast so groß wie Hitch, und hatte einen schwarzen Rucksack geschultert. Er würdigte den Van keines Blickes, wartete nur auf Hitchs Spruch. Aus dieser Entfernung konnte ich unmöglich seinen Gesichtsausdruck erkennen, doch der Junge wirkte sichtlich entspannt und alles andere als verängstigt.

Ashlee langte zum Türgriff, doch ich hielt sie zurück. »Warte noch eine Minute.«

Hitch redete. Adam redete. Schließlich zog Hitch ein gerolltes Bündel Geldscheine aus der Tasche und zählte sie Adam auf die Hand.

Ashlee sagte: »Was ist das, Bestechung? Er will Adam bestechen

Ich sagte, dass es so aussehe.

»Für was denn? Damit er dich zu Kait bringt? Damit ich mit ihm reden kann?«

»Ich weiß nicht, Ash.«

»Mein Gott, das ist so…« Sie fand kein Wort für ihre Verachtung.

»Wir haben komische Zeiten«, sagte ich. »Es passieren komische Dinge.«

Sie sank in den Sitz zurück, gedemütigt, und schwieg, bis Hitch uns herauswinkte. Ich aktivierte das Sicherheitssystem des Vans, eine Maßnahme, von der ich mir nicht allzu viel versprach. Draußen war die Luft trocken und der Gestank bestialisch. Ein paar Meter weiter schaufelte ein junger Mann in einer ehemals weißen Hose Erde in einen Latrinengraben.

Ashlee ging zögernd auf Adam zu. Schwer zu sagen, aber ich hatte den Eindruck, als scheue sie nun, da der lang ersehnte Augenblick gekommen war, davor zurück — als scheue sie vor der Zwecklosigkeit der Begegnung und seiner Verweigerung zurück. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und sah ihm in die Augen. Adam starrte gleichmütig zurück. Er war jung, aber kein Kind mehr. Er gab keinen Zentimeter Boden preis, wartete nur, dass Ashlee sagte, was sie zu sagen hatte; für mehr war er vermutlich nicht bezahlt worden.

Jetzt entfernten sie sich ein paar Schritte auf einem Pfad zwischen den Zelten. Hitch sagte zu mir: »Eine total verlorene Sache. Sie weiß es nur noch nicht.«

»Was ist mit Kait?«

Er wies mit dem Kinn auf ein sonnengelbes Zelt.

Kairo kam mir in den Sinn. Der Chronolith war vor drei Jahren aufgetaucht. Sue Chopra hatte Videoaufnahmen aus einem Dutzend unterschiedlicher Blickwinkel bekommen, von allen Phasen des Ereignisses — die Ruhe vor der Manifestation, der Kälteschock und die thermischen Winde, eine Säule aus Eis und Staub, die in den trockenen blauen Himmel toste, und schließlich der Chronolith selbst, funkelnd hell, eingebettet in das Vorstadtgebiet von Kairo wie ein in den Fels gestoßenes Schwert.

(Und wer wird es aus dem Stein ziehen? Vielleicht die reinen Herzens sind. Briefväter und gescheiterte Ehemänner haben keine Chance.)

Was Kairo anging, waren es wohl die Widersprüche, die mich so nachhaltig beeindruckt hatten: die wabernde Wüstenhitze; das Eis. Die divergierenden historischen Schichten, Bürotürme errichtet auf den Trümmern einer tausendjährigen Herrschaft und dann das jüngste Monument, Kuin auf seinem frostigen Thron, mächtig und unnahbar wie ein Pharao.

Ich weiß nicht, wieso ich mich gerade jetzt so lebhaft daran erinnerte. Vielleicht, weil dieses ausgemergelte Nest in Sonora kurz davorstand, seinen eigenen frostigen Thron zu bekommen, und vielleicht lag ja schon ein Hauch von Kälte in der Luft, ein Schauder der Erwartung, der bittere Geschmack der Zukunft.

»Kaitlin?«, sagte ich.

Ein launischer Wind schlug die Plane beiseite. Ich ging in die Hocke und steckte den Kopf ins Innere.

Kait war allein, schälte sich aus einem Nest aus schmutzigen Decken. Sie blinzelte gegen die gelbe Helligkeit aus Sonne und Nylon. Ihr Gesicht war schmal, die Augen umringt von Müdigkeit.

Sie wirkte älter, als ich sie in Erinnerung hatte, was ich unwillkürlich auf den Hadsch zurückführte, den Hunger und die Ängste, unter denen sie gelitten haben musste; fest stand aber, dass sie mir entglitten war, dass sie aus meinem Bild von ihr herausgewachsen war, und das nicht erst, seit sie Minneapolis verlassen hatte.

Sie sah mich sehr lange an, ihr Ausdruck spiegelte nacheinander Ungläubigkeit, Argwohn, Dankbarkeit, Erleichterung und Schuldgefühl. Dann sagte sie: »Daddy?«

Ich brachte nur ihren Namen heraus. Vermutlich das Beste, was mir passieren konnte. Mehr wäre zu viel gewesen.

Sie kam aus den Decken und in meine Arme. Ich bemerkte die Blutergüsse an ihren Handgelenken, den blutverkrusteten Schnitt, der von der Schulter fast bis zum Ellbogen verlief. Doch ich stellte keine Fragen und begriff die Weisheit von Ashlees Rat: Ich konnte sie nicht von ihren Wunden heilen, nichts ungeschehen machen. Ich konnte sie nur halten.

»Ich bin hier, um dich nach Hause zu holen«, sagte ich.

Sie sah mir nicht in die Augen, sagte aber fast unhörbar: »Danke, Daddy.«

Wieder schlug eine Brise die Plane beiseite und Kaitlin fröstelte. Ich sagte ihr, sie solle sich so rasch wie möglich anziehen. Sie zog ein Paar zerlumpte Jeans an und warf sich einen einfachen Poncho über.

Ich schauderte. Die Luft schien ein bisschen zu kalt für diesen sengenden Morgen — unnatürlich kalt.

Draußen rief Hitch nach mir.

»Bring sie in den Wagen«, sagte er, »und beeil dich! Das war nicht abgemacht — ich hab fürs Reden bezahlt, nicht fürs Mitnehmen.« Er drehte das Gesicht in den Wind. »Ich habe das Gefühl, wir haben uns verrechnet.«

Kaitlin ließ sich auf eine der hinteren Sitzbänke sinken und wickelte sich in eine Decke. Ich riet ihr, sich noch eine Weile klein zu machen. Hitch verriegelte und ging Ashlee holen.

Kait schniefte und nicht bloß, weil sie den Tränen nahe war. Sie habe sich angesteckt, meinte sie. Eine Grippe oder eine dieser Magendarmgeschichten, die in Portillo kursierten, weil die Menschen immer durstiger und die Wasserverkäufer immer skupelloser wurden. Ihr Blick war verschleiert und ein bisschen abwesend. Sie hustete in die Faust.

Draußen schlappten die Zelte und Textilbehausungen im auffrischenden Wind. Hadschisten krochen ins Freie, aufgescheucht durch das unruhige Wetter, Dutzende verstörter Kuin-Jünger in zerrissener Kleidung beschatteten die Augen und fragten sich — begannen sich zu fragen —, ob dieser Sturmwind wohl der unmittelbare Vorbote eines sakralen Ereignisses war — eines Chronolithen, der sich durch fallende Temperaturen und heftige Böen ankündigte.

Alles war möglich. Der Kuin von Jerusalem war allerdings entschiedener aufgetreten, hatte nicht so viel Federlesens gemacht, doch es war bekannt, dass die Ankunft der Chronolithen keinem festen Ritual folgte. Intensität, Dauer und zerstörende Wirkung waren von Mal zu Mal anders. Sue Chopras Berechnungen basierten auf ziemlich problematischen Satellitendaten und mochten den Zeitpunkt um etliche Stunden verfehlen.

Mit anderen Worten, vielleicht schwebten wir in Lebensgefahr.

Ein Windstoß ließ den Van schaukeln und machte Kaitlin neugierig. Sie presste das Gesicht ans Fenster, gaffte mit offenem Mund auf die wirbelnden Staubwolken, die mit einmal aus der Wüste kamen. »Daddy, ist das…?«

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