Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
»Von hier aus ist wenig zu machen«, meinte Pavel.
»Vielleicht findet Josef etwas heraus?«
»Bis jetzt nur ein paar Geräusche. Es könnte eine Sprache sein, aber die Übertragungsart ist ungewöhnlich … vielleicht liegt es an der Modulation …«
Sie standen vor ihrem Zelt, die Funkgeräte waren auf dem Fahrzeug aufgebaut. Wenn sie peilen wollten, mußten die Antennen beweglich sein.
Der Oberst trat zu ihnen. »Ich habe mitgehört – keine verständlichen Funksignale. Was sagt ihr Wissenschaftler zur Situation?«
»Es gibt wenig zu sagen. Die Stadt ist ein Wunderwerk der Technik.«
»Alles sieht friedlich aus.«
»Ob sie das Ultimatum gehört haben? Reagiert haben sie nicht.«
»Hier haben wir keine Chance. Wir müssen ins Zentrum.«
»Nicht so eilig!« Der Offizier wies unbestimmt in die Ferne. »Wir müssen auf Sicherheit bedacht sein. Vorerst bleiben wir hier. Niemand geht über die Postenlinie hinaus.«
»Wir können nicht dauernd auf einem Fleck sitzen.«
»Ich glaube, es ist am besten, wir bleiben heute noch hier und warten ab. Wenn uns jemand vertreiben will, hat er keinen Grund zu warten. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen – ein Angriff kann jeden Augenblick erfolgen, auf jede denkbare Weise.«
»Es sieht so aus, als ob uns niemand bemerkt hätte.«
Greg hob die Hand. »Vielleicht befindet sich kein lebendes Wesen mehr hier. Das ist meine Hypothese. Die Sprengung ging nicht lautlos vor sich. Wenn die Stadt noch Bewohner hat, so kann es diesen nicht gleichgültig sein, ob jemand ihre Mauer aufsprengt und mit Panzern eindringt, auf dem Sportplatz lagert und die Geschütze gegen die Gebäude richtet.«
»Die Konsequenzen?«
»Sie sind ausgestorben. Vielleicht eine Seuche. Vielleicht degeneriert.«
»Und die Funksignale?«
»Automaten. Wer weiß, ob nicht auch das Abwehrsystem automatisch gesteuert war und seine Aufgabe erfüllt hat, obwohl die Menschen, die es schützen sollte, nicht mehr lebten.«
»Das ist möglich. Es würde unsere Aktion erleichtern.«
»Es wäre ein wenig zu einfach!«
»Es wäre traurig«, sagte Sonja, »wenn die Konstrukteure dieser Anlage tot wären. Sie haben viel geleistet!«
»Welchen Wert hatten ihre Leistungen in einer abgeschlossenen Welt?«
»Es war ihre eigene Welt.«
»Vielleicht werden wir doch beobachtet«, sagte Dan. Er zeigte an den Rand des Lagerplatzes, wo ein flacher Hügel aufgeschüttet war. An seiner höchsten Stelle ragte ein schwarzer Stab empor.
»Was meinen Sie?« fragte der Oberst. »Den Stab? Was bedeutet er?«
»Er war vorher noch nicht da. Es wäre mir aufgefallen.« Dan erzählte von dem Vorfall des Vortags.
»Sehen wir nach!« schlug der Oberst vor.
Sie gingen hinüber, näherten sich dem Stab auf zehn Meter, sahen eine blinkende Kugel am oberen Ende … plötzlich versank das Gebilde im Boden. An seinem Platz fanden sie nichts als eine winzige Mulde, und auch als sie den Sand beiseite scharrten, war keine Spur des Stabs zu finden.
Der Oberst befahl zwei Soldaten, einen Graben auszuheben. In fünfzig Zentimeter Tiefe wurde der Boden merklich härter, sie stießen auf eine Schicht von zusammengebackenem Material, zwischen den Blöcken gab es mit Sand gefüllte Löcher; das war aber auch alles.
»Was meint ihr?« fragte der Major. »Ein Mikrophon? Eine Fernsehkamera?«
»Möglich. Es könnte eine Kugellinse sein, die das Gesamtbild der Umgebung auffängt.«
»… und weiterleitet.«
»Wohin weiterleitet?«
»Wer weiß?«
»Also hat man von uns Kenntnis genommen«, stellte der Oberst fest. Er sagte es völlig ruhig, aber er hatte sich ein wenig geduckt, und seine Hand lag an der Waffe.
»Dieses Ding verrät uns nichts darüber, ob noch Menschen hier sind«, sagte Greg. Sie schlenderten zu den Zelten zurück. »Es könnte zu den automatischen Anlagen gehören.« »Da!«
»Er ist wieder da!«
»Er beobachtet uns!«
Der Oberst drehte sich um, zog die MP, stellte sie auf Korpuskularstrahlung ein, zielte kurz und schnitt den Stab knapp über dem Boden ab.
»Das hätten Sie nicht tun sollen«, sagte Dan.
Sie liefen hin und sahen, wie der Stumpf im Sand verschwand. Pavel hob den Rest des Stabes auf und gab ihn dem Oberst. Dieser betrachtete ihn und reichte ihn an Josef weiter.
»Untersuchen!«
Unmittelbar danach wurde erste Alarmstufe gegeben. Auf allen Anhöhen ringsum waren schwarze Stäbe erschienen.
Die Stunden flossen zäh dahin. Die Mannschaften hatten nichts zu tun, und der Oberst befahl, um sie abzulenken, die Fahrzeuge zu reinigen. Das war mit den schweren, bleigefüllten Anzügen, mit den heruntergeklappten Visieren eine schwierige Aufgabe, und überdies, wie alle wußten, auch eine unnötige Aufgabe. Sie gehorchten, aber sie gehorchten ungern, und sie waren irritiert durch die schlanken Stäbe, die sie offenbar beobachteten – Stielaugen von Polypen.
Am späten Nachmittag versanken die stummen Wächter plötzlich, und die Stimmung wurde besser.
Josef und Greg bastelten an ihren Funkgeräten herum. Um 18 Uhr gelang es ihnen, über einen Umsetzer Musik zu empfangen. Es war ein Klingen, wie es Stimmgabeln hervorbringen, kurze Glockentöne, kein durchgehender Takt, doch rhythmische Sequenzen, scheinbar willkürlich gereiht.
»Ich weiß nicht, ob das Klangbild stimmt – ich habe möglichst reine Sinustöne zugrunde gelegt.«
»Müßte sich dann nicht auch die Sprache verstehen lassen?«
»Horcht!«
Alle sechs hatten sich eingeschaltet, und jetzt hörten sie Laute, die sicher menschlich waren, obgleich sie verzerrt klangen. Josef änderte die Modulation, und mit einemmal fiel der quäkende Tonfall weg – sie vernahmen jene Sprache, die sie gelernt hatten, von den Büchern her kannten, von den alten Tonbändern, und von der sie kaum geglaubt hatten, daß sich ihrer noch jemand bediente.
»… 17, 29, 31 gewonnen; 2, 10, 33 pari; 11, 13, 20 verdoppelt; 9, 19, 31 Depot; 12, 18, 23 verloren; 14, 26, 35 …«
Es war eine freundliche weibliche Stimme, so präzis, daß sie nicht unbedingt von einem Menschen stammen mußte, und was sie sagte, war nicht besonders inhaltsreich, doch im Moment bewegte es sie, daß sie überhaupt etwas verstehen konnten, und sie lauschten aufmerksam, gewöhnten sich zunehmend an die Aussprache, die nicht ganz mit jener übereinstimmte, die sie geübt hatten, versuchten nachzusprechen …
Als Josef abschaltete, protestierten sie, aber es gab technische Probleme zu lösen – Empfang in anderen Wellenbereichen, vielleicht sogar Video.
»Ist das ein Beweis für Leben?« Alle stellten sich diese Frage.
»Ein Spielmechanismus kann auch weiterlaufen, wenn niemand mehr mitspielt.«
»Wünscht ihr eigentlich, daß wir Menschen finden? Oder wäre es euch lieber, sie lebten nicht mehr?«
»Dann fiele alles ohne Schwierigkeiten in unsere Hände.«
»Es gäbe keinen Widerstand und keine Auseinandersetzung.«
»Und doch – es wäre wunderbar, Menschen zu finden. Dazu sind wir doch schließlich hier!«
Um zwanzig Uhr hatte Josef seine Apparatur so weit, daß er mehrere Stationen empfangen konnte. Die meisten sendeten Zeichenreihen, die unverständlich waren. Greg saß am Computer und suchte nach einem Schlüssel. Er hätte eine größere und schnellere Maschine gebraucht, als sie ihm hier zur Verfügung stand. Doch Funkkontakt mit außen gab es nicht – nach wie vor waren sie auf sich allein angewiesen.
Es wurde 21 Uhr, die Helligkeit der Beleuchtungskörper änderte sich nicht; offenbar gab es hier keinen Wechsel von Tag und Nacht. Sie waren müde, doch als der Befehl zur Nachtruhe kam, konnten die wenigsten einschlafen. Sie lagen in ihren Zelten, auf ihren Luftmatratzen und wälzten sich unruhig hin und her.