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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Er beschloss, in einem der kleinen Pavillons dicht am Hauptweg zu warten. Von der Residenz des Hohen Lords aus war er dort nicht zu sehen. Zwar konnte man aus dem obersten Stockwerk der Universität den größten Teil des Gartens beobachten, aber zu dieser frühen Stunde würde dort noch niemand sein.

Eine halbe Stunde später hörte er leichte Schritte näher kommen. Durch die Bäume erkannte er Sonea und seufzte vor Erleichterung. Sie war spät dran, aber sie hielt sich noch immer an ihren gewohnten Tagesablauf. Dann begann sein Herz schneller zu schlagen. Was, wenn sie sich weigerte, mit ihm zu reden? Er erhob sich und ging ihr entgegen.

»Sonea.«

Sie zuckte zusammen, als sie seine Stimme hörte.

»Rothen!«, flüsterte sie. »Was tut Ihr so früh am Morgen hier draußen?«

»Ich habe natürlich versucht, dich abzufangen.«

Sie lächelte beinahe, dann kehrte eine vertraute Wachsamkeit in ihre Züge zurück, und sie blickte zur Universität hinauf.

»Warum?«

»Ich will wissen, wie es dir geht.«

Sie zog die Schultern hoch. »Ganz gut. Es ist so viel Zeit vergangen. Ich habe mich daran gewöhnt – und ich habe einiges Geschick darin entwickelt, ihm aus dem Weg zu gehen.«

»Du verbringst jetzt jeden Abend in seiner Residenz.«

Ihr Blick wurde unstet. »Ja.« Sie zögerte, dann lächelte sie schwach. »Es ist gut zu wissen, dass Ihr mich im Auge behaltet, Rothen.«

»Nicht so genau, wie ich es gern täte.« Rothen holte tief Luft. »Ich muss dich etwas fragen. Versucht er… hat er dich dazu gezwungen, etwas zu tun, das du nicht tun willst, Sonea?«

Sie blinzelte, dann runzelte sie die Stirn und senkte den Blick. »Nein. Abgesehen davon, dass er mich zu seiner Novizin gemacht hat und ich so hart arbeiten muss.«

Er wartete, bis sie wieder aufsah. Etwas an der Art, wie sie die Lippen bewegte, kam ihm vertraut vor. Es war so lange her, aber es erinnerte ihn daran, wie sie…

…wie sie beinahe lächelt, wenn sie die Wahrheit sagt, obwohl sie weiß, dass es nicht die ganze Wahrheit ist!

Hastig dachte er noch einmal über seine Frage nach. »Hat er dich gebeten, etwas zu tun, von dem ich nicht wollen würde, dass du es tust?«

Wieder zuckten ihre Mundwinkel. »Nein, Rothen. Er hat nichts dergleichen getan.«

Rothen nickte, obwohl ihre Antwort ihn nicht beruhigt hatte. Er konnte seine Frage nicht wieder und wieder neu formulieren. Vielleicht hat Ezrille ja Recht, dachte er. Vielleicht mache ich mir zu viele Sorgen.

Sonea lächelte traurig. »Ich warte auch die ganze Zeit darauf, dass etwas Schlimmes passiert«, sagte sie, »aber ich lerne jeden Tag ein wenig mehr. Falls es jemals zu einem Kampf kommen sollte, wird es nicht gar so leicht sein, mich zu besiegen.« Sie schaute zur Residenz des Hohen Lords hinüber, dann trat sie einen Schritt zurück. »Aber wir sollten niemandem Grund geben, jetzt schon einen Kampf anzuzetteln.«

»Nein«, pflichtete er ihr bei. »Pass auf dich auf, Sonea.«

»Das tue ich.« Sie wandte sich zum Gehen, zögerte dann jedoch und blickte über ihre Schulter. »Und Ihr gebt Acht auf Euch, Rothen. Macht Euch keine Sorgen um mich. Nun ja, macht Euch jedenfalls keine zu großen Sorgen.«

Er brachte ein Lächeln zustande. Während er ihr nachsah, schüttelte er den Kopf und seufzte. Sie verlangte das Unmögliche.

Als Sonea in die Arena trat, bemerkte sie, wie tief die Sonne bereits stand. Es war ein langer Tag gewesen, aber der Unterricht würde bald vorbei sein. Sie brauchte nur noch diese letzte Runde durchzustehen.

Während die Novizen, die Balkan ausgewählt hatte, ihre Plätze einnahmen, wartete sie. Ein Ring von zwölf Jungen und Mädchen bildete sich um sie herum, alle ihr zugewandt. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse und sah jedem ihrer Schulkameraden der Reihe nach in die Augen. Ein jeder erwiderte ihren Blick voller Zuversicht, zweifellos beruhigt durch die Tatsache, dass sie so viele waren. Sonea wünschte, sie hätte die gleiche Zuversicht empfunden. Ihre Gegner kamen alle aus dem vierten und fünften Jahrgang, und die meisten von ihnen bevorzugten die Disziplin der Kriegskünste.

»Beginnt«, rief Balkan.

Alle zwölf Novizen griffen gleichzeitig an. Sonea riss einen starken Schild hoch und sandte ihrerseits einen Regen von Kraftzaubern aus. Die Novizen verschmolzen ihre Schilde zu einem einzigen.

Das würden sie nicht tun, wenn sie Ichani wären. Sonea runzelte die Stirn und dachte an Akkarins Lektionen zurück.

»Die Ichani verstehen sich nicht gut darauf, zusammen zu kämpfen. Sie waren jahrelang Gegner und haben einander misstraut. Nur wenige wissen, wie man einem anderen seine Kraft leiht, um mit der Energie mehrerer Magier eine Barriere zu errichten oder mit vereinten Kräften zu kämpfen.«

Hoffentlich würde sie niemals gegen Ichani kämpfen müssen. Sie brauchte sich nur ihren Spionen zu stellen und auch das nur dann, wenn Akkarin starb. Es sei denn, dieser letzte Spion – die Frau – war tatsächlich eine Ichani. Aber Akkarin würde sich um sie kümmern.

»Diese Spione haben eine tief verwurzelte Angst vor den Magiern der Gilde, trotz allem, was Kariko ihnen erzählt. Wenn sie töten, dann folgen sie einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan und führen die Tat so aus, dass sie damit nicht die Aufmerksamkeit der Gilde erregen. Sie mehren ihre Stärke nur langsam. Wenn du einem von ihnen gegenüberstehst und gut vorbereitet bist, solltest du in der Lage sein, deinen Gegner schnell und ohne Aufhebens zu besiegen.«

Die Novizen verstärkten ihre Angriffe und zwangen Sonea, sich wieder auf den Kampf zu konzentrieren. Sie setzte sich entsprechend zur Wehr. Jeder einzelne von ihnen wäre ihr unterlegen gewesen. Gemeinsam würden sie sie zu guter Letzt besiegen können. Aber sie brauchte nur den inneren Schild eines einzelnen Novizen zu treffen, um diese Runde zu gewinnen.

Es stand viel mehr auf dem Spiel als ihr Stolz. Sie musste siegen, und zwar schnell, um ihre Kraft zu schonen.

Während der vergangenen Woche hatte sie Akkarin jeden Abend den größten Teil ihrer Stärke gegeben. In der Stadt sprach man jetzt überall von den Morden, da jeden Tag neue Opfer gefunden wurden. Es war schwer zu sagen, wie viel Stärke die Sachakanerin in dieser Zeit gesammelt hatte. Akkarin dagegen hatte nur Sonea und Takan, die ihm allabendlich Energie spendeten.

Sie durfte sich in diesem Kampf nicht erschöpfen.

Das würde allerdings nicht einfach werden. Ihre Gegner hatten offensichtlich viel Übung darin, einen gemeinsamen Schild zu bilden. Sonea dachte an die ersten Versuche, die ihre eigene Klasse in dieser Art des Kämpfens gemacht hatte. Bevor sie nicht alle die richtigen Reaktionen auf verschiedene Arten von Angriffen gelernt hatten und sich darauf verstanden, gemeinsam zu handeln, geriet man leicht in Verwirrung.

Also sollte ich etwas Unerwartetes tun. Etwas, das ihnen noch nie zuvor begegnet ist.

Wie zum Beispiel das, was sie an dem Abend vor so langer Zeit getan hatte, als Regin und seine Freunde sie im Wald angriffen. Tagsüber konnte sie diese Novizen jedoch nicht ebenso gründlich mit einem hellen Licht blenden. Aber wenn sie etwas Ähnliches tat, so dass die anderen nicht wussten, wo sie war, und sie sich hinter einen von ihnen schleichen konnte und …

Sie unterdrückte ein Lächeln. Ihr Schild musste nicht durchsichtig sein.

Es bedurfte nur eines knappen Befehls, und ihr Schild verwandelte sich in eine Kugel aus weißem Licht. Der Nachteil davon war, wie Sonea verspätet erkannte, dass sie die anderen ebenfalls nicht sehen konnte.

Und jetzt zu der Täuschung. Nachdem sie noch mehrere Schilde wie ihren ersten geschaffen hatte, sandte sie sie in verschiedene Richtungen aus. Gleichzeitig setzte sie sich in Bewegung und nahm einen Schild mit.

Sie spürte, wie der Angriff der Novizen zusammenbrach, und musste sich eine Hand auf den Mund legen, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen, während sie sich vorstellte, welchen Anblick die Arena wohl bieten mochte, mit lauter großen, weißen Blasen, die umherschwebten. Sonea konnte jedoch nicht zurückschlagen, sonst hätten die anderen erfahren, in welchem Schild sie sich befand.

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