Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Sonea gehorchte, bevor Akkarin seine Erklärung beendet hatte. Es war einfach, ihre Sinne auszustrecken, wenn sie von nichts als weißem Licht umgeben war.
Während sie sich ihrer Kraft zunehmend bewusst wurde, mischte sich auch eine stärkere Wahrnehmung ihres Körpers hinein. Zuerst befürchtete sie, dass ihre Konzentration nachlassen würde, wenn ihr die körperliche Welt bewusst wurde. Dann begriff sie, dass ihre Kraft ihr Körper war. Diese Kraft existierte nicht in irgendeinem Abgrund in ihrem Geist. Sie strömte durch alle Gliedmaßen, Knochen und Adern in ihr.
— Ja. Jetzt konzentriere dich auf deine rechte Hand und auf das, was dahinter liegt.
Zuerst sah sie es nicht, aber dann erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Es war eine Öffnung, ein flüchtiger Blick auf etwas, das jenseits ihrer selbst lag. Sie konzentrierte sich darauf und spürte, dass dahinter etwas Fremdartiges lag.
— Konzentriere dich auf dieses Fremde, und dann tust du das.
Er sandte ihr einen Gedanken, der zu eigenartig für Worte war. Es war, als träte sie in Takans Körper ein, nur dass sie sich immer noch in ihrem eigenen befand. Sie war sich beider Körper bewusst.
— Nimm die Energie in seinem Körper wahr. Ziehe ein wenig davon in deinen eigenen Körper hinein.
Mit einem Mal begriff sie, dass Takan über eine große Quelle von Kraft verfügte. Er war stark, stellte sie fest, beinahe so stark wie sie selbst. Doch sein Geist schien nicht mit dieser Energie verbunden zu sein, als sei er sich der eigenen Kraft nicht bewusst.
Aber sie war sich dieser Kraft bewusst. Und durch die Öffnung in seiner Haut hatte sie eine Verbindung zu dieser Kraft. Es war einfach, sie aus seinem Körper in ihren eigenen zu leiten. Sie spürte, dass sie ein wenig stärker wurde.
Plötzlich verstand sie.
— Jetzt hör auf.
Sie ließ ihren Willen schwinden und spürte, wie das Rinnsal von Energie verebbte.
— Beginne von Neuem.
Wieder zog sie Kraft durch die Öffnung. Nur ein träges Rinnsal von Magie. Sie fragte sich, wie es wäre, wenn sie sich Takans gesamte Kraft einverleibt und ihre eigene Stärke verdoppelt hätte. Erregend vielleicht.
Aber was würde sie damit tun? Gewiss brauchte sie nicht doppelt so stark zu sein, wie sie es ohnehin war. Während des Unterrichts in der Universität erschöpfte sie nicht einmal ihre eigene Kraft.
— Halt.
Sonea gehorchte. Als Akkarin die Hände von ihren Schläfen sinken ließ, schlug sie die Augen wieder auf.
»Gut«, sagte er. »Du kannst Takan jetzt heilen.«
Sonea blickte auf Takans Arm hinab, dann konzentrierte sie sich. Die Schnittwunde verheilte schnell, und ihr Bewusstsein seines Körpers und seiner Macht verblasste. Der Diener schnitt eine Grimasse, und Soneas Herz setzte einen Schlag aus.
»Geht es dir gut?«
Er lächelte breit. »Ja, Lady Sonea. Ihr seid sehr sanft. Es ist nur so, dass das Heilen juckt.« Er sah zu Akkarin auf und wurde wieder ernst. »Sie wird eine würdige Verbündete sein, Meister.«
Akkarin antwortete nicht. Als Sonea sich umdrehte, sah sie, dass er sich dem Bücherschrank zugewandt hatte und mit verschränkten Armen und gerunzelter Stirn dastand. Als er ihren Blick spürte, drehte er sich zu ihr um. Seine Miene war undeutbar.
»Ich gratuliere dir, Sonea«, sagte er sanft. »Du bist jetzt eine schwarze Magierin.«
Sie blinzelte überrascht. »Das ist alles? So einfach ist das?«
Er nickte. »Ja. Das Wissen, wie man binnen eines Augenblicks tötet, gelehrt binnen eines Augenblicks. Von heute an darfst du niemals wieder einen anderen in deinen Geist einlassen. Ein einziger unkontrollierter Gedanke würde genügen, um dieses Geheimnis einem anderen Magier zu offenbaren.«
Sie blickte auf den winzigen Blutfleck auf ihrer Hand, und ein Frösteln überlief sie.
Ich habe soeben schwarze Magie praktiziert, dachte sie. Es gibt kein Zurück. Jetzt nicht. Nie mehr.
Takan musterte sie eingehend. »Bedauert Ihr irgendetwas, Lady Sonea?«
Sie holte tief Luft, dann atmete sie langsam aus. »Mein Bedauern ist nicht annähernd so groß, wie es wäre, sollte die Gilde vernichtet werden, obwohl ich das hätte verhindern können. Aber ich… ich hoffe, dass ich diese Magie niemals werde benutzen müssen.« Sie lächelte schief und sah Akkarin an. »Das würde bedeuten, dass der Hohe Lord den Tod gefunden hätte, und ich habe erst vor kurzem aufgehört, mir zu wünschen, dass das geschehen möge.«
Akkarin zog die Augenbrauen hoch. Dann brach Takan in lautes Gelächter aus.
»Das Mädchen gefällt mir, Meister«, sagte er. »Ihr habt eine gute Wahl getroffen, als Ihr sie zu Eurem Schützling gemacht habt.«
Akkarin prustete leise und ließ die Arme sinken. »Du weißt sehr wohl, dass ich überhaupt keine Wahl getroffen habe, Takan.«
Er trat auf den Tisch zu und betrachtete die Dinge, die darauf lagen.
»Also, Sonea, ich möchte, dass du ein jedes dieser lebenden Dinge auf dem Tisch untersuchst und feststellst, wie sich die Kunst, die ich dich gerade gelehrt habe, darauf anwenden ließe. Und dann solltest du noch einige weitere Bücher lesen.«
12
Der Preis tödlicher Geheimnisse
Rothen stand auf, schob eine der Fensterblenden beiseite und seufzte. Der Himmel zeigte in Richtung Sonnenaufgang bereits das erste, schwache Licht. Die Dämmerung hatte noch nicht wirklich begonnen, und er war bereits hellwach.
Er blickte zur Residenz des Hohen Lords am Waldrand hinüber. Schon bald würde Sonea aufstehen und sich auf den Weg zu den Bädern machen.
Während der vergangenen Woche hatte er sie genau beobachtet. Obwohl er sie nicht noch einmal mit Akkarin gesehen hatte, war doch unzweifelhaft, dass sich in ihrem Verhalten etwas geändert hatte.
Ihr Schritt verkündete neues Selbstbewusstsein. In der Mittagspause saß sie im Garten und lernte, was Rothen die Möglichkeit gab, sie von den Fenstern der Universität aus zu beobachten. Während der letzten Woche war sie leicht abzulenken gewesen. Häufig blieb sie stehen und sah sich mit einem besorgten Stirnrunzeln um. Gelegentlich starrte sie ins Leere, und in solchen Momenten war ihre Miene grimmig. Wenn das geschah, wirkte sie so erwachsen, dass Rothen sie kaum wiedererkannte.
Aber den größten Grund zur Sorge lieferte sie Rothen, wenn sie zur Residenz des Hohen Lords hinüberschaute. Dann lag stets ein nachdenklicher Ausdruck auf ihrem Gesicht, aber am meisten erschreckte ihn das, was in ihren Zügen fehlte: Die alte Abneigung und die Furcht waren verschwunden.
Er schauderte. Wie konnte sie Akkarins Haus betrachten, ohne zumindest ein gewisses Unbehagen zu verraten? Früher war es so gewesen. Warum jetzt nicht mehr?
Rothen trommelte mit den Fingern auf das Fenstersims. Anderthalb Jahre hatte er Akkarins Befehl gehorcht und sich von Sonea fern gehalten. Er hatte nur in Situationen mit ihr gesprochen, in denen es aufgrund der Anwesenheit anderer seltsam erschienen wäre, wenn er es nicht getan hätte.
Ich habe mich so lange an seine Anweisungen gehalten. Gewiss würde er ihr nichts antun, wenn ich versuchen würde, nur ein einziges Mal allein mit ihr zu sprechen.
Es war inzwischen ein wenig heller geworden, und die Gärten zeichneten sich in dem ersten Licht bereits deutlich ab. Er brauchte nur dort hinunterzugehen und sie auf dem Weg zu den Bädern abzufangen.
Er wandte sich vom Fenster ab und begann sich anzukleiden. Erst als er an der Tür stand, hielt er noch einmal inne und dachte nach. Einige wenige Fragen, überlegte er. Das ist alles. Er wird uns wahrscheinlich nicht einmal bemerken.
Der Flur im Magierquartier lag noch still und verlassen da, und das Klacken von Rothens Stiefeln auf dem gefliesten Boden schien im ganzen Gebäude widerzuhallen. Er eilte die Treppe hinunter auf den Eingang zu. Draußen wandte er sich in Richtung der Gärten.