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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Die Stelle, wo er die Dame fand. Gawyn war also der Mann, der sie gefunden hatte, der Rothaarige mit dem freundlichen Gesicht, der ihr auf sein Pferd geholfen und sie hierher gebracht hatte. Wenigstens das hatte sie nicht geträumt, obwohl sie den Schimmel geträumt haben mußte. Er hatte sie hergebracht und wußte, wo der Absetzort war.

»Warte!« sagte Kivrin. Sie stützte sich mit beiden Ellbogen und brachte den Oberkörper halb in die Höhe. »Wartet bitte. Ich möchte mit Gawyn sprechen.«

Die Frauen wandten sich überrascht um. Eliwys kam ans Bett und schaute besorgt.

»Ich würde gern mit dem Mann namens Gawyn sprechen«, sagte Kivrin langsam und deutlich, wartete mit jedem Wort, bis sie die Übersetzung hatte. Später würde der Prozeß automatisch ablaufen, aber einstweilen dachte sie das Wort und wartete dann, bis der Dolmetscher es übersetzte und laut wiederholte. »Ich muß diesen Ort wissen, wo er mich fand.«

Eliwys legte ihr die Hand auf die Stirn, aber Kivrin schob sie ungeduldig beiseite.

»Ich möchte Gawyn sprechen«, sagte sie.

»Sie hat kein Fieber, Imeyne«, sagte Eliwys zu der alten Frau, »und doch versucht sie zu sprechen, obwohl sie weiß, daß wir sie nicht verstehen können.«

»Sie spricht mit ausländischer Zunge«, sagte Imeyne in einem Ton, der es verbrecherisch erscheinen ließ. »Vielleicht ist sie eine französische Spionin.«

»Ich spreche nicht Französisch«, sagte Kivrin. »Ich spreche Mittelenglisch.«

»Vielleicht ist es Latein«, sagte Eliwys. »Pater Roche sagte, sie habe Lateinisch gesprochen, als er ihr die Beichte abnahm.«

»Pater Roche kann kaum sein Vaterunser sagen«, sagte Imeyne.

»Wir sollten… kommen lassen.« Wieder der unbekannte Name. Kersey? Courcy?

»Ich möchte mit Gawyn sprechen«, sagte Kivrin auf lateinisch.

»Nein«, sagte Eliwys. »Wir werden auf meinen Mann warten.«

Die alte Frau machte ärgerlich kehrt, daß etwas vom Inhalt des Nachttopfes über ihre Hand schwappte. Sie wischte es an ihren Röcken ab, ging zur Tür hinaus und warf sie hinter sich zu. Eliwys wollte ihr nach.

Kivrin ergriff ihre Hände. »Warum verstehst du mich nicht?« fragte sie. »Ich verstehe dich. Ich muß mit Gawyn sprechen. Er muß mir sagen, wo der Absetzort ist.«

Eliwys machte sich von Kivrins Hand los. »Nun, du brauchst nicht zu weinen«, sagte sie freundlich. »Versuch zu schlafen. Du mußt ausruhen, damit du heimgehen kannst.«

ABSCHRIFT AUS DEM DOOMSDAY BOOK
(000915–001284)

Ich bin in großen Schwierigkeiten, Mr. Dunworthy. Ich weiß nicht, wo ich bin, und ich kann die Sprache nicht sprechen. Etwas ist mit dem Dolmetscher nicht in Ordnung. Ich kann einiges davon, was die Einheimischen sagen, gut verstehen, aber sie verstehen mich überhaupt nicht. Und das ist nicht das Schlimmste.

Ich bin von einer Krankheit befallen und weiß nicht, was es ist. Es ist nicht die Pest, weil die Symptome andere sind und ich mich auf dem Weg der Besserung befinde. Außerdem wurde ich gegen Pest geimpft. Ich bekam alle Impfungen, die T-Zellen-Vermehrung und alles, aber etwas davon hat nicht gewirkt, oder dies ist eine mittelalterliche Krankheit, gegen die es in unserer Zeit keine Impfungen gibt.

Die Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber und Schwindelgefühl, und wenn ich mich bewege, Schmerzen in der Brust. Eine Zeit lang lag ich im Delirium, was erklärt, daß ich nicht weiß, wo ich bin. Ein Mann namens Gawyn brachte mich auf seinem Pferd hierher, aber ich erinnere mich nur an wenige Einzelheiten des Rittes, außer daß es dunkel war und Stunden zu dauern schien. Ich hoffe, daß dieser Eindruck falsch und durch das Fieber bedingt war, und daß ich doch in Mrs. Montoyas Dorf bin.

Es könnte Skendgate sein. Ich erinnere mich an eine Kirche, und dies scheint ein Herrenhaus zu sein. Ich bin in einer Schlafkammer im Obergeschoß, und es ist nicht nur ein Heuboden, weil es gemauerte Wände, ein Fenster und eine verschließbare Tür gibt. Daraus und aus der Beschäftigung von Dienstpersonal — mindestens drei Personen — schließe ich, daß es das Haus eines Landedelmannes ist. Sobald das Schwindelgefühl nachläßt, werde ich auf die Steinbank am Fenster steigen und feststellen, ob ich die Kirche sehen kann. Sie hat eine Glocke: gerade läutet sie zur Vesper. Die Kirche in Mrs. Montoyas Dorf hatte keinen Glockenturm, und das weckt in mir die Befürchtung, daß ich nicht im richtigen Dorf bin. Immerhin weiß ich, daß wir nicht weit von Oxford sind, denn eine der Frauen sprach davon, man solle einen Heilkundigen von dort holen. Auch liegt ein Dorf namens Kersey — oder Courcy — in der Nähe. Es ist keines der Dörfer auf Mrs. Montoyas Karte, die ich mir eingeprägt habe, aber es könnte auch der Name des Grundeigentümers sein.

Weil ich nicht bei Sinnen war, habe ich auch keine Gewißheit über meine zeitliche Einordnung. Ich habe versucht, mich zu erinnern, und glaube, daß ich nur zwei Tage ohne Bewußtsein gewesen bin, aber es könnten mehr sein. Und ich kann die Leute hier nicht nach dem Tag fragen, weil sie mich nicht verstehen, und ich kann nicht vom Bett aufstehen, ohne umzufallen, und sie haben mir das Haar abgeschnitten, und ich weiß nicht, was ich tun soll. Was ist geschehen? Warum funktioniert der Dolmetscher nicht? Warum hat die Stärkung des Immunsystems nicht gewirkt?

(Unterbrechung)

Unter meinem Bett ist eine Ratte. Ich höre sie in der Dunkelheit trippeln und knabbern.

11

Sie konnten sie nicht verstehen. Kivrin hatte versucht, mit Eliwys ins Gespräch zu kommen und sich ihr verständlich zu machen, aber die junge Frau hatte nur freundlich und verständnislos gelächelt und Kivrin gesagt, sie solle ausruhen.

»Bitte geh nicht«, hatte Kivrin gebettelt, als Eliwys zur Tür gegangen war. »Es ist wichtig. Gawyn ist der einzige, der weiß, wo der Absetzort ist.«

»Schlaf«, sagte Eliwys. »Ich werde bald zurück sein.«

»Du mußt mich mit ihm sprechen lassen«, sagte Kivrin in Verzweiflung, aber Eliwys war schon an der Tür. »Ich weiß nicht, wo der Absetzort ist.«

Auf der Treppe wurden Schritte laut. Eliwys öffnete die Tür und sagte: »Agnes, ich sagte dir, du sollst gehen und…«

Sie brach ab und wich einen Schritt zurück. Sie sah nicht ängstlich oder auch nur aufgeregt aus, aber ihr Hand am Türsturz zuckte ein wenig, als hätte sie die Tür am liebsten zugeworfen, und Kivrin bekam Herzklopfen. Es ist so weit, dachte sie wild. Sie sind gekommen, mich zum Scheiterhaufen zu schleppen.

»Guten Morgen, Herrin«, sagte der Mann. »Deine Tochter Rosemund sagte mir, ich würde dich in der Diele finden, aber dort warst du nicht.«

Er kam herein. Kivrin konnte sein Gesicht nicht sehen. Er stand am Fußende des Bettes, durch den Bettvorhang von ihr getrennt. Sie schob den Kopf zur Seite, um ihn zu sehen, aber schon die unbedeutende Bewegung erzeugte Schwindelgefühl. Sie ließ den Kopf ins Kissen zurücksinken und hielt still.

»Ich dachte mir, daß ich dich bei der verwundeten Dame finden würde«, sagte der Mann. Er trug ein gefüttertes Wams und lederne Beinkleider. Und ein Schwert. Es klapperte metallisch in der Scheide, wenn er sich bewegte. »Wie geht es ihr?«

»Es geht ihr heute besser«, sage Eliwys. »Meine Schwiegermutter ist gegangen, ihr einen Absud von Ziest für ihre Verletzungen zu machen.«

Seine Bemerkung über »deine Tochter Rosemund« konnte nur bedeuten, daß dieser Mann Gawyn war, den sie geschickt hatte, um nach Spuren der Wegelagerer zu suchen, aber während er sprach, war Eliwys zwei weitere Schritte zurückgewichen, und ihr Gesichtsausdruck war vorsichtig und wachsam. Der Gedanke an Gefahr kam Kivrin wieder in den Sinn, und sie fragte sich, ob Mr. Dunworthys Halsabschneider am Ende doch kein Fiebertraum gewesen sei, und ob dieser Mann mit dem grausamen Gesicht Gawyn sein könne.

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