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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Ich nehme den Stoff nur, um die Blutung zu stillen«, sagte Eliwys und nahm Rosemund den Lappen aus der Hand. Agnes versuchte ihn wegzustoßen. »Der Stoff wird dir nicht…« - es folgte eine Pause, als könnte der Dolmetscher sich nicht für ein Wort entscheiden, dann: »…Agnes.« Das fehlende Wort war offensichtlich »schaden« oder »weh tun« und Kivrin wunderte sich, daß der Dolmetscher das Wort nicht hatte und warum er nicht aus dem Zusammenhang eine Annäherung zustande gebracht hatte.

»Hit weerd wewe don!« rief Agnes, und der Dolmetscher hinkte hinterher: »Es wird…« und ließ wieder diese Leerstelle. Anscheinend geschah dies, damit sie das tatsächliche Wort hören und ihre eigene Vermutung über seine Bedeutung anstellen konnte. Es war keine schlechte Idee, aber der Dolmetscher war so weit im Rückstand, daß Kivrin das Wort nicht hören konnte, das sie hören sollte. Wenn er es jedesmal so machte, wenn er ein Wort nicht erkannte, würde es Schwierigkeiten geben.

»Es wird weh tun«, winselte Agnes und stieß die Hand der Mutter von ihrem Knie weg. »Es wird schmerzen«, flüsterte der Dolmetscher, und Kivrin war erleichtert, daß er jetzt doch mit etwas gekommen war.

»Wie konntest du so fallen?« fragte Eliwys, um Agnes abzulenken.

»Sie rannte die Treppe hinauf«, sagte Rosemund. »Sie rannte um dir zu sagen, daß… gekommen ist.«

Der Dolmetscher ließ wieder eine Leerstelle, aber diesmal griff Kivrin das Wort auf. Gawyn, was wahrscheinlich ein Eigenname war, und der Dolmetscher war offenbar zur gleichen Schlußfolgerung gelangt, denn als Agnes schrie: »Ich wollte Mutter sagen, daß Gawyn gekommen ist«, schloß er es in die Übersetzung mit ein.

»Ich wollte es sagen«, sagte Agnes weinerlich und vergrub das Gesicht am Hals der Mutter, die prompt die Gelegenheit nutzte, den Verband um Agnes’ Knie zu wickeln.

»Du kannst es mir jetzt sagen«, sagte sie.

Agnes schüttelte den Kopf, ohne ihn zu heben.

»Du bindest den Verband zu locker, Schwiegertochter«, sagte die alte Frau. »Er wird abfallen.«

Der Verband schien Kivrin fest genug zu sitzen, und jeder Versuch, ihn fester zu ziehen, würde offensichtlich zu erneutem Geschrei führen. Die alte Frau hielt noch immer den Nachttopf in beiden Händen. Kivrin fragte sich, warum sie nicht ging und ihn ausleerte.

»Schhh, schhh«, sagte Eliwys, schaukelte das kleine Mädchen sanft und tätschelte ihm den Rücken. »Ich würde es gern von dir hören.«

»Hochmut kommt vor dem Fall«, sagte die alte Frau, anscheinend entschlossen, Agnes wieder zum Weinen zu bringen. »Du bist selbst schuld, daß du gefallen bist. Du hättest nicht so rennen sollen.«

»Hat Gawyn einen Schimmel geritten?« fragte Eliwys.

Einen Schimmel. Konnte Gawyn der Mann sein, der ihr auf sein Pferd geholfen und sie zu diesem Haus gebracht hatte?

»Nein«, sagte Agnes in einem Ton, der erkennen ließ, daß ihre Mutter eine Art Scherz gemacht hatte. »Er ritt seinen schwarzen Hengst Gringolet. Und er kam zu mir geritten und sagte: ›Gnädiges Fräulein Agnes, ich würde gern mit Eurer Mutter sprechen.‹«

»Rosemund, deine Schwester verletzte sich wegen deiner Unaufmerksamkeit«, sagte die alte Frau. Es war ihr nicht gelungen, Agnes aus der Fassung zu bringen, also hatte sie beschlossen, sich ein anderes Opfer zu suchen. »Warum hast du nicht auf sie geachtet?«

»Ich war an meiner Stickerei«, sagte Rosemund mit einem hilfesuchenden Blick zur Mutter. »Maisry sollte auf sie achtgeben.«

Agnes hob den Kopf vom Hals der Mutter. »Maisry ist zu Gawyn hinausgegangen«, sagte sie.

»Und tändelt mit dem Stallburschen«, sagte die alte Frau. Sie ging zur Tür und rief: »Maisry!«

Maisry. Das war der Name, den die alte Frau schon einmal gerufen hatte, und jetzt ließ der Dolmetscher nicht einmal Leerstellen, wenn es um Eigennamen ging. Kivrin wußte nicht, wer Maisry war, wahrscheinlich eine Magd, aber wie die Dinge sich entwickelten, würde sie eine Menge Ärger bekommen.

Die alte Frau war entschlossen, ein Opfer zu suchen, und die abwesende Maisry schien hervorragend geeignet.

»Maisry!« rief sie wieder.

Rosemund nutzte die Gelegenheit, um zu ihrer Mutter zu gehen. »Gawyn bat uns, dir zu sagen, daß er gern kommen und mit dir sprechen würde.«

»Wartet er unten?« fragte Eliwys.

»Nein, er ging zuerst zur Kirche, um mit Pater Roche zu sprechen.«

»Warum wollte er Pater Roche sprechen?« Die alte Frau hatte kehrtgemacht und war wieder hereingekommen.

»Vielleicht hat er etwas von der Dame gefunden«, sagte Eliwys mit einem Blick auf Kivrin. Es war der erste Hinweis darauf, daß sie oder sonst jemand von Kivrins Anwesenheit Notiz nahm.

Kivrin schloß schnell die Augen, um sie glauben zu machen, daß sie schlafe, damit sie weiter über sie diskutierten.

»Gawyn ist heute morgen ausgeritten, um die Wegelagerer zu suchen«, sagte Eliwys. Kivrin blinzelte durch fast geschlossene Lider, aber die junge Frau blickte nicht mehr zu ihr hin. »Vielleicht hat er sie gefunden.« Sie bückte sich und band die von Agnes’ leinener Kappe herabhängende Bänder zu einer Schleife. »Agnes, geh mit Rosemund zur Kirche und sag Gawyn, daß wir in der Diele mit ihm sprechen wollen. Die Dame schläft. Wir dürfen sie nicht stören.«

Agnes eilte zur Tür und rief: »Ich werde es ihm sagen, Rosemund.«

»Rosemund, laß es deine Schwester sagen«, rief Eliwys ihnen nach. »Agnes, renn nicht so!«

Die Mädchen liefen zur Tür hinaus und die Treppe hinunter.

»Rosemund ist bald erwachsen«, sagte die alte Frau. »Es ziemt sich nicht für sie, den Knechten deines Mannes hinterherzulaufen. Wenn du deine Töchter unbeaufsichtigt läßt, wird Schlimmes daraus entstehen. Du würdest gut daran tun, nach Oxenford zu schicken und eine Kinderfrau kommen zu lassen.«

»Nein«, erwiderte Eliwys mit einer Festigkeit, die Kivrin nicht erwartet hatte. »Maisry kann auf sie achtgeben.«

»Maisry taugt nicht einmal zum Schafehüten. Wir hätten nicht in solcher Eile von Bath heimkommen sollen. Sicherlich hätten wir warten können bis…«

Der Dolmetscher ließ wieder eine Lücke, und Kivrin erkannte die Wendung nicht, aber sie hatte die wichtigsten Tatsachen verstanden. Sie waren aus Bath gekommen und lebten nicht weit von Oxford.

»Laß Gawyn eine Kinderfrau bringen. Und eine heilkundige Frau, die der Dame Blutegel ansetzen kann.«

»Wir werden niemand kommen lassen«, sagte Eliwys.

»Nach…« Wieder ein Ortsname, den der Dolmetscher nicht bewältigen konnte. »Freifrau Yvolde genießt einen guten Ruf als Heilkundige. Und sie würde uns gern eine ihrer Zofen als Kinderfrau leihen.«

»Nein«, sagte Eliwys, »wir werden sie selbst pflegen. Pater Roche…«

»Pater Roche«, sagte die Alte verächtlich, »weiß nichts von Medizin.«

Aber ich verstand alles, was er sagte, dachte Kivrin. Sie erinnerte sich seiner ruhigen Stimme, als er die Sterbegebete für sie gesprochen hatte, seine sanfte Berührung an ihren Schläfen, ihren Händen, den Fußsohlen. Er hatte ihr gesagt, es gebe nichts zu fürchten, und sie nach ihrem Namen gefragt. Und ihre Hand gehalten.

»Wenn die Dame von edler Geburt ist«, sagte die ältere Frau, »kannst du dir nicht nachsagen lassen, daß du sie von einem unwissenden Dorfpfarrer versorgen ließest. Freifrau Yvolde…«

»Wir werden niemand kommen lassen«, sagte Eliwys, und nun merkte Kivrin zum ersten Mal, daß sie sich fürchtete. »Mein Mann bat uns, hier zu bleiben und keinen Besuch zu empfangen, bis er käme.«

»Er hätte mit uns kommen können.«

»Du weißt, daß er es nicht konnte«, erwiderte Eliwys. »Er wird kommen, sobald er kann. Ich muß gehen und mit Gawyn sprechen«, fügte sie hinzu und ging an der alten Frau vorbei zur Tür. »Gawyn sagte mir, er werde die Stelle absuchen, wo er die Dame fand, um nach Fährten der Wegelagerer zu suchen. Vielleicht hat er etwas gefunden, was uns sagen wird, wer sie ist.«

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