Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Und es lag Ironie darin, diese demütigende Zurschaustellung funkelnden Ruhms zu betrachten und zu wissen, daß jene, die es zu all dieser Größe gebracht haben, vor Hunderten von Millionen Jahren dein Untergang anheimgefallen sind.
„Ozymandias“, sagte Mirrik ergriffen, während er von außerhalb der Höhle die Bilder betrachtete.
Genau. Shelleys Ozymandias. Der „Reisende aus einem alten Land“, der „zwei gewaltige und rumpflose Beine aus Stein“ in der Wüste findet und neben ihnen, halb eingesunken im Sand, den zerbrochenen Kopf einer Statue, aus dessen zerschmettertem Gesicht noch immer „der Spott eisiger Herrschaft“ spricht…
Und auf dem Sockel stehen diese Worte:
„Mein Name ist Ozymandias, König der Könige:
Siehe meine Werke, die Gewaltigen, und verzweifle!“
Sonst bleibt nichts. Rund um den Zerfall der kolossalen
Ruine, grenzenlos und leer,
erstreckt sich einsam und weit der Sand bis in die Ferne.
Ganz genau. Ozymandias. Wie konnten wir diesem Roboter erklären, daß seine phantastischen Schöpfer nicht mehr existierten? Daß die Ruinen ihrer Vorposten auf Dutzenden von Planeten von einer Milliarde Jahre alten Felsen bedeckt werden? Daß wir gekommen waren, um ein in der Vergangenheit verborgenes Mysterium zu erforschen, so uralt, daß wir uns die unermeßlichen Zeiträume nicht einmal vorstellen können? Und während all dieser Äonen hat der Roboter hier gewartet, der geduldige, zeitlose Diener, bereit, seine Bilder zu zeigen und zufällig vorbeikommende Reisende mit der Macht seiner Herren zu beeindrucken… nie ahnend, daß er als einziger Zeuge all dieser Herrlichkeit übriggeblieben und sein ganzer Stolz auf diese große Zivilisation nun nutzlos war.
Die Vorführung ging zu Ende. Wir blinzelten, als sich unsere Augen auf das plötzliche Verblassen dieses strahlenden Glanzes in der Gruft umstellen mußten. Der Roboter begann wieder zu sprechen, langsam und deutlich betonend; er benutzt den gleichen Tonfall wie wir, wenn wir uns mit einem Ausländer unterhalten oder jemandem, der ein wenig schwerhörig oder nicht ganz helle ist. „Dihn ruuu… mirt korp ahm… mirt chlook… ruuu ahm… hohm mirt… korp zort… “ Wie zuvor gab Dr. Horkkk einige zusammengesetzte Sätze als Antwort zurück, mit auf gut Glück zusammengestellten Kombinationen aus dihns und ruuus und ahms. Der Roboter lauschte seiner Erwiderung in einer, wie mir schien, interessierten und anerkennenden Art und Weise. Dann deutete er mehrmals auf den Inschriftsknoten, den Dr. Horkkk bei sich hatte, und sprach in einem offensichtlich drängenden Ton. Natürlich gab es keine Hoffnung auf eine wirkliche Verständigung. Aber der Roboter schien zumindest zu glauben, wir seien einen Versuch wert. Und wenn eine Maschine der Erhabenen dieser Meinung ist, dann bedeutet das ein Kompliment.
4. Januar
Den größten Teil der beiden letzten Tage hat Dr. Horkkk damit verbracht, Bandaufzeichnungen seines „Gesprächs“ mit dem Roboter durch seinen Linguistik-Computer laufen zu lassen und zu versuchen, dem ganzen Durcheinander etwas Sinnvolles abzuringen. Die Resultate sind gleich Null. Der Roboter hat nur etwa zwei Dutzend verschiedene Worte von sich gegeben und sie auf verschiedene Arten kombiniert, und das reicht nicht aus, um das Auffinden eines sinnvollen Musters zu ermöglichen.
Wir anderen sind ständig zwischen der Fähre und der Gruft hin und her gependelt und haben die Gastfreundschaft des Roboters voll ausgenutzt. Inzwischen sind wir ziemlich sicher, daß uns die Maschine nicht feindlich gesinnt ist. Der Tod von 408b war ein tragischer Irrtum; die Gruft ist offenbar so konstruiert worden, daß sie ohne die Erlaubnis des Roboters niemandem Zugang gewährt. Und wenn 408b nicht einfach in dem Augenblick spontan in sie hineingelaufen wäre, als sich die Tür gelöst hatte, dann wäre er nicht getötet worden. Sobald wir uns als freundlich gesinnte Lebewesen erwiesen hatten, schaltete der Roboter das Blitzfeld ab, und jetzt sind wir immer willkommen, sooft wir die Gruft auch betreten wollen.
Wir werden kühner. Am ersten Tag standen wir nervös herum, als fürchteten wir, der Roboter könnte jeden Augenblick seine Meinung ändern und uns in unsere Atome zerlegen, doch inzwischen fühlen wir uns in der Gruft wie zu Hause, haben sogar eine vollständige Tridem-Aufzeichnung der Geräteanordnung angefertigt und auch eine Menge Schnappschüsse vom Roboter selbst aufgenommen. Wir wagen es nur nicht, irgend etwas von der Maschinerie zu berühren, da der Roboter ganz offensichtlich der Aufseher der Gruft ist und sehr gut den Befehl haben könnte, alles zu vernichten, was auch nur den Anschein erweckt, eine Bedrohung ihres Inhalts darstellen zu können. Und außerdem: Da 408b von uns gegangen ist, haben wir kaum den Hauch einer Vorstellung, welchen Zwecken diese Geräte überhaupt dienen.
Der Roboter hat uns seine Bildsequenzen einige weitere Male vorgeführt, und wir haben alles im Film festgehalten. Richtig, dadurch gewinnt die Archäologie eine ganze neue Qualität: Anstatt von der Zivilisation der Erhabenen nur zerbrochene Scherben und rostigen Schrott auszugraben, haben wir nun prächtige Tridems über ihre wirklichen Städte und die jeweiligen Bewohner. Uns ist unheimlich dabei zumute, wenn wir sie betrachten. Es ist so, als besäße man eine Zeitmaschine. Wir haben mehr über die Erhabenen in Erfahrung gebracht, als wir in unseren wildesten Träumen für möglich gehalten hätten, und dafür haben wir der Kugel und den Bildern zu danken, die uns der Roboter gezeigt hat. Jetzt plötzlich wissen wir mehr über diese eine Milliarde Jahre alten Geschöpfe, als die Archäologie jemals über die Ägypter oder Sumerer oder Etrusker der fernsten irdischen Vergangenheit herausgefunden hat.
Wann immer wir ihn besuchen, zeigt uns der Roboter die gleiche, seltsame und nun schon fast zur Routine gewordene Pantomime. Er deutet auf uns, dann auf sich selbst, dann auf die Sterne. Immer und immer wieder. Pilazinool behauptet, der Roboter versuche uns damit deutlich zu machen, er wolle uns irgendwohin führen — zu einer anderen Gruft vielleicht oder sogar zu einem Planeten, der einst von Erhabenen bewohnt war. Dr. Horkkk ist wie üblich anderer Meinung. „Der Roboter spricht damit nur Fragen der Herkunft an“, meint er. „Er weist darauf hin, daß sowohl er als auch wir von Planeten außerhalb dieses GGC 1145591-Sonnensystems stammen. Das ist alles.“
Ich würde gern glauben, daß Pilazinool recht hat. Aber ich weiß es nicht, und ich bezweifle, ob wir es jemals herausfinden werden.
Die Pantomimensprache ist nicht übermäßig informativ.
Seit dem oben Erwähnten sind drei Stunden vergangen, und wieder steht alles köpf. Der Roboter spricht jetzt zu uns. In Anglik.
Steen Steen und ich wurden zur Gruft hinübergeschickt, um einige Stereoaufnahmen von einem bestimmten Instrumentenpult anzufertigen, da wir beim ersten Versuch die Einstellung verpfuscht hatten. Bei unserem Eintreten stand der Roboter in einer Ecke und wandte uns den Rücken zu. Da er keine Notiz von uns nahm, gingen wir still und leise an unsere Aufgabe.
Fünf Minuten später drehte sich der Roboter um und rasselte uns entgegen. Er streckte einen Arm aus und richtete ein kompliziert wirkendes kleines Gerät auf uns. Ich glaubte, es sei eine Waffe, und ich war zu erschrocken, um mich zu bewegen.
Langsam und mit großer Mühe sagte der Roboter:
„Sprich… Worte… hier… hinein…“
Meine Empfindungen rasten innerhalb weniger Augenblicke durch das ganze Spektrum von Erstaunen und Verblüffung. Steen mußte es ähnlich ergehen — sein/ihr sackähnlicher Körper erzitterte im Innern seines/ihres Druckanzugs.
„Hat er tatsächlich Anglik gesprochen?“ fragte ich Steen.
„Ja, das hat er.“
Etwas flüssiger diesmal sagte der Roboter erneut: „Sprich Worte hier hinein.“