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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Ich stand mitten in einer finsteren, scheußlichen Landschaft. Hier hat nie ein Wind geweht. Hier ist nie ein Regentropfen gefallen. Hier ist nie etwas Lebendiges, nicht einmal eine Mikrobe, zu Hause gewesen. Links von mir neigte sich die Ebene, auf der ich niedergegangen war, eilig dem in unmittelbarer Nähe liegenden Horizont entgegen. Rechts von mir und dann weiter geradeaus erhob sich eine Kette von Hügeln, die wie geschrumpfte Berge aussahen, schroff und zerklüftet. Die Oberfläche des Asteroiden war kahclass="underline" keine Pflanzen, kein Erdreich, kein Eis — nur nackter Fels, pockennarbig durch die über eine Milliarde Jahre hinweg eingeschlagenen Meteoriten. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich den Mond besuchte, Lorie. Ich war zwölf Jahre alt und hatte nie geglaubt, daß irgendein Ort so öde aussehen konnte. Aber im Vergleich mit diesem Asteroiden ist der Mond ein lieblicher Garten.

Als ich mich umsah, war ich mir plötzlich ganz sicher: Dies ist genau der richtige Ort! Vor meinen inneren Augen spielte ich zum millionsten Mal die Kugelsequenz ab. Ich sah die Ebene, auf der das Schiff der Erhabenen gelandet war, ich sah die niedrigen Hügel, die Krater, alles. Und alles paßte zusammen. Der einzige fehlende Faktor war das rosafarbene Glühen an den Hügelhängen, das blasse Licht der weißen Zwergsonne. Diese Sonne, die dem Tod nun viel näher ist, ließ nur ein Rinnsal purpurfarbenen Lichts herabtropfen. Es reichte kaum aus, die Finsternis vor mir zu durchteilen, und auch der kalte Glanz der Sterne schaffte dies nicht. Ich schaltete meinen Helmscheinwerfer ein.

Jans Kokon war etwa tausend Meter von mir entfernt gelandet, näher an den Hügeln. Sie hatte ihn ebenfalls verlassen und wartete nun auf mich. Ich winkte. Sie winkte zurück. Ich setzte mich in ihre Richtung in Bewegung. Mit dem ersten raschen Sprung legte ich zwanzig Meter zurück.

„Denken Sie an die Gravitation!“ mahnte Nick Ludwigs Stimme im Funkempfänger meines Druckanzugs.

Er überwachte mich also. Ich blickte auf und salutierte. Aber ich bewegte mich nun vorsichtiger. Da die Schwerkraft auf diesem Asteroiden so niedrig war, konnte ein richtiger, ordentlicher Sprung ausreichen, um mich ein paar tausend Meter hinaus ins Weltall zu bringen. Mit bedächtigen Schritten schloß ich zu Jan auf, und zur Begrüßung berührten wir uns gegenseitig mit den Helmen.

Zusammen gingen wir dann den Hügeln entgegen.

Jan transportierte das tragbare Sonar-Gerät, ich das Neutrino-Magnetometer. In einer becherförmigen Senke in der Ebene, nahe den Hügeln, blieben wir stehen und stellten unsere Gerätschaften auf. Wir schalteten das Sonar-Gerät ein, schwenkten es langsam kreisförmig und parallel zum Horizont herum und sandten damit so lange Lautimpulse zu den Hügeln, bis uns das registrierte Echo die Höhlung anzeigte, nach der wir suchten. Sorgfältig verzeichneten wir die Position.

Dann schritten wir näher an die Höhlung heran. Ich erspare dir die Beschreibung all des pochenden Herzklopfens, der aufgeregten und wissenden Blicke, die wir gegenseitig austauschten. Es sei hier nur erwähnt, daß Jan und ich aufgedreht und nervös waren, als wir das Neutrino-Magnetometer einschalteten und den Hügelhang damit abzutasten begannen. Als ich die Höhlung mit den Abtaststrahlen berührte, zuckte die Anzeigenadel bis ins blaue Ende des Spektrums hinein. Metall!

„Hier sind wir richtig“, funkte ich ruhig zur Fähre hinauf. „Wir haben die Gruft direkt vor uns!“

„Woher wissen Sie das?“ fragte Dr. Schein.

„Ich bekomme zwei verschiedene Dichte-Anzeigen für diesen Hügelabschnitt“, sagte ich. „Sie müssen die Tür der Gruft mit lamelliertem Fels getarnt haben. Die Neutrinos durchdringen eine etwa einen Meter dicke Felsschicht und verzeichnen dann eine große Metallplatte, die sich direkt dahinter befinden muß.“

„Und was befindet sich hinter der Tür?“

„Einen Augenblick“, gab ich zurück und justierte den Strahl des Abtasters neu. Jetzt drangen die Neutrinos tiefer in die Gruft ein. Die Nadel verblieb im blauen Bereich. Und als ich den Strahl bewegte, beschrieb mir die Anzeige mit einer Umriß-Skizzierung ein Bild von dem Inhalt der Gruft. Sie zeigte mir die Rückwände — dunkel, voller fremdartiger Maschinerie — und die Seiten, und sie kopierte dabei das sechseckige Muster der Kugelsequenz. Und sie offenbarte ein dunkles und massives Metallobjekt, das in der Mitte der Kammer auf dem Boden saß.

Der Roboter.

„Vor Schrecken gerann mir das Blut in den Adern“, heißt es immer in diesen alten Horrorgeschichten. Bis zu diesem Augenblick war ich nie in der Lage zu begreifen, wie Blut in den Adern gerinnen kann, aber jetzt weiß ich es, denn es gerann mir tatsächlich in den Adern, von den Zehenspitzen bis zur Kopfhaut. Ich hatte einen eine Milliarde Jahre alten Film vom Bau dieser Gruft gesehen. Und ich hatte gesehen, wie der Roboter der Erhabenen seine Position auf dem Boden einnahm, vor einer Milliarde Jahren, als Trilobiten und Quallen die Erde beherrschten. Und hier stand ich nun, sandte einen Neutrinostrahl in diese Gruft und stellte fest, daß der Roboter noch immer den gleichen Platz einnahm. Und ich sage dir, Lorie, ich war vor Ehrfurcht wie gelähmt.

Ich beschrieb die Anzeigen des Abtasters den anderen in der Fähre. Mein Funkgerät übertrug mir von oben herab die undeutlichen Geräusche von Freudengeheul und Jubelrufen.

„Rührt euch nicht von der Stelle“, sagte Dr. Schein. „Wir kommen runter!“

Kurz darauf verließ die Fähre ihren Parkorbit und schwenkte in eine Landebahn. Ludwig machte eine Bilderbuchlandung. Die Fähre schwebte langsam näher und setzte ganz weich in der nahen Ebene auf. Dann öffneten sich die Luken, und Menschen strömten heraus, und wir inszenierten erneut ein albernes Festival und tanzten wie Verrückte um das Neutrino-Magnetometer herum.

Jetzt müssen wir die Gruft nur noch öffnen. Das ist alles.

30. Dezember

Während ich dies diktiere, drei Tage später, versuchen wir es noch immer.

Die lamellierten Felsplatten zu entfernen, die die Tür bedeckten, war einfach. Kelly bohrte sich durch, bis sie auf Metall stieß, und Mirrik räumte den Schutt mit seinen Stoßzähnen beiseite. Die beiden brauchten fast sechs Stunden, um die ganze Tür freizulegen, die sieben Meter hoch, vier Meter breit und, unseren Messungen entsprechend, einen Meter dick ist. Die Erhabenen haben nicht daran gedacht, Platz für ein Schlüsselloch zu lassen. Aber wir hätten den Schlüssel ohnehin nicht gehabt.

Wir wagen es nicht, die Tür einfach aufzusprengen, nicht in Anbetracht all der Maschinerie der Erhabenen, die sich im Innern befindet. Und wir haben auch keinen Laser, der leistungsstark genug wäre, um damit eine einen Meter dicke Metallschicht durchschneiden zu können. Dafür haben wir aber eine Motorwinde an Bord der Fähre, und damit haben wir es heute morgen versucht. Wir befestigten Magnethaken an der Tür, die wir durch Kabel mit der Winde verbanden, und zogen. Aber die Tür rührte sich nicht, und es bestand die erhebliche Gefahr, daß die Kabel unter der Spannung zerrissen.

Heute nachmittag hat 408b einige Zeit mit der Untersuchung der Türangel verbracht. Er glaubt, unsere beste Möglichkeit bestünde darin, es von dieser Seite aus zu versuchen: Wir sollten irgendwie den Bolzen aus der Angel ziehen und die Tür dann aufschwingen. Aber die Angel ist ungefähr fünf Meter lang, und der Bolzen allein sieht aus, als wöge er einige Tonnen. Darüber hinaus ist dieses Ding seit einer Milliarde Jahren nicht mehr bewegt worden, und man kann davon ausgehen, daß es selbst auf einem luft- und wasserlosen Asteroiden zu Materialermüdung von Metall kommen kann. Vielleicht haben sich Bolzen und Angel sogar fest miteinander verbunden. In diesem Fall hätten wir ernste Probleme. Morgen früh wird es sich herausstellen.

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