Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
„Wir könnten dich zu diesem anderen Planeten bringen“, sagte Pilazinool, „vorausgesetzt, du hast irgendeine Möglichkeit, uns zu zeigen, wo er sich befindet.“
„Verfugen Sie über…“ Der Roboter zögerte, „… Sternenkarten?“
„Selbstverständlich“, antwortete Nick Ludwig. „Die gesamte Galaxis ist kartographisch erfaßt.“
Dihn Ruuu warf einen raschen Blick auf die Sterne, als prägte er sich ihre Konstellationen ein, und folgte Ludwig dann in die Fähre hinein. Er bewegte sich äußerst vorsichtig, vielleicht weil er fürchtete, seine Masse und sein Gewicht könnten zu Beschädigungen führen. Doch wir hatten die Robustheit der Fähre bereits mit Mirrik auf die Probe gestellt, der sogar noch schwerer war als der Roboter, und deshalb machten wir uns keine Sorgen. Ich fragte mich aber, was Dihn Ruuu von der altmodischen und primitiven Technik unserer Fähre hielt.
Der Captain und der Roboter betraten den Kartenraum. Ludwig schaltete den Kartentisch ein. Seine dunkle Oberfläche begann zu glühen, und auf einen eingetasteten Befehl des Captains hin projizierte der Fährencomputer ein Bild des vom Asteroiden aus sichtbaren Sternenhimmels auf die Tischoberfläche. „Zeig uns, wohin du fliegen möchtest“, sagte Ludwig, und Dihn Ruuu deutete auf den rechten oberen Quadranten der Projektion. Ludwig nickte Webber Registrator zu, der daraufhin den entsprechenden Ausschnitt des Bildes vergrößerte. Dihn Ruuu zeigte weiterhin auf bestimmte Abschnitte, bis sich nach drei Vergrößerungsschritten eine kleine Sonne vom G-Typ mit sechs Planeten im Zentrum der Projektion befand.
Registratur überprüfte die Koordinaten, schlug sie im Katalog nach und stellte fest, daß es sich um GGC 2782891 handelte, auch bekannt als McBurneys Stern. Diese Sonne ist im Jahre 2280 kartographisch erfaßt und untersucht worden, aber eine Landung auf irgendeinem ihrer Planeten wurde nie durchgeführt.
Das ist natürlich nicht weiter verwunderlich. Es gibt Millionen von Sternen und Milliarden von Planeten — und die Erforschung der Galaxis ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir teilen Dihn Ruuus ergreifende Zuversicht nicht, daß sich im System von McBurneys Stern noch immer ein von Erhabenen besetzter Außenposten befindet, aber ganz bestimmt werden wir dort auf eine bedeutende archäologische Fundstelle stoßen. Und das ist Grund genug, die Reise zu unternehmen.
Somit wird unsere Expedition also zu einer galaktischen Odyssee, anstatt sich auf zwei kalte und verregnete Jahre auf Higby V zu beschränken. Zuerst zu diesem Asteroiden im System von GGC 1145591, dann zu McBurneys Stern und wer weiß, wohin uns Dihn Ruuu dann führen wird. Wir werden ihm folgen. Die Gewinne aus der Quecksilbermine werden uns aller finanziellen Sorgen entledigen, und über die Details archäologischer Ausgrabungen können wir uns später Gedanken machen. Die Fundstellen lösen sich nicht einfach in Luft auf. Mit jedem Tag entschleiern sich Rätsel für uns, von denen wir angenommen hatten, sie seien für immer unlösbar. Ich meine, hier sind wir und sprechen mit einem Roboter der Erhabenen, stellen ihm alle Arten von Fragen über die Zivilisation seiner Herren und bekommen Antworten. Und wir können die Projektionen unserer Kugel betrachten und die Bilder, die uns Dihn Ruuu schon einige Male gezeigt hat, und all diese Maschinen in der Gruft…
Es ist nur traurig, daß 408b nicht mehr bei uns ist, um an all der Pracht und den Wundern teilzuhaben. Alles, was wir hier erfahren, wäre genau sein Fall gewesen.
Nächste Woche verlassen wir den Asteroiden… hoffentlich.
Als Dr. Schein letztes Jahr im Oktober die Passage an Bord des Ultraraum-Kreuzers buchte, der uns von Higby V hierherbrachte, hat er sich klugerweise rückversichert. Er hatte gewußt, es war durchaus möglich, daß wir die Gruft in diesem System nicht fanden. Dann hätten wir praktisch festgesessen — ohne einen Telepathen, der ein Schiff herbeirufen konnte, das uns abholte — und nur Däumchen drehen können. (Nick Ludwigs Fähre ist nicht für einen Ultraraumflug ausgerüstet; sie ist nur für Reisen innerhalb eines Sonnensystem geeignet.) Deshalb hat Dr. Schein dafür gesorgt, daß der Kreuzer einen Umweg macht und somit in Funkreichweite zu uns kommt, wenn er Mitte Januar auf seinem Rückflug diesen Teil des Universums erneut streift. Auf diese Weise könnten wir um eine Abholung bitten, sollte es sich als notwendig erweisen. Der Kauf dieses Umwegs war teuer, aber das ist nichts im Vergleich zur möglichen Zeit, die wir hier nutzlos verschwenden würden, hätten wir im Asteroidengürtel eine Niete gezogen.
In drei Tagen wird der Kreuzer in Funkreichweite sein. Wir haben bereits damit begonnen, auf allen Frequenzen das Rufsignal zu senden — nur für den Fall, daß die Besatzung vergessen sollte, sich bei uns zu melden. Wir gehen davon aus, daß das Schiff in Kürze hier ankommt und uns aufnimmt; dann können die großen Bosse über einen neuen Ultraraumsprung verhandeln, und ab geht’s nach MyBurneys Stern, mit Dihn Ruuu als unserem Fremdenführer.
Hoffentlich.
Inzwischen vertreiben wir uns die Zeit mit fleißiger Arbeit und Routine. Wir löchern Dihn Ruuu mit unseren Fragen (es ist erstaunlich, wie schnell der Wortschatz des Roboters anwächst) und untersuchen die Geräte in der Gruft. Jetzt, da sich Dihn Ruuu durch das Verschwinden der Sonne der Erhabenen von seinen Pflichten entbunden fühlt und die Gruft zu verlassen gedenkt, haben wir freien Zugang zu all den Instrumenten. Die meisten davon dienen Kommunikationszwecken, wie wir nun wissen — vermutlich unterscheiden sie sich im Prinzip nicht sonderlich von unseren Funkgeräten —, aber die Höhle enthält auch eine Menge Waffentechnik. Der Roboter behauptet, eine kleine, stupsnasige Röhre, die aus einer Seitenwand ragt, könne auf eine Entfernung von drei Lichtjahren eine Sonne zerschmettern. Wir haben ihn nicht um eine Demonstration gebeten. Bei den anderen Geräten handelt es sich um Erhabenen-Äquivalente von Computerbänken — in einem einzigen Elektron sind mehr Datenbits gespeichert, als wir in einer ganzen Proteinkette unterbringen — und eine Art von Energie-Akkumulator, der mit Sternenlicht arbeitet und die ganze Anordnung in Betrieb hält.
Doch wir sind ein wenig besorgt über die plötzliche Konfrontation all dieser wunderbaren Dinge mit der irdischen Technologie des vierundzwanzigsten Jahrhunderts, der von Thhh, Calamor, Dinamon und Shilamak. Sind wir auf ein solches Bündel an Wundern der Erhabenen vorbereitet? Angenommen, wir können lernen, auch nur mit einem Tausendstel der Dinge umzugehen, die wir in dieser Gruft gefunden haben — es wäre der Beginn der Dritten Industriellen Revolution. Und die könnte die Gesellschaft gründlicher verändern als die Dampfmaschine im achtzehnten und der Computer im zwanzigsten Jahrhundert.
Wie gesagt, wir sind besorgt. Aber uns steht es nicht zu, die Entscheidung zu treffen. Als Wissenschaftler haben wir nicht das Recht, diese Entdeckungen zu verheimlichen. Wir sind keine Verwalter, wir sind Archäologen. Wir haben diese Gruft gefunden, aber wir sind nicht dafür verantwortlich, wie ihr Inhalt später gebraucht oder mißbraucht wird.
Wenn das nach einer Wischi-Waschi-Moral klingt, meinetwegen. Lieber soll man mich für oberflächlich halten als für einen Feind neuer Erkenntnisse. Es liegt immer ein gewisses Risiko darin, Entdeckungen zu machen. Aber wir würden noch immer in Höhlen leben und unser Fleisch roh essen, wenn nicht irgendwann während unserer Ahnengeschichte jemand das Risiko eingegangen wäre, sein Gehirn zu benutzen. Der große Unterschied hier besteht darin, daß diese Geräte nicht die Produkte einer langsamen und geduldigen Schufterei von Menschen sind und nicht im Zusammenhang mit der Evolution unserer Kultur entwickelt wurden. Sie regnen ganz plötzlich auf uns herab, als Konfektionsware einer weitaus reiferen und komplexeren Zivilisation. Ob wir in der Lage sind, in diesem Stadium unserer Entwicklung richtig mit ihnen umzugehen, wird sich herausstellen.
Ich wiederhole: Wir haben die Entscheidung nicht zu treffen. Wie Pontius Pilatus in dieser vierundzwanzig Jahrhunderte zurückliegenden Episode, die sich im Nahen Osten abspielte, waschen wir unsere Hände in Unschuld und lehnen jede Verantwortung für das Folgende ab. Es ist unser Beruf, Dinge zu finden, und es ist nicht unsere Sache, wenn sie gefährlich sein können.