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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Nach einer guten Stunde war der Roboter zufriedengestellt.

„Keine weiteren Worte“, sagte er. „Der Rest wird sich von allein ergeben.“

Übersetzung: Die Maschine war nun mit einem ausreichenden Vorrat an Worten in Anglik versehen. Sie würde sie ordnen, sie dem Roboter zugänglich machen und den Wortschatz durch Interpretation des Sinnzusammenhangs weiterer Gespräche ausdehnen.

Etwa fünf Minuten lang schwieg der Roboter, während er auf seinem Inschriftsknoten Ebbe und Flut der Hieroglyphen betrachtete. Wir wagten es nicht, einen Ton von uns zu geben.

Dann sagte er in fließendem Anglik: „Jetzt werde ich mich Ihnen vorstellen.“ Er ahmte genau meinen Akzent, meine Sprechweise und selbst meinen Tonfall nach. „Sie können mich Dihn Ruuu nennen. Ich bin eine Maschine, die dazu konstruiert wurde, den Mirt Korp Ahm zu dienen, die Sie unter der Bezeichnung,Erhabene’ kennen. Mein Name bedeutet Maschine, um zu dienen’. Meine Bestimmung ist es, in Bereitschaft zu bleiben, so daß ich den Mirt Korp Ahm dienen kann, wenn sie zu diesem Sonnensystem zurückkehren.“

Erneut schloß sich langes Schweigen an. Dihn Ruuu schien auf Fragen zu warten.

„Wie lange ist es her“, sagte Pilazinool, „seit die Mirt Korp Ahm hier gewesen sind?“

„Wie kann ich die Zeit bestimmen?“ fragte der Roboter.

„Das ist tatsächlich ein Problem“, murmelte Pilazinool. „Wir haben unsere Maßeinheiten nicht definiert.“

Dr. Horkkk schaltete sich nun ein, und ich muß sagen, er löste dieses Problem auf brillante Art und Weise. „Unsere grundlegende Zeiteinheit ist die Sekunde“, sagte er. „Das Geräusch, das du gleich hören wirst, ist genau eine Sekunde lang.“ Er funkte einen Befehl an den Fährencomputer, der sich hilfsbereit zeigte und einen eine Sekunde langen Ton erzeugte. Dann erklärte Dr. Horkkk, wie die Erdnorm-Zeiteinheiten aufgebaut sind, sechzig Sekunden für eine Minute, sechzig Minuten für eine Stunde und so weiter, bis hin zum Jahr. Der Roboter — als die höfliche Maschine, die er ist — sah davon ab, sarkastische Kommentare über dieses ungenaue und willkürliche System abzugeben, das wir allen anderen Völkern aufgezwungen haben, zumindest ihren Beziehungen zu uns. (Warum sechzig Sekunden für eine Minute? Warum vierundzwanzig Stunden für einen Tag? Warum kein vernünftiges System, das auf Zehnereinheiten basiert oder auf Logarithmen oder auf anderen regelmäßigen Faktoren? Frag die Babylonier. Ich glaube, sie haben es erfunden.)

Als der Roboter unser Zeitsystem verstanden hatte, ging Dr. Horkkk zu unseren Längenmaßen über, skizzierte eine genau einen Zentimeter lange Linie auf dem Boden der Gruft, zeichnete eine Ein-Meter-Linie daneben und wies den Roboter schließlich darauf hin, einen Kilometer als tausend Meter zu verstehen. Dr. Horkkk schloß seinen Vortrag dadurch ab, indem er die Orbitalgeschwindigkeit dieses Asteroiden im Sinne von Kilometern pro Stunde festlegte. Der Roboter trat aus der Gruft heraus, betrachtete den Himmel etwa eine halbe Minute lang und nahm dabei offenbar Parallaxen-Messungen vor, um auf diese Weise selbst festzustellen, mit welcher Geschwindigkeit sich der Asteroid durch das Sonnensystem bewegte. Welch phantastischer Computer sich auch in diesem phantastischen Schädel verbergen mag — er konnte die Orbitalgeschwindigkeit des Asteroiden in bezug auf Zeit- und Entfernungsmaße der Erhabenen in kürzester Zeit berechnen und mit diesen Daten eine Korrelation zu den Erdnorm-Werten entwickeln.

„Zur Bestätigung“, sagte der Roboter. „Die Orbitalperiode dieses Asteroiden beträgt ein Jahr, sechs Monate, fünf Tage, drei Stunden, zwei Minuten und einundvierzig Sekunden.“

„Genau richtig“, sagte Captain Ludwig.

„In Ordnung“, sagte Dr. Horkkk schnell, als sei es ganz und gar nicht verwunderlich, daß diese fremdartige Maschine so schnell lernen und Orbitalperioden allein durch einen kurzen Blick zum Himmel berechnen konnte. „Jetzt können wir weitermachen. Kannst du uns in unseren Begriffen eine Schätzung der Zeit geben, die seit dem allerletzten Besuch der Mirt Korp Ahm auf diesem Asteroiden vergangen ist?“

Der Roboter blickte erneut zum Himmel empor: Offenbar betrachtete er diesmal die Sterne und maß die Konstellationsveränderungen, zu denen es seit seinem letzten Blick auf die außerhalb seiner Gruft liegende Welt gekommen ist.

Kurz darauf antwortete er: „941285 008 Jahre, zwei Monate, zwölf Tage…“

Es war wie ein heftiger elektrischer Schlag, diese ruhigen Worte zu hören. Mit übermenschlicher Genauigkeit bestätigte der Roboter die Berechnungen des Luna City Observatoriums. Ich weiß nicht, wie viele Computer Luna City mit dieser Aufgabe auslastete oder wie lange sie damit beschäftigt waren, aber sie haben ganz bestimmt keine sofortige und unmittelbare Antwort ausgespuckt, so wie sie uns Dihn Ruuu gerade gegeben hatte. So etwas kann den Stolz auf die menschlichen Errungenschaften ganz schön erschüttern.

Wie weit die Erhabenen uns doch überlegen gewesen sein mußten, wenn sie einen Roboter hatten konstruieren können, der in einer Höhle geduldig 941 Millionen Jahre wartete und noch immer in erstklassigem und funktionsfähigem Zustand war, als ihn Besucher fanden. Und der solche Berechnungen einfach aus dem Ärmel schütteln konnte! Meine Güte!

„Wann hattest du zum letztenmal Kontakt zu den Mirt Korp Ahm?“ fragte Pilazinool.

„Vor 941285 008 Jahren, zwei Monaten, zwölf Tagen…“

„Also nie mehr, seit du in der Gruft eingeschlossen wurdest?“

„Richtig. Es ist meine Bestimmung, auf ihre Rückkehr zu warten.“

„Sie werden nicht zurückkehren“, sagte Pilazinool. „Sie sind seit Millionen von Jahren nicht mehr in der Galaxis aufgetaucht.“

„Das widerspricht aller Wahrscheinlichkeit“, gab Dihn Ruuu gelassen zurück. „Ihre Existenz ist von permanenter Dauer. Deshalb müssen sie auch weiterhin beträchtliche Teile dieser Galaxis bewohnen. Und deshalb werden sie eines Tages hierher zurückkehren. Ich muß auf sie warten.“

Dr. Schein schaltete sich ein. „Verstehst du, was ich meine, wenn ich von der Heimatwelt der Mirt Korp Ahm spreche?“

„Die Welt, die von maßgebender Bedeutung für ihre Entwicklungsgeschichte ist.“

„Das stimmt, ja.“ Ungeduldig beugte sich Dr. Schein vor. „Wir haben versucht, diesen Planeten ausfindig zu machen, doch ohne Erfolg. Kannst du uns Informationen darüber geben? Etwa: Liegt sie in diesem galaktischen Sektor?“

„Ja“, sagte der Roboter.

Dr. Schein sah sehr unglücklich aus. Er war ein Anhänger der Theorie, die behauptete, die Erhabenen kämen von einer anderen Galaxis. Dr. Horkkk hüpfte triumphierend herum. Er hatte zu den ersten gehört, die der Auffassung gewesen waren, die Erhabenen hätten sich gleich nebenan entwickelt.

Obwohl auf diese Weise aus dem Gleichgewicht gebracht, fuhr Dr. Schein fort: „Ist jener Stern, bei dem es sich um die Sonne der Heimatwelt der Mirt Korp Ahm handelt, von diesem Ort aus sichtbar?“

„Ja“, sagte der Roboter.

„Ich meine, ist er noch immer sichtbar, nach all der Zeit, die verstrichen ist, seit du hier zurückgelassen wurdest?“

„Ja“, sagte der Roboter.

„Würdest du sie uns zeigen?“ fragte Dr. Schein.

Ich stellte fest, daß ich vor Aufregung zitterte. Die anderen waren ähnlich gespannt. Dieses sonderbare und traumartige Frage- und Antwortspiel mit einer äonenalten Maschine hatte plötzlich etwas von unglaublicher Bedeutung berührt. Hitzige wissenschaftliche Kontroversen gehörten der Vergangenheit an. Diese Maschine würde uns alles sagen. Wir mußten sie nur fragen! Und nun schickte sie sich an, uns die fundamentale Antwort auf all unsere Fragen zu geben — die Frage nach der Position der Heimatwelt der Erhabenen.

Erneut schritt der Roboter aus der Gruft hinaus, um den Himmel besser betrachten zu können. Er blickte auf.

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