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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Eine Minute verging. Zwei Minuten. Drei.

Zweifellos verglich er seine gespeicherten Erinnerungsbilder der Sternkonstellationen vor einer Milliarde Jahren mit dem, was er nun sah — und bestimmt nahm er die nötigen Anpassungen vor, durch die er in die Lage versetzt wurde, die heutige, aufgrund der Eigenbewegung der Sonne der Erhabenen veränderte Position ausfindig zu machen.

Doch irgend etwas war nicht in Ordnung. Der Roboter schien wie erstarrt. Er suchte den Himmel ab, verharrte, suchte den Himmel erneut ab.

„Vielleicht ist eine einprogrammierte Sperre wirksam geworden“, vermutete Dr. Horkkk, „die verhindert, daß er uns die Position der Heimatwelt preisgibt.“

Der Roboter stolperte in die Gruft zurück. Ja, stolperte. Diese makellose Maschine bewegte sich in dem taumelnden und schwankenden Gang von jemandem, der gerade erfahren hatte, daß er von einem plötzlichen Börsenkrach ruiniert worden war; er wankte wie jemand, der gerade erfahren hatte, daß sieben Generationen seiner Familie in einem verunglückten Sonnengleiter umgekommen sind.

„Der Stern ist nicht da“, sagte der Roboter in einem gräßlichen Tonfall.

„Du kannst ihn nicht finden?“ fragte Dr. Schein. „Er ist von diesem Raumsektor aus nicht sichtbar?“

„Er sollte sichtbar sein“, erklärte der Roboter. „Ich habe seine Position genau berechnet, und ich habe jeden Fehler ausgeschlossen. Aber der Stern ist vom Himmel verschwunden. Ich betrachte die Stelle, von der ich weiß, daß er sich dort befinden muß, aber ich sehe nur Schwärze. Ich stelle überhaupt keine Strahlungsemissionen fest. Der Stern ist verschwunden. Der Stern ist verschwunden.“

„Wie kann ein Stern verschwinden?“ flüsterte Jan.

„Vielleicht wurde er zur Supernova“, vermutete Saul, „und explodierte vor fünfhundert Millionen Jahren… der Roboter hätte keine Möglichkeit gehabt, das zu bemerken…“

„Der Stern ist verschwunden“, sagte der Roboter erneut. Die Farben seines Sichtbandes trübten sich infolge des tiefen Schocks und der Verblüffung. Dieses perfekte elektronische Gehirn mit seinem totalen Zugriff auf alle Daten war auf einen schrecklichen und betäubenden Widerspruch in seiner Welt gestoßen — im bedeutendsten Teil seiner Welt noch dazu.

Wir wußten nicht recht, was wir sagen sollten. Wie kann man einen Roboter trösten angesichts des Verschwindens der Heimatsonne seiner Schöpfer?

Nach einer langen Pause sagte Dihn Ruuu: „Es besteht kein Anlaß mehr für mich, hier noch länger zu warten. Der Stern ist verschwunden. Was ist aus den Mirt Korp Ahm geworden? Die Mirt Korp Ahm werden niemals an diesen Ort zurückkehren. Der Stern ist verschwunden. Der Stern ist verschwunden. Es entzieht sich vollkommen meinem Verständnis, aber der Stern ist verschwunden.“

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11. Januar 2376

Der Asteroid

Unser ständig mißtrauischer Dr. Horkkk glaubte noch einige Tage lang, der Roboter hätte uns angelogen und wollte uns die Position der Heimatwelt der Erhabenen absichtlich nicht preisgeben. Wir anderen, allen voran Pilazinool, sind anderer Meinung.

Pilazinool ist der intuitiven Ansicht, der Roboter sei gar nicht dazu in der Lage zu lügen. Er behauptete, er hätte nicht angeboten, nach der Heimatsonne seiner Herren Ausschau zu halten, wenn er nicht wirklich beabsichtigt hätte, sie uns zu zeigen. Und die Verzweiflung und Verwirrung des Roboters, als er diesen Stern nicht hatte finden können, waren unmißverständlich gewesen. Dihn Ruuu war nicht dazu konstruiert, viel Gefühl zu zeigen. Aber er war erschüttert gewesen, als er in die Gruft zurückkehrte.

Wohin ist der Stern verschwunden?

Vielleicht liegt Saul mit seiner Supernova-Theorie richtig. Bisher hat niemand eine bessere Vermutung geäußert. Wenn es stimmt, dann ist das eine ziemlich niederschmetternde Neuigkeit für uns, da es damit so gut wie aussichtslos geworden ist, den Zentralplaneten des Imperiums der Erhabenen zu finden und dort Ausgrabungen durchzuführen. Eine Welt, die von einer Supernova gebraten wurde, ist nachher im allgemeinen kaum noch von Nutzen für die Archäologie.

Nach seiner bestürzenden Entdeckung hat der Roboter anderthalb Tage an seinen Instrumenten verbracht. Er ignorierte uns vollkommen. Er stand an der Rückwand der Gruft, spielte an Skalen herum und tastete in einer verzweifelten Suche nach Informationen alle Datenterminals ab. Ich glaube, er suchte nach von anderen Geschöpfen seiner Art ausgesandten und aufgezeichneten Nachrichten, die möglicherweise während seiner Hunderte von Millionen Jahren dauernden Hibernation hier eintrafen — irgend etwas, das die unerklärliche Katastrophe erklären konnte, die über die Erhabenen hereinbrach. Aber offenbar hatte er dabei nicht viel Erfolg.

Während dieser Zeit hielten wir uns von ihm fern. Vielleicht kann selbst ein Roboter Kummer empfinden. Und Dihn Ruuu hatte offensichtlich seine Schöpfer verloren, seinen ganzen Lebenszweck. Er hatte Zurückgezogenheit verdient, um einen Weg zu finden, mit den Veränderungen zurechtzukommen, denen das Universum unterworfen worden war.

Dann kam Dihn Ruuu zu uns. Leroy Chang sah den Roboter geduldig neben der Fähre stehen, und wir stiegen aus. Er konsultierte die Übersetzungsmaschine, die er bei sich hatte, betrachtete eine ganze Zeitlang die fließenden Hieroglyphen und sprach dann schließlich zu uns: „Besitzen Sie den Sternflug? Die Möglichkeit, schneller als das Licht zu sein?“

„Wir nennen es Ultraraumantrieb“, antwortete Dr. Schein. „Wir haben diese Möglichkeit, ja.“

„Gut. Nicht weit von hier entfernt befindet sich ein Planet, auf dem die Mirt Korp Ahm eine große Kolonie errichteten. Vielleicht können Sie mich dorthin bringen. Ich muß eine Menge verstehen lernen, und das ist der nächste Ort, an dem ich damit beginnen kann.“

„Wie weit von hier?“ fragte Pilazinool. „In bezug auf die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.“

Dihn Ruuu hielt kurz für eine dieser erstaunlich raschen Berechnungen inne. „Siebenunddreißigmal die Reise des Lichts in einem Jahr.“

„Siebenunddreißig Lichtjahre“, wiederholte Dr. Schein. „Das dürfte nicht allzu teuer sein. Es müßte zu schaffen sein. Sobald der Kreuzer hierher zurückkommt, um uns abzuholen…“

„Vielleicht brauchen wir nicht einmal dort hinzufliegen“, sagte der Roboter. „Haben Sie die Möglichkeit, Mitteilungen schneller als das Licht zu übertragen?“

„Ja“, sagte Dr. Schein.

„Nein“, sagte Dr. Horkkk im gleichen Augenblick.

Verblüfft wandte Dihn Ruuu seinen starren Blick vom einen zum anderen. „Ja und nein? Das begreife ich nicht.“

Dr. Schein lachte. „Es gibt die Möglichkeit einer Kommunikation mit Überlichtgeschwindigkeit“, sagte er. „Aber es erfordert die Hilfe eines Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Was Dr. Horkkk meint, ist, daß wir keinen dieser speziell begabten Menschen bei uns haben.“

„Ich verstehe“, sagte Dihn Ruuu bekümmert.

„Und selbst wenn, so wären wir damit kaum einen Schritt weiter“, fuhr Dr. Schein fort. „Sie machen nur die Kommunikation von Mensch zu Mensch möglich. Sie wären nicht in der Lage, mit jemandem auf einem Planeten der Mirt Korp Ahm Kontakt aufzunehmen.“

„Demnach verständigen sie sich per Gedankenübertragung?“ vermutete der Roboter.

„Das stimmt. Hatten auch die Mirt Korp Ahm die Möglichkeit, auf diese Weise Nachrichten auszutauschen?“

„Unter ihnen selbst ja“, sagte Dihn Ruuu. „Doch nur Protoplasma-Leben ist zur Gedankenübertragung fähig. Selbst wenn auf der nahen Kolonie noch andere Maschinen von meiner Art existierten, durch Gedankenübertragung könnte ich sie nicht erreichen. Nur mit Funkwellen. Und die wären siebenunddreißig Jahre unterwegs, bis sie sie erreichten. Ich möchte nicht so lange auf die Antworten warten.“

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