Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Und auch dem Roboter hatte die Zeit keinen Schaden zugefügt. Es war unglaublich, aber er funktionierte noch immer. Durch die Kombination der Konstruktions-Fertigkeit der Erhabenen und einer konservierenden, luftlosen Umgebung hatte er allem Zerfall widerstehen können. Als das Licht unserer Scheinwerfer über seinen kugelförmigen Kopf blitzte, sahen wir, wie sein Sichtband als Reaktion darauf die Farbe wechselte — vielleicht das Äquivalent des Roboters zu einem Augenzwinkern. Andererseits aber gab er durch nichts zu erkennen, daß er uns wirklich bemerkte. Eine ganze Weile standen wir ihm schweigend gegenüber, vor der Gruft nebeneinander aufgereiht, und wir wagten es nicht, näher heranzugehen.
Was nun? Wir konnten nichts weiter unternehmen.
Dann fiel mir die Kugel ein und unsere Absicht, sie als Hilfsmittel für eine Verständigung zu verwenden. Ich erinnerte Dr. Schein daran, und er schickte mich zur Fähre zurück, um sie zu holen.
Die Kugel war jetzt auf Rollen montiert. Ich schob sie bis auf zwanzig Meter an den Gruftzugang heran.
„Schalten Sie sie ein“, ordnete Dr. Schein an.
Meine Hand berührte den Knauf. Um uns herum formte sich die Sphäre aus grünlichem Licht und dehnte sich so weit aus, bis ihr Umfang über die Eingangsschwelle der Gruft hinüberreichte. Bilder der Erhabenen begannen durch das Vakuum zu schweben. Ihre Luftstädte wurden gezeigt, ihre Räume, ihre Straßen, sogar die Sequenz, die den Bau genau dieser Gruft veranschaulichte. Das Sichtband des Roboters flackerte nervös. Rasch aufeinanderfolgend nahm das Glühen alle Farben des sichtbaren Spektrums an, wechselte von hellem Purpur zu Dunkelrot und ging dann in den infraroten Bereich über. Das konnte ich nicht mehr sehen, doch ich spürte eine plötzliche Hitze, die von der Gruft ausstrahlte.
Der Roboter bewegte sich.
Langsam und unbeholfen, wie eine ägyptische Mumie, die aus einem tausendjährigen Schlaf erwachte, erhob sich der sitzende Roboter, neigte sich erst nach vorn in eine Art hockende Position und faltete dann seine pfeilerartigen Beine auseinander. Wie gelähmt, erschrocken und fasziniert, sahen wir zu, wie sich das riesige Ding zu seiner vollen Größe von mindestens dreieinhalb Metern aufrichtete. Etwa eine Minute lang stand der Roboter hoch erhoben, testete seine vier Arme und streckte sie aus, als recke er sich. Er betrachtete die Szenen, die die Kugel zeigte.
Dann setzte er sich würdevoll in Bewegung und begann, aus der Gruft heraus und uns entgegenzuschreiten.
Alle um mich herum verloren den Kopf und rannten davon. Ich blieb an Ort und Stelle, mehr aus Verblüffung als aus Tapferkeit. Und so stand ich ganz allein, als der Roboter die Gruft verließ und sich an mich heranschob, ein funkelnder Metallkoloß, der fast zweimal so groß ist wie ich.
Zwei seiner Arme senkten sich. Aus Hohlräumen in den faustartigen Verdickungen am Ende jedes Arms glitten gewebeartige Finger, die die Kugel vorsichtig umfaßten. Der Roboter nahm sie auf und hob sie hoch über seinen Kopf, als wollte er sie mit zerschmetternder Wucht auf mich schleudern.
Ich wandte mich um und rannte der Fähre entgegen. Ich dachte überhaupt nicht daran, mich der niedrigen Schwerkraft anzupassen, sondern hüpfte und sprang den ganzen Weg über. Besorgte Hände streckten sich nach mir aus und zogen mich in die Fähre hinein.
Ich sah zurück. Der Roboter hatte sich nicht gerührt. Wie ein Titan, der eine Welt in seinen Klauen hält, stand er da, die Kugel noch immer hoch erhoben. Regungslos starrte er zu ihr hinauf, gefangen in einem eine Milliarde Jahre alten Traum.
Seit ich in die Fähre zurückgekehrt bin, sind nun zwei Stunden vergangen. Der Roboter hat sich während dieser Zeit nicht einmal gerührt. Wir haben uns in der Fähre zusammengedrängt, verwirrt, ängstlich, aber auch außerordentlich neugierig. Dr. Horkkk, Dr. Schein und Pilazinool beraten sich einmal mehr, vorn in der Pilotenkanzel. Ich habe keine Ahnung, was wir als nächstes unternehmen sollen. Unsere wildesten Vorstellungen sind noch übertroffen worden. Wir sind geradewegs zum Asteroiden geflogen, auf dem die Erhabenen ihre Gruft bauten; wir haben die Gruft gefunden; und wir haben auch den Roboter gefunden, in noch immer funktionsfähigem Zustand. Dies alles ähnelt der Art von Träumen, die Süchtige in Kifferpalästen kaufen können. Doch inzwischen ist der Traum von der Realität abgelöst worden. Dort draußen wartet der Roboter auf uns. Einer von uns ist bereits tot. Sollen wir es wagen, die Herausforderung anzunehmen? Oder stehlen wir uns wie Feiglinge davon, obwohl wir die größte archäologische Entdeckung aller Zeiten gemacht haben?
Ich weiß es nicht.
Und der Roboter wartet noch immer. So wie er bereits seit einer Milliarde Jahren wartet.
13
2. Januar 2376
Der Asteroid
Gestern morgen hat Pilazinool nach Freiwilligen gefragt, die hinausgehen und versuchen sollen, Kontakt mit dem Roboter aufzunehmen. Jans Hand kam als erste in die Höhe. Meine folgte und dann die der meisten anderen, wobei sich Steen Steen und Leroy Chang bezeichnenderweise zurückhielten. Der Gruppe, die schließlich hinausging, gehörten Pilazinool, Dr. Horkkk, Mirrik und ich an. Jan wollte nicht gern zurückstehen, doch ich war erleichtert, daß sie nicht aufgerufen wurde.
Hintereinander marschierend überquerten wir die öde Felsebene, Pilazinool vorn, Mirrik hinten. Bis auf Dr. Horkkk waren wir alle bewaffnet. Ich war mit einem Positronengewehr ausgerüstet, mit dem ich den Roboter wahrscheinlich in die Luft jagen konnte, aber ich war nicht scharf darauf, diese Waffe zu benutzen.
Als wir uns dem Roboter bis auf zwanzig Meter genähert hatten, blieben wir stehen und schwärmten weit aus. Dr. Horkkk trat vor. In seinen linken Händen hatte er eine kleine Tafel; in einer seiner rechten Hände hielt er einen Inschriftsknoten. Der Roboter nahm keine Notiz von ihm. Er stand noch immer reglos wie eine Statue und hielt die Kugel hoch, obwohl sie nun keine Bilder mehr zeigte.
Langsam schwenkte Dr. Horkkk den Inschriftsknoten von Seite zu Seite und versuchte auf diese Weise, die Aufmerksamkeit des Roboters zu wecken. Dazu gehörte viel Mut. Es war durchaus möglich, daß der Roboter dadurch ärgerlich wurde. Nach einigen Minuten begann Dr. Horkkk damit, die Hieroglyphen des Inschriftknotens auf seiner Tafel zu kopieren, die er dabei dem Roboter zuwandte, so daß die Maschine sehen konnte, was geschah. Damit sollte dem Roboter demonstriert werden, daß wir intelligente Lebewesen waren, die die Schrift der Erhabenen zwar nicht verstehen, zumindest aber kopieren konnten.
„Angenommen“, murmelte Mirrik, „das, was er abschreibt, ist obszön? Oder unfreundlich? Was, wenn es den Roboter wütend macht?“
Dr. Horkkk fuhr damit fort, Hieroglyphen zu skizzieren.
Allmählich begann der Roboter, ihm Interesse entgegenzubringen.
Er ließ die Kugel bis auf Brusthöhe sinken. Er starrte hinunter auf den kleinen Thhhianer, und die Farben seines Sichtbandes verdunkelten sich; fahle Grün- und Gelbtöne verblaßten und wurden von einem satten, mit karmesinroten Flecken durchsetzten Kastanienbraun ersetzt. Vielleicht das Äquivalent eines Stirnrunzeins? Die Farben tiefer Konzentration? Die Zeichen auf Dr. Horkkks Inschriftsknoten lösten sich plötzlich auf, und eine neue Inschrift erschien. Gelassen wischte Dr. Horkkk seine Tafel ab und begann mit der Abschrift der neuen Nachricht. Der Roboter schien beeindruckt zu sein. Irgendwo aus dem Innern seiner vorgewölbten Brust dröhnten Geräusche, die von den Funkgeräten unserer Druckanzüge empfangen werden konnten.
„Dihn ahm ruuu dihn korp!“
Wer weiß, was das bedeutet? Aber wir nehmen zumindest an, daß diese Worte in der Sprache der Erhabenen formuliert sind.
Dr. Horkkk ging ein anderes kalkuliertes Risiko ein. Er ließ seine Tafel sinken, trat drei Schritte vor und sagte klar und deutlich: „Dihn ahm ruuu dihn korp!“