Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Ich sah mir das Gerät in seiner Hand genauer an. Es war keine Waffe. Es bestand aus einem Inschriftsknoten, der am einen Ende mit einem mosaikartigen Rätselkasten verbunden war. Innerhalb der Verstrebungen des Rätselkastens glühte ein dunkler, karmesinroter Schimmer.
„Worte von euch“, sagte der Roboter. „Mehr. Hier hinein.“
Allmählich begann ich, mich in der neuen Situation zurechtzufinden. Der Roboter hatte unseren Gesprächen zugehört — unsere Worte aufgezeichnet und sie nach Bedeutungsmustern untersucht —, und daraufhin hatte er sich selbst Anglik beigebracht. Und nun wollte er seinen Wortschatz erhöhen. Vielleicht, dachte ich, stellt ein Inschriftsknoten, der mit einem Rätselkasten verbunden wird, eine Art Recorder dar. (In diesem Punkt irrte ich.)
Steen brachte diesen Gedankengang einen Sekundenbruchteil eher zu Ende. Er/sie schob mich zur Seite, brachte den Vokalausgang seines/ihres Druckanzugs nahe an das glühende Ende des Rätselkastens heran und begann hastig zu sprechen — auf Calamorianisch! Er/sie sprudelte mindestens ein Dutzend Sätze in seiner/ihrer Muttersprache hervor, bevor ich wieder zu mir kam, ihn/sie packte und vom Roboter fortzog.
„Nimm deine verdammten Hände von mir!“ rief Steen.
„Du Idiot, was hast du dir dabei gedacht, auf Calamorianisch zu ihm zu sprechen?“
„Um die Übersetzungsmaschine des Roboters zu programmieren!“ Empört. „Warum sollte man ihr nicht Worte einer zivilisierten Sprache eingeben?“
Ich war so wütend über Steens idiotische Militanz, daß ich dabei für einen Augenblick den wichtigen Aspekt der Bemerkung übersah, die er/sie von sich gegeben hatte. „Du weißt verdammt gut“, sagte ich, „daß Anglik die offizielle Sprache dieser Expedition ist, und du hast zugestimmt, sie die ganze Zeit über zu benutzen. Wenn wir diesem Roboter Worte geben, dann sollten sie aus nur einer Sprache stammen, und diese Sprache sollte…“
„Wir sollten dem Roboter eine Chance geben zu erfahren, daß Anglik nicht die einzige Sprache im Kosmos ist! Diese Unterdrückung der calamorianischen Sprache ist ein Akt von Rassendiskriminierung! Es…“
„Halt den Rand“, sagte ich und gab mich damit nicht sehr tolerant gegenüber Steens herausgefordertem Rassenstolz.
Dann endlich reagierte ich auf den wichtigsten Faktor. Übersetzungsmaschine?
Natürlich.
Inschriftsknoten und Rätselkästen sind keine verschiedenen Artefakte. Sie sind dafür vorgesehen, als Einheit zusammenzuwirken, auf die Weise, wie sie vom Roboter montiert worden waren. Und es sind auch keine Aufzeichnungsgeräte.
Es sind Instrumente, die das Geplapper primitiver und barbarischer Rassen in die Sprache der Erhabenen umformen.
Steen hatte dies sofort erkannt und die Absicht gehabt, seine/ihre eigene wunderbare calamorianische Sprache aufzeichnen zu lassen, im Widerspruch zur Expeditions-Übereinkunft. Vielleicht hätte dies seinen/ihren Rassenstolz gesteigert, aber es verschlechterte auch unsere Aussichten auf eine rasche Verständigung, da er/sie damit ein Dutzend inkompatible Sätze eingegeben hatte. Mit der Annahme, daß das, was Steen in einem Wortschwall von sich gegeben hatte, und die Worte, die wir anderen benutzt hatten, zur gleichen Sprache gehörten, konnte keine noch so perfekte Übersetzungsmaschine weit kommen.
Ich warnte Steen davor, es noch einmal zu versuchen. Steen warf mir daraufhin einen mürrischen Blick zu. Aber er/sie schluckte die Zurechtweisung, beruhigte sich und überließ die Übersetzungsmaschine nun ganz allein mir.
Ich beugte mich nahe heran.
Dann fragte ich mich, was ich sagen sollte.
Mir wollte nichts einfallen. Steen Steen hatte wahrscheinlich eine redegewandte Lobpreisung auf die unvergleichlichen Verdienste der Calamorianer von sich gegeben, aber diesem Beispiel wollte ich nicht folgen. Doch als ich mir die sinnvollsten und angemessensten Bemerkungen überlegte, entwickelte ich eine Art lähmende Mikrofonangst.
„Sprich Worte von euch hier hinein“, sagte der Roboter ermutigend.
„Was für Worte?“ sagte ich. „Irgendwelche Worte?“
Dann Stille. Steen lachte mich aus.
„Meine Name ist Tom Rice“, sagte ich. „Ich bin auf dem Planeten Erde der Sonne Sol geboren. Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt.“
Ich zögerte erneut, als brauchte die Maschine eine Weile, um dieses Paket von Bemerkungen zu verdauen, bevor sie das nächste in Empfang nehmen konnte. Das war nicht notwendig, wie ich jetzt weiß.
„Sprich mehr Worte“, gab der Roboter prompt zurück.
„Die Sprache, die ich benutze“, sagte ich, „heißt Anglik, und sie ist die wichtigste Sprache auf der Erde. Bei der Sprache, die von der letzten Stimme benutzt wurde, handelt es sich um Calamorianisch. Das ist die Sprache einer anderen Welt in einem anderen Sonnensystem.“
Während ich dies sagte, beobachtete ich, wie Kolonnen von Erhabenen-Hieroglyphen über die Oberfläche des Inschriftknotens glitten. Das Gerät verwandelte meine Worte in die Schriftzeichen einer uralten Sprache. Wie hilfreich das in Hinsicht auf eine Verständigung sein mochte, war schwer zu sagen. Wenn ich Dihn ruuu mirt korp schreibe, dann verwandele ich damit die Worte des Roboters in unsere Art von Schriftzeichen, aber ich bin dem Verständnis dessen, was diese Laute bedeuten, nicht einen Schritt näher.
Ich muß dem Roboter dennoch eine Hilfe gewesen sein. Denn seine Sprechweise machte einen von Minute zu Minute zunehmenden Wortschatz deutlich.
„Nenne den Namen des anderen“, sagte er.
„Er/sie ist Steen Steen von Calamor. Wir sind hierhergekommen, um nach Informationen über die Erbauer dieser Gruft zu suchen.“
„Nenne die Namen von Dingen.“
Ich deutete auf bestimmte Gegenstände und benannte die Gruft, die Tür, die Fähre, den Himmel und alles andere, auf das ich deuten konnte. Ich wählte meine Worte vorsichtig aus, als ich der Maschine die Tatsache erklärte, daß wir um die gewaltige Zeitspanne wußten, die seit der Konstruktion der Gruft verstrichen war. Ich versuchte, ihr deutlich zu machen, daß wir Archäologen sind, die viele Überbleibsel der Erhabenen ausgegraben hatten, daß aber noch nie irgendein Angehöriger der heute existierenden Völker auf einen lebenden Erhabenen gestoßen ist, und so weiter.
Mit großem Interesse beobachtete der Roboter die wechselnden Hieroglyphen auf dem Inschriftsknoten, doch er beschränkte seine Bemerkungen auf kurze und knappe Anordnungen weiterzusprechen. Die Übersetzungsmaschine hatte inzwischen einen ganzen Batzen Daten aufgenommen. Und es war mir inzwischen in den Sinn gekommen, daß wir die anderen ebenfalls an dem teilhaben lassen sollten, was hier geschah, und deshalb forderte ich Steen auf: „Schalte auf die Frequenz der Fähre und ruf Dr. Horkkk hierher.“
„Während du den Roboter mit ekelhaften Lügen fütterst?“ gab Steen zurück. „Ruf du ihn doch!“
Ich widerstand der Versuchung, Steen in die Rippen zu boxen — sofern er/sie Rippen hat —, wechselte rasch die Frequenz, rief die anderen aus der Fähre herbei und schaltete dann auf den Vokalausgang zurück. Der Roboter wollte mehr Worte… immer mehr… und noch viel mehr. Er saugte sie regelrecht auf.
Dann erschienen Dr. Horkkk und Pilazinool, und die anderen folgten ihnen dichtauf. Ich erklärte die Situation. Dr. Horkkks Gesicht begann aufgeregt zu glühen. „Sprechen Sie weiter“, sagte er.
Ich sprach weiter.
Ich redete mich heiser, und dann kam Jan an die Reihe und nach ihr Saul Shahmoon. Es spielte keine große Rolle, was wir sagten: Im wesentlichen stopften wir damit nur einen äußerst leistungsfähigen Computer mit Daten voll, und dieser Computer kümmerte sich ganz allein darum, unsere Worte zu sortieren und aus ihnen schlau zu werden. Dr. Horkkk schien vor Verblüffung zu beben — und vielleicht war er auch ein wenig bestürzt, denn eine solche Mach-Sinn-aus-Geräuschen-Maschine stellte genau das dar, was er während seiner ganzen Laufbahn ohne Erfolg zu entwickeln versucht hatte.