Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]
- Автор: Скальци Джон
- Серия: Krieg der Klone #1
- Год: 2007
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-02950-0
- Переводчик: Bernhard Kempen
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]». Краткое содержание книги:
Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres◦– mit »Krieg der Klone«, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
Bender musterte Viveros mit einem recht kühlen Blick. »Unter der Devise, dass man ›nur seine Befehle ausgeführt hat‹, ist viel Böses getan worden. Ich hoffe inständig, dass wir uns nicht eines Tages auf die gleiche Weise herausreden müssen.«
Viveros kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. »Ich bin mit dem Essen fertig«, sagte sie, stand auf und nahm ihr Tablett in die Hand.
Bender zog die Augenbrauen hoch, als sie ging. »Ich wollte sie nicht beleidigen«, sagte er zu mir.
Ich musterte ihn vorsichtig. »Sagt Ihnen der Name ›Viveros‹ überhaupt etwas, Bender?«
Er runzelte leicht die Stirn. »Ich kann mich nicht erinnern.«
»Denken Sie etwas weiter zurück«, sagte ich. »Damals müssen wir fünf oder sechs gewesen sein.«
Ihm ging ein Licht auf. »Es gab einen peruanischen Staatspräsidenten namens Viveros. Ich glaube, er kam bei einem Attentat ums Leben.«
»Richtig, Pedro Viveros«, sagte ich. »Aber nicht nur er, sondern auch seine Frau, sein Bruder, die Frau seines Bruders und ein großer Teil seiner Familie wurde beim Militärputsch ermordet. Nur eine von Pedros Töchtern überlebte. Ihr Kindermädchen steckte sie in einen Wäscheschacht, als die Soldaten den Präsidentenpalast stürmten und nach weiteren Familienmitgliedern suchten. Nebenbei bemerkt, das Kindermädchen wurde vergewaltigt, bevor man ihr die Kehle aufschlitzte.«
Benders Gesicht nahm eine grünlichgraue Schattierung an. »Sie kann nicht diese Tochter sein«, sagte er.
»Sie ist es aber. Und ich kann Ihnen noch etwas verraten. Als der Putsch niedergeschlagen wurde und die Soldaten, die ihre Familie ermordet hatten, vor Gericht gestellt wurden, lautete ihre Entschuldigung, dass sie nur ihre Befehle ausgeführt hatten. Unabhängig von der Frage, ob Ihre Ansichten Hand und Fuß haben, muss ich Ihnen sagen, dass Sie sie jemandem vorgetragen haben, dem Sie auf gar keinen Fall einen Vortrag über die Banalität des Bösen halten sollten. Viveros weiß alles darüber. Sie weiß es, weil ihre Familie abgeschlachtet wurde, während sie im Keller unter einem Wäschehaufen lag und sich bemühte, trotz ihrer blutenden Wunden nicht zu heulen.«
»Mein Gott, das tut mir natürlich sehr leid«, sagte Bender. »Das hätte ich nicht sagen sollen. Aber ich wusste ja nichts davon.«
»Natürlich nicht, Bender. Und genau darauf wollte Viveros hinaus. Hier draußen wissen Sie von nichts. Sie wissen gar nichts.«
»Hören Sie zu«, sagte Viveros, während wir uns der Oberfläche näherten. »Unsere Aufgabe beschränkt sich ausschließlich darauf, Sachen kaputtzumachen und wieder zu verschwinden. Wir werden in der Nähe des Regierungsviertels landen, ein paar Gebäude zerstören, aber nicht auf lebende Ziele schießen, es sei denn, KVA-Soldaten werden unter Beschuss genommen. Wir haben diesen Leuten schon einmal in die Eier getreten, und jetzt trampeln wir noch ein bisschen auf ihnen herum, während sie sich am Boden winden. Seien Sie schnell, richten Sie Schaden an, und hauen Sie wieder ab. Ist das allen klar?«
Bis zu diesem Punkt war die Aktion ein Kinderspiel gewesen. Die Whaidianer waren überhaupt nicht auf das plötzliche und gleichzeitige Auftauchen von zwei Dutzend Schlachtschiffen der KVA in ihrem Heimatsystem vorbereitet. Zur Ablenkung hatte die KVA wenige Tage zuvor eine Offensive im Earnhardt-System gestartet, um möglichst viele Schiffe der Whaidianer dorthin zu locken. Also war fast niemand mehr da, der die Heimat verteidigte. Die wenigen Kompanien, die doch da waren, wurden schnell und überraschend vom Himmel geschossen.
Auch mit dem Hauptraumhafen der Whaidianer machten unsere Zerstörer kurzen Prozess. Das mehrere Kilometer lange Gebäude wurde an kritischen Punkten beschossen, worauf man es den Zentripetalkräften überlassen konnte, den Gesamtkomplex auseinanderzureißen. Warum sollten wir mehr Munition verschwenden als unbedingt nötig? Keine Skip-Kapseln wurden entdeckt, die die Streitmacht im Earnhardt-System hätten alarmieren können, also würden die Whaidianer erst davon erfahren, dass wir sie hinters Licht geführt hatten, nachdem es bereits viel zu spät war. Wenn whaidianische Schiff die dortige Schlacht überlebten, würden sie nach Hause fliegen und nichts mehr vorfinden, wo sie andocken oder Reparaturen durchführen lassen konnten. Unsere Truppen wären längst verschwunden, wenn sie eintrafen.
Nachdem der Weltraum gesichert war, feuerte die KVA gemütlich auf Industriezentren, Militärstützpunkte, Bergwerke, Raffinerien, Entsalzungsanlagen, Staudämme, Sonnenkollektorfarmen, Häfen, Startrampen, wichtige Verbindungsstraßen und andere Ziele, die erst von den Whaidianern repariert werden mussten, bevor sie ihre interstellaren Kapazitäten wiederaufbauen konnten. Nach sechs Stunden gnadenloser Angriffe hatten wir die Whaidianer so wirksam in das Zeitalter der Verbrennungsmotoren zurückgebombt, dass sie voraussichtlich eine ganze Weile auf diesem Entwicklungsniveau bleiben würden.
Die KVA vermied eine flächendeckende oder wahllose Bombardierung größerer Städte, da Opfer unter der Zivilbevölkerung nicht unser Kampfziel waren. Der Geheimdienst der KVA ging von größeren Kollateralschäden unterhalb der zerstörten Staudämme aus, aber das ließ sich nicht vermeiden. Die Whaidianer hätten die KVA nicht daran hindern können, ihre Städte in Schutt und Asche zu legen, aber wir gingen davon aus, dass sie genug Probleme mit den Seuchen, Hungersnöten und politischen sowie sozialen Unruhen haben würden, die zwangsläufig aus der Vernichtung der industriellen und technischen Grundlagen der Wirtschaft resultierten. Gezielte Angriffe gegen die Zivilbevölkerung wären demzufolge inhuman und (was für die Führung der KVA genauso wichtig war) eine nutzlose Vergeudung von Ressourcen gewesen. Abgesehen von der Hauptstadt, die ausschließlich zum Zweck der psychologischen Kriegsführung bombardiert wurde, standen weitere Bodenangriffe völlig außer Frage.
Was allerdings nicht bedeutete, dass die Whaidianer in der Hauptstadt dafür Verständnis gezeigt hätten. Selbst während der Landung wurden unsere Truppentransporter mit Projektil- und Strahlenwaffen beschossen. Das Geprassel auf dem Schiffsrumpf klang, als würden darauf Hagel niedergehen und Spiegeleier gebraten.
»Sie gehen in Zweiergruppen«, sagte Viveros, als sie den Trupp aufteilte. »Niemand unternimmt Alleingänge. Orientieren Sie sich an Ihren Landkarten und lassen Sie sich nicht in eine Falle locken. Perry, Sie passen auf Bender auf. Versuchen Sie ihn bitte davon abzuhalten, Friedensverträge zu unterzeichnen. Um Ihnen einen zusätzlichen Anreiz zu geben, werden Sie beide als Erste hinausgehen. Schauen Sie nach oben und erledigen Sie die Heckenschützen.«
»Bender.« Ich winkte ihn herüber. »Stellen Sie Ihre Vauzett auf Raketen und folgen Sie mir. Tarnung aktivieren. Kommunikation nur über BrainPal.« Die Rampe des Transporters klappte auf, und Bender und ich rannten hinunter. Etwa vierzig Meter genau vor mir stand irgendeine undefinierbare abstrakte Skulptur. Ich nahm sie unter Beschuss, während Bender und ich weiterrannten. Abstrakte Kunst war mir schon immer zuwider gewesen.
Ich näherte mich einem großen Gebäude nordwestlich von unserer Landeposition. Hinter der Glasfront der Eingangshalle konnte ich mehrere Whaidianer sehen, die lange Objekte in den Pfoten hielten. Ich feuerte ein paar Raketen in ihre Richtung. Sie würden die Glasscheiben zertrümmern und die Whaidianer wahrscheinlich nicht töten, aber dadurch wären sie lange genug abgelenkt, bis Bender und ich verschwunden waren. Ich teilte Bender mit, dass er ein Fenster im zweiten Stock des Gebäudes zerschießen sollte. Er tat es, und wir sprangen hinauf und hindurch. Drinnen sah es aus wie ein Großraumbüro. Klar, selbst Aliens müssen arbeiten. Allerdings gab es hier keine lebenden Whaidianer mehr. Ich konnte mir vorstellen, dass die meisten heute zu Hause geblieben waren. Was man ihnen nicht verdenken konnte.