Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Krieg und Frieden
1 ... 420 421 422 423 424 425 426 427 428 ... 486
Перейти на страницу:

»An der Richtigkeit der Meldung kann kein Zweifel sein, Euer Durchlaucht.«

»Ruf den Boten herein, ruf ihn herein!«

Kutusow saß auf dem Bett; das eine Bein ließ er herunterhängen; sein großer Bauch ruhte auf dem andern, untergeschlagenen Bein. Er kniff sein sehendes Auge zusammen, um den Boten besser sehen zu können, wie wenn er in dessen Gesichtszügen eine Antwort auf die Frage lesen wollte, die ihn beschäftigte.

»Sag mal, mein Lieber, sag mal«, redete er Bolchowitinow mit seiner leisen, altersschwachen Stimme an und hielt das Hemd über der Brust zusammen, das auseinandergegangen war. »Komm her, komm ganz nah heran. Was hast du mir denn da für Nachrichten gebracht? Wie? Napoleon ist aus Moskau abgezogen? Ist es wirklich so? Wie?«

Bolchowitinow begann von Anfang an ausführlich alles, was ihm aufgetragen war, zu berichten.

»Mach schneller, schneller, quäle mich nicht«, unterbrach ihn Kutusow.

Bolchowitinow erzählte alles und schwieg dann in Erwartung eines ihm zu erteilenden Befehles. Nun wollte Toll etwas sagen; aber Kutusow ließ ihn nicht zu Wort kommen. Er schien reden zu wollen; aber plötzlich überzog sich sein Gesicht mit Runzeln und Falten; er machte gegen Toll hin eine ablehnende Handbewegung und wandte sich nach der entgegengesetzten Seite, nach derjenigen Ecke der Stube, wo eine Menge schwärzlicher Heiligenbilder hing.

»O Herr, mein Schöpfer! Du hast unser Gebet erhört …«, …«, sagte er mit zitternder Stimme, indem er die Hände faltete. »Rußland ist gerettet. Ich danke dir, Herr!« Und er brach in Tränen aus.

XVIII

Von dem Eintreffen dieser Nachricht an bis zum Ende des Feldzuges besteht Kutusows Tätigkeit ausschließlich darin, durch seine Amtsgewalt, durch List und Bitten seine Truppen von nutzlosen Angriffen, Manövern und Zusammenstößen mit dem Feind, dessen Verderben sowieso besiegelt war, zurückzuhalten. Dochturow geht nach Malo-Jaroslawez, Kutusow aber zaudert mit dem Gros der Armee und gibt Befehl zur Räumung Kalugas, weil es ihm sehr wohl möglich scheint, sich hinter diese Stadt zurückzuziehen.

Kutusow zieht sich überall zurück; der Feind aber flieht, ohne den Rückzug des Gegners abzuwarten, nach der entgegengesetzten Seite.

Die Geschichtsschreiber Napoleons beschreiben uns sein kunstvolles Manöver gegen Tarutino und Malo-Jaroslawez und stellen Vermutungen darüber auf, was geschehen sein würde, wenn es Napoleon gelungen wäre, nach den reichen südlichen Gouvernements durchzudringen.

Aber um gar nicht davon zu reden, daß ihn ja nichts hinderte, nach diesen südlichen Gouvernements zu ziehen, da die russische Armee ihm freien Weg ließ, so vergessen die Historiker, daß Napoleons Armee durch nichts zu retten war, weil sie schon damals die nicht zu behebenden Ursachen des Verderbens in sich trug. Diese Armee, die in Moskau so überreichen Proviant vorgefunden hatte und nicht imstande gewesen war, ihn sich zu erhalten, sondern ihn unter die Füße getreten hatte, diese Armee, die, als sie nachher nach Smolensk kam, die Lebensmittel, statt sie ordnungsmäßig zu verteilen, zuchtlos raubte, weshalb hätte diese Armee sich im Gouvernement Kaluga besser benehmen sollen, wo doch ebensolche Russen wohnten wie in Moskau und wo das Feuer dieselbe Eigenschaft besaß, das, was man anzündete, zu zerstören?

Die Armee konnte nirgends besser werden. Seit der Schlacht bei Borodino und der Plünderung Moskaus trug sie bereits sozusagen die chemischen Keime der Zersetzung in sich.

Die Soldaten dieser ehemaligen Armee flüchteten mit ihren Anführern, ohne selbst zu wissen wohin, und hatten (Napoleon und jeder Soldat) nur einen Wunsch: so schnell als möglich für ihre Person aus der verzweifelten Lage herauszukommen, deren sie sich alle, wenn auch nur unklar, bewußt waren.

Nur dies war der Grund, weshalb bei dem Kriegsrat in Malo-Jaroslawez, wo die Generale taten, als berieten sie, und allerlei Meinungen vorbrachten, das zuletzt ausgesprochene Votum des Marschalls Mouton, eines schlichten Soldaten, alle zum Schweigen brachte; dieser sagte nämlich das, was alle dachten: man müsse so schnell wie möglich davonzukommen suchen. Niemand, auch Napoleon nicht, konnte gegen diesen Satz, von dessen Richtigkeit alle überzeugt waren, etwas einwenden.

Aber obgleich sie alle wußten, daß sie suchen mußten davonzukommen, blieb es ihnen doch noch ein beschämendes Gefühl, daß sie genötigt seien zu fliehen. Und es bedurfte eines äußeren Anstoßes, um dieses Gefühl der Scham zu überwältigen. Und dieser Anstoß erfolgte zur rechten Zeit. Es war das, was die Franzosen als le Hourra de l’Empereur bezeichneten.

Am Tag nach dem Kriegsrat tat Napoleon, als wolle er die Truppen und die Stätte der vorangegangenen und der bevorstehenden Schlacht besichtigen, und ritt mit einer Suite von Marschällen und mit einer Eskorte mitten zwischen den Linien der Truppenstellung umher. Kosaken, die nach Beute umherschweiften, stießen auf den Kaiser selbst und hätten ihn beinahe gefangengenommen. Wenn die Kosaken bei dieser Gelegenheit Napoleon nicht gefangennahmen, so rettete ihn ebendasselbe, was den Franzosen zum Verderben gereichte: das Trachten nach Beute; denn sowohl in Tarutino als auch an dieser Stelle stürzten sich die Kosaken, ohne sich um die Menschen zu kümmern, auf die Beute. Ohne dem Kaiser Beachtung zuzuwenden, machten sie sich über die Beute her, und Napoleon fand Zeit zu entkommen.

Wenn nun die »Söhne des Don« die Möglichkeit hatten, den Kaiser selbst mitten in seiner Armee zum Gefangenen zu machen, so war einleuchtend, daß nichts weiter zu tun war, als möglichst schnell auf dem nächsten bekannten Weg zu fliehen. Napoleon, der sich mit seinem vierzigjährigen Embonpoint nicht mehr so beweglich und unternehmungslustig fühlte wie früher, verstand diesen Fingerzeig. Und unter der Einwirkung der Furcht, die er vor den Kosaken bekommen hatte, schloß er sich sofort der Ansicht Moutons an und erteilte, wie die Historiker sagen, den Befehl zum Rückzug auf die Smolensker Straße.

Daraus, daß Napoleon sich der Ansicht Moutons anschloß und die Truppen zurückmarschierten, folgt nicht, daß er dies befohlen hat, sondern daß diejenigen Kräfte, die auf die ganze Armee wirkten und ihr die Richtung nach der Moschaisker Straße gaben, gleichzeitig auch auf Napoleon ihre Wirkung ausübten.

XIX

Wenn ein Mensch sich auf einer Wanderung befindet, so setzt er sich in Gedanken immer ein Ziel für diese Wanderung. Um tausend Werst zurücklegen zu können, muß der Mensch notwendig die Vorstellung haben, daß am Ende der tausend Werst ihn irgend etwas Gutes erwartet. Es ist die Vorstellung von einem gelobten Land nötig, damit man die Kraft zu einer langen Wanderung aufbringen kann.

Das gelobte Land war bei dem Eindringen der Franzosen in Rußland Moskau, bei ihrem Abzug die Heimat. Aber die Heimat war zu fern, und jemand, der tausend Werst zu gehen hat, muß sich unbedingt, ohne an das Endziel zu denken, sagen können: »Heute komme ich, wenn ich vierzig Werst marschiert sein werde, zu einem Rastort und Nachtlager«; und beim ersten Tagesmarsch verdeckt dieser Rastort das Endziel und zieht alle Wünsche und Hoffnungen auf sich. Und die Bestrebungen, die beim einzelnen Menschen zutage treten, machen sich bei einer großen Menge immer in vergrößertem Maßstab geltend.

Für die Franzosen, die auf der alten Smolensker Straße zurückgingen, war das Endziel, die Heimat, zu weit entfernt, und das nächste Ziel, dasjenige, auf welches sich, durch die große Menge in gewaltiger Proportion gesteigert, alle Wünsche und Hoffnungen richteten, war Smolensk. Nicht etwa weil die Soldaten gewußt hätten, daß in Smolensk viele Lebensmittel und frische Truppen seien, oder weil ihnen das gesagt worden wäre (die höheren Führer und Napoleon selbst wußten vielmehr, daß dort nur wenig Proviant vorhanden war), sondern weil nur dies ihnen Kraft zum Marschieren und zur Ertragung der gegenwärtigen Leiden geben konnte, strebten sie alle, die Wissenden sowohl als die Nichtwissenden, in gleicher Selbsttäuschung nach Smolensk wie nach einem Gelobten Land.

1 ... 420 421 422 423 424 425 426 427 428 ... 486
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)