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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Und das ist doch sonderbar, Kameraden«, fuhr der, der sich über die weiße Haut gewundert hatte, fort, »da haben die Bauern bei Moshaisk erzählt, als sie anfingen, die Toten einzuscharren, dort, wo die Schlacht gewesen ist, weißt du, was die gesagt haben? Denke dir, vier Wochen lang mochten die Leichen wohl schon dort gelegen haben. Und was haben die Bauern gesagt? Die Toten von denen, haben sie gesagt, liegen da wie ein Stück weißes Papier, so sauber, und stinken nicht ein bißchen.«

»Aber wie kommt das? Wohl von der Kälte?« fragte einer.

»Bist du aber gescheit! Von der Kälte! Es war doch heiß damals! Wenn’s von der Kälte käme, würden unsere Leute doch auch nicht verwest sein. Wenn sie aber zu einem von uns gekommen sind, haben sie gesagt, so ist er ganz verfault und voller Würmer gewesen. Tücher haben wir um sie geschlagen und das Gesicht abgedreht, und sie dann weggezogen: kaum, daß wir es fertig gebracht haben. Denen ihre Leichen aber, haben sie gesagt, waren so weiß wie Papier und haben nicht ein bißchen gestunken.«

Alle schwiegen.

»Das muß vom Essen kommen«, sagte der Feldwebel. »Die fressen wie die feinen Herren.«

Keiner erwiderte etwas.

»Und dann haben die Bauern bei Moshaisk, wo die Schlacht gewesen ist, noch erzählt, aus zehn Dörfern habe man sie zusammengetrieben und zwanzig Tage lang hätten sie fahren müssen und sie doch nicht alle fortgebracht, die Leichen. Und dann diese Wölfe, haben sie gesagt …«

»Ja, das war eben eine richtige Schlacht«, meinte der alte Soldat. »Das ist etwas, das im Gedächtnis bleibt. Aber alles, was dann kam … war nur eine Schinderei fürs Volk.«

»Denke dir, Onkelchen, vorgestern sind wir hinter ihnen hergelaufen. Und was meinst du, gar nicht erst heran haben sie uns gelassen. Gleich haben sie die Gewehre von sich geworfen. Und dann auf die Knie. ›Pardon, Pardon‹, haben sie immer geschrien. Das ist nur so ein Beispiel. Platow, so sagen sie, soll sogar den Poleon selber schon zweimal gefangen haben. Aber er weiß nur das Zauberwort nicht. Er fängt ihn, fängt ihn und hat ihn in der Hand – der aber fliegt plötzlich als Vogel davon, auf und davon. Und nicht imstande ist er, ihn totzuschlagen.«

»Im Fabulieren bist du groß, Kiselew, ich seh dich nur immer an.«

»Wieso denn im Fabulieren? Das ist doch die reine Wahrheit.«

»Ich hielte das so: wenn ich den gefangen hätte, würde ich ihn zuerst lebendig begraben. Und dann an den Galgen mit ihm. Was hat der für Menschen zugrunde gerichtet!«

»Wir werden ihm schon den Garaus machen, er wird nicht davonkommen«, brummte der alte Soldat gähnend.

Die Unterhaltung verstummte. Die Soldaten fingen an, sich hinzulegen.

»Sieh nur die Sterne, so eine Masse! Die Weiber haben die Leinwand ausgehängt, wie man so sagt«, meinte einer, die Milchstraße bewundernd.

»Das deutet auf ein fruchtbares Jahr, Kinder.«

»Wir müssen noch mehr Holz holen.«

»Der Rücken sengt an, und der Bauch friert ein. Merkwürdig.«

»Mein Gott!«

»Was knuffst du denn so? Ist das Feuer vielleicht nur für dich da? Seht nur, wie breit der sich hingeschmissen hat!«

Durch die Stille, die nun eintrat, hörte man das Schnarchen einiger, die schon eingeschlafen waren. Die anderen drehten, wendeten und wärmten sich und sprachen nur wenig miteinander. Von einem anderen, etwa hundert Schritte entfernten Wachtfeuer drang gemeinsames, lustiges Lachen herüber.

»Was für einen Krach die von der fünften Kompanie machen«, sagte einer. »Und was für eine Unmenge Leute dort sind!«

Einer stand auf und ging zur fünften Kompanie hin.

»Da geht’s aber fidel her«, sagte er, als er zurückkam. »Da haben sich zwei Franzosen mit herangemacht. Der eine ist ganz erfroren und der andere ein verwegener Bursche, ein Sappermentskerl. Der spielt und singt wie der Teufel.«

»Oh, das muß ich mir mal ansehen …«

Und ein paar Soldaten liefen zur fünften Kompanie hinüber.

9

Die fünfte Kompanie lag dicht am Waldrand. Ihr gewaltiges Lagerfeuer leuchtete mitten im Schnee und warf sein Licht auf die vom Reif niedergebeugten Äste und Bäume.

Da plötzlich um Mitternacht vernahmen die Soldaten der fünften Kompanie vom Wald her Schritte und das Knacken der Zweige.

»Kinder, ein Bär!« rief ein Soldat.

Alle hoben den Kopf und lauschten. Grell vom Schein des Feuers beleuchtet, traten aus dem Wald zwei wunderlich bekleidete menschliche Gestalten, die einander festhielten.

Es waren zwei Franzosen, die sich im Wald verborgen gehalten hatten. Mit heiserer Stimme sagten sie etwas in ihrer Sprache, was die Soldaten nicht verstanden, und traten auf das Feuer zu. Der eine, der größer war und eine Offiziersmütze trug, schien völlig erschöpft zu sein. Nachdem er ans Feuer getreten war, wollte er sich hinsetzen, fiel aber zu Boden. Der andere, ein kleiner, stämmiger Soldat mit einem Tuch um den Kopf, war kräftiger. Er hob seinen Kameraden auf und sagte etwas, indem er auf seinen Mund zeigte. Die Musketiere umringten die Franzosen, schoben dem Kranken einen Mantel unter und brachten beiden Grütze und Schnaps.

Der erschöpfte französische Offizier war Remballe und der Soldat mit dem Tuch um den Kopf sein Bursche Morel.

Nachdem Morel den Schnaps getrunken und den Kessel mit Grütze ausgegessen hatte, wurde er plötzlich krampfhaft lustig und fing an, ununterbrochen auf die Soldaten einzureden, die ihn jedoch nicht verstanden. Remballe wies das Essen zurück, lag schweigend auf seinen Ellbogen gestützt am Feuer und sah die russischen Soldaten mit verständnislosen, roten Augen an. Dann und wann stieß er ein langgezogenes Stöhnen aus und war dann wieder still. Morel zeigte auf Remballes Achseln, um den Russen klarzumachen, daß dieser Offizier sei und Wärme brauche.

Ein russischer Offizier, der an das Feuer herangetreten war, schickte zu dem Obersten und ließ fragen, ob er einen französischen Offizier in seine Hütte aufnehmen wolle, damit sich dieser erwärmen könne. Der Soldat kehrte zurück und meldete, der Oberst habe befohlen, den Offizier zu ihm zu bringen, und man bedeutete Remballe, daß er hingehen solle. Er stand auf und wollte gehen, schwankte aber und wäre umgesunken, wenn ihn nicht ein Soldat, der neben ihm stand, gehalten hätte.

»Na? Du wirst’s wohl nicht mehr lange machen?« meinte einer mit spöttischem Augenzwinkern zu Remballe.

»Ach, du Dummkopf! Was redest du da für ungereimtes Zeug! Wie ein Bauer, wirklich, der richtige Bauer«, hörte man von verschiedenen Seiten Vorwürfe gegen den Soldaten, der sich den Spott herausgenommen hatte.

Sie umringten Remballe, zwei von ihnen legten die Arme zusammen, ließen ihn aufsitzen und trugen ihn so zur Hütte. Remballe legte den Soldaten die Arme um den Hals und sagte kläglich, während sie ihn hintrugen: »Oh mes braves, oh mes bons, mes bons amis! Voilà des hommes! oh mes braves, mes bons amis!« und lehnte wie ein Kind seinen Kopf an die Schulter des einen Soldaten.

Inzwischen saß Morel, von den Soldaten umringt, am besten Platz am Feuer.

Morel, der kleine, stämmige Franzose mit den entzündeten, tränenden Augen, hatte einen alten Weiberpelz an und über seine Uniformmütze ein Tuch gebunden wie ein Frauenzimmer. Offenbar hatte er zu viel getrunken, umhalste den Soldaten, der neben ihm saß, und sang mit heiserer, abgerissener Stimme ein französisches Lied. Die Soldaten hielten sich die Seiten vor Lachen, wenn sie ihn ansahen.

»Hör mal, das mußt du mich lehren, nicht wahr? Ich lerne schnell. Nun, wie fängt’s an?« sagte der singlustige Spaßvogel, den Morel umarmt hielt.

Vive Henri quatre, Vive ce roi vaillant, Ce diable à quatre …

sang Morel und zwinkerte mit einem Auge.

»Wiwarikà! Wif seruwary! Sidjablakà …« wiederholte der Soldat gestikulierend und hatte wirklich die Melodie erfaßt.

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