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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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»Er geht hinein«, sagte Reinhold. »Ich kann nicht erkennen, ob ihm jemand aufgemacht hat. Er ist drinnen.« Cremer gab die Meldung an Braun weiter. Nach einer Sekunde des Zögerns (für die er sich selbst verfluchte) fügte er hinzu: »...noch etwas. Ich fürchte, er hat uns entdeckt.« Womit immer er gerechnet hatte, es geschah nicht.

Braun schwieg nur eine oder zwei quälende Sekunden, dann sagte er: »Das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Bleiben Sie, wo sie sind. Ich bin auf dem Weg zu Ihnen. Wenn er die Kirche verläßt, bevor ich eintreffe, setzen Sie ihn fest.«

14

Von den fünftausend Taxen, die es Bremers Behauptung nach in Berlin gab (er hatte die Zahl in genau dem Moment erfunden, in dem er sie ausgesprochen hatte), hatte sich kein einziges in die Gegend verirrt, in der die Kneipe lag, und die einsame Telefonzelle, die er am Ende der Straße entdeckte, war ein Opfer von Vandalen geworden: Jemand war dem Apparat mit einer Brechstange zu Leibe gerückt, um an den Münzspeicher zu kommen, und der Hörer war abgerissen. Bremer blieb keine andere Wahl, als auf gut Glück loszumarschieren und darauf zu hoffen, daß irgendwann ein Taxi vorbeikommen oder er in eine etwas belebtere Gegend gelangen würde.

Er mußte gute zehn Minuten in strengem Tempo marschieren, ehe der Verkehr auf den Straßen allmählich wieder zunahm, und noch einmal fünf, bis er das erste Taxi sah. Das gelbe Schild auf seinem Dach war eingeschaltet, und er war auch ziemlich sicher, daß der Fahrer sein hektisches Winken bemerkte. Trotzdem hielt er nicht an, sondern beschleunigte ganz im Gegenteil, als Bremer auf die Straße treten wollte, um ihn auf diese Weise zum Anhalten zu zwingen. Bremer schickte einen wütenden Blick und einen gedanklichen Fluch hinterher, sagte sich aber gleichzeitig auch, daß er den Fahrer fast verstand. Die Gegend war in den letzten zehn Minuten ein wenig besser geworden, aber wirklich nur ein wenig. Und auch er selbst bot keinen sehr vertrauenerweckenden Anblick. Angela und er hatten seine Wohnung ziemlich überhastet verlassen, so daß er trotz der Kälte nur ein dünnes Jackett trug, und es hatte wieder leicht zu nieseln begonnen. Seine Kleider klebten ihm naß am Körper, und das Haar hing ihm in langen, nassen Strähnen ins Gesicht. Vermutlich hätte er sich selbst auch nicht mitgenommen.

Das zweite Taxi fuhr ebenso vorbei wie das erste; beim dritten Mal versuchte Bremer erst gar nicht, den Wagen auf normale Weise anzuhalten, sondern trat mit einem plötzlichen Schritt auf die Straße hinaus und hob erst dann den Arm.

Bremsen quietschten. Der Wagen kam zwischen zwei hoch aufschießenden Wasserfontänen unmittelbar vor ihm zum Stehen, und Bremer eilte so schnell um die Kühlerhaube herum und riß die Beifahrertür auf, daß dem Fahrer nicht einmal Zeit blieb, seinen Schrecken zu überwinden. Seiner Gesichtsfarbe und den entsetzt aufgerissenen Augen nach zu schließen, mußte er gewaltig gewesen sein.

Bremer ließ sich auf den Beifahrersitz fallen, knallte die Tür hinter sich zu und zog in der gleichen Bewegung den Zettel aus der Tasche, auf dem Angela ihm Vater Thomas' Adresse ausgedruckt hatte.

»Wissen Sie, wo das ist?« fragte er.

Der Taxifahrer würdigte das Papier nicht einmal eines Blickes, sondern starrte Bremer weiter aus entsetzt aufgerissenen Augen an. »Sind ... Sie wahnsinnig?« stammelte er. »Um ... um ein Haar hätte ich Sie überfahren!«

»Haben Sie aber nicht, oder?« Bremer wedelte ungeduldig mit dem Blatt Papier. »Fahren Sie los, bitte.« Als der Mann immer noch zögerte, ließ er den Ausdruck sinken und zog statt dessen seinen Dienstausweis aus der Jackentasche. »Hören Sie, mein Freund. Ich weiß, daß ich wahrscheinlich einen komischen Eindruck auf Sie mache, aber die Angelegenheit ist wirklich wichtig. Ich kann es Ihnen jetzt nicht erklären, aber ich bin nicht das, wofür Sie mich halten.« Der Taxifahrer wirkte kein bißchen weniger verstört als zuvor, nachdem er Bremers Ausweis in Augenschein genommen hatte, aber er legte immerhin den Gang ein und fuhr los. Bremer mußte an das denken, was er Angela vor einer Viertelstunde über den Umgang mit ihrem Dienstausweis erzählt hatte, und unterdrückte ein Lächeln. Manchmal änderten sich die Dinge schneller, als man ahnte.

»Wie lange werden wir ungefähr brauchen?« fragte er nach einer Weile.

Der Fahrer zuckte unmerklich zusammen und schaltete sein Taxameter ein, ehe er antwortete. »Nicht lange«, sagte er. »Zehn Minuten. Vielleicht fünfzehn. Um diese Zeit ist nicht viel Verkehr.« Bremer versuchte sich den Stadtplan in Erinnerung zu rufen. Wenn er nicht völlig danebenlag, dann waren es von hier bis zur Baldowstraße, wo sie Rosen gefunden hatten, eine gute halbe Stunde Fahrt, selbst um diese Uhrzeit. Vater Thomas' Kirche lag eindeutig nicht in der Nähe des heruntergekommenen Fabrikhofs.

»Darf ich Ihnen einen Frage stellen?« fragte er.

»Ich dachte, das wäre Ihr Job«, sagte der Taxifahrer. Er sah Bremer nicht an. Sein Blick blieb starr auf die Straße gerichtet.

»Vorhin, als Sie mich gesehen haben«, fuhr Bremer fort, »Sie wollten nicht anhalten, habe ich recht? Ich meine: Ihr gelbes Licht war an, und ich nehme nicht an, daß Sie aus purer Langeweile nachts durch Berlin fahren, sondern wohl eher, weil Sie auf der Suche nach Fahrgästen sind Trotzdem wären Sie weitergefahren, wenn ich Ihnen nicht quasi vor den Kühler gesprungen wäre. Warum?«

»Was soll das?« fragte der Fahrer. Er sah Bremer immer noch nicht an, sondern blickte weiter starr geradeaus, aber seine Nervosität nahm spürbar zu. »Ich habe Sie...«

»Ganz deutlich gesehen«, fiel ihm Bremer ins Wort. »Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will Ihnen keinen Ärger machen. Ich habe einen ganz bestimmten Grund für diese Frage. Ihre beiden Kollegen, die ich vorher anhalten wollte, hätten mich um ein Haar über den Haufen gefahren, und Sie hätten es am liebsten auch getan. Ich möchte nur wissen, warum. Antworten Sie ehrlich - auch wenn es noch so verrückt klingt.«

Der Mann schaltete die Scheibenwischer ein und fummelte ein paar Augenblicke an seinem Funkgerät herum, um Zeit zu gewinnen. Er versuchte, Bremer anzusehen, drehte dann aber hastig wieder den Kopf weg, als sich ihre Blicke begegneten. »Ich ... hatte so ein Gefühl«, sagte er ausweichend.

»Ein Gefühl?«

Der Taxifahrer zuckte mit den Schultern. Seine Hände schlossen sich so fest um das Lenkrad, daß der Lederbezug knirschte. »Daß es besser wäre, nicht anzuhalten«, sagte er. »Ich weiß, es klingt komisch. Aber ich ... wollte nicht anhalten.« Er zuckte erneut mit den Schultern. »Sie haben gefragt.« Und er wollte auch nicht mit ihm reden. Wenn Bremer eines deutlich spürte, dann, wieviel Unbehagen es dem Mann bereitete, seine Fragen zu beantworten; vielleicht sogar schon, seine bloße Gegenwart zu ertragen. Nun, es war, wie der Mann gesagt hatte: Er hatte gefragt und eine Antwort bekommen. Er hatte kaum das Recht, sich darüber zu beschweren.

Der Rest der Fahrt verlief in unangenehmem, fast schon ängstlichem Schweigen. Bremer tat es dem Fahrer gleich und blickte starr auf die Straße hinaus, aber ihm entging natürlich nicht, daß der Mann ihn manchmal verstohlen aus den Augenwinkeln musterte, und er konnte die Anspannung, unter der er stand, fast körperlich greifen. Sie brauchten tatsächlich nur gute zehn Minuten, um die Pfarrei St. Peter zu erreichen, aber Bremer war sicher, daß es dem Mann vorkam wie zehnmal so lange.

Als sie in die Straße einbogen, in der die Kirche lag, erlebte er die nächste, unangenehme Überraschung: Zwanzig oder dreißig Meter entfernt und auf der anderen Straßenseite parkte ein dunkelblauer oder schwarzer BMW der Luxusklasse. Die getönten Scheiben waren von innen beschlagen, und gerade, als sie in die Straße einbogen, löste sich eine schattenhafte Gestalt aus einer Toreinfahrt in der Nähe und stieg auf der Beifahrerseite in den Wagen. Daß er auf dieser Seite einstieg bedeutete, das noch ein anderer, der BMW-Fahrer, im Auto saß.

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Сюжет
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Главный герой
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