Momo oderDie seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Momo oderDie seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte». Краткое содержание книги:
»Ich möchte wissen«, sagte Momo,»ob das überhaupt Gigis neues Haus ist. Es sieht eigentlich gar nicht nach ihm aus.«
»ist es aber«, stand auf dem Rücken der Schildkröte.
»Warum ist denn alles so zu?«, fragte Momo.»Da komm ich nicht rein.«
»warte!«, erschien als Antwort.
»Na ja«, meinte Momo seufzend,»da kann ich aber vielleicht lang warten. Woher soll Gigi wissen, dass ich hier draußen stehe - falls er überhaupt drin ist.«
»er kommt gleich«, war auf dem Panzer zu lesen. Also setzte Momo sich geradewegs vor das Tor und wartete geduldig.
Lange Zeit geschah gar nichts und Momo begann zu überlegen, ob Kassiopeia sich nicht vielleicht doch einmal geirrt hatte.
»Bist du wirklich ganz sicher?«, fragte sie nach einer Weile.
Statt jeder erwarteten Antwort erschien aber auf dem Rückenpanzer das Wort:»lebewohl!«
Momo erschrak.»Was meinst du denn damit, Kassiopeia? Willst du mich denn wieder verlassen? Was hast du denn vor?«
»ich geh dich suchen!«, war Kassiopeias noch rätselhaftere Auskunft.
In diesem Augenblick flog plötzlich das Tor auf und ein langes, elegantes Auto schoss in voller Fahrt heraus. Momo konnte sich gerade noch durch einen Sprung nach rückwärts retten und fiel hin. Das Auto raste noch ein Stückchen weiter, dann bremste es, dass die Reifen quietschten. Eine Tür wurde aufgerissen und Gigi sprang heraus.
»Momo!«, schrie er und breitete die Arme aus.»Das ist doch wirklich und wahrhaftig meine kleine Momo!«
Momo war aufgesprungen und lief auf ihn zu und Gigi fing sie auf und hob sie hoch, küsste sie hundertmal auf beide Backen und tanzte mit ihr auf der Straße herum.
»Hast du dir weh getan?«, fragte er atemlos, aber er wartete gar nicht ab, was sie sagte, sondern redete aufgeregt weiter.»Es tut mir Leid, dass ich dich erschreckt habe, aber ich hab's schrecklich eilig, verstehst du? Ich bin schon wieder mal zu spät dran. Wo hast du denn nur gesteckt die ganze Zeit? Du musst mir alles erzählen. Also ich habe nicht mehr geglaubt, dass du zurückkommen würdest. Hast du meinen Brief gefunden? Ja? War er noch da? Gut und bist du zu Nino essen gegangen? Hat es dir geschmeckt? Ach, Momo, wir müssen uns so viel erzählen, es ist ja so schrecklich viel passiert inzwischen. Wie geht es dir denn? So rede doch endlich! Und unser alter Beppo, was macht er? Ich hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Und die Kinder? Ach, weißt du, Momo, ich denke oft an die Zeit, als wir noch alle zusammen waren und ich euch Geschichten erzählt habe. Das waren schöne Zeiten. Aber jetzt ist alles anders, ganz, ganz anders.«
Momo hatte mehrmals versucht, auf Gigis Fragen zu antworten. Aber da er seinen Redestrom nicht unterbrach, wartete sie einfach ab und schaute ihn an. Er sah anders aus als früher, so schön gepflegt und er duftete gut. Aber irgendwie war er ihr seltsam fremd.
Inzwischen waren aus dem Auto noch vier andere Personen ausgestiegen und herangekommen: ein Mann in einer ledernen Chauffeursuniform und drei Damen mit strengen, aber stark geschminkten Gesichtern.
»Hat das Kind sich verletzt?«, fragte die eine, eher vorwurfsvoll als besorgt.
»Nein, nein, keine Spur«, versicherte Gigi,»es hat sich nur erschreckt.«
»Was lungert es aber auch vor dem Tor herum!«, sagte die zweite Dame.
»Aber das ist doch Momo!«, rief Gigi lachend.»Meine alte Freundin Momo ist das!«
»Ach, dieses Mädchen gibt es also wirklich?«, fragte die dritte Dame erstaunt.»Ich hatte es immer für eine Ihrer Erfindungen gehalten. - Aber das könnten wir doch gleich an Presse und Rundfunk geben!»Wiedersehen mit der Märchenprinzessin«oder so, das wird bei den Leuten fabelhaft ankommen! Ich werde das sofort veranlassen. Das wird der Knüller!«
»Nein«, sagte Gigi,»das möchte ich eigentlich nicht.«
»Aber du, Kleine«, wandte sich die erste Dame nun an Momo und lächelte,»du möchtest doch bestimmt gern in der Zeitung stehen, nicht wahr?«
»Lassen Sie das Kind in Ruhe!«, sagte Gigi ärgerlich.
Die weite Dame warf einen Blick auf ihre Armbanduhr.»Wenn wir nicht mächtig auf die Tube drücken, dann fliegt uns das Flugzeug wirklich noch vor der Nase weg. Sie wissen ja selbst, was das bedeuten würde.«
»Mein Gott«, antwortete Gigi nervös,»kann ich denn nicht mal mehr mit Momo in Ruhe ein paar Worte wechseln nach so langer Zeit! Aber du siehst ja selbst, Kind, sie lassen mich nicht, diese Sklaventreiber, sie lassen mich nicht!«
»Oh«, versetzte die zweite Dame spitz,»uns ist das völlig gleich. Wir erledigen nur unseren Job. Wir werden von Ihnen dafür bezahlt, dass wir Ihre Termine organisieren, verehrter Meister.«
»Ja natürlich, natürlich!«, lenkte Gigi ein.»Also fahren wir schon! Weißt du was, Momo? Du fährst einfach mit zum Flugplatz. Dann können wir unterwegs reden. Und mein Fahrer bringt dich anschließend nach Hause, einverstanden?«
Er wartete nicht ab, was Momo dazu sagen würde, sondern zog sie an der Hand hinter sich her zum Auto. Die drei Damen nahmen auf dem Rücksitz Platz. Gigi setzte sich neben den Fahrer und nahm Momo auf den Schoß. Und ab ging die Fahrt.
»Also«, sagte Gigi,»und jetzt erzähle, Momo! Aber hübsch der Reihe nach. Wieso bist du damals so plötzlich verschwunden?«
Momo wollte eben anfangen, von Meister Hora und den Stunden-Blumen zu erzählen, als sich eine der Damen nach vorn beugte.
»Entschuldigung«, sagte sie,»aber mir kommt gerade eine fabelhafte Idee. Wir sollten Momo unbedingt der Public-Film-Gesellschaft vorfuhren. Sie wäre doch haargenau der neue Kinderstar für Ihre Vagabunden-Story, die als Nächstes gedreht wird. Stellen Sie sich die Sensation vor! Momo spielt Momo!«
»Haben Sie nicht verstanden?«, fragte Gigi scharf.»Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie das Kind da hineinziehen!«
»Ich weiß wirklich nicht, was Sie wollen«, entgegnete die Dame gekränkt.»Jeder andere würde sich die Finger ablecken nach einer solchen Gelegenheit.«
»Ich bin nicht jeder andere!«, schrie Gigi plötzlich wütend. Und zu Momo gewandt fügte er hinzu:»Entschuldige, Momo, du kannst das vielleicht nicht verstehen, aber ich will einfach nicht, dass dieses Pack auch dich noch in die Finger kriegt.«
Nun waren alle drei Damen beleidigt.
Gigi griff sich stöhnend an den Kopf, dann holte er ein silbernes Döschen aus seiner Westentasche, nahm eine Pille heraus und schluckte sie.
Ein paar Minuten lang sagte niemand mehr etwas.
Schließlich drehte sich Gigi nach hinten zu den Damen.»Verzeihen Sie«, murmelte er abgekämpft, »Sie hab ich nicht gemeint. Ich bin einfach mit den Nerven fertig.«
»Na ja, das kennt man ja allmählich schon«, antwortete die erste Dame.
»Und nun«, fuhr Gigi fort und lächelte Momo etwas schief an,»wollen wir nur noch von uns reden, Momo.«
»Nur eine Frage noch, ehe es zu spät ist«, mischte sich nun die zweite Dame dazwischen.»Wir sind nämlich gleich da. Könnten Sie mich nicht wenigstens rasch ein Interview mit dem Kind machen lassen?«
»Schluss!«, brüllte Gigi, aufs Äußerste gereizt. »Ich will jetzt mit Momo reden und zwar privat! Das ist wichtig für mich! Wie oft soll ich Ihnen das noch erklären?«
»Sie selbst werfen mir doch dauernd vor«, erwiderte die Dame nun ebenfalls wütend,»dass ich nicht genügend wirkungsvolle Reklame für Sie mache!«
»Richtig!«, stöhnte Gigi.»Aber nicht jetzt! Nicht jetzt!«
»Sehr schade!«, meinte die Dame.»So was würde bei den Leuten auf Tränendrüsen drücken. Aber wie Sie wollen. Vielleicht können wir's ja auch später machen, wenn wir…«