Momo oderDie seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Momo oderDie seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte». Краткое содержание книги:
»Nein!«, fuhr ihr Gigi in die Rede.»Nicht jetzt und nicht später, sondern überhaupt nicht. Und jetzt halten Sie gefälligst Ihren Mund, während ich mit Momo rede!«
»Na, erlauben Sie mal!«, antwortete die Dame ebenso heftig.»Schließlich geht's ja um Ihre Publicity, nicht um meine! Sie sollten es sich gut überlegen, ob Sie sich's zurzeit leisten können, eine solche Gelegenheit auszulassen!«
»Nein«, schrie Gigi verzweifelt,»ich kann es mir nicht leisten! Aber Momo bleibt aus dem Spiel! Und jetzt - ich flehe Sie an! - lassen Sie uns beide für fünf Minuten in Ruhe!«
Die Damen schwiegen. Gigi fuhr sich mit der Hand erschöpft über die Augen.
»Da siehst du's nun - so weit ist es mit mir gekommen.«Er ließ ein kleines bitteres Lachen hören.»Ich kann nicht mehr zurück, selbst wenn ich wollte. Es ist vorbei mit mir.»Gigi bleibt Gigi!«- Erinnerst du dich noch? Aber Gigi ist nicht Gigi geblieben. Ich sage dir eines, Momo, das Gefährlichste, was es im Leben gibt, sind Wunschträume, die erfüllt werden. Jedenfalls, wenn es so geht wie bei mir. Für mich gibt's nichts mehr zu träumen. Ich könnte es auch bei euch nicht wieder lernen. Ich hab alles so satt.«
Er starrte trübe zum Wagenfenster hinaus.
»Das Einzige, was ich jetzt noch tun könnte, das wäre - den Mund halten, nichts mehr erzählen, verstummen, vielleicht für den Rest meines Lebens, oder doch wenigstens so lang, bis man mich vergessen hat und bis ich wieder ein unbekannter, armer Teufel bin.
Aber arm sein ohne Träume - nein, Momo, das ist die Hölle. Darum bleibe ich schon lieber, wo ich jetzt bin. Das ist zwar auch eine Hölle, aber wenigstens eine bequeme. - Ach, was rede ich da? Das kannst du natürlich alles nicht verstehen.«
Momo sah ihn nur an. Sie verstand vor allem, dass er krank war, todkrank. Sie ahnte, dass die grauen Herren dabei ihre Finger im Spiel hatten. Und sie wusste nicht, wie sie ihm hätte helfen können, wo er es doch selbst gar nicht wollte.
»Aber ich rede immerfort nur von mir«, sagte Gigi,»nun erzähle doch endlich mal, was du inzwischen erlebt hast, Momo!«
In diesem Augenblick hielt das Auto vor dem Flughafen. Sie stiegen alle aus und eilten in die Halle. Hier wurde Gigi bereits von uniformierten Stewardessen erwartet. Einige Zeitungsreporter knipsten ihn und stellten ihm Fragen. Aber die Stewardessen drängten ihn, weil das Flugzeug in wenigen Minuten starten würde.
Gigi beugte sich zu Momo herunter und sah sie an. Und plötzlich hatte er Tränen in den Augen.
»Hör zu, Momo«, sagte er so leise, dass die Umstehenden es nicht hören konnten,»bleib bei mir! Ich nehme dich mit auf diese Reise und überallhin. Du wohnst bei mir in meinem schönen Haus und gehst in Samt und Seide wie eine richtige kleine Prinzessin. Du sollst nur da sein und mir zuhören. Vielleicht fallen mir dann wieder wirkliche Geschichten ein, solche wie damals, weißt du? Du brauchst nur ja zu sagen, Momo, und alles kommt in Ordnung. Bitte, hilf mir!«
Momo wollte Gigi so gerne helfen. Das Herz tat ihr davon weh. Aber sie fühlte, dass es so nicht richtig war, dass er wieder Gigi werden musste und dass es ihm nichts helfen würde, wenn sie nicht mehr Momo wäre. Auch ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie schüttelte den Kopf.
Und Gigi verstand sie. Er nickte traurig, dann wurde er von den Damen, die er selbst dafür bezahlte, weggezogen. Er winkte noch einmal aus der Ferne, Momo winkte zurück und dann war er verschwunden.
Momo hatte während der ganzen Begegnung mit Gigi kein einziges Wort sagen können. Und sie hätte ihm doch so viel zu sagen gehabt.
Ihr war als hätte sie ihn dadurch, dass sie ihn gefunden hatte, nun erst wirklich verloren.
Langsam drehte sie sich um und ging dem Ausgang der Halle zu. Und plötzlich durchfuhr sie ein heißer Schreck: Auch Kassiopeia hatte sie verloren!
SECHZEHNTES KAPITEL
Die Not im Überfluss
»Also, wohin?«, fragte der Fahrer, als Momo sich wieder zu ihm in Gigis langes elegantes Auto setzte.
Das Mädchen starrte verstört vor sich hin. Was sollte sie ihm sagen? Wohin wollte sie denn eigentlich? Sie musste Kassiopeia suchen. Aber wo? Wo und wann hatte sie sie denn verloren? Bei der ganzen Fahrt mit Gigi war sie schon nicht mehr dabei gewesen, das wusste Momo ganz sicher.
Also vor Gigis Haus! Und nun fiel ihr auch ein, dass auf ihrem Rückenpanzer»lebewohl!«und»ich geh dich suchen«gestanden hatte. Natürlich hatte Kassiopeia vorher gewusst, dass sie sich gleich verlieren würden. Und nun ging sie also Momo suchen. Aber wo sollte Momo Kassiopeia suchen?
»Na, wird's bald?«, sagte der Chauffeur und trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad.»Ich habe noch was anderes zu tun, als dich spazieren zu fahren.«
»Zu Gigis Haus, bitte«, antwortete Momo.
Der Fahrer blickte etwas überrascht drein.»Ich denke, ich soll dich zu dir nach Hause bringen. Oder wirst du jetzt etwa bei uns wohnen?«
»Nein«, erwiderte Momo,»ich hab was auf der Straße verloren. Das muss ich jetzt suchen.«
Dem Fahrer war es recht, denn dorthin musste er ja sowieso. Als sie vor Gigis Villa ankamen, stieg Momo aus und begann sofort, alles ringsum abzusuchen.
»Kassiopeia!«, rief sie immer wieder leise,»Kassiopeia!«
»Was suchst du denn eigentlich?«, fragte der Fahrer aus dem Wagenfenster.
»Meister Horas Schildkröte«, antwortete Momo,»sie heißt Kassiopeia und weiß immer eine halbe Stunde die Zukunft voraus. Sie schreibt nämlich Buchstaben auf ihrem Rückenpanzer. Ich muss sie unbedingt wiederfinden. Hilfst du mir bitte?«
»Ich hab keine Zeit für dumme Witze!«, knurrte er und fuhr durch das Tor, das hinter dem Auto zufiel.
Momo suchte also allein. Sie suchte die ganze Straße ab, aber keine Kassiopeia war zu sehen.
»Vielleicht«, dachte Momo,»hat sie sich schon auf den Heimweg zum Amphitheater gemacht.«
Momo ging also den gleichen Weg, den sie gekommen war, langsam zurück. Dabei spähte sie in jede Mauerecke und suchte in jedem Straßengraben. Immer wieder rief sie den Namen der Schildkröte. Aber vergebens.
Tief in der Nacht erst kam Momo im alten Amphitheater an. Auch hier suchte sie sorgfältig alles ab, soweit es in der Dunkelheit möglich war. Sie hegte die zaghafte Hoffnung, dass die Schildkröte durch ein Wunder schon vor ihr nach Hause gekommen wäre. Aber das war ja natürlich gar nicht möglich, so langsam wie sie war.
Momo kroch in ihr Bett. Und nun war sie wirklich zum ersten Mal ganz allein.
Die nächsten Wochen verbrachte Momo damit, ziellos in der großen Stadt umherzuirren und Beppo Straßenkehrer zu suchen. Da niemand ihr etwas über seinen Verbleib sagen konnte, blieb ihr nur die verzweifelte Hoffnung, ihre Wege würden sich durch Zufall kreuzen. Aber freilich, in dieser riesengroßen Stadt war die Möglichkeit, dass zwei Menschen sich zufällig begegneten, so verschwindend gering wie die, dass eine Flaschenpost, die ein Schiffbrüchiger irgendwo im weiten Ozean m die Wellen wirft, von einem Fischerboot an einer fernen Küste aufgefischt wird.
Und doch, so sagte sich Momo, waren sie sich vielleicht ganz nah. Wer weiß, wie oft es geschah, dass sie just an einer Stelle vorüberkam, wo Beppo erst vor einer Stunde, einer Minute, ja vielleicht erst vor einem Augenblick gewesen war. Oder umgekehrt, wie oft mochte Beppo wohl kurz oder lang nach ihr über diesen Platz oder an diese Straßenecke kommen. Momo wartete deshalb oft an einer Stelle viele Stunden. Aber schließlich musste sie doch irgendwann weitergehen und so war es wieder möglich, dass sie sich nur um ein weniges verfehlten.